Mutterkraut - Tanacetum parthenium
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Mutterkraut im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die wichtigste medizinische Anwendung von Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist die traditionelle Prophylaxe von Migräne. Das HMPC stuft Mutterkrautkraut (Tanaceti parthenii herba) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen ein, nachdem schwerwiegende Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden. Die Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern erfordert eine regelmässige Einnahme über mehrere Wochen.
Tanacetum parthenium (L.) Sch.Bip.
(syn. Chrysanthemum parthenium, Pyrethrum parthenium,
Matricaria parthenioides);
Mutterkraut (syn. Bertram, Falsche Kamille, Fieberkraut, Jungfernkraut,
Knopfkamille, Matram, Metram, Mettram, Mutterkamille, Römische Kamille, Sonnenauge).
VORKOMMEN
Das Mutterkraut ist eine alte Heil- und Gartenpflanze. Ursprünglich stammt die Art wahrscheinlich aus Südosteuropa und Westasien, ist aber seit langer Zeit in Mitteleuropa eingebürgert und wird häufig in Bauerngärten, Kräutergärten und als Zierpflanze kultiviert.
Verwildert findet man Mutterkraut gelegentlich in der Nähe von Siedlungen, an Mauern, Wegrändern, Schuttplätzen, Hecken, Zäunen und in Gebüschen. Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, durchlässige Böden und sonnige bis halbschattige Standorte.
MERKMALE
Mutterkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht meist Wuchshöhen von 30 bis 80 cm. Die Pflanze riecht stark aromatisch, etwas kamillenartig, aber deutlich kräftiger und herber als die Echte Kamille.
Die aufrechte Pflanze besitzt leicht behaarte, im oberen Bereich verzweigte Stängel. Die gelbgrünen, wechselständigen Blätter sind tief gefiedert bis fiederteilig. Die Blütenköpfchen stehen in lockeren, doldenartigen Blütenständen. Sie besitzen weisse Zungenblüten und gelbe Röhrenblüten. Die Blütezeit reicht meist von Juni bis August.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Arzneilich verwendet wird das Mutterkrautkraut: Tanaceti parthenii herba (syn. Chrysanthemi parthenii herba, Parthenii herba, Herba Parthenii). Die Droge besteht aus den getrockneten, ganzen oder geschnittenen oberirdischen Teilen von Tanacetum parthenium.
Die Qualität von Mutterkraut ist im Europäischen Arzneibuch beschrieben. Für Arzneimittel ist eine definierte Qualität wesentlich, weil der Gehalt an Sesquiterpenlactonen, insbesondere Parthenolid, stark schwanken kann.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Mutterkraut enthält ätherisches Öl, Sesquiterpenlactone, Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen. Charakteristisch sind Sesquiterpenlactone mit einer alpha-Methylen-gamma-lacton-Struktur, besonders Parthenolid.
Das ätherische Öl enthält unter anderem Campher, Chrysanthenylacetat, Camphen, Germacren D, p-Cymen, Terpinen-4-ol, Linalool, Borneol und gamma-Terpinen. Der Gehalt an ätherischem Öl ist vergleichsweise gering, trägt aber zum typischen Geruch der Pflanze bei.
- Sesquiterpenlactone: Parthenolid, Reynosin, 1-beta-Hydroxyarbusculin, 8-beta-Hydroxyreynosin, Canin und Artecanin.
- Ätherisches Öl: vor allem Campher und Chrysanthenylacetat.
- Flavonoide: Apigenin- und Luteolinderivate, darunter Apigenin-7-glucuronid und Luteolin-7-glucosid.
PHARMAKOLOGIE
Für Mutterkraut werden mehrere Mechanismen diskutiert, die zur Migräneprophylaxe beitragen könnten. Parthenolid und verwandte Sesquiterpenlactone beeinflussen Entzündungsmediatoren, die Freisetzung von Serotonin aus Blutplättchen und verschiedene Signalwege, die mit neurovaskulären Entzündungsprozessen in Verbindung stehen.
