Grüner Knollenblätterpilz - Amanita phalloides

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) gilt als einer der gefährlichsten Giftpilze Europas. Schon geringe Mengen können zu schweren, oft tödlichen Vergiftungen führen. Besonders tückisch ist die Verwechslungsgefahr mit essbaren Pilzen, etwa mit Champignons oder grünen Täublingen. Die enthaltenen Amatoxine sind hitzestabil und werden weder durch Kochen noch durch Trocknen zerstört.

Diese Seite stellt die wichtigsten Bestimmungsmerkmale, den Lebensraum, die Giftstoffe sowie den typischen Verlauf einer Vergiftung vor und weist auf die notwendigen Sofortmassnahmen im Notfall hin. Ziel ist es, durch sachliche Information und klare Warnhinweise zur Pilzsicherheit beizutragen.

Volksname: Grüner Mörder, Grüner Gift-Wulstling.

Gefährlicher Giftpilz!

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) – tödlicher Giftpilz mit weissen Lamellen und Volva

Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) – Fruchtkörper im Laubwald

Beschreibung des Pilzes

Hut

Der Hut wird etwa 5–15 cm breit. Er zeigt unterschiedliche gelbgrüne bis braungrüne Farbtöne, oft mit feiner radialer Zeichnung. Auch olivgrüne oder blass grünlich-weissliche Varianten kommen vor. Die Hutoberfläche ist in der Regel glatt und weist meist keine Velumreste auf. Der Rand ist ungerieft und bei feuchtem Wetter leicht klebrig.

Lamellen

Die Lamellen sind stets rein weiss und verfärben sich niemals rötlich oder bräunlich. Sie stehen dicht gedrängt und sind frei vom Stiel.

Stiel

Der Stiel ist meist etwas heller gefärbt als der Hut, selten nahezu weisslich, und zeigt häufig eine mehr oder weniger deutliche grünliche bis gelbgrünliche Natterung. Der Ring ist weisslich, hängend und oft auf der Oberseite fein gerieft. Die Stielbasis ist knollig verdickt und von einer weissen, häutigen, oft abstehenden Volva umgeben, die nicht selten tief im Boden verborgen ist.

Fleisch

Das Fleisch ist weiss, unter der Huthaut leicht gelbgrünlich getönt.

Geruch und Geschmack

Der Geruch erinnert bei jungen Fruchtkörpern an Kunsthonig, wird im Alter jedoch unangenehm und widerlich. Der Geschmack ist mild und teilweise nussartig (nicht kosten!).

Sporen

Sporenpulver weiss; Sporen ellipsoid, etwa 7–12 × 6–10 µm.

Verwechslungsgefahr

Jeder Pilzsammler muss die Bestimmungsmerkmale des Grünen Knollenblätterpilzes (Amanita phalloides) sicher kennen, da Verwechslungen lebensbedrohliche Folgen haben können.

Grüne essbare Täublinge (Russula) besitzen keinen Ring und keine knollige Stielbasis mit Volva (siehe Wichtige Täublinge im Vergleich). Zudem brechen ihre Lamellen bei Druck leicht, was bei Knollenblätterpilzen nicht der Fall ist.

Champignons (Agaricus) lassen sich sicher unterscheiden: Sie weisen niemals häutige Hüllreste an der Stielbasis auf und ihre Lamellen sind in jungen Stadien rosa und werden später schokoladenbraun, niemals dauerhaft weiss. Für einen vertieften Vergleich siehe den Champignon-Vergleich, in dem die entscheidenden Merkmale von Champignon-Arten gegenüber gefährlichen Verwechslungspartnern systematisch gegenübergestellt werden.

Der sehr häufige und ungiftige Gelbliche Knollenblätterpilz (Amanita citrina) wächst bevorzugt unter Kiefern. Er riecht charakteristisch nach Kartoffelkeimen oder Rettich, und sein Hut ist meist mit häutigen Velumresten bedeckt. Trotz seiner ähnlichen Grundform ist er deutlich weniger gefährlich.

Entscheidend für eine sichere Unterscheidung sind stets die weissen Lamellen, der Ring und vor allem die knollige Stielbasis mit häutiger Volva. Da die Volva oft im Boden verborgen ist, sollten Fruchtkörper niemals abgeschnitten, sondern vollständig entnommen und geprüft werden.

Vorkommen

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) wächst bevorzugt in Laubwäldern sowie in Parkanlagen, insbesondere unter Eichen und Rotbuchen, mit denen er eine Mykorrhiza bildet. In diesen Lebensräumen ist die Art vielerorts relativ häufig.

In höheren Lagen kommt der Pilz deutlich seltener vor und kann dort vereinzelt auch in Misch- oder Bergwäldern unter Nadelbäumen gefunden werden.

Die Fruchtkörper erscheinen in der Regel von Juli bis Oktober. Der Grüne Knollenblätterpilz ist hinsichtlich des Bodentyps relativ anspruchslos und wächst sowohl auf kalkhaltigen als auch auf silikatischen Böden.

