Netzstieliger Hexenröhrling (S. luridus) – Merkmale & Verwechslung

Volksname: Rotstrumpf, Saupilz, Netzhexe

Synonym: Boletus luridus

Der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus, syn. Boletus luridus) gehört zu den auffälligen, rotporigen Röhrlingen. Charakteristisch sind die orangeroten bis roten Poren, das meist rasche Blauen bei Druck oder Schnitt sowie der namensgebende rot genetzte Stiel. Je nach Standort und Alter kann das Erscheinungsbild jedoch deutlich variieren – besonders Hutfarbe und Netzzeichnung.

Der Pilz wächst vor allem in Laubwäldern (z. B. bei Buche und Eiche), teils auch in parkartigen Beständen, häufig auf kalkhaltigen Böden. In der Saison ist er regional nicht selten, wird aber von Sammlern oft mit ähnlichen Arten verwechselt. Gerade innerhalb der „Hexenröhrlinge“ gibt es mehrere stark blauende Doppelgänger, darunter Arten mit anderer Stielzeichnung (Flocken statt Netz) sowie der giftige Satansröhrling.

Wichtig: Der Netzstielige Hexenröhrling gilt roh als unverträglich und kann bei ungenügender Zubereitung Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Für eine sichere Nutzung sind gründliches Durchgaren, eine eindeutige Bestimmung und der Verzicht auf Mischsammlungen entscheidend. Die folgenden Abschnitte zeigen die wichtigsten Merkmale, das typische Habitat und die häufigsten Verwechslungspartner – damit du den Pilz im Gelände besser einordnen kannst.

Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus) – roter Porenbereich und genetzter Stiel
Von 2010-09-13_Boletus_luridus_Schaeff_104527.jpg:This image was created by user Steinpilz at Mushroom Observer, a source for mycological images.You can contact this user here.derivative work: Ak ccm - Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet  2010-09-13 Boletus luridus Schaeff 104527.jpg: , CC BY-SA 3.0, Link

Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus) mit roten Poren und genetztem Stiel

Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus) – Detailansicht von Hut, Poren und Stielnetz

Beschreibung

Der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus) ist ein mittelgroßer bis großer, kräftig gebauter Röhrling aus der Gruppe der rotporigen Röhrlinge. Typisch sind die roten Poren, der rötlich genetzte Stiel sowie die deutliche Blauverfärbung bei Druck oder Verletzung.

Hut

Der Hut erreicht meist einen Durchmesser von 6–15 cm, gelegentlich auch darüber. Die Hutfarbe variiert von olivgelb über gelblich-braun bis graubraun. Die Oberfläche ist jung fein samtig, später glatt und bei feuchter Witterung leicht schmierig. Der Hutrand ist zunächst eingerollt, im Alter ausgebreitet.

Röhren und Poren

Die Röhren sind gelblich bis olivfarben und enden in orangeroten bis roten Poren. Bei Druck oder Verletzung verfärben sich Röhren und Poren rasch dunkelblau. Die Poren sind anfangs fein, im Alter etwas weiter.

Stiel

Der Stiel ist kräftig, keulig bis zylindrisch und auf gelbem Grund mit einem deutlich ausgeprägten, rötlichen Netz versehen. Das Netz ist meist im oberen Stielbereich besonders gut sichtbar und stellt ein zentrales Bestimmungsmerkmal der Art dar.

Fleisch

Das Fleisch ist gelblich, im Stielgrund teilweise rötlich überhaucht. Bei Schnitt oder Druck zeigt sich eine schnelle und intensive Blauverfärbung, die sich nach einiger Zeit wieder abschwächen kann.

Geruch und Geschmack

Der Geruch ist mild bis unauffällig, ohne charakteristische Noten. Der Geschmack ist roh ebenfalls mild, sollte jedoch nicht geprüft werden, da der Pilz roh als unverträglich gilt.

Sporen

Die Sporen sind spindelig bis ellipsoid, glattwandig und messen etwa 12–16 × 4,5–6 µm. Das Sporenpulver ist olivbraun.

Verwechslung

Der Netzstielige Hexenröhrling ist ein typischer Vertreter der sogenannten Hexenröhrlinge. Diese Pilzgruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sich das Fleisch bei Druck oder Schnitt meist rasch dunkelblau verfärbt. Der früher verbreitete Volksglaube, diese Eigenschaft stehe mit „Hexerei“ in Zusammenhang, ist heute widerlegt. Die Blauverfärbung beruht auf Oxidationsprozessen bestimmter Inhaltsstoffe bei Kontakt mit Luft.

