Schwarze Johannisbeere – Ribes nigrum

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Status | Im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Die Blätter der Schwarzen Johannisbeere haben eine traditionelle medizinische Anwendung. Sie können bei leichten Gliederschmerzen eingesetzt werden. Sie können auch zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden angewendet werden. Die regulatorische Einordnung stützt sich vor allem auf langjährige Anwendung und pharmakologische Plausibilität.

Ribes nigrum L. (syn. Ribes olidum); Schwarze Johannisbeere, Ahlbeere, Gichtbeere, Schwarze Träuble, Wanzenbeere.

Früchte und Blätter der Schwarzen Johannisbeere

Schwarze Johannisbeere mit Früchten und Blättern

Schwarze Johannisbeere als Strauch

VORKOMMEN

Die Schwarze Johannisbeere kommt in der gemässigten und borealen Zone Eurasiens vor. Ihr Areal reicht von Westeuropa bis nach Nordasien. In Mitteleuropa wächst sie an nährstoffreichen, frischen bis feuchten Standorten, zum Beispiel in Auengehölzen, Gebüschen und Erlenbruchwäldern. Da Kulturformen weit verbreitet sind, lassen sich natürliche und verwilderte Vorkommen heute oft nicht sicher unterscheiden.

MERKMALE

Die Schwarze Johannisbeere ist ein 1 bis 2 m hoher, sommergrüner, stachelloser Strauch. Die Blätter sind drei- bis fünflappig, an der Unterseite behaart und mit gelblichen Drüsen besetzt. Charakteristisch ist der kräftige, aromatisch-würzige Geruch der Pflanze. Die Blütezeit liegt im April und Mai. Die reifen, schwarzen Beeren sind kugelig, drüsig punktiert und reich an Farbstoffen.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Ribis nigri folium (syn. Folia Ribis nigri): Schwarze Johannisbeerblätter. Verwendet werden die während oder kurz nach der Blüte gesammelten und getrockneten Laubblätter. Die Droge ist in der Europäischen Pharmacopoeia beschrieben.

2. Ribis nigri fructus (syn. Baccae Ribis nigri, Fructus Ribis nigri): Schwarze Johannisbeeren. Gemeint ist die frische, reife Frucht. Medizinisch steht auf dieser Seite jedoch vor allem die Blattdroge im Vordergrund.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Ribis nigri folium:
Die Blätter enthalten vor allem Flavonolglykoside mit Quercetin-, Isorhamnetin- und Myricetin-Derivaten, darunter Isoquercitrin, Astragalin und Rutosid. Hinzu kommen Proanthocyanidine, geringe Mengen ätherisches Öl, Phenolsäuren und weitere Polyphenole.

Ribis nigri fructus:
Die Früchte enthalten vor allem Anthocyane, insbesondere Cyanidin- und Delphinidin-Glykoside. Daneben finden sich Vitamin C, Pektine, organische Säuren, Flavonoide und Samenöle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

PHARMAKOLOGIE

Für die Blätter der Schwarzen Johannisbeere werden vor allem entzündungsmodulierende, antioxidative und leicht diuretische Effekte diskutiert. Als relevante Stoffgruppen gelten insbesondere Flavonoide und Proanthocyanidine. In experimentellen Arbeiten wurden Hemmungen entzündungsbezogener Prozesse sowie eine Zunahme der Harnmenge beschrieben. Diese Befunde stützen die traditionelle Anwendung pharmakologisch, ersetzen jedoch keine belastbare klinische Wirksamkeitsdokumentation am Menschen.

EVIDENZ

  • EMA / HMPC: Ribis nigri folium
    Offizielle EMA-Übersichtsseite zur Blattdroge. Sie nennt als traditionelle Anwendungsgebiete leichte Gliederschmerzen sowie die Erhöhung der Harnmenge zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden.
  • EMA / HMPC: European Union herbal monograph on Ribes nigrum L., folium
    Zentrale regulatorische Quelle für Dosierung, Anwendungsgebiete, Warnhinweise und Dauer der Anwendung. Die Monographie stuft die Droge als traditional use ein.
  • ESCOP
    Für Ribis nigri folium liegt eine ESCOP-Monographie vor. ESCOP beschreibt die Droge als adjuvant bei rheumatischen Beschwerden.
  • Garbacki et al. 2004, PubMed
    Experimentelle Arbeit zu Proanthocyanidinen aus Ribes nigrum-Blättern mit entzündungshemmenden Effekten im Tiermodell. Solche Daten sprechen für pharmakologische Plausibilität, sind aber keine klinischen Wirksamkeitsnachweise.
  • Declume 1989, PubMed
    Frühere experimentelle Untersuchung eines hydroalkoholischen Blatt-Extrakts mit entzündungshemmender Aktivität im Tiermodell. Die Arbeit ist historisch relevant, klinisch jedoch nur indirekt aussagekräftig.

