Spitzkegeliger Kahlkopf (Psilocybe semilanceata)

Der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) ist ein kleiner, unscheinbarer Wiespilz aus der Familie der Strophariaceae, der aufgrund seiner Inhaltsstoffe zu den psychoaktiven Pilzen zählt. Die Art ist in weiten Teilen Europas verbreitet und wächst bevorzugt auf extensiv genutzten Wiesen und Weiden, meist ohne direkten Bezug zu Dung. Charakteristisch sind der spitzkegelige Hut mit ausgeprägtem Buckel sowie die dunkler werdenden Lamellen im Alter.

Trotz seines oft harmlosen Erscheinungsbildes ist der Spitzkegelige Kahlkopf kein Speisepilz. Er enthält die psychoaktiven Substanzen Psilocybin und Psilocin, deren Wirkung und rechtlicher Status je nach Land unterschiedlich bewertet werden. Auf dieser Seite werden Bestimmungsmerkmale, Vorkommen, Inhaltsstoffe und Verwechslungsgefahren sachlich beschrieben. Ziel ist eine fundierte pilzkundliche Information, nicht eine Anleitung zur Verwendung oder zum Konsum.

Spitzkegeliger Kahlkopf (Psilocybe semilanceata)
Foto: Alan Rockefeller (Eigenes Werk), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Spitzkegeliger Kahlkopf - (Psilocybe semilanceata) Foto: Scienceman71 (Eigenes Werk), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Spitzkegeliger Kahlkopf - Habitus CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Beschreibung des Pilzes

Hut

10–20 mm im Durchmesser, jung konisch, später konvex mit meist deutlich ausgeprägtem, spitzem Buckel (Papille). Der Hut ist spitzkegelig, die Papille mehr oder weniger scharf ausgeprägt, seltener stumpfbuckelig oder fehlend. Der Rand ist etwas einwärts geschlagen, jedoch nicht eingerollt. Die Farbe reicht von blass gelblich bis olivbräunlich, häufig mit blaugrünlichen Flecken. Die Oberfläche ist schmierig bis klebrig glänzend und oft knotig uneben. Die Hutdeckschicht besteht aus einer dünnen, hyalinen, nicht gummiartig dehnbaren Haut und ist leicht abziehbar.

Lamellen

Etwa 4 mm breit, zunächst olivbraun, später dunkel- bis purpurbraun, mit weisser, fein flaumiger Schneide. Die Lamellen stehen gedrängt, sind aufsteigend angeheftet und leicht bauchig-lanzettlich geformt.

Stiel

Meist 80–150 mm lang, schlank, 2–3 mm dick, hellockerfarben bis blassbräunlich. Die Stielbasis ist häufig blaugrün verfärbt. Der Stiel ist faserig, etwas seidig glänzend und stets deutlich wellig bis gebogen.

Fleisch

Im Hut blass gelblich, im Stiel bräunlich werdend, ohne auffälligen Geruch oder charakteristischen Geschmack.

Sporen

Dunkelbraun bis purpurbraun, elliptisch, 8–9,9 × 5,5–7,7 µm.

Verwechslung

Verwechslungen mit muscarinhaltigen Risspilzen, insbesondere mit dem Erdblättrigen Risspilz (Inocybe geophylla) , sind möglich und beruhen meist auf ungenauer oder flüchtiger Betrachtung. Inocybe geophylla unterscheidet sich jedoch durch seine blassen, grauen bis graubraunen Lamellen sowie den auffallend seidigen, faserigen Hut.

Auch verschiedene Düngerlinge, Faserlinge, Helmlinge sowie junge Träuschlinge können dem Spitzkegeligen Kahlkopf auf den ersten Blick ähneln, lassen sich bei genauer Betrachtung jedoch anhand von Lamellenfarbe, Stielstruktur und Hutfarbe zuverlässig unterscheiden.

Besonders gefährlich wäre eine Verwechslung mit dem Gift-Häubling (Galerina marginata) , einem stark giftigen Holzbewohner mit ähnlicher Grösse, der jedoch deutlich andere ökologische Ansprüche und makroskopische Merkmale aufweist.

Vorkommen

Der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) gilt als die am weitesten verbreitete psilocybinhaltige Pilzart, insbesondere in Europa. Er wächst vor allem auf extensiv bis mässig gedüngten Wiesen und Weiden, bevorzugt auf nährstoffreichen Grasflächen, jedoch nicht direkt auf Dung.

Die Fruktifikation erfolgt in der Regel vom Sommer bis in den Spätherbst. In der Schweiz ist Psilocybe semilanceata vorwiegend in Höhenlagen von etwa 700 bis 1500 m anzutreffen, häufig auf Weiden in Waldrandnähe oder in offenen Lagen nahe von Nadelwäldern.

Inhaltsstoffe

Im Wesentlichen Indolalkaloide (Tryptaminderivate) mit den phosphorylierten Indolaminen Psilocybin (O-Phosphoryl-4-hydroxy-N,N-dimethyltryptamin) und Baeocystin (O-Phosphoryl-4-hydroxy-N-methyltryptamin, Norpsilocybin) als Hauptkomponenten. Norpsilocybin stellt mit grosser Wahrscheinlichkeit die direkte biogenetische Vorstufe von Psilocybin dar.

