Löwenzahn - Taraxacum officinale

Taraxacum officinale (syn. Taraxacum dens leonis, T. vulgare, Leodonton officinale, L. taraxacum);
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Gemeiner Löwenzahn (syn. Ackerzichorie, Butterblume, Kettenblume, Kuhblume, Maiblume, Pfaffendistel, Pfaffenöhrlein, Pferdeblume).

Löwenzahn - Taraxacum officinale

Löwenzahn

Taraxacum officinale - Löwenzahn

Taraxacum officinale - Löwenzahn

VORKOMMEN

Der Gewöhnliche Löwenzahn war ursprünglich nur in den gemässigten Breiten Eurasiens heimisch. Durch menschliches Zutun ist die Pflanze weit auf der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet. In Mitteleuropa ist er heute ein häufiges Wildkraut auf Wiesen, an Wegrändern und in Gärten. In Gärten wird der Löwenzahn gerne als „Unkraut“ bezeichnet, weil er wegen der tiefen Wurzel schwer zu beherrschen ist. Als Ruderalpflanze besiedelt er schnell Brachflächen, Schutthalden und Mauerritzen. Im Gebirge kommt er bis in Höhenlagen von 2800 m vor, bleibt dort aber deutlich kleiner als im Flachland.

MERKMALE

Jedes Kind kennt wohl den Löwenzahn. Die Pflanze wird 5–30 cm hoch. Die Blattrosette am Grunde ist weissflockig und meist ohne alte Blattreste. Die Blätter sind meist tief geteilt (Name!), die Abschnitte sind 1–2mal so lang wie breit. Die äusseren Hüllblätter sind schmal-lanzettlich, 2,5–4 mm breit und ohne hellen Rand. Sie sind zur Blütezeit abstehend oder zurückgeschlagen. Die Früchte sind hellbraun, der Schnabel ist 2–4mal so lang wie die Frucht.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Taraxaci folium (syn. Folium Taraxaci, Herba Taraxaci, Taraxaci herba); Löwenzahnblätter (syn. Löwenzahnkraut).

2. Taraxaci radix (syn. Radix lentis leonis, Radix Taraxaci); Löwenzahnwurzel (syn. Kuhblumenwurzel, Seicherwurzel).

3. Taraxaci radix cum herba (syn. Herba Taraxaci cum radice, Radix Taraxaci cum herba); Löwenzahnwurzel mit Kraut (syn. Löwenzahn, Löwenzahn-Ganzpflanze, Pissblume).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Sesquiterpenlactone (Mengenangaben fehlen):
Tetrahydroridentin B und Taraxacolid-1-β-D-glucopyranosid, Taraxinsäure-β-D-glucopyranosid, 11,13-Dihydrotaraxinsäure-1-O-β-D-glucopyranosid, 11β,13-Dihydrolactucin.

Triterpene (Mengenangaben fehlen):
β-Sitosterol, Taraxasterol, Arnidiol, y-Taraxasterol, Faradiol, Taraxerol, y-Taraxerol, Taraxol.

Flavonoide (Mengenangaben fehlen):
Apigenin-7-0-β -D-glucosid, Luteolin-7-O-β-D-glucosid und Glucoside von Quercetin

Phenolcarbonsäuren:
Unter anderem Kaffeesäure, Cichoriensäure und Chlorogensäure, sowie Glykoside von Phenylpropanderivaten (Dihydroconiferin, Syringin).

Cumarine: Scopoletin, Aesculetin, Cichoriin und Umbelliferon.

Weitere Bestandteile: Taraxacosid, p-Hydroxyphenylessigsäure, ferner hohe Kaliumkonzentrationen und Inulin.

