Echte Hundszunge - Cynoglossum officinale
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Cynoglossum officinale L. (syn. Cynoglossum clandestinum)
Die Echte Hundszunge besitzt heute keine anerkannte medizinische Anwendung. Wegen des Gehaltes an Pyrrolizidinalkaloiden ist eine innerliche Anwendung nicht zu empfehlen. Die frühere volksmedizinische Nutzung der Wurzel und des Krautes ist aus heutiger Sicht toxikologisch problematisch.




VORKOMMEN
Die Gewöhnliche Hundszunge wächst zerstreut, lokal aber auch häufig in sonnigen Unkrautfluren, an Schuttplätzen, Wegrändern, Ruderalstellen und in übernutzten Weiden. Sie bevorzugt eher trockene, nährstoffreiche Böden in sonniger Lage. Nach Ellenberg gilt sie als Lichtpflanze mit intermediär-kontinentaler Verbreitung, als Schwachbasen- und Stickstoffzeiger sowie als Art wärmebedürftiger Distelgesellschaften.
MERKMALE
Die Gewöhnliche Hundszunge ist eine zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen bis etwa 80 cm. Der kräftige Stängel ist kantig, locker zottig behaart und dicht beblättert. Die Pflanze besitzt einen auffälligen, unangenehmen Geruch, der in der Literatur oft als mäuseartig beschrieben wird.
Die Grundblätter sind rosettig gehäuft. Die Stängelblätter sind sitzend, stängelumfassend, beiderseits angedrückt behaart, graugrün und derb; die oberen Blätter sind lanzettlich und filzig behaart. Die zunächst dunkelvioletten, später braunroten Blüten sind trichterförmig. Die Blütenkronröhre ist durch Schlundschuppen verschlossen. Die reifen Teilfrüchte besitzen Widerhaken und haften leicht an Fell, Kleidung und anderen Oberflächen.
DROGEN
Historisch wurden vor allem die Wurzel und das Kraut verwendet: Cynoglossi radix (syn. Radix Cynoglossi), Hundszungenwurzel, sowie Herba Cynoglossi, Hundszungenkraut. Beide Drogen sind heute therapeutisch obsolet.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Hundszunge enthält Pyrrolizidinalkaloide, darunter Heliosupin, Echinatin, Cynoglossin, Consolidin und weitere Vertreter dieser Stoffgruppe. In älteren Angaben werden für die getrocknete Droge teils hohe Gesamtgehalte beschrieben. Die Toxizität bleibt auch in getrocknetem Pflanzenmaterial erhalten.
Weitere Inhaltsstoffe sind Allantoin, Gerbstoffe, Schleimstoffe und Fructane. Für die heutige Bewertung sind jedoch vor allem die Pyrrolizidinalkaloide entscheidend.

PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologische und toxikologische Bedeutung der Hundszunge wird durch Pyrrolizidinalkaloide bestimmt. Bestimmte 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide können in der Leber metabolisch aktiviert werden. Dabei entstehen reaktive Pyrrol-Metaboliten, die mit zellulären Makromolekülen reagieren und Leberschäden verursachen können.
Die Wirkung ist nicht als therapeutisch nutzbar zu verstehen, sondern als toxikologisches Risiko. Die Schädigung kann von der aufgenommenen Gesamtmenge, der Dauer der Exposition, der Empfindlichkeit der betroffenen Spezies und weiteren Faktoren abhängen. In tiermedizinischen Berichten wurden Vergiftungen insbesondere bei Pferden und Kälbern beschrieben.
EVIDENZ
Für eine medizinische Anwendung von Cynoglossum officinale gibt es keine belastbare moderne klinische Evidenz. Die frühere Anwendung als Antineuralgikum oder Wundmittel beruht auf traditioneller Überlieferung, nicht auf hochwertigen klinischen Studien.
Deutlich besser dokumentiert ist die toxikologische Relevanz. Die Art enthält Pyrrolizidinalkaloide; Vergiftungsberichte und experimentelle Untersuchungen belegen das Risiko bei Tieren. Zusammen mit der allgemeinen Bewertung 1,2-ungesättigter Pyrrolizidinalkaloide ergibt sich eine klare Schlussfolgerung: keine anerkannte Anwendung, keine innerliche Nutzung und keine sinnvolle Teedroge.
- PubMed – Untersuchung zur Toxizität von Cynoglossum officinale bei Kälbern; relevant für die Bewertung der Pyrrolizidinalkaloid-Toxizität.
- PubMed – Fallbericht zu Hundszungen-Vergiftung bei einem Kalb; die Pflanze wird als pyrrolizidinalkaloidhaltig und für Tiere toxisch beschrieben.
- PubMed – Bericht zu Cynoglossum officinale als Ursache einer Pyrrolizidinalkaloid-Vergiftung bei Pferden.