Die experimentellen Befunde erklären eine pharmakologische Plausibilität, beweisen aber für sich allein keine klinische Wirksamkeit. Die klinische Bewertung stützt sich daher auf kontrollierte Studien, systematische Übersichtsarbeiten und die traditionelle Einstufung durch das HMPC.
Untersuchungen zu Parthenolid bei Nervenregeneration oder Tumorzellen sind präklinisch interessant, gehören aber nicht zur anerkannten medizinischen Anwendung von Mutterkraut. Für die Praxis steht die Migräneprophylaxe im Vordergrund.
EVIDENZ
Die Evidenz zu Mutterkraut bei Migräneprophylaxe ist gemischt, aber insgesamt plausibel: Es gibt ältere randomisierte Studien, systematische Übersichtsarbeiten und die traditionelle Einstufung durch das HMPC. Die Wirkung ist nicht akut schmerzlindernd, sondern betrifft die regelmässige vorbeugende Einnahme.
Das HMPC stützt die Anwendung auf langjährige traditionelle Verwendung. Klinische Studien wurden berücksichtigt, erlaubten wegen kleiner Fallzahlen und methodischer Einschränkungen jedoch keine abschliessende Einstufung als gut belegte klinische Wirksamkeit.
- EMA/HMPC: HMPC stuft Mutterkrautkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Prophylaxe von Migränekopfschmerzen ein, nachdem schwerwiegende Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden. Die spezifische EMA-Seite ist Tanaceti parthenii herba.
- Randomisierte Studie 1988: Murphy et al. untersuchten Mutterkraut in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie zur Migräneprophylaxe. PubMed
- Klinische Studie 1985: Johnson et al. berichteten über eine prophylaktische Anwendung von Mutterkraut bei Migräne. Die Studie ist historisch wichtig, aber methodisch nicht mit heutigen grossen Zulassungsstudien vergleichbar. PMC
- Cochrane Review 2015: Die Cochrane-Auswertung fand Hinweise auf eine mögliche Reduktion der Migränefrequenz, bewertete die Evidenz aber wegen begrenzter Studienqualität zurückhaltend. PubMed | PMC
- Systematische Übersicht zu Mutterkraut: Pareek et al. fassen traditionelle Anwendungen, Inhaltsstoffe, Pharmakologie, klinische Daten und Sicherheitsaspekte von Tanacetum parthenium zusammen. PubMed | PMC
ANWENDUNG
Mutterkraut wird traditionell zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen verwendet. Die Anwendung richtet sich an Erwachsene und ist nicht zur Behandlung eines akuten Migräneanfalls gedacht.
Vor Beginn der Anwendung sollten neu auftretende, ungewöhnlich starke oder sich verändernde Kopfschmerzen ärztlich abgeklärt werden. Auch bei neurologischen Begleitsymptomen, Fieber, Nackensteife oder sehr plötzlichem Kopfschmerz ist eine ärztliche Abklärung notwendig.
Volksmedizinisch wurde Mutterkraut früher auch bei Fieber, Frauenleiden, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und Insektenstichen verwendet. Diese Anwendungen sind heute nicht ausreichend belegt und stehen nicht im Mittelpunkt der modernen Bewertung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für die Migräneprophylaxe werden standardisierte Fertigpräparate oder entsprechend geprüfte Zubereitungen bevorzugt. Historische Angaben nennen pulverisiertes Mutterkraut in niedriger Tagesdosis; die genaue Dosierung richtet sich nach der jeweiligen Zubereitung.
Mutterkraut ist in verschiedenen Ländern als Fertigpräparat erhältlich, meist als Tabletten, Kapseln oder Tropfen. In Deutschland und Österreich existieren traditionelle pflanzliche Arzneimittel mit Mutterkraut zur Migräneprophylaxe. In der Schweiz sind Mutterkraut-Produkte vor allem als Drogerie- oder Nahrungsergänzungspräparate erhältlich; der jeweilige Zulassungsstatus ist produktspezifisch zu prüfen.
Die Teezubereitung ist für die Migräneprophylaxe weniger geeignet, da wichtige lipophile Inhaltsstoffe nur unvollständig in den Tee übergehen. Eine regelmässige Anwendung über mehrere Wochen ist erforderlich, bevor die Wirkung beurteilt werden kann.
