Grosse Brennessel - Urtica dioica

Urtica dioica (syn. Urtica major, Urtica urens maxima);
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Grosse Brennessel (syn. Haarnessel, Nesselkraut, Scharfnessel).

Brennessel

Grosse Brennnessel - Urtica dioica

Grosse Brennessel

Die kleine Brennessel - Urtica urens

Kleine Brennessel - Urtica urens

VORKOMMEN

Die Grosse Brennessel wurde früher vielseitig verwendet. Junges Kraut - es nesselt noch nicht - wurde als Wildgemüse verzehrt. Aus den Bastfasern der Brennesselstengel lassen sich brauchbare Tuche herstellen. Die Grosse Brennessel ist bei uns sehr häufig. Sie wächst auf stickstoffreichen Böden in Wäldern, Gebüschen und auf Schuttplätzen. Die ursprünglichen Vorkommen der Grossen Brennessel sind auf Ufersäume und Auwaldlichtungen beschränkt. Heute ist die Pflanze überall auf der Nordhalbkugel heimisch.
Im Gegensatz zu der häufigen Grossen Brennessel ist die Kleine Brennessel in den letzten Jahren in ihrem Bestand stark zurückgegangen. Mit der Asphaltierung der Hofplätze und Dorfstrassen sind geeignete Standorte weitgehend verschwunden.

MERKMALE

Die Grosse Brennnessel ist eine mehrjährige, zweihäusige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 70 bis 150 Zentimetern. Aus dem kriechenden Wurzelstock treiben zahlreiche aufrechte, beblätterte Stängel aus. Die ganze Pflanze ist von Brennhaaren bedeckt. Im Sommer entwickeln sich in den oberen Blattachseln Rispen mit winzigen, weisslichen Blüten. Die Blüten sind auf weibliche und männliche Pflanzen verteilt. Die weiblichen Blütenstände hängen nach der Befruchtung nach unten. Die männlichen Blütenstände sind aufwärts oder horizontal gerichtet. Die Blüte hat vier Blütenhüllblätter und vier Staubblätter. Jede Blüte hat vier ungleiche Blütenhüllblätter. Wenn man die Blätter der Grossen Brennessel berührt, brechen die Spitzen der Brennhaare ab, und ein scharf brennender Stoff wird frei. Eine winzige Menge dieses Stoffes aus einem Brennhaar genügt, um auf der Haut des Menschen die bekannten Nesselquaddeln hervorzurufen.
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Nicht verwechseln mit den Taubnesseln.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Urticae folium (syn. Urticae herba, Herba Urticae); Brennesselblätter, Brennesselkraut (syn. Hanfnesselkraut).
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2. Urticae radix (syn. Radix Urticae, Rhizoma Urticae); Brennesselwurzel (syn. Nesselwurzel), die getrockneten Rhizome und Wurzeln.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Urticae folium:

Anorganische Verbindungen: Im getrocknetem Kraut bis ca. 20 % Mineralstoffe. Der Kieselsäuregehalt in den Blättern bis zu 4,8 % Si02.

Flavonoide: 1 bis 2 % (Quercetin-, Kämpferolglykoside).

Organische Säuren: Unter anderm Äpfelsäure, Allantoinsäure, Ameisensäure, Bernsteinsäure, Buttersäu­re, Chinasäure, Citronensäure, p-Cumarsäure, Essigsäure. Nur in der Grossen Brennessel ist die Kaffeoyläpfelsäure zu finden.

Cumarine: Scopoletin (bis zu 10 mg/kg Droge).

Amine: In den Brennhaaren und dem frischem Blatt: Acetylcholin (ca. 20 mg/kg im frischen Blatt), Histamin (ca. 30 mg/kg im frischen Blatt), und Serotonin (= 5-Hydroxytryptamin). Cholin etwa 0.5 % in getrocknetem Kraut.

Triterpene: Oleanolsäure in den Blüten

Ätherisches Öl: Geringe Mengen, bestehend aus Estern und Ketonen und wenig freien Alkoholen. Charakteristisch sind Acetophenon und Methylheptenon.

Vitamine: In frischem Kraut bis zu 0,650 % Vitamin C. Im Weiteren Vitamine der B-Gruppe und Vitamin A.

Steroide: β-Sitosterol und β-Sitosterol-3-0-β-D-glucosid im ganzen Kraut.

Sonstige Verbindungen: Porphyrine, Carotinoide, wenig Nikotin, Proteine (bis zu 32 % in getrocknetem Kraut).