- PubMed – pathologische Untersuchung zur Progression der Hundszungen-Vergiftung bei Pferden.
- PubMed – Untersuchung zu Pyrrolizidinalkaloiden von Cynoglossum officinale als Abwehrstoffe gegen Herbivoren.
- BfR – Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln; beschreibt die gesundheitliche Relevanz dieser Stoffgruppe.
- EMA/HMPC – wissenschaftliche Leitlinie zur Verwendung pflanzlicher Arzneimittel mit toxischen, ungesättigten Pyrrolizidinalkaloiden.
ANWENDUNG
Volkstümlich wurde die Hundszungenwurzel innerlich und äusserlich als sogenanntes Antineuralgikum sowie äusserlich als Wundmittel verwendet. Auch das Kraut (Herba Cynoglossi) wurde früher ähnlich genutzt. Solche Anwendungen sind historisch, aber nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.
Eine Anwendung bei Wunden, Tumoren oder Schmerzen ist heute nicht zu empfehlen. Besonders problematisch ist die innerliche Einnahme, da eine sichere Dosierung wegen Pyrrolizidinalkaloiden nicht ableitbar ist.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eine Zubereitung als Tee, Tinktur, Pulver, Extrakt oder Salbe ist nicht zu empfehlen. Für Hundszungenwurzel und Hundszungenkraut besteht keine anerkannte Dosierung.
Wegen der Toxizität der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide sollte die Droge therapeutisch nicht genutzt werden. Frühere Anwendungen sind als obsolet zu betrachten.
SICHERHEIT
Die Hundszunge ist als pyrrolizidinalkaloidhaltige Giftpflanze zu bewerten. Von einer innerlichen Anwendung ist abzuraten. Dies gilt besonders für Kinder, Schwangere, Stillende, Personen mit Lebererkrankungen und für jede wiederholte oder länger dauernde Anwendung.
Auch äusserliche Anwendungen auf geschädigter Haut sind nicht sinnvoll, da keine belastbare Wirksamkeit belegt ist und eine Exposition gegenüber problematischen Inhaltsstoffen vermieden werden sollte. Getrocknetes Pflanzenmaterial bleibt toxikologisch relevant.
STATUS
Giftpflanze.
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
HUNDSZUNGE IM GARTEN
Die Hundszunge liebt sonnige bis vollsonnige Standorte. Sandige, leicht saure und stark durchlässige Böden sind gut geeignet; die Pflanze begnügt sich aber auch mit normalem, nicht zu nassem Gartenboden. Sie kann sich durch ihre klettenden Früchte von selbst verbreiten.
Als einheimische Wildpflanze mit dunkelviolett-purpurnen Blüten kann sie in naturnahen Gärten reizvoll sein. Andere Raublattgewächse wie Ochsenzunge, Borretsch, Beinwell und Natternkopf sind passende Begleitpflanzen. Die Pflanze sollte jedoch nicht als Arznei- oder Teepflanze genutzt werden.
SONSTIGES
Der botanische und deutsche Name Hundszunge bezieht sich auf die langen, zungenförmigen Blätter, die an eine heraushängende Hundezunge erinnern. Die rauen, klettenden Früchte haften leicht an Tieren und Kleidung und tragen so zur Ausbreitung der Pflanze bei.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Natternkopf (Echium vulgare) – verwandtes Raublattgewächs mit Pyrrolizidinalkaloiden und ohne anerkannte medizinische Anwendung.
- Beinwell (Symphytum officinale) – Raublattgewächs mit Allantoin und toxikologisch relevanten Pyrrolizidinalkaloiden.
- Borretsch (Borago officinalis) – traditionell genutzte Boraginaceae-Art, wegen Pyrrolizidinalkaloiden kritisch zu bewerten.
- Ochsenzunge (Anchusa officinalis) – historisch verwendete Boraginaceae-Art mit begrenzter heutiger Bedeutung.
FAQ
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Ist die Hundszunge eine anerkannte Heilpflanze?
Nein. Cynoglossum officinale besitzt heute keine anerkannte medizinische Anwendung. -
Warum gilt die Hundszunge als Giftpflanze?
Sie enthält Pyrrolizidinalkaloide. Bestimmte Vertreter dieser Stoffgruppe können die Leber schädigen und gelten toxikologisch als problematisch. -
Kann Hundszunge als Tee verwendet werden?
Nein. Eine Anwendung als Tee, Tinktur, Pulver oder Extrakt ist wegen der Pyrrolizidinalkaloide nicht zu empfehlen. -
Ist die Hundszunge für den Garten geeignet?
Ja, als Wild- und Zierpflanze kann sie in naturnahen Gärten wachsen. Sie sollte jedoch nicht als Arzneipflanze genutzt werden.
Letzte Änderung: 27.04.2026 / © W. Arnold




