Engelsüss - Polypodium vulgare

Polypodium vulgare (syn. Polypodium virginianum);
Engelsüss (syn. Tüpfelfarn).

Tüpfelfarn - Polypodium vulgare

Engelsüss - Polypodium vulgare

VORKOMMEN

Engelsüss ist heimisch in Mittel- und Südeuropa, Nord- und Westasien bis Japan, in Amerika und Afrika, an schattigen Abhängen, auf Waldböden, an Felsen oder Mauern, zuweilen epiphytisch auf Stämmen und Baumstrünken von der Ebene bis in die alpine Stufe. Die Pflanze ist kalkscheu. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, wächst der Farn auch - in Mitteleuropa als eine der wenigen heimischen Sprosspflanzen - als echter Epiphyt in der Borke von Bäumen, die dann zumeist bemoost sind. Polypodium vulgare gilt als Halbschattenpflanze.

MERKMALE

Beim Engelsüss handelt es sich um ein 8 bis 70 cm hohen Farn mit einfach fiederteiligen Wedeln. Die Blätter sind 10-40 cm lang, der kahle Stiel ist halb so lang wie die Spreite. Die Spreite ist schmal-lanzettlich, etwa 5mal so lang wie breit, und ist bis fast auf die Spindel fiederschnittig. Die Sori sind rund, in 2 Reihen, ohne Schleier und ohne Paraphysen. Die Blätter überwintern, die neuen erscheinen im Frühsommer.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Rhizoma Polypodii (syn. Radix Polypodii, Radix Filicis dulcis); Engelsüsswurzelstock (syn. Eichenfarnwurzel, Korallenwurzel, Tüpfelfarnwurzel), der ganze Wurzelstock.

In der anthroposophischen Medizin werden auch die Farnwedel verwendet (Polypodii folium).

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Der süße Geschmack wird durch Saccharose (15,5 %) und Glucose + Fructose (4,2 %) verursacht. Ferner Spuren eines äth. Öles mit scharfem Geschmack, das zu etwa 40 % aus freien Säuren (Butter-, Capron- und Laurinsäure) besteht; Methylsalicylat, Ester der Butter-, Isovalerian- und Methyläthylessigsäure, 2,5 bis 3,7 % Catechingerbstoffe, gelbe Pigmente, 6,3 % Stärke, Schleimstoffe, Eiweiß. In den Wurzeln ein amorpher, glykosidischer Bitterstoff, Samambain, der bei enzymatischer Hydrolyse Glucose, Rhamnose, Benzoesäure und harzige Produkte liefert. Daneben noch Citronen-, Äpfel, Kaffee-, Spuren von Ascorbinsäure, etwa 8 % fettes Öl mit Palmitin-, Öl- und Linolsäure als Hauptfettsäuren, ein Phytosterin, wenig Kautschuk und ein nicht näher untersuchtes Harz. Es wurden über 2 % der Insektenhäutungshormone Ecdyson und Ecdysteron (20-Hydroxyecdyson, Crustecdyson, Polypodin A) isoliert. Im weiteren wurden isoliert Osladin (das süsse Prinzip der Droge, 3000 mal süsser als Saccharose ), die Saponine I (Polypodosaponin), und II.

Oslandin, Polypodosaponin

Im weiteren wurden gefunden 0,53 % Phloroglucinderivate, Stearinsäure, Filicin und 0,6 % Glycyrrhizin. Nach anderen Angaben konnte kein Glycyrrhizin nachgewiesen werden.

PHARMAKOLOGIE

Das Polypodosaponin zeigt typische Saponineigenschaften, 26-0-Methylpolypodosaponin zeigt starke Hemmwrkung gegenüber Pilzen. Das Harz soll vermizide Wirkung haben.

ANWENDUNG

Engelsüsswurzelstock wurden vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (in Revision befindlich). Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Engelsüsswurzelstock als Expektorans bei Husten und Erkältung und zur kurzfristigen Behandlung gelegentlich auftretender Verstopfung eingesetzt werden.

In der Volksmedizin bei Erkrankungen der Luftwege, bei Bronchitis und bei Lungentuberkulose. In der Likörindustrie zu einigen Bitterschnäpsen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teeaufguss: 2 bis 3 g fein geschnittene Engelsüsswurzelstock mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergiessen und nach 10 Min. abseihen. 3- bis 4-mal täglich eine Tasse Engelsüsstee trinken.

STATUS

  • Kommission E: - keine Bearbeitung
  • ESCOP: - keine Bearbeitung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

ENGELSÜSS IM GARTEN

Das Tüpfelfarn können sie in jeder guten Gärtnerei kaufen. Ein halbschattiger bis schattiger Standort wird empfohlen. Alle sauren, humosen, genügend feuchten Böden eignen sich als Substrat. Engelsüss ist frosthart und mehrjährig. Die Pflanze soll im Herbst nicht zurückgeschnitten werden, da sie im Winter hübsch aussieht und die abgestorbenen Pflanzenteile als Winterschutz dienen. Rückschnitt erst im Frühling vor dem Neuaustrieb. Engesüss ist eine problemlose Pflanze, solange der pH des Bodens im sauren Bereich liegt. Im Garten freut sich Polypodium vulgare zum Jahresbeginn über ein wenig Kompost oder eine Handvoll Hornspäne. Bei mir im Garten sind seine Nachbarn die Pestwurz, Storchenschnabel, Baldrian, Mädesüss und Seidelbast.

Engelsüss (Polypodium vulgare)

SONSTIGES

Die Engelsüsswurzel ist seit dem Altertum bekannt. Die Ärzte des Mittelalters verwendeten die Droge als Abführmittel, gegen Schrunden und Nasenpolypen sowie gegen Milz- und Lungenleiden. Der Gattungsname Polypodium ist vom griechischen polýs (viel) und pódion (Füsschen) abgeleitet, anscheinend weil der Wurzelstock viele Blattreste aufweist. Die Bezeichnung Engelsüss weist auf das süssschmeckende Rhizom hin, dessen Heilwirkung die Menschen durch Engel erfahren haben sollen. Die Pflanze diente in früherer Zeit vor allem als Abführmittel.

Letzte Änderung: 28.07.2019 / © W. Arnold