Nach HMPC-Angaben sollen Mutterkraut-Zubereitungen üblicherweise etwa zwei Monate angewendet werden. Wenn Migräneanfälle wieder auftreten, sich verschlimmern oder sich das Beschwerdebild verändert, ist ärztlicher Rat erforderlich.
SICHERHEIT
Mutterkraut ist im Allgemeinen gut verträglich, kann aber Nebenwirkungen verursachen. Möglich sind vor allem Magen-Darm-Beschwerden, Mundreizungen, Übelkeit, Bauchbeschwerden und allergische Reaktionen.
Wegen des Gehalts an Sesquiterpenlactonen, insbesondere Parthenolid, besitzt Mutterkraut ein relevantes Kontaktallergen-Potenzial. Personen mit Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütlern (Asteraceae/Compositae) sollen Mutterkraut nicht anwenden.
- Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.
- Nicht bei bekannter Allergie gegen Korbblütler anwenden.
- Nicht bei Kindern und Jugendlichen ohne fachliche Abklärung anwenden.
- Vor Operationen oder bei Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel ärztlich abklären.
- Bei neuen, ungewöhnlichen oder zunehmenden Kopfschmerzen ärztlich abklären.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden.
- ESCOP: positive Bewertung zur Migräneprophylaxe.
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Tanaceti parthenii herba).
MUTTERKRAUT IM GARTEN
Mutterkraut wird aus Setzlingen oder Samen gezogen. Wenn die Pflanze einmal im Garten vorhanden ist, sät sie sich häufig von selbst aus. Sie ist pflegeleicht, genügsam und wächst an sonnigen bis halbschattigen Standorten auf durchlässigen, eher alkalischen Böden.
Mutterkraut passt gut in Heilpflanzen- und Bauerngärten. Es lässt sich zusammen mit Schafgarbe, Wilder Malve, Beinwell, Sonnenhut, Lavendel und Salbei kultivieren.
SONSTIGES
Mutterkraut wurde bereits in der antiken und mittelalterlichen Kräutertradition beschrieben. Die englische Bezeichnung "feverfew" weist auf die frühere Verwendung bei Fieber hin. Der botanische Name parthenium erinnert an traditionelle Anwendungen im Bereich der Frauenheilkunde.
Historische Anwendungen bei Schwangerschaftsbeschwerden sind heute nicht als Empfehlung zu verstehen. Wegen möglicher Wirkungen auf die Gebärmutter und unzureichender Sicherheitsdaten soll Mutterkraut während Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Kamille (Matricaria recutita) – Korbblütler mit entzündungshemmender und krampflösender Anwendung.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – aromatische Asteraceae-Arzneipflanze bei Verdauungsbeschwerden.
- Pestwurz (Petasites hybridus) – historisch bei Migräne untersucht, wegen Pyrrolizidinalkaloiden nur als geprüfter Spezialextrakt relevant.
- Lavendel (Lavandula angustifolia) – traditionelle Heilpflanze bei nervöser Unruhe und funktionellen Beschwerden.
FAQ
-
Wofür wird Mutterkraut verwendet?
Mutterkraut wird traditionell zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen verwendet. -
Hilft Mutterkraut bei einem akuten Migräneanfall?
Nein. Mutterkraut ist nicht zur akuten Schmerzbehandlung gedacht, sondern zur regelmässigen Vorbeugung. -
Wie lange dauert es, bis Mutterkraut wirkt?
Die Anwendung muss regelmässig über mehrere Wochen erfolgen; nach HMPC-Angaben wird die Wirkung üblicherweise nach etwa zwei Monaten beurteilt. -
Darf Mutterkraut in der Schwangerschaft eingenommen werden?
Nein. Mutterkraut soll in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden. -
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Möglich sind Magen-Darm-Beschwerden, Mundreizungen und allergische Reaktionen, besonders bei Korbblütler-Allergie.
Letzte Änderung: 12.05.2026 / © W. Arnold






