Rotporige Röhrlinge – auffällig, aber schwierig zu bestimmen

Rotporige Röhrlinge zählen zu den auffälligsten, aber auch schwierig zu bestimmenden Pilzgruppen unserer Wälder. Rote Poren, kräftige Farben sowie eine meist deutliche Blauverfärbung bei Druck oder Schnitt erleichtern zwar das Erkennen dieser Pilzgruppe, erlauben jedoch keine sichere Artbestimmung.

Verwechslungsgefahr mit giftigen Arten

Satansröhrling und Hexenröhrlinge

Der giftige Satansröhrling (Rubroboletus satanas) wird häufig mit Hexenröhrlingen verwechselt, insbesondere mit dem Flockenstieligen Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) und dem Netzstieligen Hexenröhrling (Suillellus luridus) .

Diese gelten nur gut durchgegart als essbar, sind roh giftig und werden nicht von allen Menschen vertragen.

Giftigkeit des Satansröhrlings

Der Satansröhrling (Rubroboletus satanas) giftiger Röhrling mit gastrointestinal wirksamen Toxinen. Auch nach Kochen bleibt ein Vergiftungsrisiko bestehen. Der Pilz ist nicht essbar und sollte nicht gesammelt werden.

Wichtige Unterscheidungsmerkmale

Entscheidend für die sichere Unterscheidung dieser Arten sind mehrere Merkmale:

  • Stieloberfläche (flockig oder genetzt)
  • Fleischfarbe im Stiel unmittelbar nach dem Schnitt
  • Art und Geschwindigkeit der Blauverfärbung
  • Gesamteindruck des Fruchtkörpers (Form, Geruch, Hutfarbe)

Diese Vergleichsseite fasst die wichtigsten Merkmale übersichtlich zusammen.

Vergleich von Satansröhrling und Hexenröhrlingen: Unterschiede bei Stiel, Porenfarbe und Blauverfärbung

Alle Rotporer laufen blau an. Wichtig ist die Farbe des Fleisches im Stiel unmittelbar nach dem Längsschnitt. Zur Unterscheidung dient auch die Oberfläche des Stiels: Sie ist entweder fleckig punktiert oder aderig fein genetzt.

Der Flockenstielige Hexenröhrling ist in vielen Gegenden ein geschätzter Speisepilz, aber nur im gegarten Zustand, denn roh sind alle Hexenröhrlinge giftig. Auch gekocht bzw. gebraten wird vom Flockenstieligen Hexenröhrling in seltenen Fällen von Darmstörungen berichtet.

  Flockenstieliger Hexenröhrling Netzstieliger Hexenröhrling Satansröhrling
Hut dunkelbraun,
samtig
oliv getönt hellgrau,
klebrig
Poren dunkel­purpurrot, auf Druck dunkelblau purpurrot, auf Druck blau karminrot, auf Druck hellblau
Stiel
(Oberfl.)
flockig, ohne Netz genetzt genetzt
Stiel
(Schnitt)
gelb, dann sofort dunkelblau unten rot, dann sofort blau hellgelb, dann langsam hellblau
Bes. gilt als guter Speisepilz, wird aber nicht von allen vertragen! Bei uns im Gebirge häufig.
bedingt essbar!
aasartiger Geruch,
giftig!

Die VAPKO (= Schweizerische Vereinigung Amtlicher Pilzkontrollorgane) hat in der letzten Sitzung den Entscheid gefällt, den Netzstieligen Hexenröhrling (Suillellus luridus), mit der Einschränkung, diesen mindestens 20 Minuten zu kochen, ab sofort wieder auf die Speisepilzliste zu setzen.

Hinweis (Schweiz): In der Schweiz wird empfohlen, rotporige Röhrlinge nur gut durchgegart zu verzehren. Die VAPKO weist generell darauf hin, dass rohe bzw. ungenügend gekochte Speisepilze Beschwerden auslösen können.

Bemerkung Autor:
Coprin wurde in Hexenröhrlingen nicht nachgewiesen. Trotzdem kann ein anderer, unbekannter Giftstoff im Pilz vorhanden sein, der für die Reaktionen bei einigen Leuten verantwortlich ist. Bei mir (als Chemiker) kommen Hexenröhrlinge nicht auf den Tisch.
Der Flockenstielige Hexenröhrling ist ein sehr festfleischiger Pilz den man essen kann. Kulinarisch ist er aber nach meiner Meinung keinesfalls mit dem Steinpilz vergleichbar.

Merksätze für Einsteiger

  • Rotporige Röhrlinge sind bestimmungs­kritisch – einzelne Merkmale reichen nie aus.
  • Alle hier gezeigten Arten verfärben sich blau, aber mit unterschiedlicher Stärke und Geschwindigkeit.
  • Stiel flockigStiel genetzt – dieses Merkmal ist besonders wichtig.
  • Hexenröhrlinge sind roh giftig und müssen immer gut durchgegart werden.
  • Für Anfänger gilt: Rotporige Röhrlinge besser stehen lassen oder kontrollieren lassen.

Häufige Fragen zu Satansröhrling und Hexenröhrlingen

Woran erkennt man den Satansröhrling im Vergleich zu Hexenröhrlingen?

Wichtig sind mehrere Merkmale zusammen: Stieloberfläche (Netz oder Flocken), Fleischfarbe im Stiel direkt nach dem Längsschnitt, Stärke/Geschwindigkeit der Blauverfärbung sowie Geruch und Gesamteindruck. Einzelmerkmale allein sind unsicher.

Warum verfärben sich rotporige Röhrlinge blau?

Viele rotporige Röhrlinge zeigen bei Druck oder Schnitt eine Blauverfärbung durch Oxidationsvorgänge im Pilzgewebe. Die Art und Geschwindigkeit der Verfärbung kann bei der Unterscheidung helfen, ist aber kein alleiniger Beweis.

Sind Hexenröhrlinge essbar?

Hexenröhrlinge gelten nur gut durchgegart als essbar. Roh oder ungenügend gegart können sie Beschwerden verursachen. Zudem werden sie nicht von allen Menschen gleich gut vertragen.

Welche Merkmale sind beim Vergleich am wichtigsten?

In der Praxis bewährt sich: Stieloberfläche (flockig oder genetzt), Fleischfarbe im Stiel (unmittelbar nach dem Schnitt), Porenfarbe und Reaktion auf Druck sowie der Gesamteindruck (Hutfarbe, Geruch, Standort).

Was gilt als Sicherheitsregel für Anfänger?

Als Anfänger besser alle rotporigen Röhrlinge stehen lassen oder von einer amtlichen Pilzkontrollstelle prüfen lassen. Bei Unsicherheit niemals probieren.

Kann man sich auf ein Foto oder eine Grafik allein verlassen?

Nein. Bilder helfen beim Lernen, ersetzen aber keine sichere Bestimmung am Fund (Geruch, Schnittbild, Stielstruktur, Standort, Variabilität). Im Zweifel Pilzkontrolle.

Speisepilz des Jahres 2018 ist der Flockenstielige Hexenröhrling (der Tintling).

Flockenstieliger Hexenröhrling: rotporiger Röhrling mit flockigem Stiel

Letzte Änderung: 27.01.2026 / © W. Arnold