Pomeranze, Bitterorange - Citrus aurantium

Citrus aurantium (syn. Citrus vulgaris, Citrus bigaradia);
Pomeranzenbaum (syn. Bitterorange, Bigarade).

Citrus aurantium - Pomeranze, Bitterorange

VORKOMMEN

Die Bitterorange hat ihren Ursprung im nordöstlichen Indien und den daran angrenzenden Teilen Chinas and Burmas. Von dort aus verbreitete sich die Pomeranze nordwärts nach Japan und westlich durch Indien ins Mittelmeergebiet. Europa erreichte sie ungefähr zu Beginn der christlichen Zeitrechnung. Die Bitterorange ist die erste Citrus-Art der Neuen Welt.

MERKMALE

Die Bitterorange wächst als immergrüner, bis zehn Meter grosser Baum mit einer runden Krone. Die Zweige sind in den Blattachseln mit Dornen besetzt, die meist dünn und kurz sind, an jungen, stark wachsenden Trieben aber auch fünf bis acht Zentimeter Länge erreichen können. Die ovalen Blätter enden in einer etwas ausgezogenen, aber stumpfen Blattspitze und sind am Blattgrund abgerundet bis keilförmig zulaufend. Die Blätter enthalten Öldrüsen, der Geruch des Öls (Petitgrain) wird als angenehm empfunden. Die weissen Blüten duften ebenfalls stark. Die Früchte sind rundlich, etwas abgeplattet, die im reifen Zustand leuchtend orange Schale ist dicker und unebener als die der Orange.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Aurantii flos (syn. Flores Aurantii., Flores Naphae); Pomeranzenblüten (syn. Orangenblüten, Neroliblüten, Bigaradeblüten), die getrockneten Blüten.

2. Aurantii pericarpium (syn. Pericarpium Aurantii amari, Flavedo Aurantii amari, Aurantii amari flavedo); Pomeranzenschale (syn. Bittere Orangenschale, Bigaradeschale), die getrocknete, durch Abschälen gewonnenen und vom schwammigen, weissen Gewebe befreite äussere Schicht der Fruchtwand.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Aurantii flos - Die Droge enthält 0,2 bis 0,5 % ätherisches Öl, in dem bis heute ungefähr 100 Komponenten, vorwiegend Terpene, nachgewiesen wurden. Im Weiteren sind Bitterstoffe und Hesperidin vorhanden.

2. Aurantii pericarpium - Ätherisches Öl mit bis zu 2,5 % mit Limonen als Hauptkomponente (90 bis 95 %). Für den charakteristischen Geruch massgeblich verantwortliche Substanzen sind Aldehyde (etwa 0,8 % z.B. Citral, n-Nonanal, n-Decanal und n-Duodecanal) und Ester (ca. 2,5 % z.B. Linalylacetat, Geranylacetat, Citronellylacetat und Decylpelargonat).

Flavonoide: Bitter schmeckende Glykoside (Neohesperidin und Naringin) sowie geschmacklose Glykoside wie Hesperidin und Rutin sowie höher methoxylierte Flavonoide wie Sinensetin, Nobiletin und Tangeretin.

Weitere Bestandteile sind: Limonoide, Cumarine (auch Furanocumarine), grössere Mengen an Pektin.

Naringin - Inhaltsstoff der Bitterorange

PHARMAKOLOGIE

Untersuchungen zur Wirksamkeit von Extrakten aus Bitterorangen liegen keine vor. Wegen des bitteren Geschmacks der Droge ist davon auszugehen, dass eine den Appetit steigernde und die Verdauung fördernde Wirkung resultiert.

ANWENDUNG

Kommission E (Aurantii pericarpium):

  • Anwendungsgebiete: Appetitlosigkeit; dyspeptische Beschwerden.
  • Nebenwirkungen: Eine Fotosensibilisierung ist möglich, insbesondere bei hellhäutigen Personen.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse; andere bitterschmeckende galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
  • Dosierung Tagesdosis: Droge: 4 bis 6 g; Tinktur (entsprechend DAB7): 2 bis 3 g.
Gebräuchlich ist die Verwendung als Tinktur oder alkoholisch-wässiger Extrakt.
Spacer
Teebereitung: 2 g Bitterorangenschale (1 Teelöffel) mit einer Tasse siedendem Wasser übergiessen und nach 10 bis 15 Minuten durch ein Teesieb zu geben. Eine halbe Stunde vor der Mahlzeit einnehmen. Die Pomeranze ist Bestanteil von Melisana Klosterfrau Melissengeist®, neben u.a. Melisse, Alant, Gelber Enzian, Engelwurz, Muskatnuss, Ingwer, Kardamom und Pfeffer.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung (Schale), negative Bewertung für die Blüten!
  • ESCOP: - keine Bearbeitung
  • HMPC: - keine Bearbeitung

DIE BITTERORANGE IM GARTEN

Zitruspflanzen wie die Bitterorange kommen aus warmen Regionen, deshalb wird die Pomeranze bei uns also nur im Kübel gehalten, den man geschützt überwintern kann. Die Bitterorange zählt zu den winterhärtesten Zitruspflanzen überhaupt und können bis zu -2 C° kurzzeitig aushalten. Der Boden soll nicht zu feucht und sehr durchlässig sein, ausserdem soll er eher sauer und kalkarm sein. Bitterorangen sind eigentlich nicht sehr anspruchsvoll und wachsen auch noch auf kargen Sandböden. Im Sommer steht der Kübel an einem möglichst geschützten, sonnigen und warmen Platz. Helligkeit und Schutz vor Zugluft sind für die Pomeranze wichtig, ansonsten braucht man nur noch regelmässig zu giessen und in der Wachstumssaison gelegentlich zu düngen.

Bitteroranhe, Pomeranze

SONSTIGES

In Spanien gab es spätestens im 11. Jahrhundert Pflanzungen von Bitterorangen. Die arabische Bezeichnung wurde ins Spanische und Portugiesische übernommen und ist der Ursprung des Wortes Orange.

Letzte Änderung: 19.09.2017 / © W. Arnold