Es wurde zusammen mit Norbaeocystin (O-Phosphoryl-4-hydroxytryptamin) erstmals aus einer Laborkultur von Psilocybe baeocystis isoliert und später auch aus Psilocybe semilanceata sowie Psilocybe cubensis.

Psilocin (4-Hydroxy-N,N-dimethyltryptamin), das Dephosphorylierungsprodukt von Psilocybin, kommt im Pilzmaterial in der Regel nur in Spuren vor, da Psilocybin sehr stabil ist. Infolge Fehlens der Phosphorsäureester- Schutzgruppe wird Psilocin an der phenolischen Hydroxylgruppe leicht oxidiert, was zu blauen, chinoiden Produkten („Pilzbläuung“) führt.

Psilocybin wurde 1958 zusammen mit Psilocin erstmals aus Psilocybe mexicana isoliert, strukturaufgeklärt und synthetisiert. Psilocybin war damit die erste in der Natur gefundene phosphathaltige Indolverbindung bzw. das erste natürliche 4-Hydroxy-substituierte Tryptaminderivat.

Strukturformeln von Psilocybin und Psilocin

Psilocybe semilanceata zählt mit bis zu 2,4 % Psilocybin zu den alkaloidreichsten Arten. In gefriergetrockneten Fruchtkörpern des Spitzkegeligen Kahlkopfes, welche an verschiedenen Standorten in der Schweiz gesammelt worden waren, wurden mittels HPLC 0,21–2,02 % Psilocybin, 0,05–0,77 % Baeocystin sowie <0,01 % Psilocin gemessen.

Der Psilocybingehalt war jeweils in den Stielen höher als in den Hüten, während die Baeocystinkonzentration in den Hüten bis zu 60 % höher war. Eine Korrelation zwischen geographischer Provenienz, Grösse der Fruchtkörper und Alkaloidgehalt konnte nicht festgestellt werden.

Toxizität

Toxikologische Daten (Hager):

LD50 (Maus, i. v.): 275 mg/kg
LD50 (Maus, i. p.): 420 mg/kg

Echte Überdosierungen mit Psilocybe-Pilzen scheinen kaum möglich zu sein. Psilocybe-Intoxikationen werden in der Regel als harmlos eingestuft. Zwischen 1978 und 1981 wurden in England 318 Fälle von Psilocybe-Intoxikationen registriert, von denen keine tödlich verliefen.

Die eingenommene Menge schwankte zwischen wenigen Pilzen und 900–1360 g und korrelierte in der Regel nicht mit den Vergiftungssymptomen. Während bei einigen Patienten weniger als zehn Pilze starke zentrale und vegetative Effekte zeigten, beklagte sich ein anderer Patient nach Einnahme von etwa 200 Pilzen lediglich über Abdominalschmerzen.

Die häufigsten, meist nach etwa 12 h abgeklungenen Vergiftungssymptome waren visuelle, akustische oder sensorische Halluzinationen sowie gestörte Verhaltensweisen ohne Halluzinationen. Weitere Vergiftungszeichen waren Aggression, Nausea, Erbrechen, Dysurie, Mydriasis und Tachykardie.

Weiter wurden bis zu vier Monate andauernde Flashback-Effekte beobachtet. Wie alle psychoaktiven Substanzen birgt auch Psilocybin die Gefahr, eine latent vorhandene Psychose auszulösen.

 

FAQ – Häufige Fragen

Ist der Spitzkegelige Kahlkopf ein Speisepilz?

Nein. Der Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) ist kein Speisepilz. Er enthält psychoaktive Inhaltsstoffe und ist daher nicht zum Verzehr geeignet.

Welche Wirkstoffe enthält Psilocybe semilanceata?

Die Hauptwirkstoffe sind die Indolalkaloide Psilocybin und Baeocystin. Psilocin kommt in der Regel nur in sehr geringen Mengen vor, da es im Pilzmaterial chemisch weniger stabil ist.

Wo wächst der Spitzkegelige Kahlkopf?

Die Art wächst vor allem auf Wiesen und Weiden, meist auf nährstoffreichen Grasflächen, jedoch nicht direkt auf Dung. In der Schweiz ist sie häufig in mittleren Höhenlagen anzutreffen.

Besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Pilzen?

Ja. Verwechslungen sind insbesondere mit Risspilzen, Düngerlingen, Faserlingen, Helmlingen sowie mit dem stark giftigen Gift-Häubling (Galerina marginata) möglich.

Wie gefährlich ist der Spitzkegelige Kahlkopf?

Akute Vergiftungen verlaufen in der Regel nicht tödlich. Dennoch können starke psychische und vegetative Symptome auftreten. Zudem besteht das Risiko, latent vorhandene psychische Erkrankungen auszulösen.

 

Letzte Änderung: 10.02.2026 / © W. Arnold