Bärwurz – Meum athamanticum
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Der Bärwurz hat keine anerkannte medizinische Anwendung. In der Volksmedizin wird die Wurzel als magenstärkendes und carminativ wirkendes Mittel bei Verdauungsstörungen sowie bei fieberhaften Erkrankungen verwendet. Die Wirksamkeit ist für diese Anwendungen nicht ausreichend belegt.
Meum athamanticum Jacq.
(syn. Athamanta meum, Meum meum, M. nevadense);
Bärwurz (syn. Baerpudel, Barekümmel, Bärendill, Bärenfenchel, Bärkümmel, Bärmutterkrut, Bärwurzel, Bergbärwurz, Dillblattwurz, Köppernickel)



VORKOMMEN
Der Bärwurz ist in West- und Mitteleuropa beheimatet. Als natürliche Standorte werden Weiderasen, Geröllhalden, steinige Stellen und lichte Bergwiesen der montanen bis subalpinen Höhenstufe beschrieben.
Meum athamanticum bevorzugt eher kühle, gleichmässig feuchte bis mässig trockene Standorte. Die Pflanze kommt besonders in Bergregionen vor und ist durch ihr fein gefiedertes Laub und ihren aromatischen Geruch gut erkennbar.
MERKMALE
Bärwurz ist eine bis etwa 60 cm hohe, horstbildende, mehrjährige krautige Pflanze. Charakteristisch ist das sehr fein fiederige, fast haarförmig wirkende Blattwerk. Die Pflanze verströmt einen feinen, etwas süsslichen Duft, der an Fenchel, Dill und Liebstöckel erinnert.
Die weissen Blüten stehen in Dolden. Die Blütezeit liegt meist zwischen Mai und Juni. Die Wurzel ist aromatisch und wurde traditionell als Droge sowie als Aromatikum verwendet.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Mei athamantici radix (syn. Radix Foeniculi ursini, Radix Mei, Radix Mei athamantici); Bärenwurzel oder Bärenfenchelwurzel, die getrocknete Wurzel.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Phenylacrylsäuren:
Beschrieben sind β-Phenylacrylsäurederivate und deren Methylester, insbesondere Derivate von Ferulasäure, Kaffeesäure und Hydroxycinnamoylchinasäure.
Phthalide:
In der Wurzel wurden Phthalide und hydroxylierte Phthalide identifiziert. Dazu gehören unter anderem Diligustilid, Ligustilidol, Sedanenolid, 4-Hydroxy-3-butylidenphthalid, 5-Hydroxy-3-butylidenphthalid, 7-Hydroxy-3-butylidenphthalid, 3-(2-Hydroxybutyliden)phthalid und 9-Hydroxyligustilid.
Ätherisches Öl:
Das ätherische Öl der Wurzel enthält Ligustilid, weitere Phthalid-Verbindungen, Monoterpene und aromatische Begleitstoffe.

PHARMAKOLOGIE
In experimentellen Untersuchungen wurden polare und apolare Extrakte der Bärwurzwurzel auf Effekte an der Blutplättchenaggregation geprüft. Dabei zeigten insbesondere polare Extrakte in vitro hemmende Effekte gegenüber verschiedenen Aggregationsauslösern wie ADP, Adrenalin, Kollagen und Arachidonsäure.
Für diese experimentellen Effekte werden vor allem phenolische Verbindungen und Methylester von Ferula- und Kaffeesäure diskutiert. Solche Befunde sind pharmakologisch interessant, erlauben jedoch keine direkte therapeutische Aussage für die Anwendung beim Menschen.
Die traditionelle Verwendung bei Verdauungsbeschwerden lässt sich vor allem durch den aromatischen Charakter der Wurzel und den Gehalt an ätherischem Öl plausibel erklären. Klinische Studien, welche diese Anwendung ausreichend belegen, liegen jedoch nicht vor.
EVIDENZ
Für Bärwurz besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. Die Anwendung als magenstärkendes und carminativ wirkendes Mittel bei Verdauungsstörungen ist volksmedizinisch überliefert, aber klinisch nicht ausreichend belegt.
Die vorhandene wissenschaftliche Literatur betrifft vor allem phytochemische Untersuchungen und experimentelle pharmakologische Befunde. Dazu gehören Arbeiten zu Phenylacrylsäurederivaten und in vitro beobachteten Effekten auf die Blutplättchenaggregation. Diese Daten sind nicht mit einem klinischen Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen.
Insgesamt ist Bärwurz eine interessante aromatische Apiaceae-Art mit traditioneller Verwendung und chemisch gut beschreibbaren Inhaltsstoffen. Für eine gesicherte therapeutische Anwendung fehlen jedoch regulatorische Monographien und belastbare klinische Studien.
- PubMed: Cinnamic acid esters from Meum athamanticum – phytochemische Arbeit zu Phenylacrylsäurederivaten aus Bärwurz.
- PubMed: Contents of Meum athamanticum Jacq. – ältere Untersuchung zu Inhaltsstoffen der Pflanze.