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2. Urticae radix: (siehe Urticae folium) - Die frische Wurzel enthält zusätzlich bis zu 0,3 % eines spezifischen Lektins, des sogenannten „Urtica dioica Agglutins“ (UDA). In der getrockneten Wurzel wurden 0.06 % gefunden. Im Weiteren wurden in der Wurzel Lignane (dimere Phenylpropane) gefunden.

Sitosterol

PHARMAKOLOGIE

Für die Blätter bzw. das Kraut ist bei innerer Anwendung ein leicht diuretischer Effekt belegt, innerlich wie äusserlich werden sie auch gegen rheumatische (antiphlogistische Wirkung) Erkrankungen eingesetzt.

Extrakte der Wurzel werden zur Linderung von Miktionsbeschwerden (Beschwerden bei der Blasenentleerung) in den Anfangsstadien der benignen Prostatahyperplasie verwendet; welcher der enthaltenen Wirkstoffe dafür verantwortlich ist, ist noch unklar. Neben den Phytosterolen sind an der Wirkung der Brennesselwurzel noch andere Inhaltsstoffe beteiligt. Beispielsweise sind Hemmstoffe der Aromatase (Oleanolsäure, Urolsäure u.w.) nachgewiesen worden. Die Aromatase katalysiert die Umwandlung von Androgenen in Estrogene, dies hat wahrscheinlich einen Einfluss auf die Entstehung der BPH.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen (Kommission E):

1. Urticae folium:

  • Anwendungsgebiete:
    Bei Einnahme und äusserer Anwendung:
    Zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden;
    Bei Einnahme:
    Zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Als Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengriess.
  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.

2. Urticae radix:

  • Wirkungen: Erhöhung des Miktionsvolumens; Erhöhung des maximalen Harnflusses; Erniedrigung der Restharnmenge.
  • Anwendungsgebiete: Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom Stadium I bis II. "Hinweis: Dieses Medikament bessert nur die Beschwerden bei einer vergrösserten Prostata ohne die Vergrösserung zu beheben. Bitte suchen Sie daher in regelmässigen Abständen Ihren Arzt auf".
  • Nebenwirkungen: Gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden.
  • Gegenanzeigen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.

In gleicher Weise äussert sich auch die ESCOP. Brennnesselblätter und Brennnesselwurzel wurden vom HMPC als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

In vielen Urulogika ist die Brennessel, oft in Kombination mit z.B. Birkenblätter, Bärentrauben, Hagebutten, Schachtelhalm, Goldrute, Hauhechel, Katzenbart und Ingwer zu finden.
Brennnesselwurzelextrakt ist, in Kombination mit Extrakten aus den Früchten der Sägepalme, in Form von Kapseln im Handel (Prostagutt F, Kapseln).

In der Volksmedizin und der Homöopathie existieren noch weitere Nutzungen, deren Wirkung unbelegt ist.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teeaufguss mit Brennesselblättern:
3 bis 4 mal täglich eine Tasse Brennnesselblättertee trinken; mittlere Tagesdosis 8 bis 12 g Droge.
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Teezubereitung mit Brennesselwurzel:
1,5 g zerkleinerte bzw. grob pulverisierte Brennesselwurzel mit kaltem Wasser ansetzen und zum Sieden erhitzen. Ungefähr 1 min im Sieden halten, und anschliessend 10 min bedeckt stehen lassen. Anschliessend wird durch ein feines Teesieb filtriert.
Tagesdosis: 4 bis 6 g zerkleinerte Brennesselwurzel für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Urtica dioica HAB 1; Grosse Brennnessel, die frische, blühende Pflanze.
Anwendungsgebiet: nicht ausreichend belegt.

BRENNESSEL IM GARTEN

Brennnesseln wachsen am besten auf nährstoffreichen, schweren, humosen und unkrautarmen Böden mit einem leicht alkalischen pH-Wert. Die Grosse Brennnessel wird mehrjährig angebaut, die Kleine Brennnessel einjährig. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung. Eine wenig begangene Ecke im Garten ist gut geeignet. Die Brennessel darf in keinem Naturgarten fehlen, schon wegen der vielen Schmetterlingen, die auf die Pflanze angewiesen sind.

Brennessel

SONSTIGES

Die Brennnessel ist, durch ihr schmerzhaftes Brennen beim Berühren der Pflanze, wohl allen Menschen bekannt . Der Gattungsname Urtica leitet sich vom lateinischen Wort urere für brennen ab. Zu der Gattung Brennnesseln (Urtica) gehören etwa 45 Arten. Kommt die Brennessel massenweise vor, ist das ein Zeiger für einen stickstoffreichen Boden. So ist die Brennessel oft als Ruderalpflanze auf früher besiedelten Stellen zu finden.

Letzte Änderung: 01.08.2017 / © W. Arnold