Schwarzer Nachtschatten - Solanum nigrum

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Nachtschatten im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) ist eine toxikologisch relevante Nachtschattenpflanze. Das Kraut wurde traditionell innerlich und äusserlich verwendet, besitzt jedoch keine anerkannte medizinische Anwendung nach Kommission E, ESCOP oder HMPC. Wegen schwankender Gehalte an Steroid-Glycoalkaloiden ist eine Selbstanwendung nicht zu empfehlen.

Solanum nigrum L. (syn. Solanum alpinum, S. vulgare);
Schwarzer Nachtschatten (syn. Giftbeere, Hundsbeere, Hühnertod, Saukraut, Sautod).

Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum) mit Blüten und schwarzen Beeren

Einzelpflanze des Schwarzen Nachtschattens (Solanum nigrum)

Mehrere Pflanzen des Schwarzen Nachtschattens (Solanum nigrum)

VORKOMMEN

Der Schwarze Nachtschatten kommt in gemässigten und warmen Zonen vor und ist in Mitteleuropa häufig. Als ursprüngliches Herkunftsgebiet wird häufig der Mittelmeerraum angegeben; heute ist die Art in vielen Regionen der Welt eingebürgert oder verbreitet.

Den Schwarzen Nachtschatten findet man an Wegrändern, in Gärten, auf Äckern, an Ruderalstellen, in Schuttfluren und auf nährstoffreichen Böden. Die Art profitiert von offenen, gestörten Standorten und tritt oft als Acker- oder Gartenbegleitpflanze auf.

MERKMALE

Solanum nigrum ist eine einjährige, krautige Pflanze, die meist 20 bis 75 cm hoch wird. Die Stängel sind verzweigt, grün bis dunkelgrün und können kahl oder leicht behaart sein. Die Blätter sind gestielt, eiförmig bis breit lanzettlich, zugespitzt und meist dunkelgrün.

Die Blüten sind klein, weiss und besitzen gelbe Staubblätter. Sie stehen in doldenartigen Wickeln. Die Beeren sind etwa erbsengross, zunächst grün und später meist glänzend schwarz. Die Blütezeit reicht in Mitteleuropa häufig von Juli bis Oktober; die Beeren erscheinen meist von Spätsommer bis Herbst.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Als traditionelle Droge wird Solani nigri herba (syn. Herba Solani nigri) beschrieben, das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut des Schwarzen Nachtschattens. Eine moderne, allgemein anerkannte arzneiliche Verwendung dieser Droge besteht jedoch nicht.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Der Schwarze Nachtschatten enthält Steroid-Glycoalkaloide, darunter Solanin, Solasonin, Solamargin und Chaconin. Die Zusammensetzung und die Konzentration dieser Stoffe können je nach Pflanzenteil, Reifezustand, Sippe, Standort und Entwicklungsstadium stark schwanken.

Besonders unreife grüne Beeren und grüne Pflanzenteile können relevante Glycoalkaloidgehalte aufweisen. Reife schwarze Beeren bestimmter Sippen können deutlich geringere Alkaloidgehalte besitzen; eine sichere Beurteilung ist jedoch ohne genaue Kenntnis der Sippe und der Inhaltsstoffzusammensetzung nicht möglich.

Solasodin ist ein Steroidalkaloid der Spirosolan-Gruppe und diente historisch als Ausgangsstoff für die industrielle Gewinnung von Steroidhormonen. Die toxikologische Bedeutung der Pflanze beruht vor allem auf den membranaktiven und reizenden Eigenschaften steroidaler Glycoalkaloide.

Strukturformeln von Solanin und Solasodin als Inhaltsstoffe von Solanum nigrum

PHARMAKOLOGIE

Für Inhaltsstoffe von Solanum nigrum, insbesondere steroidale Glycoalkaloide und Saponine, wurden in experimentellen Untersuchungen verschiedene biologische Aktivitäten beschrieben. Dazu gehören zelltoxische, entzündungsmodulierende, antimikrobielle und weitere pharmakologische Effekte.

Diese Befunde stammen überwiegend aus Labor- und Tiermodellen. Sie erklären, weshalb die Pflanze pharmakologisch interessant ist, belegen aber keine sichere und wirksame Selbstmedikation. Bei Solanum nigrum steht die toxikologische Bewertung im Vordergrund, weil Wirksamkeit und Giftigkeit in engem Zusammenhang mit schwankenden Glycoalkaloidgehalten stehen.

EVIDENZ

Die medizinische Evidenz für Solanum nigrum ist begrenzt. Die Pflanze ist in verschiedenen Medizinsystemen und in der Volksheilkunde beschrieben, doch fehlen belastbare klinische Studien, die eine sichere und wirksame Anwendung als Arzneipflanze ausreichend belegen.

Experimentelle Arbeiten bestätigen, dass Inhaltsstoffe der Pflanze biologisch aktiv sind. Diese pharmakologischen Hinweise reichen jedoch nicht aus, um eine therapeutische Anwendung zu empfehlen. Für die praktische Bewertung überwiegen wegen der möglichen Alkaloidtoxizität die Sicherheitsbedenken.

