Nachtkerze (Oenothera biennis)

Nachtkerzenöl wird als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Das Öl enthält unter anderem γ-Linolensäure und wird in Form von Weichkapseln zur Behandlung und zur symptomatischen Linderung des atopischen Ekzems (Neurodermitis), insbesondere des begleitenden Juckreizes, eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen.

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Nachtkerze im Garten | Sonstiges | FAQ | Ähnliche Heilpflanzen

Oenothera biennis (syn. Oenothera communis, O. graveolens, O. vulgaris);
Gemeine Nachtkerze (syn. Eierblume, Gelbe Rapunzel, Stolzer Heinrich, Weinblume)

Nachtkerze (Oenothera biennis) – Blüte der Gemeinen Nachtkerze

Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) – gelbe Blüten der Heilpflanze

Blühende Nachtkerze (Oenothera biennis) – Heilpflanze mit gelben Blüten - Makroaufnahme

Gruppe von Gemeinen Nachtkerzen (Oenothera biennis) im Garten

VORKOMMEN

Die ursprüngliche Heimat der Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) liegt im östlichen und zentralen Nordamerika. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts ist die Nachtkerze auch in Europa eingebürgert. Die Pflanze wächst bevorzugt an trockenen, offenen Standorten wie Bahndämmen, Wegrändern, Böschungen oder Schuttplätzen. In meinem Garten gehört diese schöne Heilpflanze seit Jahren zu den Stammpflanzen.

MERKMALE

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist eine zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu 2 Metern. Im ersten Jahr bildet sie eine bodennahe Blattrosette mit einer kräftigen, fleischigen Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr entwickelt sich daraus ein aufrechter, grüner oder im unteren Bereich rötlich überlaufener Stängel mit gelben, angenehm duftenden Blüten. Diese öffnen sich erst gegen Abend und werden vor allem von Nachtfaltern und Schwärmern bestäubt.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Oenothera biennis herba (syn. Herba Oenotherae biennis) – das getrocknete Kraut.

2. Oenotherae oleum (syn. Oenothera biennis oleum, Oleum Oenotherae, Oleum Oenotherae biennis) – Nachtkerzenöl (syn. Rhapontikaöl), das aus den Samen gewonnene fette Öl. Das therapeutisch wichtigste Produkt ist das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Oenothera biennis herba – Neben Flavonoiden enthält das Nachtkerzenkraut Delphinidin und Cyanidin sowie verschiedene Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Neochlorogensäure, p-Cumarsäure u.a.). Das gesamte Kraut enthält etwa 7 % Gerbstoffe, die Blätter etwa 12 %. Weiterhin kommen Phytosterole, Harze und Zucker vor.

2. Oenotherae oleum – Das aus den Samen gewonnene fette Öl besteht vor allem aus Triglyceriden mit einem hohen Anteil an Linolsäure (bis etwa 80 %) und als Besonderheit γ-Linolensäure (bis etwa 14 %). Weitere Fettsäuren sind Ölsäure (bis etwa 11 %), Palmitinsäure (bis etwa 10 %) und Stearinsäure (bis etwa 3,5 %). γ-Linolensäure ist pharmakologisch bedeutsam, da sie eine Vorstufe entzündungshemmender Eicosanoide darstellt.

PHARMAKOLOGIE

Das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl enthält einen hohen Anteil an Linolsäure und γ-Linolensäure. γ-Linolensäure ist eine Vorstufe von entzündungshemmenden Eicosanoiden und kann den Stoffwechsel der essentiellen Fettsäuren beeinflussen.

Nach einer Metaanalyse von mehr als 27 Studien zur Wirksamkeit von Nachtkerzenöl kommt die Cochrane Collaboration (2013) jedoch zu der abschliessenden Bewertung, dass sowohl Nachtkerzenöl als auch das ebenfalls γ-Linolensäurereiche Borretschöl (Borago officinalis) bei oraler Einnahme keine über einen Placeboeffekt hinausgehende Wirkung auf Ekzeme zeigen.

Die klinische Evidenz für Nachtkerzenöl bei Neurodermitis wird daher insgesamt als uneinheitlich bewertet.

EVIDENZ

Die klinische Evidenz zur Wirksamkeit von Nachtkerzenöl bei atopischem Ekzem (Neurodermitis) ist uneinheitlich. Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration kam 2013 nach Auswertung von 27 Studien zum Schluss, dass weder Nachtkerzenöl noch das ebenfalls γ-Linolensäurereiche Borretschöl bei oraler Einnahme eine klinisch relevante Wirkung auf Ekzeme zeigen. :contentReference[oaicite:1]{index=1}

Die europäische Arzneimittelagentur (EMA / HMPC) stuft Nachtkerzenöl dennoch als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Die Anwendung beruht dabei vor allem auf langjähriger Erfahrung und nicht auf überzeugenden klinischen Studien.

Eine Übersicht zur Studienlage findet sich auch in der medizinischen Literaturdatenbank PubMed.

ANWENDUNG

1. Oenothera biennis herba: In der Volksheilkunde gelegentlich bei Durchfall sowie als „Blutreinigungsmittel“ verwendet.

2. Oenotherae oleum: Nachtkerzenöl wird in Form von Weichkapseln (meist etwa 0,5 g Öl pro Kapsel) als Fertigarzneimittel eingesetzt. Hauptanwendungsgebiet ist das atopische Ekzem (Neurodermitis), insbesondere zur Linderung des begleitenden Juckreizes. Nachtkerzenöl wird ähnlich wie das Samenöl von Borretsch verwendet, das ebenfalls reich an γ-Linolensäure ist.