Gattungsmerkmale

Von den in Mitteleuropa vorkommenden Amanita-Arten sind nur wenige essbar, während mehrere Arten stark giftig sind. Drei Arten gelten als tödlich giftig und sind für die Mehrzahl schwerer Pilzvergiftungen verantwortlich.

Alle Vertreter der Gattung Amanita leben in Mykorrhiza mit Bäumen und erfüllen wichtige ökologische Funktionen im Waldökosystem. Aus diesem Grund sollten sie nicht sinnlos zerstört werden.

Ein wirksamer Schutz vor Vergiftungen ist ausschliesslich durch Kenntnis und Aufklärung möglich. Zu den wichtigsten gemeinsamen Bestimmungsmerkmalen der Gattung gehören die freien, bleibend weissen Lamellen sowie ein meist beringter Stiel mit knolliger Basis, der häufig von einer Volva (Scheide) umgeben ist.

Giftwirkung

Die Giftwirkung des Grünen Knollenblätterpilzes beruht hauptsächlich auf verschiedenen zyklischen Oligopeptiden. Dazu zählen die Amatoxine (α-Amanitin, β-Amanitin, γ-Amanitin) sowie die Phallotoxine (Phalloin, Phalloidin, Phallicin, Phallacidin).

Das extrem toxische Amanitin wird durch Kochen nicht unschädlich gemacht, sondern bleibt vollständig erhalten. Die Amatoxine sind somit hitzestabil und werden weder durch Kochen noch durch andere Zubereitungsarten zerstört.

Die tödliche Dosis von Amanitin liegt für eine etwa 70 kg schwere erwachsene Person bei rund 7 mg. Diese Menge ist bereits in weniger als 35 g Frischpilz enthalten.

Bei Knollenblätterpilzvergiftungen kann die frühzeitige Gabe von Silymarin (Extrakt aus der Mariendistel) unter klinischen Bedingungen eine lebensrettende Wirkung haben. Dennoch handelt es sich immer um einen medizinischen Notfall, der eine sofortige fachärztliche Behandlung erfordert.

Weitere vertiefende Informationen finden sich in den unten aufgeführten Links.

Fach-PDF (Autor: Werner Arnold)

Bestimmung von α-Amanitin (LC-MS)

Inhalt: Toxine (Amatoxine), Analytik (LC-MS), Nachweis in Pilzen & klinischen Proben.

  • Tox Info Suisse: Informationen zu Knollenblätterpilz-Vergiftungen und Giftnotruf (Schweiz, Tel. 145). Merkblatt (PDF)
  • Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM): Karenzzeiten / Symptome / Hintergründe. dgfm-ev.de
  • Wikipedia: Übersicht zu Toxinen, Wirkung und Vergiftungsverlauf. Artikel lesen

Vergiftung: typischer Verlauf (Zeitachse)

  • 6–24 Stunden: oft noch keine oder geringe Beschwerden
  • danach: schwere Magen-Darm-Symptome (Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe)
  • 2–4 Tage: Risiko schwerer Leber-/Nierenschäden bis Organversagen

Wichtig: Bei Verdacht sofort medizinische Abklärung (Schweiz: Tox Info Suisse 145).

FAQ – Grüner Knollenblätterpilz

Wie gefährlich ist der Grüne Knollenblätterpilz?

Der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) zählt zu den gefährlichsten Giftpilzen Europas. Schon kleine Mengen können schwere, potenziell tödliche Leberschäden verursachen.

Woran erkennt man den Grünen Knollenblätterpilz sicher?

Typisch sind bleibend weisse Lamellen, ein Ring am Stiel und eine knollige Stielbasis mit häutiger Volva (Scheide). Die Volva kann im Boden verborgen sein – Pilze für die Bestimmung vollständig entnehmen (nicht abschneiden).

Mit welchen Speisepilzen wird er am häufigsten verwechselt?

Häufige Verwechslungen sind grüne Täublinge (ohne Ring/ohne Volva) und Champignons (Lamellen werden rosa bis braun, keine Volva). Auch Amanita citrina kann ähnlich wirken, ist aber deutlich weniger gefährlich.

Hilft Kochen oder Trocknen gegen das Gift?

Nein. Die wichtigsten Giftstoffe (Amatoxine, z.B. α-Amanitin) sind hitzestabil. Kochen, Braten oder Trocknen macht den Pilz nicht sicher.

Welche Symptome treten bei einer Vergiftung typischerweise auf?

Typisch ist eine Verzögerung: Erst Stunden nach dem Essen können starke Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) auftreten. Danach kann es zu schweren Leberschäden bis hin zum Organversagen kommen. Bei Verdacht immer sofort medizinische Hilfe organisieren.

Was soll man bei Verdacht auf Knollenblätterpilz-Vergiftung tun?

Sofort handeln: Notruf bzw. Giftnotruf kontaktieren, keine Selbstbehandlung. Wenn möglich Pilzreste, Essensreste oder Fotos für die Abklärung sichern. In der Schweiz: Tox Info Suisse (145).

Letzte Änderung: 25.01.2026 / © W. Arnold