- EMA / HMPC: European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der europäischen pflanzlichen Monographien.
Zusammenfassend ist die Evidenz für eine medizinische Anwendung schwach. Die traditionelle Verwendung bei Verdauungsbeschwerden ist plausibel, aber nicht durch moderne klinische Studien abgesichert.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung:
Keine anerkannte medizinische Anwendung.
Volkstümliche Anwendung:
Die Wurzel wird traditionell als magenstärkendes und carminativ wirkendes Mittel bei Verdauungsstörungen verwendet. Weitere überlieferte Anwendungen betreffen fieberhafte Erkrankungen. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt.
Die Wurzel wird auch als aromatisierender Zusatz zu magenstärkenden Kräuter- und Wurzelschnäpsen eingesetzt. Diese Nutzung ist von einer medizinisch anerkannten Anwendung zu unterscheiden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Traditionell wird die getrocknete Wurzel als Abkochung oder Teezubereitung verwendet. Als Einzelgabe werden in älteren Quellen etwa 2 bis 4 g Droge genannt.
Da keine anerkannte medizinische Anwendung und keine moderne Dosierungsmonographie vorliegt, sind solche Angaben als traditionelle Erfahrungswerte und nicht als gesicherte therapeutische Dosierung zu verstehen.
SICHERHEIT
Für Bärwurz liegen nur begrenzte moderne Sicherheitsdaten vor. Wegen des Gehalts an ätherischem Öl und aromatischen Inhaltsstoffen sollten Zubereitungen nicht unkritisch hoch dosiert oder über längere Zeit verwendet werden.
Bei Schwangerschaft, Stillzeit, bei Kindern sowie bei bestehenden chronischen Erkrankungen ist Zurückhaltung angezeigt. Bei unklaren oder anhaltenden Verdauungsbeschwerden sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.
Da experimentell Effekte auf die Blutplättchenaggregation beschrieben wurden, ist bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender oder thrombozytenfunktionshemmender Arzneimittel besondere Vorsicht sinnvoll.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
BÄRWURZ IM GARTEN
Bärwurz ist eine schöne, langsam wachsende Staude für eher kühle, gleichmässig feuchte und kalkarme Standorte. Sie kann sonnig bis halbschattig stehen und profitiert von gleichbleibenden Standortbedingungen.
Die Pflanze gilt als Frostkeimer und entwickelt sich ungewöhnlich langsam. Für die Kultur eignen sich Jungpflanzen aus spezialisierten Gärtnereien oft besser als eine Aussaat. Wegen des feinen Laubs und des aromatischen Duftes ist Bärwurz eine besondere Art für naturnahe Gartenbereiche.
In geeigneten Gartenbereichen passt Bärwurz gut neben Pflanzen wie Alpenrose, Rosenwurz, Preiselbeere und Heidelbeere.
SONSTIGES
Der Bärwurz ist eine alte Volksheilpflanze und zugleich eine aromatische Kultur- und Nutzpflanze bestimmter Bergregionen. In Bayern, besonders im Bayerischen Wald, ist der Name Bärwurz auch mit einem aromatischen Kräuter- beziehungsweise Wurzelschnaps verbunden.
Im Erzgebirge wird Bärwurz traditionell zur Bereitung der Köppernickel-Suppe verwendet. Die Früchte des Bärwurzes wurden gelegentlich als Verfälschung von Fenchelfrüchten beschrieben.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Liebstöckel (Levisticum officinale) – aromatische Apiaceae-Art mit traditioneller Anwendung im Verdauungs- und Harnwegsbereich.
- Fenchel (Foeniculum vulgare) – anerkannte Arzneipflanze mit carminativer und sekretolytischer Anwendung.
- Dill (Anethum graveolens) – aromatische Doldenblütler-Art mit traditioneller Verwendung bei Verdauungsbeschwerden.
- Engelwurz (Angelica archangelica) – aromatische Wurzel- und Bitterstoffdroge mit traditioneller Anwendung bei Verdauungsbeschwerden.
FAQ
- Hat Bärwurz eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Bärwurz besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. - Wofür wird Bärwurz traditionell verwendet?
Traditionell wird die Wurzel als magenstärkendes und carminativ wirkendes Mittel bei Verdauungsbeschwerden verwendet. - Welche Inhaltsstoffe sind besonders wichtig?
Wichtig sind Phenylacrylsäurederivate, Phthalide wie Ligustilid und verwandte Verbindungen sowie ätherisches Öl. - Ist die Wirksamkeit klinisch belegt?
Nein. Es gibt phytochemische und experimentelle Daten, aber keine ausreichende klinische Evidenz für die volkstümlichen Anwendungen. - Kann Bärwurz im Garten wachsen?
Ja. Bärwurz kann an geeigneten, eher kalkarmen, gleichmässig feuchten Standorten kultiviert werden, wächst aber langsam.
Letzte Änderung: 05.05.2026 / © W. Arnold




