Mutterkorn - Claviceps purpurea

Claviceps purpurea (syn. Clavaria clavus, Clavis secalinus, Cordyceps purpurea, Fusarium heterosporum);
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Mutterkorn (syn. Bockshorn, Brandkorn, Giftkorn, Hahnensporn, Hungerkorn, Kornmutter, Kornzapfen, Krähenkopf, Mehlmutter, Mutterkornpilz, Mutterzapfen, Rockenmutter, Roggenbrand, Roter Keulenkopf, Schwarzkopf, Tollkorn, Zapfenkorn).

Mutterkorn

Claviceps purpurea - Mutterkorn

VORKOMMEN

Mutterkorn (Claviceps purpurea) ist ein ständiger Begleiter des Roggens in all seinen An­baugebieten. Auch auf Gerste, Hafer und Mais sind Vorkommen bekannt. Roggenmehl und -schrot zeigt die höchsten Gehalte (2500–3000 μg Gesamtalkaloid/kg). Auch Erzeugnisse des kon­ventionellen Marktes können merklich verunreinigt sein.

MERKMALE

Das Mutterkorn ist eine längliche, kornähnliche Dauerform (Sklerotium) des Mutterkorn­pilzes (Claviceps purpurea). Es wächst in den Ähren von Roggen und einigen anderen Getreidegattungen wie Triticale, Weizen, seltener auf Gerste oder Hafer und anderen Gräsern.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Secale cornutum - Mutterkorn, das auf der Roggenpflanze gewachsene, bei leichter Wärme getrocknete Sklerotium des Pilzes.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ergolin-Alkaloide (Indolalkaloide der Clavin-Serie/Clavinalkaloide: Agroclavin, Elymoclavin, Festuclavin;

Indolalkaloide der Ergolen-Serie/Lysergsäurederivate: Ergometrine, Ergotamine, Ergotoxine, Ergocristin, Ergocornin, Ergocryptin,

Weitere Inhaltsstoffe sind: Xanthon­derivate, Anthrachinone, Amine, fettes Öl.

Ergotamin - Inhaltsstoff des Mutterkorns

ANWENDUNG

Angaben der Kommission E:

  • Anwendungsgebiete:
    Mutterkorn und Mutterkornzubereitungen werden in gynäkologischen und geburtshilflichen Fällen, bei Blutungen, klimakterischen Blutungen, Menorrhagien und Metrorrhagien, vor und bei Aborten, nach Ausräumung von Aborten, bei der Ausstoßung der Placenta, Nachblutungen und zur Verkürzung der Nachgeburtsperiode sowie bei Uterusatonie angewendet.
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  • Risiken:
    Die in der Droge und ihren Zubereitungen enthaltenden Alkaloide weisen extrem unterschiedliche Wirkungsspektren auf. Eine kombinierte Anwendung zum Beispiel als Gesamtextrakt ist nicht sinnvoll. Partialsynthetisch abgewandelte Mutterkornalkaloide weisen zum Teil eine wesentlich geringere Toxizität bei gleicher oder höherer und spezifischer Wirksamkeit auf.
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  • Bewertung: Auf Grund der Risiken ist die therapeutische Anwendung von Mutterkorn und Mutterkornzubereitungen nicht mehr vertretbar.

Von therapeutischem Interesse sind vor allem die Indolalkaloide der Ergolen-Serie, insbesonders Ergometrin und seine halbsynthetischen Derivate.

Der Name weist auf die Beziehung zur Gebärmutter (Mutterkorn) hin, denn die Inhaltsstoffe (insbesondere Ergometrin) regen die Wehen an. Aus diesem Grund wurde der Pilz auch für Schwangerschaftsabbrüche verwendet und sogar gezielt im grossen Stil angebaut. Die Alkaloide können aber auch medizinisch eingesetzt werden, beispielsweise zum Blutstillen nach der Geburt, gegen orthostatische Hypotonie (niedriger Blutdruck und Schwindel nach dem Aufstehen) oder Migräne.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Anwendungen als Droge sind heute obsolet, da keine exakte Standardisierung der Inhaltsstoffe möglich ist. Grosse Bedeutung hat die Droge dagegen als Rohstoff für die industrielle Gewinnung der Mutterkornalkaloide.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Secale cornutum HAB1, das auf Roggen gewachsene, bei nicht mehr als 40 °C getrocknete Sklerotium.
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Anwendungsgebiet: Gebärmutterkrämpfe, Muskelkrämpfe, Lähmungen, Blutungsneigung.

Oft kombiniert mit z.B. Rosskastanie, Arnika, Echinacea, Wasserdost, Mistel, Tabak, Steinklee oder Ginkgo.

SONSTIGES

Aus dem Pilz kann Lysergsäure gewonnen werden, aus der die Droge LSD hergestellt werden kann. Nach Hofmann und Wasson (1978 The Road to Eleusis) war allerdings schon 2000 Jahre vor Christus bekannt, dass nur die natürlich vorhandenen psychoaktiven Lysergsäurealkaloide wasserlöslich waren, und damit wurden berauschende Getränke gebraut, die die unerwünschten Effekte der anderen Alkaloide umgehen.

Letzte Änderung: 12.06.2017 / © W. Arnold