Koloquinte - Citrullus colocynthis
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Koloquinte ist eine stark giftige Cucurbitacin-Droge ohne anerkannte sichere medizinische Anwendung. Die früher als drastisches Abführmittel verwendeten Früchte können schwere Schleimhautreizungen, blutige Durchfälle, Nierenschäden, Kreislaufkollaps und bei Schwangeren abortive Wirkungen auslösen. Eine Selbstanwendung ist nicht vertretbar.
Citrullus colocynthis (syn. Citrullus officinalis); Koloquinte (syn. Koloquintenkürbis, Purgiergurke, Teufelsapfel).
VORKOMMEN
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Koloquinte liegt in Nordafrika, Südwestasien und angrenzenden Trockengebieten. Die Art ist ausserdem in tropischen und subtropischen Regionen verwildert oder eingebürgert, unter anderem in Teilen Südeuropas, Indiens, Australiens und Afrikas.
Die Pflanze wächst bevorzugt an trockenen, gestörten Standorten, an Wegrändern, Flussufern, in Steppen, Halbwüsten und sandigen Böden. Sie kommt auch in tieferen bis mittleren Höhenlagen vor.
MERKMALE
Die Koloquinte ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit niederliegenden oder kriechenden Stängeln. Die Blätter sind lang gestielt, rau behaart, herzförmig bis tief gelappt und erinnern an andere Kürbisgewächse.
Die gelben Blüten stehen einzeln in den Blattachseln. Die Früchte sind rundlich, meist etwa apfelgross, zunächst grünlich gestreift und später gelblich. Das schwammige Fruchtfleisch schmeckt extrem bitter. Dieser bittere Geschmack ist ein wichtiges Warnzeichen.
DROGEN
Colocynthidis fructus (syn. Fructus Colocynthidis, Colocynthis); Koloquintenfrucht, die geschälten und getrockneten Früchte beziehungsweise das getrocknete Fruchtfleisch.
Die Droge ist giftig und als Arzneidroge heute obsolet.
WIRKSTOFFE
Die Wirkung und Toxizität der Koloquinte beruhen vor allem auf Cucurbitacinen. Dabei handelt es sich um stark bittere, tetracyclische Triterpene. Für Citrullus colocynthis sind insbesondere Cucurbitacin B, Cucurbitacin E und Cucurbitacin J beschrieben.
Die Cucurbitacine liegen frei und teilweise glykosidisch gebunden vor. Freie Cucurbitacine sind besonders toxikologisch relevant. Sie kommen nicht nur im Fruchtfleisch, sondern auch in Samen, Stängeln und Blättern vor. Die Gehalte können je nach Herkunft, Pflanzenteil und Reifegrad schwanken.
Siehe auch den Beitrag über die Zaunrübe, die ebenfalls giftige Cucurbitacine enthält.
PHARMAKOLOGIE
Cucurbitacine wirken stark schleimhautreizend, zytotoxisch und antimitotisch. Sie können Zellteilung und zelluläre Signalwege beeinflussen. Diese Wirkungen erklären experimentelle zytotoxische Befunde, sind aber kein Argument für eine sichere therapeutische Anwendung der Droge.
Die frühere abführende Wirkung beruht nicht auf einer milden pharmakologischen Regulation, sondern auf massiver Reizung der Darmschleimhaut. Dadurch können heftige Bauchschmerzen, Erbrechen, wässrige bis blutige Durchfälle, Flüssigkeitsverlust und Kreislaufkollaps ausgelöst werden.
EVIDENZ
Die Evidenz für eine sichere medizinische Anwendung der Koloquinte fehlt. Historische Anwendungen als drastisches Abführmittel sind toxikologisch nicht vertretbar. Pharmakologische und präklinische Untersuchungen beschreiben vor allem zytotoxische, antimikrobielle, antidiabetische oder entzündungsbezogene Effekte einzelner Extrakte oder Inhaltsstoffe; daraus lässt sich keine sichere Anwendung der ganzen Droge ableiten.
Die Bewertung fällt deshalb eindeutig sicherheitsorientiert aus: traditionell bekannt, pharmakologisch aktiv, aber therapeutisch wegen der geringen Sicherheitsbreite obsolet. Klinische Evidenz für eine vertretbare Anwendung bei Menschen fehlt.
- PubMed – experimentelle Untersuchung zur Toxizität und Entwicklungswirkung von Cucurbitacin E aus Citrullus colocynthis.
- PubMed Suchübersicht – wissenschaftliche Literatur zu Citrullus colocynthis, Cucurbitacinen und Toxizität.
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel; keine Monographie zu Citrullus colocynthis beziehungsweise Colocynthidis fructus vorhanden.
ANWENDUNG
Die Koloquinte hat keine anerkannte sichere medizinische Anwendung. Die frühere Verwendung als drastisches Abführmittel ist wegen der schweren Risiken obsolet.