  • Regulatorische Bewertung: Für Solanum nigrum besteht keine anerkannte Monographie von Kommission E, ESCOP oder HMPC.
  • Glycoalkaloide und Bioaktivität: Arbeiten zu steroidalen Glycoalkaloiden aus Solanum-Arten zeigen pharmakologische Aktivität, ersetzen aber keine klinische Nutzen-Risiko-Bewertung für Solanum nigrum. PMC
  • Inhaltsstoffe von Solanum nigrum: Neuere phytochemische Untersuchungen beschreiben weitere Solasodin-Typ- Glycoalkaloide aus der Pflanze. PubMed
  • Toxikologische Relevanz: Experimentelle Studien mit Extrakten und Glycoalkaloiden aus Solanum nigrum zeigen biologische Effekte, die die Vorsicht bei unkontrollierter Anwendung unterstützen. PMC

ANWENDUNG

In der Volksheilkunde wurde Schwarzes Nachtschattenkraut innerlich gegen Magen- und Blasenkrämpfe sowie gegen Keuchhusten verwendet. Äusserlich wurden Zubereitungen bei Ekzemen, nässenden Flechten, Juckreiz, Hämorrhoiden, Schrunden, Prellungen und Abszessen beschrieben.

In der ayurvedischen Medizin wird Schwarzer Nachtschatten traditionell im Zusammenhang mit Leberbeschwerden erwähnt, teilweise in Kombination mit anderen Pflanzen wie Wegwarte, Senna und Schafgarbe.

Diese traditionellen Anwendungen sind medizinisch nicht ausreichend belegt. Wegen der möglichen Giftigkeit und der starken Schwankungen im Alkaloidgehalt ist eine innerliche Selbstanwendung nicht zu empfehlen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Historisch wurden äusserlich Abkochungen des Krautes für Waschungen, Kompressen und Spülungen beschrieben. Solche Angaben sind heute zurückhaltend zu bewerten, weil die Droge nicht standardisiert ist und der Alkaloidgehalt stark schwanken kann.

Eine innerliche Dosierung wird nicht empfohlen. Frühere Angaben zu Fluidextrakten oder Teezubereitungen sind wegen der Toxizität und der fehlenden modernen Nutzen-Risiko-Bewertung nicht als Empfehlung für die Selbstmedikation geeignet.

SICHERHEIT

Der Schwarze Nachtschatten ist eine Giftpflanze. Die Giftigkeit hängt stark von Pflanzenteil, Reifegrad, Sippe und Standort ab. Besonders unreife grüne Beeren, grüne Pflanzenteile und nicht geprüfte Zubereitungen sind toxikologisch relevant.

Mögliche Vergiftungssymptome nach Aufnahme glycoalkaloidhaltiger Pflanzenteile sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Schleimhautreizung, Benommenheit, Verwirrtheit, Kreislaufbeschwerden und neurologische Symptome. Kinder sind besonders gefährdet.

  • Keine innerliche Selbstanwendung.
  • Nicht bei Kindern anwenden.
  • Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.
  • Unreife Beeren und grüne Pflanzenteile nicht verzehren.
  • Bei Verdacht auf Vergiftung ärztliche Hilfe oder eine Giftinformationsstelle kontaktieren.
  • Keine Anwendung auf offenen, stark entzündeten oder grossflächig geschädigten Hautarealen.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden.
  • HMPC: keine Monographie vorhanden.

NACHTSCHATTEN IM GARTEN

Für viele Gartenbesitzer ist der Schwarze Nachtschatten ein unerwünschtes Beikraut. Botanisch ist er jedoch eine interessante, wenn auch giftige Solanaceae-Art. Die Pflanze liebt Wärme, wächst gerne an sonnigen Standorten und bevorzugt nährstoffreiche, eher lehmige Böden.

Der Schwarze Nachtschatten ist einjährig und nicht winterhart. Er kann sich durch Samen vermehren, bildet aber nicht in jedem Garten eine stabile Population. Wegen der giftigen unreifen Beeren sollte die Pflanze nicht in Bereichen stehen, die für kleine Kinder leicht zugänglich sind.

Schwarzer Nachtschatten mit Blüten und Beeren

SONSTIGES

Die Toxizität des Schwarzen Nachtschattens steht scheinbar im Widerspruch dazu, dass die Pflanze früher in Europa und heute noch in verschiedenen tropischen Regionen als Gemüse- oder Wildpflanze genutzt wurde. Diese unterschiedliche Bewertung hängt vermutlich mit chemisch unterschiedlichen Sippen, unterschiedlichen Pflanzenteilen, Reifegraden und Zubereitungsweisen zusammen.

Für Heilpflanzenzwecke ist diese Variabilität problematisch. Ohne genaue botanische und phytochemische Kontrolle lässt sich die Sicherheit nicht zuverlässig beurteilen. Der Schwarze Nachtschatten sollte deshalb in der Selbstmedikation nicht verwendet werden.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Bittersüsser Nachtschatten (Solanum dulcamara) – verwandte Nachtschattenpflanze mit Steroidalkaloiden und traditioneller äusserlicher Anwendung bei chronischem Ekzem.

FAQ

  • Ist Schwarzer Nachtschatten eine anerkannte Heilpflanze?
    Nein. Für Solanum nigrum besteht keine anerkannte Monographie von Kommission E, ESCOP oder HMPC.
  • Ist Schwarzer Nachtschatten giftig?
    Ja. Die Pflanze enthält Steroid-Glycoalkaloide. Besonders unreife Beeren und grüne Pflanzenteile sind problematisch.
  • Darf man die Beeren essen?
    Wegen der variablen Alkaloidgehalte und der Verwechslungs- bzw. Vergiftungsgefahr ist vom Verzehr abzuraten, besonders bei Kindern.
  • Wurde die Pflanze früher medizinisch verwendet?
    Ja. Volksmedizinisch wurde sie innerlich und äusserlich verwendet, die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend belegt.
  • Ist eine innerliche Anwendung sinnvoll?
    Nein. Eine innerliche Selbstanwendung ist wegen der möglichen Giftigkeit und fehlender moderner Nutzen-Risiko-Bewertung nicht zu empfehlen.

Letzte Änderung: 12.05.2026 / © W. Arnold