Kokastrauch – Erythroxylum coca
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Erythroxylum coca Lam. (syn. Erythroxylon coca, Erythroxylon peruvianum, Erythroxylum bolivianum, Erythroxylum peruvianum).
Der Kokastrauch (Erythroxylum coca) enthält Tropanalkaloide, insbesondere Cocain. Eine anerkannte medizinische Anwendung der Kokablätter besteht nicht. Cocainhydrochlorid wird heute nur noch selten in der Medizin als Lokalanästhetikum eingesetzt.

VORKOMMEN
Der Kokastrauch ist in Südamerika, vor allem in den östlichen Anden von
Ecuador bis Bolivien, verbreitet. Besonders gut gedeiht er in feuchten,
warmen Tälern sowie auf Berghängen in Höhen von 600 bis 2000 m.
Der Anbau erfolgt hauptsächlich in Peru, Kolumbien, Bolivien und Brasilien,
insbesondere entlang des Amazonas und seiner grössten Nebenflüsse.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Kokastrauch auch in Indien, Ceylon
und Java eingeführt und in weitere geeignete Regionen verbreitet. Die
Ausfuhr von Samen ist in vielen Ländern eingeschränkt, so dass diese nur
schwer erhältlich sind.
Die Pflanze wird seit der Vor-Inkazeit kultiviert.
MERKMALE
Es handelt sich um einen immergrünen, bis etwa 2,5 m hohen Strauch,
der im Anbau als Nutzpflanze meist niedrig gehalten wird. Die Rinde
ist rötlich gefärbt.
Die Blätter sind wechselständig, elliptisch bis spatelförmig und
5 bis 15 cm lang. In den Blattachseln stehen 1 bis 5 kleine,
unscheinbare, gelbliche Blüten.
Aus den oberständigen Fruchtknoten entwickeln sich einsamige,
rote Steinfrüchte.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Cocae folium (syn. Coca, Coca peruvianae folium, Coca folium, Folia cocae, Folia erythroxyli cocae, Folium cocae); Kokablätter (syn. Cocablätter), die getrockneten Laubblätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Kokablätter enthalten zahlreiche Tropanalkaloide; der Gesamtalkaloidgehalt
liegt bei etwa 0,1 bis 1,8 %. Die Alkaloide gehören zur Gruppe der
Tropanalkaloide. In jüngeren Blättern überwiegt Cinnamoylcocain, in
älteren Blättern vor allem Cocain als Hauptalkaloid.
Neben den nativ in der Pflanze vorkommenden Alkaloiden können bei der
Aufarbeitung der Droge weitere Verbindungen wie α- und β-Truxillin sowie
Benzoylecgonin entstehen. Die Truxilline bilden sich durch Dimerisierung
von Cinnamoylcocain, Benzoylecgonin durch Spaltung von Cocain.
Weitere Inhaltsstoffe sind Hygrin, Cuscohygrin sowie Spuren von Nicotin.
Die Zusammensetzung der Alkaloide kann sich durch Verarbeitung und
Lagerung verändern.
PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologischen Wirkungen der Droge beruhen vor allem auf den
enthaltenen Tropanalkaloiden, insbesondere auf Cocain. Cocain wirkt
zentralnervös und kann anregende Effekte sowie eine Verminderung von
Müdigkeit bewirken.
Die Wirkung beruht im Wesentlichen auf der Hemmung der Wiederaufnahme von
Neurotransmittern wie Dopamin, Noradrenalin und Serotonin über entsprechende
Transporter. Zusätzlich treten periphere sympathomimetische Effekte auf.
Darüber hinaus besitzt Cocain lokalanästhetische Eigenschaften durch
Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle und damit verbundene Hemmung
der Erregungsleitung.
Die Wirkung der gesamten Droge unterscheidet sich von der isolierten
Reinsubstanz auch durch die komplexe Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.
Die traditionelle Verwendung von Kokablättern in den Anden ist von der
Aufnahme von isoliertem Cocain als Reinsubstanz klar zu unterscheiden.
