Senna - Senna alexandrina
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Zubereitungen aus den Blättern und Früchten von Senna alexandrina haben abführende Eigenschaften und werden zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung eingesetzt. Senna gehört zu den stimulierenden Laxanzien und soll ohne ärztlichen Rat nicht länger als 1 bis 2 Wochen angewendet werden.
Senna alexandrina (syn. Cassia angustifolia, Cassia ligustrina, Cassia medica, Cassia medicinalis, Senna officinalis, Senna angustifolia)
Tinnevelly-Senna (syn. Indische Cassie, Indische Senna).


VORKOMMEN
Senna stammt aus warmen Gebieten Nordostafrikas und der arabischen Halbinsel. Wichtige Herkunfts- und Anbaugebiete liegen in Ostafrika, Somalia, Arabien und Südindien. Klassisch erwähnt werden die Regionen Tinnevelly, Ramnad, Madura und Trichonopoly in Südindien; kleinere Anbaugebiete wurden auch bei Bombay und Madras beschrieben. Senna wird zudem in weiteren warmen Regionen kultiviert.
MERKMALE
Senna ist ein bis etwa 2 m hoher Strauch. Die Blätter sind fünf- bis neunpaarig gefiedert; die Blattspindel ist 7 bis 14 cm lang. Die Blättchen sind lineallanzettlich, 1 bis 6 cm lang und 0,3 bis 2 cm breit. Die Blütenstände sind blattachselständige, aufrechte Trauben mit zahlreichen gestielten Blüten. Es sind fünf Kelchblätter vorhanden, die eiförmig-lanzettlich und dachziegelig angeordnet sind. Die fünf Kronblätter sind gelb und braun geadert. Die Hülsen sind flach, etwas nierenförmig, 15 bis 17 mm breit und 4 bis 5,5 cm lang.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Sennae folium (syn. Cassiae folium, Folia Sennae, Folium Sennae) – die getrockneten Fiederblätter.
Sennae fructus (syn. Folliculi Sennae, Fructus Sennae) – die getrockneten Früchte beziehungsweise Sennesschoten.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die lebenden Pflanzen enthalten Anthrachinonglucoside wie Rhein-8-glucosid und Aloeemodin-8-glucosid sowie deren Anthronformen. Die für die Drogen typischen Dianthronglucoside, also die Sennoside, entstehen in grösserem Ausmass erst nach der Ernte während des Trocknungsprozesses. Sowohl Blätter als auch Früchte enthalten Dianthronglykoside (etwa 3 %), darunter die Sennoside A und B, ferner Anthrachinonglykoside wie die 8-Glykoside von Aloe-Emodin und Rhein, dazu Schleimstoffe und Flavonoide, darunter Kämpferolderivate.

PHARMAKOLOGIE
1,8-Dihydroxyanthracenderivate haben einen laxierenden Effekt. Dieser beruht bei den Sennosiden beziehungsweise ihrem aktiven Metaboliten Rheinanthron vor allem auf einer Beeinflussung der Colonmotilität: stationäre Kontraktionen werden gehemmt, propulsive Kontraktionen stimuliert. Daraus resultieren eine beschleunigte Darmpassage und wegen der verkürzten Kontaktzeit eine verminderte Flüssigkeitsresorption. Zusätzlich werden durch Stimulierung der aktiven Chloridsekretion Wasser und Elektrolyte sezerniert.
Die β-glykosidisch gebundenen Glykoside sind Prodrugs. Sie werden im oberen Magen-Darm-Trakt weder gespalten noch resorbiert, sondern erst im Dickdarm durch bakterielle Enzyme in Rheinanthron abgebaut. Rheinanthron ist der laxative Metabolit. Die systemische Verfügbarkeit ist gering; ein grosser Teil wird im Stuhl ausgeschieden.
EVIDENZ
Zusammenfassung: Sennesblätter und Sennesfrüchte sind als pflanzliche stimulierende Laxanzien gut etabliert. Die regulatorisch wichtigste Evidenzgrundlage bilden die HMPC/EMA-Monographien für Sennae folium und Sennae fructus. Die Anwendung ist auf die kurzfristige Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung beschränkt.
- HMPC / EMA: Sennae folium – Monographie vorhanden; Sennesblätter sind für die kurzfristige Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung beschrieben.
- HMPC / EMA: Sennae fructus – Monographie vorhanden; auch Sennesfrüchte sind für die kurzfristige Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung beschrieben.
- ESCOP – Monographie vorhanden; Senna ist als stimulierendes pflanzliches Laxans pharmakologisch und klinisch seit langem etabliert.
