Katzenbart - Orthosiphon aristatus

Katzenbart

VORKOMMEN

Der echte Katzenbart stammt aus dem tropischen Asien und ist in den Buschwäldern Ostindiens, Indochinas, den Molukken und Indonesiens und ausserdem in Australien weit verbreitet. Auf Java, Sumatra, Georgien und in Vietnam wird Katzenbart kultiviert.

MERKMALE

Der Katzenbart ist eine 40 bis 80 cm hohe, krautige Pflanze. Der Stengel ist vierkantig und kahl bis behaart. Die Blätter sind etwa 75 mm lang, meist relativ kurz gestielt, eiförmig-lanzettlich mit unregelmässig gezähntem Rand. Die Blattoberseite ist bräunlichgrün, die Blattunterseite hell graugrün mit kräftig hervortretenden Blattnerven und drüsiger Punktierung. Die Blüten stehen zu sechst, seltener zu zehnt in endständigen Quirlen.Die Kelchröhre ist kurz, die Oberlippe bogenförmig aufrecht. Die Blütenkrone ist blau bis hellviolett, die Kronröhre ist ca. 2 cm lang, die Oberlippe ist breit mit drei Einschnitten, die Unterlippe ist schmal lanzettlich. Es sind vier, auffallend lange Staubblätter (bis zu 3 cm - daher Name Katzenbart) vorhanden.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Orthosiphonis folium (syn. Folia Orthosiphonis, Folia Orthosiphonis staminei); Orthosiphonblätter (syn. Indischer Nierentee, Javanischer Nierentee, Javatee), die getrockneten Blätter und Zweigspitzen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ätherisches Öl: Es wurden bis zu 0,06 % gefunden. Von den etwa 60 bisher isolierten Komponenten überwiegen die Sesquiterpene wie β-Caryophyllen, α-Humulen oder Caryophyllenepoxid.
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Methoxylierte Flavonoide: ungefähr 0,2 % hauptsächlich Sinensetin, im weiteren Eupatorin, Scutellareintetramethylether undSalvigenin. Flavonolglykoside sind nur in geringer Menge vorhanden.
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Saponine: Das Triterpensapogenin Hederagenin wurde nachgewiesen. Die Droge soll ca. 4,5 % Saponine enthalten.
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Kaffeesäurederivate: Im wesentlichen 2,3-Dicaffeoyltartrat neben 2-Caffeoyltartrat, Rosmarinsäure und anderen Kaffeesäurederivaten.
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Weitere Vrbindungen: Ca. 3 % Kaliumsalze und bis zu 0,2 % hochoxidierte Diterpenester vom Pimaran-Typ wie Orthosiphol A bis Y.

Inhaltsstoffe des Katzenbarts

PHARMAKOLOGIE

Wahrscheinlich aufgrund der enthaltenen Terpene, Saponine und Flavonoide erwiesen sich wässrige Extrakte im Tierversuch (und teilweise beim Menschen) als antimikrobiell, entzündungshemmend und deutlich harntreibend. Die methoxylierten Flavone (z.B. Sinensetin) hemmen die 5-Lipoxygenase, die antientzündlichen Effekte können somit erklärt werden. Kaffeesäure und Rosmarinsäure wirken bakteriostatisch.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen: Kommission E:

  • Wirkungen: diuretisch; schwach spasmolytisch.
  • Anwendungsgebiete: Zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengriess.
  • Gegenanzeigen: Keine bekannt.
    Hinweis: Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit.
  • Nebenwirkungen: Keine bekannt.
  • Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
  • Dosierung: Tagesdosis 6 bis 12 g Droge; Zubereitungen entsprechend.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
    Hinweis: Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.

Die ESCOP präzisiert die Anwendung wie folgt: "Zur Durchspülung der ableitenden Harnwege, insbesondere bei Entzündungen und Nierengriess, und unterstützend bei bakteriellen Infektionen der Harnwege".

Das HMPC hat Orthosiphonblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung können Orthosiphonblätter zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Blasenbeschwerden eingesetzt werden.

Volkstümliche Anwendungsgebiete:
In der Volksheilkunde wird der Katzenbart bei Blasen- und Nierenleiden, wie Nephro- und Cystolithiasis, Albuminurie und Hämaturie sowie bei Gallensteinen, Gicht und Rheumatismus verwendet. Zu den genannten Indikationen liegen keine kontrollierten klinischen Studien vor.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teebereitung: 2-3 g fein geschnittene Orthosiphonblätter werden mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Minuten abgeseiht. Bis zu viermal täglich eine Tasse trinken.

Neben der Teedroge stehen in der Apotheke Fertigarzneimittel, oft Kombinationen mit anderen harntreibenden Drogen, zur Verfügung. Blasen- und Nierentees enthalten neben Katzenbart oft z.B. Bärentraube, Birke, Wacholder, Liebstöckel, Pfefferminze, Goldrute und Hauhechel.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

HOMÖOPATHIE

Orthosiphon aristatus HAB; Indischer Nierentee, die getrockneten Laubblätter.
Anwendungsgebiete: Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege.

SONSTIGES

In Indien ist der Katzenbart eine seit altersher genutzte Droge. In Europa fand sie den Weg in die Therapie erst gegen Ende des 19. Jahrhundert. Mittlerweile ist Orthosiphon als arzneilich anerkannte Heilpflanze etabliert. Orthosiphon als Gattungsname setzt sich aus dem griechischen orthós (gerade) und siphon (Röhre) zusammen, Bezug nehmend auf die gerade Kronröhre.

Letzte Änderung: 08.11.2017 / © W. Arnold