Kaffeestrauch - Coffea arabica
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Coffea arabica L. (syn. Coffea laurifolia, Coffea mauritiana); Kaffee, Arabica-Kaffee, Kaffeebaum, Kaffeepflanze, Kaffeestrauch.
Kaffee ist vor allem ein Genussmittel. Die wachmachenden, konzentrationsfördernden und leistungsbezogenen Effekte beruhen überwiegend auf Coffein, einem pharmakologisch gut untersuchten Methylxanthin. Für Coffeae semen besteht jedoch keine spezifische HMPC-Monographie als pflanzliches Arzneimittel.
VORKOMMEN
Die Kaffeepflanze stammt ursprünglich aus dem südwestlichen Äthiopien. Coffea arabica gilt als natürliche Hybride aus Coffea eugenioides und Coffea canephora. Heute wird Arabica-Kaffee in zahlreichen tropischen und subtropischen Ländern kultiviert.
Die Pflanze bevorzugt gleichmässig warme, frostfreie Lagen mit ausreichender Feuchtigkeit. Unter ungünstigen Anbaubedingungen, besonders bei hoher Temperatur und geringer Höhenlage, kann Arabica-Kaffee anfällig gegenüber Kaffeerost sein.
MERKMALE
Coffea arabica wächst als immergrüner Strauch oder kleiner Baum und erreicht meist Wuchshöhen bis etwa 5 Meter. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt, dunkelgrün, glänzend und lanzettlich bis elliptisch.
In den Blattachseln stehen kurze, zymöse Blütenstände mit weissen, duftenden Blüten. Die sogenannte Kaffeekirsche ist eine elliptische bis längliche, bei Reife meist rote Steinfrucht. Ihre Samen sind die Kaffeebohnen.
DROGEN
Coffeae semen (syn. Semen Coffeae, Semina Coffeae): Kaffeebohnen, die getrockneten, von der Samenhaut befreiten Samen.
Coffeae carbo: Kaffeekohle, eine durch starkes Rösten beziehungsweise Verkohlen von Kaffeebohnen hergestellte Droge.
WIRKSTOFFE
Wichtige Inhaltsstoffe der Kaffeebohnen sind Purinalkaloide, insbesondere Coffein, in geringeren Mengen Theophyllin und Theobromin. Weiterhin enthalten sind Chlorogensäuren, Diterpene, Diterpenalkohole, fettes Öl, Kohlenhydrate, Proteine und beim Rösten entstehende Aromastoffe.
Der Coffeingehalt von Arabica-Kaffee ist geringer als jener von Robusta-Kaffee. Die Zusammensetzung verändert sich beim Rösten deutlich; dabei entstehen zahlreiche flüchtige Aromastoffe, während ein Teil der Chlorogensäuren abgebaut wird.

PHARMAKOLOGIE
Coffein wirkt in üblichen Dosen vor allem zentral stimulierend. Es vermindert Müdigkeit, erhöht Wachheit und Aufmerksamkeit und kann kurzfristig psychomotorische Leistung und Konzentration verbessern. Die Wirkung ist dosisabhängig und individuell verschieden.
Pharmakologisch beruht ein wesentlicher Teil der Wirkung auf der Blockade von Adenosinrezeptoren. Bei höheren Dosen können auch Kreislauf, Atmung, Herzfrequenz und Harnausscheidung beeinflusst werden. Unerwünschte Wirkungen treten vor allem bei empfindlichen Personen oder hoher Coffeinaufnahme auf.
EVIDENZ
Die Evidenz für Coffein als kurzfristig wachmachende und aufmerksamkeitsfördernde Substanz ist gut. Für Coffea arabica beziehungsweise Coffeae semen als pflanzliche Arzneidroge besteht dagegen keine eigenständige anerkannte HMPC-Indikation.
Kaffee ist primär ein Genussmittel; die pharmakologische Plausibilität beruht vor allem auf Coffein. Klinische Aussagen zu Krankheitsbehandlung oder Prävention müssen vorsichtig bewertet werden, weil Kaffee als Lebensmittel sehr unterschiedlich konsumiert wird und viele Studien beobachtenden Charakter haben.
- EFSA – Caffeine: Übersicht zur Sicherheitsbewertung von Coffein aus allen Nahrungsquellen.
- EFSA Journal – Scientific Opinion on the safety of caffeine: wissenschaftliche Sicherheitsbewertung zu Einzel- und Tagesdosen von Coffein.
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel; keine spezifische Monographie zu Coffeae semen gefunden.
- EMA – European Union monographs and list entries – Übersicht der EU-Herbal-Monographien und Listeneinträge.
- BfArM – Liste der Kommission-E-Monographien: amtliche Übersicht der veröffentlichten Kommission-E-Monographien; Kaffeekohle ist als eigene Droge zu unterscheiden.
- PubMed – Ribeiro & Sebastião (2010): Review zum Wirkmechanismus von Coffein über Adenosinrezeptoren.
- PubMed – Smith (2002): Review zu Effekten von Coffein auf Wachheit, Stimmung, Leistungsfähigkeit und unerwünschte Wirkungen.
- PubMed – McLellan et al. (2016): Review zu Coffein, kognitiver Leistungsfähigkeit, körperlicher Leistung und Sicherheit.