Eine Übersicht über ähnliche Arten bietet der Vergleich der rotporigen Röhrlinge .

Häufig verwechselt wird der Netzstielige Hexenröhrling mit dem Flockenstieligen Hexenröhrling . Dieser besitzt kein Stielnetz, sondern ein feines, rötliches Flockenmuster auf dem Stiel. Er gilt – im Gegensatz zum Netzstieligen – nach gründlichem Durchgaren als essbar und wird von Sammlern häufiger genutzt.

Deutlich gefährlicher ist die Verwechslung mit dem Satansröhrling . Dieser ist giftig und nicht zum Verzehr geeignet. Typisch sind sein meist heller bis weißlicher Hut, ein weniger ausgeprägtes Stielnetz sowie eine im Vergleich zu den Hexenröhrlingen oft schwächere oder verzögerte Blauverfärbung.

Für eine sichere Bestimmung sollten stets mehrere Merkmale gemeinsam beurteilt werden, insbesondere Stielzeichnung, Porenfarbe, Fleischverfärbung und Standort.

Vorkommen

Der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus) wächst überwiegend in Laub- und Mischwäldern, bevorzugt in Gesellschaft von Buche und Eiche. Seltener kommt er auch in parkartigen Beständen oder an Waldrändern vor.

Die Art bevorzugt kalkhaltige, basenreiche Böden und fehlt in stark sauren Standorten meist vollständig. Sie wächst einzeln oder in kleinen Gruppen und bildet Mykorrhiza mit verschiedenen Laubbäumen.

Die Fruktifikationszeit reicht in Mitteleuropa in der Regel von Juni bis Oktober, mit einem Schwerpunkt im Hoch- und Spätsommer. Das Vorkommen ist regional unterschiedlich; lokal kann der Pilz häufig, in anderen Gebieten hingegen selten sein.

Speisewert

Der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus) gilt roh als giftig bzw. stark unverträglich. Auch nach dem Garen wird er von vielen Personen nicht vertragen. Besonders häufig werden Magen-Darm-Beschwerden beschrieben, teils auch im Zusammenhang mit gleichzeitigem Alkoholkonsum.

Ein dem Faltentintling (Coprinopsis atramentaria) ähnlicher Coprin-Effekt konnte für diese Art bislang nicht nachgewiesen. Die beobachteten Unverträglichkeitsreaktionen lassen sich daher nicht durch Coprin erklären.

Die VAPKO (Schweizerische Vereinigung Amtlicher Pilzkontrollorgane) hat den Netzstieligen Hexenröhrling unter der Auflage, dass er mindestens 20 Minuten gründlich gekocht werden muss, wieder in die Speisepilzliste aufgenommen.

Bemerkung des Autors:
Coprin konnte in dieser Art nicht nachgewiesen werden. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass andere, bislang unbekannte Inhaltsstoffe für die bei manchen Personen beobachteten Unverträglichkeitsreaktionen verantwortlich sind. Aufgrund dieser Unsicherheiten und der bekannten individuellen Reaktionen kommt der Netzstielige Hexenröhrling für mich persönlich nicht als Speisepilz in Frage.

FAQ – Häufige Fragen

Ist der Netzstielige Hexenröhrling essbar?

Der Netzstielige Hexenröhrling (Suillellus luridus) ist roh giftig bzw. stark unverträglich. Nach aktueller Einschätzung der VAPKO gilt er nur dann als Speisepilz, wenn er mindestens 20 Minuten gründlich gekocht wird. Viele Personen vertragen ihn dennoch nicht.

Warum verfärbt sich der Pilz bei Druck oder Schnitt blau?

Die Blauverfärbung entsteht durch Oxidationsprozesse bestimmter Inhaltsstoffe, die bei Verletzung des Gewebes mit Sauerstoff reagieren. Der früher verbreitete Zusammenhang mit „Hexerei“ ist rein volkstümlich und wissenschaftlich nicht haltbar.

Woran erkennt man den Netzstieligen Hexenröhrling sicher?

Wichtige Merkmale sind die roten Poren, die rasche Blauverfärbung sowie das rötliche Stielnetz. Zur sicheren Bestimmung sollten immer mehrere Merkmale gemeinsam beurteilt werden, einschließlich Standort und Bodenbeschaffenheit.

Mit welchen Pilzen kann er verwechselt werden?

Häufige Verwechslungspartner sind der Flockenstielige Hexenröhrling (ohne Stielnetz) sowie der giftige Satansröhrling. Eine Übersicht bietet der Vergleich der rotporigen Röhrlinge.

Letzte Änderung: 01.02.2026 / © W. Arnold