Gesamtbeurteilung der Evidenz:
Die Anwendung von Ribis nigri folium ist durch eine EU-Monographie des HMPC als traditionelle Anwendung anerkannt. Experimentelle und pharmakologische Daten stützen die plausiblen Wirkmechanismen, insbesondere entzündungsmodulierende und diuretische Effekte. Hochwertige klinische Studien am Menschen sind jedoch begrenzt, sodass die Evidenz insgesamt als traditionell gestützt, aber klinisch nur eingeschränkt belegt einzustufen ist.

ANWENDUNG

Anerkannte bzw. regulatorisch eingeordnete Anwendung der Blätter:

  • traditionell bei leichten Gliederschmerzen
  • traditionell zur Erhöhung der Harnmenge und zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden
  • ESCOP: adjuvant bei rheumatischen Beschwerden

Einordnung:
Die medizinische Verwendung der Johannisbeerblätter ist vor allem traditionell begründet. Die vorliegenden experimentellen und phytochemischen Daten passen zu dieser Anwendung, hochwertige klinische Studien am Menschen sind jedoch begrenzt.

Teebereitung:
2 bis 4 g fein geschnittene Blätter mit ca. 200 ml kochendem Wasser übergiessen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und anschliessend abseihen. Üblich sind 3 Tassen täglich.

Hinweise zur Anwendung:
Bei Gelenkschmerzen mit Schwellung, Rötung oder Fieber sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Bei Harnwegsbeschwerden ist ärztlicher Rat erforderlich, wenn die Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder mit Fieber, Schmerzen oder Blut im Urin einhergehen.

Gegenanzeigen und Vorsicht:
Für Durchspülungsanwendungen ist die Droge nicht geeignet, wenn eine reduzierte Flüssigkeitsaufnahme empfohlen ist, zum Beispiel bei schweren Herz- oder Nierenerkrankungen. Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen die Droge sollte sie nicht verwendet werden.

Früchte:
Die Früchte der Schwarzen Johannisbeere sind vor allem als Lebensmittel und Vitamin-C-reiche Beeren von Bedeutung. Ihre traditionelle Verwendung bei Erkältungsbeschwerden ist volksheilkundlich bekannt, steht regulatorisch aber nicht im Zentrum der Blattmonographie.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: positive Monographie; adjuvant bei rheumatischen Beschwerden
  • HMPC: EU-Monographie vorhanden; Ribis nigri folium als traditionelles pflanzliches Arzneimittel

SCHWARZE JOHANNISBEERE IM GARTEN

Die Schwarze Johannisbeere bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen, windgeschützten Standort mit nährstoffreichem, ausreichend feuchtem Boden. Für einen guten Fruchtansatz sind regelmässige Verjüngungsschnitte sinnvoll; altes Holz wird im Winter entfernt. Die besten Erträge entstehen am ein- bis zweijährigen Holz.

Schwarze Johannisbeere im Garten

SONSTIGES

Schwarze Johannisbeeren sind nicht nur arzneilich, sondern auch ernährungsphysiologisch interessant. Die Früchte sind reich an Anthocyanen und Vitamin C. Ein Extrakt aus den Knospen wird zudem in der Duftstoffindustrie verwendet.

Ähnliche Heilpflanzen

  • Weide (Salix spp.) – traditionell bei Schmerzen und rheumatischen Beschwerden.
  • Brennnessel (Urtica dioica) – zur Durchspülung der Harnwege und traditionell bei rheumatischen Beschwerden.
  • Birke (Betula pendula) – klassische Durchspülungsdroge bei leichten Harnwegsbeschwerden.
  • Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) – bei degenerativen Gelenkbeschwerden und Rückenschmerzen.

FAQ

  • Wofür werden Schwarze Johannisbeerblätter verwendet?
    Traditionell bei leichten Gliederschmerzen sowie zur Erhöhung der Harnmenge und zur unterstützenden Durchspülung der Harnwege bei leichten Harnwegsbeschwerden.
  • Ist die Wirkung wissenschaftlich gesichert?
    Die Datenlage stützt vor allem eine traditionelle Anwendung. Experimentelle Befunde sprechen für pharmakologische Plausibilität, klinische Nachweise am Menschen sind jedoch begrenzt.
  • Wie bereitet man den Tee zu?
    2 bis 4 g Blätter mit etwa 200 ml kochendem Wasser übergiessen, 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und 3-mal täglich trinken.
  • Wann sollte man vorsichtig sein?
    Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden, bei Fieber, Blut im Urin oder Gelenkschmerzen mit Schwellung und Rötung sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Für Durchspülungskuren ist die Droge ungeeignet, wenn eine eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr nötig ist.

Letzte Änderung: 13.04.2026 / © W. Arnold