Engelsüss - Polypodium vulgare
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Polypodium vulgare (syn. Polypodium virginianum); Engelsüss, Tüpfelfarn.
Engelsüsswurzelstock besitzt keine anerkannte medizinische Anwendung, ist jedoch vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Traditionell wird die Droge als Expektorans bei Husten und Erkältung sowie kurzfristig bei gelegentlich auftretender Verstopfung verwendet.
VORKOMMEN
Engelsüss ist in Mittel- und Südeuropa, Nord- und Westasien bis Japan, in Teilen Afrikas sowie in Amerika verbreitet. Der Farn wächst bevorzugt an schattigen und luftfeuchten Standorten, auf Waldböden, Felsen, Mauern und moosigen Baumstämmen. Die Pflanze bevorzugt kalkarme Böden und gilt als Halbschattenpflanze.
MERKMALE
Der Gewöhnliche Tüpfelfarn ist ein immergrüner Farn mit 10 bis 40 cm langen, einfach gefiederten Wedeln. Die Blattspreite ist schmal-lanzettlich und tief eingeschnitten. Die runden Sori stehen in zwei Reihen auf der Blattunterseite. Die Wedel überwintern meist grün.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Polypodii rhizoma (syn. Rhizoma Polypodii, Radix Polypodii); Engelsüsswurzelstock, der ganze Wurzelstock.
In der anthroposophischen Medizin werden teilweise auch Farnwedel verwendet (Polypodii folium).
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge enthält Zucker, darunter Saccharose, Glucose und Fructose, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Saponine sowie Bitterstoffe. Besonders bekannt ist Osladin, ein extrem süss schmeckendes Saponin. Daneben wurden Ecdyson-Derivate, ätherische Ölbestandteile, Fettsäuren und verschiedene phenolische Verbindungen beschrieben.
PHARMAKOLOGIE
Saponine besitzen sekretolytische Eigenschaften und können die Schleimlösung in den Atemwegen fördern. Experimentell wurden antimikrobielle und antimykotische Wirkungen beschrieben. Die traditionelle Anwendung als Expektorans ist pharmakologisch plausibel, klinische Wirksamkeitsnachweise sind jedoch begrenzt.
EVIDENZ
Die Evidenz für Engelsüss basiert vor allem auf traditioneller Anwendung und pharmakologischer Plausibilität. Das HMPC hat Polypodii rhizoma als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Hochwertige klinische Studien zur Wirksamkeit liegen jedoch kaum vor.
Die Anwendung bei Husten und gelegentlich auftretender Verstopfung stützt sich primär auf langjährige Erfahrung. Experimentelle Untersuchungen beschreiben sekretolytische, antimikrobielle und antimykotische Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe.
- EMA/HMPC: Polypodii rhizoma – traditionelles pflanzliches Arzneimittel.
- PubMed: Osladin und Inhaltsstoffe von Polypodium-Arten.
- PubMed: biologische Aktivitäten von Polypodium-Inhaltsstoffen.
ANWENDUNG
Engelsüsswurzelstock wird traditionell als Expektorans bei Husten und Erkältung verwendet. Zusätzlich erfolgt eine kurzfristige Anwendung bei gelegentlich auftretender Verstopfung.
In der Volksmedizin wurde Engelsüss auch bei Bronchitis, Lungenbeschwerden und als mildes Abführmittel eingesetzt. Die Wirksamkeit dieser Anwendungen ist jedoch nicht ausreichend durch klinische Studien belegt.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Teeaufguss: 2 bis 3 g fein geschnittene Droge mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergiessen und nach ungefähr 10 Minuten abseihen. Traditionell werden 3 bis 4 Tassen täglich verwendet.
SICHERHEIT
Engelsüss sollte ohne ärztliche Rücksprache nicht länger als eine Woche angewendet werden. Bei anhaltendem Husten, Fieber, Atemnot oder blutigem Auswurf ist ärztliche Abklärung erforderlich.
Für Schwangerschaft, Stillzeit und kleine Kinder liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden.
- ESCOP: keine Monographie vorhanden.
- HMPC: traditionelles pflanzliches Arzneimittel (Polypodii rhizoma)
ENGELSÜSS IM GARTEN
Das Tüpfelfarn können sie in jeder guten Gärtnerei kaufen. Ein halbschattiger bis schattiger Standort wird empfohlen. Alle sauren, humosen, genügend feuchten Böden eignen sich als Substrat. Engelsüss ist frosthart und mehrjährig. Die Pflanze soll im Herbst nicht zurückgeschnitten werden, da sie im Winter hübsch aussieht und die abgestorbenen Pflanzenteile als Winterschutz dienen. Rückschnitt erst im Frühling vor dem Neuaustrieb.
Engelsüss ist eine problemlose Pflanze, solange der pH des Bodens im sauren Bereich liegt. Im Garten freut sich Polypodium vulgare zum Jahresbeginn über ein wenig Kompost oder eine Handvoll Hornspäne. Bei mir im Garten sind seine Nachbarn die Pestwurz, Storchenschnabel, Baldrian, Mädesüss und Seidelbast.
SONSTIGES
Die Engelsüsswurzel ist seit dem Altertum bekannt. Die Ärzte des Mittelalters verwendeten die Droge als Abführmittel, gegen Schrunden und Nasenpolypen sowie gegen Milz- und Lungenleiden.
Der Gattungsname Polypodium ist vom griechischen polýs (viel) und pódion (Füsschen) abgeleitet, anscheinend weil der Wurzelstock viele Blattreste aufweist. Die Bezeichnung Engelsüss weist auf das süss schmeckende Rhizom hin, dessen Heilwirkung die Menschen durch Engel erfahren haben sollen. Die Pflanze diente in früherer Zeit vor allem als Abführmittel.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Schlüsselblume (Primula veris) – traditionelle Arzneipflanze mit Saponinen bei Husten.
- Efeu (Hedera helix) – pflanzliches Expektorans bei produktivem Husten.
- Süssholz (Glycyrrhiza glabra) – süss schmeckende Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Hustenreiz.
- Eibisch (Althaea officinalis) – schleimstoffreiche Arzneipflanze bei Reizhusten.
FAQ
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Wofür wird Engelsüss verwendet?
Traditionell bei Husten, Erkältung und kurzfristig bei gelegentlicher Verstopfung. -
Hat Engelsüss eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Die Anwendung basiert auf traditioneller Verwendung. -
Welche Inhaltsstoffe sind bekannt?
Unter anderem Osladin, Saponine, Gerbstoffe und Ecdyson-Derivate. -
Wie lange sollte Engelsüss angewendet werden?
Ohne ärztliche Rücksprache nicht länger als eine Woche. -
Ist Engelsüss vom HMPC bewertet?
Ja. Polypodii rhizoma ist als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Letzte Änderung: 10.05.2026 / © W. Arnold