Anerkannte medizinische Anwendungen:
Nachtkerzenöl wurde vom HMPC (Committee on Herbal Medicinal Products) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Die Anwendung beruht vor allem auf langjähriger Erfahrung. Zugelassen ist die Anwendung zur Behandlung und zur symptomatischen Linderung des atopischen Ekzems (Neurodermitis), insbesondere des begleitenden Juckreizes.

Anwendungen in der Volksmedizin:
Nachtkerzenöl wird traditionell auch bei Hyperaktivität von Kindern, erhöhtem Cholesterinspiegel, prämenstruellem Syndrom, Multipler Sklerose, Diabetes mellitus, Akne, Schuppenflechte und rheumatoider Arthritis eingesetzt. Für diese Indikationen liegen jedoch keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise aus kontrollierten klinischen Studien vor.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

1. Oenothera biennis herba: Keine Angaben.

2. Oenotherae oleum: Nachtkerzenöl ist als Fertigarzneimittel in Form von Weichkapseln (meist 0,5 g Öl pro Kapsel) erhältlich. Die empfohlene Tagesdosis beträgt etwa 4 bis 6 g Nachtkerzenöl. Das Öl kann direkt geschluckt oder dem Essen beigemischt werden. Die pharmakologisch relevanten Bestandteile sind vor allem Linolsäure und γ-Linolensäure. Für eine mögliche Wirkung sollte Nachtkerzenöl über einen längeren Zeitraum, meist über mehrere Wochen, eingenommen werden.

Bei empfindlichen Personen können gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

STATUS

  • Kommission E: – Keine Bearbeitung
  • ESCOP: – Keine Bearbeitung
  • HMPC: – als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Oenotherae oleum )

NACHTKERZE IM GARTEN

Die Pflanze ist anspruchslos und anpassungsfähig, benötigt jedoch einen gut durchlässigen, sandigen bis lehmigen und möglichst kalkhaltigen Boden an einem sonnigen Standort. Trockenheit verträgt die Nachtkerze gut, Schatten und Staunässe hingegen überhaupt nicht.

Die zweijährige Pflanze blüht erst im zweiten Jahr. Im ersten Jahr bildet sich eine flache Blattrosette am Boden. Die Nachtkerze eignet sich besonders für naturnahe Gartenanlagen und Bauerngärten und darf natürlich in keinem Heilpflanzengarten fehlen. Die Gemeine Nachtkerze erhält sich durch Selbstaussaat, wird jedoch selten lästig.

Die köstlich duftenden gelben Blüten sind das besondere Merkmal dieser Pflanze. Oenothera biennis blüht von Juni bis September, wobei die einzelnen quittengelben Blüten nur kurzlebig sind. Sie öffnen sich am Abend und sind am nächsten Mittag meist bereits verblüht. Dieser Vorgang gilt als eines der schnellsten Aufblühen einer Pflanze in Mitteleuropa. Innerhalb weniger Minuten öffnet sich die Blüte in einer fliessenden Bewegung.

Die Nachtkerze ist eine robuste und pflegeleichte Heilpflanze, die im Garten viel Freude bereitet.

Blüte der Nachtkerze (Oenothera biennis) mit Nachtfalter

SONSTIGES

Die Nachtkerze verdankt ihren Namen dem Umstand, dass sie ihre Blüten erst in der Abenddämmerung öffnet und mit ihrem intensiven Duft vor allem nachtaktive Insekten anlockt.

Nachtkerzenöl wird aufgrund seiner Inhaltsstoffe auch in der Kosmetik verwendet, insbesondere in Hautcremes und Pflegeprodukten. Die enthaltenen Fettsäuren können reizempfindliche Haut beruhigen und werden daher vor allem bei trockener, schuppiger und juckender Haut eingesetzt.

FAQ ZUR NACHTKERZE

Wofür wird Nachtkerzenöl verwendet?

Nachtkerzenöl wird vor allem bei atopischem Ekzem (Neurodermitis) eingesetzt. Es enthält hohe Mengen an Linolsäure und γ-Linolensäure. Die Anwendung erfolgt meist in Form von Weichkapseln.

Hilft Nachtkerzenöl bei Neurodermitis?

Die wissenschaftliche Studienlage ist uneinheitlich. Eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration kam zum Schluss, dass Nachtkerzenöl bei oraler Einnahme keine eindeutige Wirksamkeit gegenüber Placebo zeigt. Dennoch wird es von der europäischen Arzneimittelagentur als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

Welche Wirkstoffe enthält Nachtkerzenöl?

Das Öl enthält vor allem Linolsäure (bis etwa 80 %) sowie γ-Linolensäure (bis etwa 14 %). Weitere Bestandteile sind Ölsäure, Palmitinsäure und Stearinsäure.

Wann blüht die Nachtkerze?

Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) blüht von Juni bis September. Die Blüten öffnen sich in der Abenddämmerung und werden hauptsächlich von Nachtfaltern bestäubt.

Ist die Nachtkerze im Garten leicht zu kultivieren?

Die Nachtkerze ist eine anspruchslose Pflanze, die sonnige Standorte und gut durchlässige, eher trockene Böden bevorzugt. Sie erhält sich im Garten meist durch Selbstaussaat.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

Weitere Heilpflanzen mit ähnlichen Anwendungsgebieten sind:

  • Borretsch – Samenöl mit γ-Linolensäure
  • Ringelblume – entzündungshemmend bei Hautreizungen
  • Zaubernuss – adstringierend bei Hautentzündungen
  • Aloe vera – beruhigend bei gereizter Haut
  • Kamille – entzündungshemmende Heilpflanze für Haut und Schleimhäute

Letzte Änderung: 13.03.2026 / © W. Arnold