Seidelbast - Daphne mezereum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Heutige medizinische Bedeutung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Der Seidelbast (Daphne mezereum) ist ein stark giftiger Strauch ohne anerkannte medizinische Anwendung. Besonders die Früchte und Samen sind toxisch; frische Pflanzenteile können zudem die Haut reizen.
Daphne mezereum (syn. Daphne albiflora, D. lateriflora, D. liettardi, Thymelaea praecox, Thymelaea mezereum)
VORKOMMEN
Der Seidelbast ist in weiten Teilen Europas bis nach Südwest-Sibirien und Nordiran heimisch. Er wächst vor allem in lichten Laub- und Mischwäldern, an Waldrändern, in Schluchten, auf krautreichen Waldstandorten sowie in montanen Hochstaudenfluren.
Daphne mezereum bevorzugt frische bis mässig feuchte, nährstoffreiche und eher kalkhaltige Böden. Der kleine Strauch gilt als standorttreu, ist jedoch an geeigneten Plätzen erstaunlich anpassungsfähig.
MERKMALE
Der Seidelbast ist ein 25 bis 120 cm hoher sommergrüner Strauch mit rutenförmigen, nur im oberen Bereich beblätterten Zweigen. Die Blätter sind lanzettlich, 2 bis 6 cm lang und kurz gestielt.
Die rosa bis violettroten, stark duftenden Blüten erscheinen sehr früh im Jahr direkt am vorjährigen Holz, meist noch vor dem Laubaustrieb. Die Früchte sind kugelige, leuchtend rote Steinfrüchte mit einem Durchmesser von etwa 5 bis 10 mm und machen die Pflanze im Sommer besonders auffällig.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Mezerei cortex – Seidelbastrinde (syn. Cortex Mezerei, Cortex Thymeliaceae), die getrocknete Rinde der Stämme und dickeren Zweige.
2. Mezerei fructus – Seidelbastfrüchte (syn. Baccae Mezerei, Semen Mezerei), meist die getrockneten Früchte beziehungsweise Samen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Mezerei cortex
Enthält Cumarine und Cumaringlykoside wie Daphnetin, Umbelliferon und Daphnin, ferner Phenolglykoside, darunter Daphnosid, sowie haut- und schleimhautreizende Diterpenester, insbesondere Daphnetoxin.

2. Mezerei fructus
Die Früchte und Samen enthalten ebenfalls Cumarine, darunter Daphnoretin und Daphnorin, sowie Diterpenester; besonders hervorzuheben ist Mezerein. Die Samen gelten als der toxikologisch wichtigste Pflanzenteil.

PHARMAKOLOGIE
Für den Menschen ist der Seidelbast eine stark giftige Pflanze. Besonders die Diterpenester wirken ausgeprägt haut- und schleimhautreizend. Nach oraler Aufnahme können Brennen in Mund und Rachen, Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfälle auftreten.
Frische Pflanzenteile können auch äusserlich zu deutlichen Reizungen führen. Empfindliche Personen reagieren bereits auf Saftkontakt mit Rötung, Brennen oder Blasenbildung. Aufgrund dieser Toxizität ist Seidelbast keine Pflanze für die Selbstmedikation.
EVIDENZ
Für Daphne mezereum besteht heute keine anerkannte medizinische Anwendung in der modernen Phytotherapie. Die Pflanze ist primär toxikologisch relevant; ein therapeutisch vertretbarer Nutzen ist nicht belegt.
- HMPC: keine Bearbeitung (HMPC)
- ESCOP: keine Bearbeitung (ESCOP)
- Kommission E: keine Bearbeitung
- PubMed: Daphne mezereum – toxische Diterpenester in der Rinde; Gniditrin als Hauptditerpenoid, Mezerein in den Früchten (Görick & Melzig 2013)
- Taxonomie und Verbreitung: Kew POWO: Daphne mezereum
- Toxikologische Übersicht: Drug and Poison Information Centre: Daphne
ANWENDUNG
Historisch wurde Seidelbast unter anderem bei Zahn- und Kopfschmerzen sowie äusserlich als stark reizendes Mittel verwendet. Solche Anwendungen gehören heute in die Medizingeschichte und nicht mehr in eine rationale Phytotherapie.
Aus heutiger Sicht ist entscheidend: Der Seidelbast ist keine gebräuchliche Heilpflanze mehr, sondern in erster Linie eine toxikologisch bedeutsame Giftpflanze.
HEUTIGE MEDIZINISCHE BEDEUTUNG
Die Anwendung als Phytopharmakon ist obsolet. Eine medizinische Selbstanwendung ist nicht vertretbar. Falls es zu einer Aufnahme von Pflanzenteilen kommt, ist die Situation als potenziell vergiftungsrelevant einzustufen.
STATUS
Giftpflanze!
SEIDELBAST IM GARTEN
Der Strauch gedeiht am besten im Halbschatten auf frischen bis mässig feuchten, nährstoffreichen Böden. Der Boden darf eher kalkhaltig sein und sollte nicht austrocknen. Etwas eingearbeiteter mineralischer Zuschlag verbessert die Durchlüftung; Staunässe wird dagegen schlecht vertragen.
Seidelbast benötigt insgesamt wenig Pflege. In längeren Trockenperioden ist zusätzliches Giessen sinnvoll. Die Pflanze belohnt einen guten Standort mit einem aussergewöhnlich frühen Flor und einem intensiven Duft.
Bei mir im Garten wächst er neben Pestwurz, Haselwurz und Bärlauch.
Ist der blühende Seidelbast so gross wie auf dem Bild, wird er jeden Gartenbesucher mit seinem Duft beeindrucken. Wegen der Giftigkeit ist er jedoch kein idealer Strauch für frei zugängliche Bereiche mit kleinen Kindern.
SONSTIGES
Bereits in antiken Schriften wurden Seidelbastsamen erwähnt. Seine Verwendung als Heilpflanze ist seit der frühen Neuzeit schriftlich dokumentiert. Heute steht dagegen vor allem der Charakter als Giftpflanze im Vordergrund.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Dictamnus albus – Diptam – phototoxische Furanocumarine
- Ruta graveolens – Weinraute – phototoxische und hautreizende Inhaltsstoffe
FAQ
- Ist Seidelbast essbar?
Nein. Alle Pflanzenteile gelten als giftig, besonders die Früchte und Samen. - Hat Seidelbast heute eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. In der modernen Phytotherapie besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. - Ist schon Hautkontakt problematisch?
Ja. Frische Pflanzenteile können die Haut reizen; empfindliche Personen reagieren teils deutlich. - Ist Seidelbast als Gartenpflanze trotzdem interessant?
Ja. Der Duft der frühen Blüten ist aussergewöhnlich. Wegen der Giftigkeit sollte der Standort aber mit Bedacht gewählt werden.
Letzte Änderung: 29.03.2026 / © W. Arnold