EVIDENZ
Für die Kokablätter (Cocae folium) liegen keine ausreichenden
klinischen Studien vor, die eine medizinische Anwendung im Sinne der
evidenzbasierten Phytotherapie belegen.
Die vorhandenen Daten beziehen sich überwiegend auf traditionelle
Anwendungen sowie auf pharmakologische Untersuchungen der enthaltenen
Alkaloide.
Die traditionelle Verwendung der Kokablätter in den Anden ist von einer
wissenschaftlich gesicherten Wirksamkeit zu unterscheiden.
ANWENDUNG
Das Kauen von Kokablättern ist in den Anden sowie im Tiefland des
Gran Chaco seit Jahrhunderten verbreitet. Die Blätter werden dort
traditionell als Genussmittel sowie in kultischen und medizinischen
Zusammenhängen verwendet, unter anderem auch als Aufguss (Coca-Tee).
Sie dienen zur Verminderung von Müdigkeit, Hungergefühl und
Kälteempfinden und werden bei Höhenbeschwerden eingesetzt.
Die traditionelle Nutzung der Kokablätter ist von der Aufnahme von
isoliertem Cocain als Reinsubstanz klar zu unterscheiden. Die
rechtliche Situation ist international unterschiedlich geregelt.
Cocainhydrochlorid besitzt eine lokal betäubende Wirkung und wird
heute nur noch in eng begrenzten medizinischen Situationen als
Lokalanästhetikum eingesetzt.
STATUS
Für die Kokablätter (Cocae folium) besteht in Europa keine
anerkannte medizinische Anwendung im Sinne der evidenzbasierten
Phytotherapie.
Cocain unterliegt international strengen
Betäubungsmittelbestimmungen und ist als Wirkstoff in den meisten
Ländern reguliert.
Die traditionelle Verwendung der Kokablätter in den Anden ist davon
zu unterscheiden.
SONSTIGES
Der Kokastrauch wird seit Jahrtausenden in Südamerika kultiviert und
hatte bereits in präkolumbischer Zeit eine wichtige kulturelle und
religiöse Bedeutung.
In Europa fand die Droge im 19. Jahrhundert zeitweise Verwendung zur
Herstellung von Cocawein (z. B. Vin Mariani) sowie als Bestandteil
früher Rezepturen von Erfrischungsgetränken.
Die heutige Verwendung ist vor allem auf die traditionellen
Anwendungsgebiete in den Anden beschränkt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Catha edulis – in Ostafrika und auf der Arabischen Halbinsel traditionell verwendete Pflanze mit zentralnervös wirksamen Alkaloiden.
- Camellia sinensis – koffeinhaltige Teepflanze mit mild anregender Wirkung.
HÄUFIGE FRAGEN (FAQ)
Hat der Kokastrauch eine medizinische Anwendung?
Für die Kokablätter (Cocae folium) besteht in Europa keine anerkannte medizinische Anwendung im Sinne der evidenzbasierten Phytotherapie.
Welche Wirkstoffe enthalten Kokablätter?
Kokablätter enthalten Tropanalkaloide, insbesondere Cocain, daneben weitere Alkaloide wie Cinnamoylcocain, Benzoylecgonin sowie Hygrin und Cuscohygrin.
Wie werden Kokablätter traditionell verwendet?
In den Anden werden Kokablätter seit Jahrhunderten gekaut oder als Aufguss (Coca-Tee) verwendet, unter anderem zur Verminderung von Müdigkeit und bei Höhenbeschwerden.
Ist Kokain ein Arzneimittel?
Cocainhydrochlorid wird heute nur noch in eng begrenzten medizinischen Situationen als Lokalanästhetikum eingesetzt.
Ist der Kokastrauch rechtlich erlaubt?
Cocain unterliegt international strengen Betäubungsmittelbestimmungen. Die rechtliche Situation des Kokastrauchs und der Kokablätter ist je nach Land unterschiedlich geregelt.
Letzte Änderung: 23.03.2026 / © W. Arnold