- PubMed – van Duinen et al. (2005): Humanstudie zu Coffein und kognitiver Aufgabenleistung.
ANWENDUNG
Kaffee wird weltweit als Genussmittel verwendet. Die anregende Wirkung wird hauptsächlich dem Coffein zugeschrieben. Kurzfristig kann Coffein Müdigkeit vermindern und Wachheit sowie Aufmerksamkeit erhöhen.
Als arzneiliche Droge ist Coffeae semen von der üblichen Verwendung als Getränk zu unterscheiden. Für die Behandlung von Krankheiten ist Kaffee nicht als Heilpflanze mit anerkannter Indikation einzuordnen.
Kaffeekohle (Coffeae carbo) ist eine separate Zubereitung und nicht mit normalem Kaffee gleichzusetzen. Sie wurde traditionell beziehungsweise monographisch anders bewertet als Kaffeebohnen oder Kaffeegetränke.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Kaffee wird aus gerösteten, gemahlenen Kaffeebohnen mit heissem Wasser zubereitet. Coffeingehalt und Wirkung hängen von Sorte, Röstung, Mahlgrad, Zubereitungsart und Trinkmenge ab.
Eine allgemeine arzneiliche Dosierung für Coffeae semen besteht nicht. Für gesunde Erwachsene gelten nach EFSA Einzeldosen bis 200 mg Coffein und eine Tagesaufnahme bis 400 mg Coffein als unbedenklich; in Schwangerschaft und Stillzeit wird eine deutlich niedrigere Aufnahme empfohlen.
SICHERHEIT
Zu viel Coffein kann Nervosität, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Zittern, Magenbeschwerden und Blutdruckanstieg begünstigen. Empfindliche Personen können bereits auf geringe Mengen deutlich reagieren.
Bei Herzrhythmusstörungen, schlecht eingestelltem Bluthochdruck, Angst- und Schlafstörungen, Magenreizung oder Reflux sollte die Coffeinaufnahme individuell vorsichtig beurteilt werden. Coffein kann die Wirkung sedierender Substanzen abschwächen und mit stimulierenden Substanzen additiv wirken.
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte Coffein nur begrenzt aufgenommen werden. Kinder und Jugendliche sollten koffeinhaltige Getränke nur zurückhaltend konsumieren.
STATUS
- Kommission E: Coffeae semen keine Monographie vorhanden; Coffeae carbo als separate Droge in der Kommission-E-Liste aufgeführt.
- ESCOP: keine Monographie zu Coffeae semen vorhanden.
- HMPC: keine Monographie zu Coffeae semen vorhanden.
GARTEN
Der Kaffeestrauch ist eine tropische bis subtropische Pflanze und in Mitteleuropa nicht winterhart. Er kann als Kübel- oder Zimmerpflanze kultiviert werden, benötigt aber viel Licht, gleichmässige Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit und kalkarmes Wasser.
Staunässe sollte vermieden werden. Bei geeigneten Bedingungen kann die Pflanze nach mehreren Jahren blühen und Früchte bilden; für eine regelmässige Ernte ist das mitteleuropäische Zimmer- oder Gewächshausklima jedoch meist nicht optimal.
SONSTIGES
Der Gebrauch der Kaffeepflanze als Genussmittel ist kulturgeschichtlich alt. Neben dem heute verbreiteten Getränk aus gerösteten Samen wurden regional auch Aufgüsse aus Blättern verwendet.
Arabica-Kaffee gilt wegen seines Aromas und seines vergleichsweise milden Coffeingehaltes als besonders geschätzt. Die Bezeichnung Kaffee umfasst jedoch zahlreiche Sorten, Herkünfte, Röstungen und Zubereitungsarten.
Medizinisch getrennt zu betrachten ist die Kaffeekohle. Sie entsteht durch starkes Rösten beziehungsweise Verkohlen der Bohnen und unterscheidet sich in Anwendung und Eigenschaften deutlich von normalem Kaffee.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Guarana (Paullinia cupana) – coffeinhaltige Samen mit zentral stimulierender Wirkung.
- Tee (Camellia sinensis) – coffeinhaltige Blattdroge mit traditioneller Verwendung als Genuss- und Aufgussgetränk.
FAQ
- Hat Kaffee eine anerkannte medizinische Anwendung?
Kaffee ist vor allem ein Genussmittel. Für Coffeae semen besteht keine spezifische HMPC-Monographie als pflanzliches Arzneimittel. - Welche Wirkung hat Coffein?
Coffein wirkt zentral stimulierend, vermindert Müdigkeit und kann kurzfristig Wachheit und Aufmerksamkeit erhöhen. - Ist Kaffee dasselbe wie Kaffeekohle?
Nein. Kaffeekohle ist eine stark geröstete beziehungsweise verkohlte Zubereitung und als eigene Droge zu unterscheiden. - Welche Nebenwirkungen kann Coffein verursachen?
Möglich sind Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Zittern, Magenbeschwerden und Blutdruckanstieg. - Wie viel Coffein gilt als unbedenklich?
Für gesunde Erwachsene gelten nach EFSA Einzeldosen bis 200 mg und Tagesmengen bis 400 mg Coffein als unbedenklich. In Schwangerschaft und Stillzeit gelten niedrigere Richtwerte.
Letzte Änderung: 24.04.2026 / © W. Arnold




