Herbstzeitlose - Colchicum autumnale
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Herbstzeitlose ist eine stark giftige Pflanze. Medizinisch relevant ist vor allem das Alkaloid Colchicin, das heute als Reinstoff in Arzneimitteln verwendet wird. Pflanzenteile und traditionelle Zubereitungen eignen sich nicht für die Selbstmedikation.
Colchicum autumnale (syn. Colchicum commune, C. crociflorum, C. multiflorum);
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Herbstzeitlose (syn. Butterwecken, Henne, Hennegift, Giftblume, Herbstblume).
VORKOMMEN
Colchicum autumnale ist in weiten Teilen Europas verbreitet und wächst vor allem auf nährstoffreichen, frischen bis feuchten Wiesen. Die Art kommt von der Ebene bis in montane Lagen vor. Typisch ist das Auftreten auf extensiv genutzten Wiesenstandorten, wo sie im Spätsommer und Herbst mit ihren lilafarbenen Blüten auffällt.

MERKMALE
Die Herbstzeitlose ist eine ausdauernde krautige Knollenpflanze. Sie bildet im Frühjahr schmale bis breit lanzettliche Laubblätter zusammen mit der Fruchtkapsel aus, während die Blüten erst im Herbst erscheinen. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig und meist blassrosa bis violett gefärbt. Die Frucht ist eine dreifächrige, vielsamige Kapsel; die Samen sind rundlich, bräunlich und leicht klebrig.

DROGEN
Colchici semen (syn. Semen Colchici): die im Juni und Juli geernteten und getrockneten Samen der Herbstzeitlosenfrucht.
WIRKSTOFFE
Herbstzeitlosensamen enthalten Alkaloide mit Tropolonring, vor allem Colchicin als Hauptalkaloid. Daneben kommen Colchicosid sowie weitere strukturell verwandte Alkaloide in deutlich geringeren Mengen vor. Pharmakologisch und toxikologisch ist insbesondere Colchicin von Bedeutung.