- Rao et al. 2021 – Übersichtsarbeit zu rezeptfreien Therapien bei chronischer Obstipation; Senna gehört zu den gut belegten laxierenden Optionen, wobei die Anwendung klinisch vor allem als kurzfristige Behandlung gedacht ist.
- Morishita et al. 2021 – randomisierte Studie; Senna verbesserte Stuhlfrequenz und Lebensqualität bei Obstipation, bestätigt also die klinische Wirksamkeit als Laxans.
- Sicherheit: Längere oder missbräuchliche Anwendung kann zu abdominalen Krämpfen, Durchfällen, Kaliumverlusten und laxanzienbedingter Abhängigkeit führen. Die Anwendung soll deshalb nur kurzzeitig erfolgen.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung:
Kommission E: bei Verstopfung.
ESCOP: zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung.
HMPC / EMA: Sennae folium – Monographie vorhanden; Anwendung bei kurzfristiger Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung.
HMPC / EMA: Sennae fructus – Monographie vorhanden; Anwendung bei kurzfristiger Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung.
Als Abführmittel werden Sennesblätter und Sennesfrüchte wegen ihrer Sennoside verwendet. Die Droge wirkt im Dickdarm nach bakterieller Umwandlung der Glykoside zu Rheinanthron. Senna gehört zu den klassischen stimulierenden Laxanzien.
Kombinationspräparate mit anderen laxierenden oder karminativen Drogen sind traditionell gebräuchlich. Pharmakologisch steht jedoch die abführende Wirkung der anthranoid-haltigen Senna-Drogen im Vordergrund.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Verwendet werden geschnittene Droge, Drogenpulver oder Trockenextrakte für Aufgüsse, Abkochungen, Mazerate sowie flüssige oder feste Darreichungsformen zur Einnahme.
Soweit nicht anders verordnet: 20 bis 30 mg Hydroxyanthracenderivate pro Tag, berechnet als Sennosid B. Die individuell richtige Dosierung ist die geringste, die erforderlich ist, um einen weich geformten Stuhl zu erhalten.
Diese Dosierung kann durch etwa 0,75 bis 1,5 g fein geschnittene Sennesblätter oder Sennesfrüchte erreicht werden. Für die Teebereitung werden etwa 150 mL heisses, nicht siedendes Wasser verwendet; nach 10 bis 20 Minuten wird abgeseiht.
Senna soll ohne ärztlichen Rat nicht länger als 1 bis 2 Wochen angewendet werden. Kinder unter 12 Jahren, Schwangerschaft, Stillzeit, Darmverschluss, entzündliche Darmerkrankungen und unklare Bauchschmerzen gelten als wichtige Gegenanzeigen beziehungsweise Ausschlussgründe.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: Monographie vorhanden
- HMPC / EMA: Sennae folium – Monographie vorhanden
- HMPC / EMA: Sennae fructus – Monographie vorhanden
SENNA IM GARTEN
Senna alexandrina kann als Kübelpflanze relativ leicht kultiviert werden. Die Pflanze benötigt viel Wärme und einen sehr durchlässigen Boden. Überwintert wird sie möglichst hell bei etwa 5 °C bis 18 °C. Wie bei anderen Kübelpflanzen ist die Balance zwischen Licht und Temperatur wichtig. Ab dem Spätfrühling kann sie in den Garten oder auf die Terrasse gestellt werden.
SONSTIGES
Senna wurde bereits früh medizinisch verwendet. Historisch standen unterschiedliche Indikationen im Vordergrund; in der neueren Phytotherapie setzte sich jedoch klar die Anwendung als Abführmittel durch. Heute ist Senna eine klassisch definierte Arzneidroge mit standardisierten Anforderungen an Qualität, Dosierung und Dauer der Anwendung.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Aloe barbadensis – anthranoid-haltige Arzneidroge mit kurzfristiger Anwendung bei Verstopfung.
- Frangula alnus – Faulbaumrinde als klassisches pflanzliches Laxans.
- Rheum palmatum – ebenfalls anthranoid-haltige Droge mit laxierender Wirkung.
FAQ
- Wofür wird Senna verwendet?
Senna wird zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung verwendet. - Wie wirkt Senna?
Die Sennoside werden im Dickdarm bakteriell in den aktiven Metaboliten Rheinanthron umgewandelt, der die Darmmotilität steigert und die Flüssigkeitssekretion erhöht. - Darf Senna länger eingenommen werden?
Nein. Ohne ärztlichen Rat soll Senna nicht länger als 1 bis 2 Wochen eingenommen werden. - Ist Senna für Kinder geeignet?
Für Kinder unter 12 Jahren ist Senna nach HMPC-Monographien kontraindiziert.
Letzte Änderung: 06.04.2026 / © W. Arnold