Eine Einnahme kann zu starken Schleimhautreizungen im Magen-Darm-Trakt, Erbrechen, krampfartigen Bauchschmerzen und blutigen Durchfällen führen. Nierenschäden, Blutungen im Bereich der Harnwege, Kreislaufkollaps, Delirien und Atemstillstand wurden als schwere Vergiftungsfolgen beschrieben.
Verwechslungen mit essbaren Kürbisgewächsen oder die Einnahme stark bitter schmeckender Früchte aus der Familie der Cucurbitaceae können zu Vergiftungen führen. Stark bitter schmeckende Früchte oder Speisen aus Kürbisgewächsen sollten nicht gegessen werden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Keine Anwendung. Keine Dosierung.
Die Droge ist wegen ihrer Toxizität als Arzneidroge obsolet. Eine Selbstmedikation mit Früchten, Fruchtpulver, Extrakten oder anderen Zubereitungen ist nicht vertretbar.
SICHERHEIT
Die Koloquinte ist eine Giftpflanze. Besonders gefährlich sind die cucurbitacinhaltigen Früchte und daraus hergestellte Zubereitungen. Bereits geringe Mengen können zu schweren Magen-Darm-Reizungen führen. Die Empfindlichkeit kann individuell unterschiedlich sein.
Nicht anwenden in Schwangerschaft und Stillzeit. Cucurbitacinhaltige Zubereitungen können abortiv wirken und in die Muttermilch übergehen. Auch bei Kindern, älteren Menschen, Personen mit Nieren-, Leber- oder Magen-Darm-Erkrankungen besteht ein besonderes Risiko.
Bei Verdacht auf Einnahme, bei stark bitterem Geschmack von Kürbisgewächsen oder bei Symptomen wie Erbrechen, heftigen Bauchschmerzen, Durchfall, Blut im Stuhl, Schwindel oder Kreislaufproblemen sollte sofort medizinische Hilfe oder ein toxikologisches Informationszentrum kontaktiert werden.
STATUS
Giftpflanze. Keine anerkannte sichere medizinische Anwendung.
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Die Koloquinte ist eine wärmeliebende Pflanze trockener, sonniger Standorte. In Mitteleuropa ist eine Kultur nur unter sehr warmen, geschützten Bedingungen möglich. Wegen der Giftigkeit der Früchte ist die Kultur in Gärten mit Kindern oder Haustieren nicht empfehlenswert.
SONSTIGES
Die Koloquinte war schon in der antiken Medizin bekannt. Plinius und Dioskurides erwähnten die Pflanze beziehungsweise ihre drastisch wirkenden Früchte. Über arabische und mediterrane Medizinsysteme blieb die Droge lange als starkes Abführmittel bekannt.
Die Samen werden in einzelnen Herkunftsregionen traditionell als Nahrungsmittel genutzt. Diese Nutzung ist klar von der giftigen Frucht- und Drogennutzung zu trennen. Die medizinisch relevante Gefahr geht vor allem von den bitteren cucurbitacinhaltigen Pflanzenteilen aus.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Zaunrübe (Bryonia alba) – giftige Cucurbitaceae mit reizenden Cucurbitacinen.
- Rizinus (Ricinus communis) – Giftpflanze mit historischer Verwendung als Abführmittel, aber anderer Wirkstoffgruppe.
- Sennes (Senna alexandrina) – pharmakologisch wirksame Abführdroge mit definierter Anwendung und Sicherheitsgrenzen.
FAQ
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Ist die Koloquinte eine Heilpflanze?
Historisch wurde sie als starkes Abführmittel verwendet. Wegen ihrer Toxizität gilt die Droge heute als obsolet und hat keine anerkannte sichere medizinische Anwendung. -
Welche Inhaltsstoffe machen die Koloquinte giftig?
Wichtig sind Cucurbitacine, besonders Cucurbitacin B, E und J. Diese stark bitteren Triterpene wirken reizend, zytotoxisch und können schwere Vergiftungen auslösen. -
Darf Koloquinte als Abführmittel verwendet werden?
Nein. Die frühere Verwendung als drastisches Abführmittel ist wegen schwerer Risiken wie blutigen Durchfällen, Nierenschäden und Kreislaufkollaps nicht vertretbar. -
Was ist bei einer Vergiftung zu tun?
Bei Verdacht auf Einnahme von Koloquinte oder stark bitteren Kürbisgewächsen sollte sofort medizinische Hilfe oder ein toxikologisches Informationszentrum kontaktiert werden. -
Gibt es eine HMPC-Monographie zur Koloquinte?
Für Citrullus colocynthis beziehungsweise Colocynthidis fructus ist keine HMPC-Monographie vorhanden.
Letzte Änderung: 25.04.2026 / © W. Arnold