PHARMAKOLOGIE
Colchicin bindet an Tubulin und hemmt dadurch die Bildung von Mikrotubuli. Dies beeinträchtigt Zellteilung, intrazellulären Transport, Exozytose und die Beweglichkeit entzündungsaktiver Zellen. Klinisch relevant ist vor allem die Hemmung neutrophiler Entzündungsprozesse, was die Wirkung bei Gicht und beim familiären Mittelmeerfieber erklärt. Wegen der engen therapeutischen Breite ist die pharmakologische Wirkung eng mit dem Vergiftungsrisiko verknüpft.
EVIDENZ
Die traditionelle Anwendung der Herbstzeitlose als Pflanze ist historisch gut belegt, spielt heute aber wegen der hohen Toxizität therapeutisch keine Rolle mehr. Pharmakologisch ist die Wirkung von Colchicin klar plausibel und mechanistisch gut verstanden. Klinische Evidenz besteht nicht für die Selbstmedikation mit der Droge, sondern für den standardisiert dosierten Reinstoff Colchicin bei Gicht und familiärem Mittelmeerfieber; als Heilpflanze ist die Herbstzeitlose deshalb nicht als modernes Phytopharmakon einzuordnen.
- HMPC / EMA – zentrale Informationsseite des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel; für Colchicum autumnale ist keine HMPC-Monographie vorhanden.
- BfArM – Liste der Monographien der Kommission E – amtliche Übersicht der veröffentlichten Kommission-E-Monographien.
- PMC – Übersichtsarbeit zu Nutzen und Risiken von Colchicin beim akuten Gichtanfall.
- PubMed – aktuelle Übersichtsarbeit zur prophylaktischen Colchicin-Therapie beim familiären Mittelmeerfieber.
- NCBI Bookshelf – klinischer Überblick zu Colchicin, Dosierung, Interaktionen und Toxizität.
ANWENDUNG
Die Herbstzeitlose wird heute nicht als pflanzliche Droge zur Selbstbehandlung verwendet. Medizinisch eingesetzt wird Colchicin als definierter Reinstoff, insbesondere bei akutem Gichtanfall, zur Gichtprophylaxe in geeigneten Situationen sowie beim familiären Mittelmeerfieber. Historische volksmedizinische Anwendungen der Pflanze sind obsolet und wegen des erheblichen Vergiftungsrisikos nicht vertretbar.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eine Zubereitung aus Pflanzenteilen der Herbstzeitlose ist für die Selbstmedikation nicht geeignet. Die therapeutische Anwendung erfolgt ausschliesslich mit standardisiert dosiertem Colchicin in Fertigarzneimitteln. Dosierung und Anwendungsdauer müssen sich nach Fachinformation und ärztlicher Beurteilung richten.
SICHERHEIT
Die Herbstzeitlose ist in allen Pflanzenteilen giftig. Besonders relevant sind schwere gastrointestinale Beschwerden, Knochenmarktoxizität sowie potenziell lebensbedrohliche Verläufe bei Überdosierung. Vorsicht ist auch wegen bedeutsamer Interaktionen geboten, vor allem mit starken CYP3A4- oder P-Glykoprotein-Hemmern. Eine Verwechslung der Blätter mit Bärlauch ist ein klassisches und gefährliches Vergiftungsrisiko.
STATUS
Giftpflanze!
- Kommission E: positive Monographie zu Colchici semen
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Die Herbstzeitlose braucht leicht sauren, möglichst nährstoffreichen und durchlässigen Boden. Dieser soll ständig etwas feucht sein. Die Pflanze bevorzugt einen sonnigen Standort, gedeiht aber auch im Halbschatten. Gepflanzt wird sie in Form von Knollen im August, in einer Tiefe von etwa 10 cm.
Charakteristisch ist, dass Blätter und Blüten nicht gleichzeitig erscheinen: Im Frühjahr sind die Blätter zu sehen, im Herbst die Blüten. Das erschwert die sichere Bestimmung. Besonders problematisch ist die Verwechslung mit Bärlauch (Allium ursinum).
SONSTIGES
Der wissenschaftliche Gattungsname Colchicum leitet sich von Kolchis am Schwarzen Meer ab, einer Landschaft im heutigen Georgien. Vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen dem dortigen Vorkommen von Zeitlosenarten und der antiken Überlieferung von Giften aus dieser Region. Das Artepitheton autumnale verweist auf die Blütezeit im Herbst und leitet sich vom lateinischen autumnus ab.
Die Droge wurde seit dem Altertum als Gichtmittel verwendet. Moderne therapeutische Nutzung beschränkt sich jedoch auf den Reinstoff Colchicin unter kontrollierten Bedingungen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Bärlauch (Allium ursinum) – essbare Wildpflanze, deren Blätter mit denen der Herbstzeitlose verwechselt werden können.
- Tollkirsche (Atropa belladonna) – klassische Giftpflanze mit pharmakologisch wirksamen Alkaloiden und hohem Vergiftungsrisiko.
- Germer (Veratrum album) – ebenfalls stark giftige Pflanze mit historischer, heute therapeutisch stark eingeschränkter Bedeutung.
FAQ
- Ist die Herbstzeitlose eine Heilpflanze für die Selbstmedikation? Nein. Wegen der hohen Toxizität ist eine Selbstmedikation mit Pflanzenteilen oder Zubereitungen kontraindiziert.
- Welcher Stoff ist medizinisch relevant? Vor allem Colchicin. Verwendet wird der standardisierte Reinstoff, nicht die Pflanze als solche.
- Wofür wird Colchicin eingesetzt? Vor allem bei Gicht und beim familiären Mittelmeerfieber, jeweils unter ärztlicher Kontrolle.
- Warum ist die Pflanze im Frühling besonders gefährlich? Die Blätter können mit Bärlauch verwechselt werden. Diese Verwechslung kann zu schweren Vergiftungen führen.
Letzte Änderung: 23.04.2026 / © W. Arnold