Löwenzahn - Inhaltsstoffe

PHARMAKOLOGIE

Die Sesquiterpenlactone scheinen für die beobachteten hepatoprotektive Wirkungen verantwortlich zu sein. Sie zeigen zudem potentielle chemoprotektive Effekte. Für Extrakte aus Löwenzahn konnte eine hemmende Wirkung auf das Grössenwachstum und die Invasivität von Prostata- und Brustkrebszellen als auch eine apoptosefördernde Wirkung bei Leberkarzinomzellen, Leukämiezellen und Pankreaskrebszellen nachgewiesen werden. Neuere Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Ethnopharmakologie untersuchen die physiologischen Eigenschaften des Taraxasterols.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung:
Kommission E für Taraxaci radix cum herba:

  • Wirkungen: Choleretische und diuretische Wirkungen. Appetitanregende Eigenschaften.
  • Anwendungsgebiete: Störungen des Gallenflusses. Zur Anregung der Diurese. Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden.
  • Gegenanzeigen: Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenempyem; Ileus. Bei Gallensteinleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt anwenden.
  • Nebenwirkungen: Wie bei allen bitterstoffhaltigen Drogen können superazide Magenbeschwerden auftreten.
  • Wechselwirkungen: Keine bekannt.
  • Art der Anwendung: In flüssigen und festen Darreichungsformen zur oralen Anwendung.

Die ESCOP befürwortet die Anwendung von Löwenzahnwurzel mit Kraut zur Anregung der Diurese und die Wurzel bei Störungen des Gallenflusses, dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Löwenzahnkraut mit Wurzeln und Löwenzahnblätter wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Die Volksheilkunde nutzt die Drogen ausserdem als leichtes Abführmittel, bei Diabetes, bei rheumatischen Erkrankungen und Ekzemen. Verarbeitet werden auch die frischen jungen Blätter zu Frühjahrskuren als Salat oder Presssaft. Die im Herbst geernteten inulinreichen Wurzeln dienen (heute wieder) geröstet als Kaffee-Ersatz.

Löwenzahn ist in vielen Gallentherapeutika, oft in Kombination mit z.B. Artischocke, Kamille, Pfefferminze, Schafgarbe, Fenchel, Süssholz, Tausendgüldenkraut, Wermut, Berberitze, Mariendistel und Wegwarte enthalten.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Ca. 5 g Droge (Löwenzahnkraut mit Wurzel) als Aufguss oder Tinktur am besten dreimal täglich. Ausser dem Tee ist auch die Verwendung eines Pflanzenpresssaftes möglich. Hierzu wird die frische Pflanze ausgepresst und vom Presssaft mehrmals täglich 1 Esslöffel eingenommen. Bei bestimmungsgemässem Gebrauch sind keine Risiken oder Nebenwirkungen bekannt.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

HOMÖOPATHIE

1. Taraxacum officinale HAB 1; Löwenzahn, die ganze, frische, blühende Pflanze.
Anwendungsgebiet: Lebererkrankungen und Verdauungsbeschwerden.

2. Taraxacum officinale Rh HAB 1; die ganze, frische, blühende Pflanze.
Anwendungsgebiet: Anthroposophischen Therapierichtung.

LÖWENZAHN IM GARTEN

Der Löwenzahn wird sich normalerweise von selbst bei ihnen im Garten ansiedeln. In Rasenanlagen ist er (meistens) unerwünscht. Immer beliebter wird der Löwenzahn als Nutzpflanze, seine frischen Blätter schmecken besonders lecker und bringen einen frischen Geschmack in die Küche. Löwenzahn liebt humusreichen, nahrhaften und nicht zu trockenen Boden. Die häufige Heilpflanze ist ein Sonnenanbeter, liebt also sonnige Standorte. Löwenzahn braucht keine besondere Pflege, Düngergaben braucht er nicht.

Löwenzahn

SONSTIGES

Im Zweiten Weltkrieges wurde der Löwenzahn als Kautschukersatz verwendet. 1942 wurde im KZ Auschwitz eine Forschungsstation für Pflanzenkautschuk eingerichtet, in der bis zu 250 Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.

Der Gattungsname Taraxacum leitet sich von griech. ‚taraxis’ (= Entzündung) ab, was auf die lange Verwendung der Pflanze zu Heilzwecken hinweist. Das Artepitheton officinalis lässt darauf schließen, dass es sich um eine alte Arzneipflanze handelt, denn ‚officinalis’ bedeutet: in den Apotheken gebraucht.

Letzte Änderung: 27.12.2016 / © W. Arnold