Mädesüss - Filipendula ulmaria

Filipendula ulmaria (syn. Spiraea ulmaria, Ulmaria palustris);
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Mädesüss (syn. Johanniswedel, Krampfkraut, Rüsterstaude, Ziegenbart).

Mädesüss - Filipendula ulmaria

Mädesüss

Filipendula ulmaria - Mädesüss

Mädesüss

VORKOMMEN

Echtes Mädesüss ist in grossen Teilen Europas mit Ausnahme des südlichen Mittelmeergebietes zu finden. Es ist ausserdem in Nord- und Mittelasien beheimatet. In den Osten Nordamerikas wurde es eingeführt. In Mittelasien grenzt das Verbreitungsgebiet an jenes des Rosa Mädesüss an, das von Sibirien bis Kamtschatka zu finden ist und dort in nebel- und regenreichen Gebieten wächst.

MERKMALE

Das Echte Mädesüss ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und 150, bisweilen 200 Zentimetern. Die Stängel sind rötlich überlaufen und verzweigen sich erst im oberen Teil. Die Laubblätter sind dunkelgrün gefiedert und stark geadert sowie an der Unterseite weiss beflaumt. Die Fiederblättchen der Laubblätter erinnern an die Blätter der Ulmen, worauf auch die wissenschaftliche Bezeichnung "ulmaria" hindeutet. Beim Zerreiben setzen sie einen Geruch nach Salicylaldehyd (wie Rheumasalbe) frei.
Die Blütezeit reicht in Deutschland von Juni bis Juli, in Mitteleuropa von Juni bis August. Auffällig sind die schirmrispigen Blütenstände des Echten Mädesüss, die viele Einzelblüten enthalten. Die Blüten verströmen insbesondere abends einen intensiven, honig- bis mandelartigen Geruch.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Spiraeae flos (syn. Flores Reginae prati, Ulmariae flos); Mädesüssblüten.
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2. Spiraeae herba (syn. Herba Spiraeae ulmariae); Mädesüsskraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Mädesüss enthält unter anderem Salicylate, Flavonoide, Gerbsäuren, ätherisches Öl und Zitronensäure, ausserdem ein schwach giftiges Glykosid, das bei entsprechend hoher Dosierung Kopfschmerzen auslösen kann. Penolglykoside (wichtige Inhaltsstoffe) wie Monotropidin (0.3 - 0.5%) und Spiraein, aus denen beim Trocknen in geringen Mengen ätherisches Öl mit Salicylaldehyd und mit Methylsalicylat entstehen sind ebenfals enthalten.

Spiraeosid, Methylsalicylat

PHARMAKOLOGIE

In einer neueren Arbeit konnte eine antientzündliche Wirkung eines wässerigen Mädesüsskraut-Extraktes bestätigt werden, ebenso eine gewisse Inhibition der Histidindecarboxylase (siehe Links).

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendungen:

  • Nach der Kommission E zur unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten.
  • Das Mädesüsskraut wird und nach der ESCOP zur unterstützenden Therapie bei banalen Erkältungen eingesetzt. Die Verstärkung der renalen Wasserausscheidung ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
  • Das Mädesüsskraut und die Mädesüssblüten wurden vom HMPC als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

Volksmedizinische Anwendungen:
Den Mädesüssblüten werden schweiss- und harntreibende Eigenschaften zugeschrieben. Der Gehalt an Salicylsäureverbindungen, die ähnlich wie Aspirin wirken könnten, ist jedoch im Teeaufguss gering, so dass eine entzündungshemmende Wirkung bezweifelt wird. So wird die Droge nur noch zu Schwitzkuren empfohlen wie man sie gern unterstützend bei beginnenden Erkältungen nutzt. Der Einsatz bei rheumatischen Erkrankungen und Gicht zur Erhöhung der Harnmenge ist in der Volksheilkunde bekannt. Das Mädesüss soll die Produktion von Magensäure verringern und so Sodbrennen verhindern.

In Erkältungstees ist das Mädesüss oft neben z.B. Weide, Lindenblüten, Süssholz, Holunder, Königskerze, Pfefferminze, Kamille, Löwenzahn und Pfingstrose enthalten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Bei Fertigarzneimitteln siehe Packungsbeilage.

Teeaufguss: Mehrmals täglich eine Tasse Mädesüsskrauttee oder Mädesüssblütentee trinken; Tagesdosis 2 bis 18 g Mädesüsskraut, 2 bis 6 g Mädesüssblüten.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

HOMÖOPATHIE

Filipendula ulmaria - Die frischen unterirdischen Teile der blühenden Pflanze.
Anwendungsgebiet: Rheumatismus, Schleimhautentzündungen.

MÄDESÜSS IM GARTEN

Das einheimische Echte Mädesüss braucht einen halbschattigen bis sonnigen Platz. Der Boden sollte immer feucht, nährstoffreich und leicht sauer sein. Das Mädesüss kann in jeder guten Gärtnerei als Jungpflanze erworben werden. Die winterharte, mehrjährige Pflanze kann durch Teilung des Wurzelstockes vermehrt werden, sie sät sich aber auch selber aus. Das Mädesüss fürchtet nur eines, nähmlich Trockenheit! - es muss also immer gut gewässert werden.
Ansonsten erfordert die robuste Pflanze keine spezielle Pflege und ist ziemlich anspruchslos. Das Mädesüss gehört zu den alten Heilpflanzen und gehört in jeden Natur- oder Heilpflanzengarten.

Mädesüss

SONSTIGES

Aufgrund des süss-herben Duftes, der von vielen Menschen als angenehm empfunden wird, war Mädesüss einst ein beliebtes Streukraut. Man bestreute am Morgen den Holzfussboden mit verschiedenen Kräutern und kehrte die Blätter und Stängel wieder aus, wenn sie abends vertrocknet waren und ihren Duft nicht mehr verströmten. Allerdings war es auch gängig, Mädesüssstreu tage- bis wochenlang zu benutzen, da es seinen Duft noch sehr lange verströmt.

Letzte Änderung: 09.01.2017 / © W. Arnold