Steinklee (Melilotus officinalis)
Steinkleekraut hat eine anerkannte medizinische Anwendung bei Beschwerden der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtlichen Wadenkrämpfen, Juckreiz und Schwellungen. Äusserlich wird es bei Prellungen, Verstauchungen und oberflächlichen Blutergüssen eingesetzt.
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Lat. Name: Melilotus officinalis (Syn.: Melilotus arvensis, Trifolium melilotus officinalis);
Deutsche Namen: Echter Steinklee (Syn.: Ackerhonigklee, Honigklee, Kleiner gelber Steinklee).
VORKOMMEN
Der Gelbe Steinklee wächst verbreitet in sonnigen Unkrautfluren, an Wegen, auf Bahngelände, in Steinbrüchen, auf Erdanrissen, an Ufern und auf Schuttplätzen. Er bevorzugt basenreiche, kalkhaltige und mässig stickstoffarme Böden. In Gebieten mit kalkarmem Gestein fehlt er gelegentlich. Nach Ellenberg ist er eine Lichtpflanze. Die Pflanze gilt als Rohbodenpionier.
MERKMALE
Der Steinklee (Melilotus officinalis), auch Honigklee genannt, ist eine
zweijährige bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von
30 bis 100 (bis 200) Zentimetern erreicht. Die Stängel sind aufrecht
und verzweigt.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und
Blattspreite gegliedert. Die unpaarig gefiederte Blattspreite besitzt
drei gestielte Fiederblättchen. Auf den Fiederblättchen sind
6 bis 14 Paare Seitennerven vorhanden. Die Nebenblätter sind ganzrandig
oder (bei den mittleren und unteren Blättern) am Grunde beiderseits
mit einem Zahn versehen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Meliloti herba (Syn.: Herba Meliloti); Steinkleekraut (Melilotus officinalis, Syn.: Melotenkraut, Malottenkraut, Steinklee), die getrockneten oder frischen Blätter und blühenden Zweige.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Hydroxyzimtsäure-Derivate, besonders das o-Cumarsäure-Glykosid Melilotosid, aus dem bei der Trocknung der Droge Cumarin entsteht. Weiter enthalten sind Triterpensaponine, Flavonoide (z. B. Kämpferol und Quercetin), geringe Mengen ätherisches Öl sowie Vitamin C.
Cumarin ist für den charakteristischen Duft der getrockneten Droge verantwortlich. Pharmakologisch bedeutsam sind vor allem Effekte auf die Mikrozirkulation, den venösen Rückfluss und den Lymphabfluss.
PHARMAKOLOGIE
Extrakte aus Steinkleekraut zeigen in experimentellen und klinischen Untersuchungen eine günstige Wirkung auf die Mikrozirkulation sowie auf den venösen und lymphatischen Rückfluss. Verantwortlich hierfür sind vor allem Cumarin-Derivate und Flavonoide.
Cumarin kann die Kapillarpermeabilität vermindern und dadurch die Resorption von Ödemen fördern. Gleichzeitig wird der Abfluss der Lymphe verbessert. Diese Effekte erklären die traditionelle Anwendung von Steinklee bei Beschwerden der chronisch venösen Insuffizienz.
In experimentellen Studien wurden zudem entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften beschrieben.
EVIDENZ
Die klinische Evidenz für Steinkleekraut (Melilotus officinalis) ist begrenzt. Die europäische Arzneimittelbehörde bewertet Meliloti herba deshalb als traditionelles pflanzliches Arzneimittel und nicht als „well-established use“. (EMA/HMPC: Meliloti herba)
In der EU-Monographie werden als traditionelle Anwendungsgebiete die Linderung von Beschwerden und Schweregefühl in den Beinen bei leichten Formen der chronisch venösen Insuffizienz sowie die Behandlung leichter Hautentzündungen genannt. (EU-HMPC-Monographie zu Melilotus officinalis)
Im HMPC-Assessment-Report wird festgehalten, dass zwar klinische Studien zu Melilotus officinalis bei leichten Formen der venösen Insuffizienz berücksichtigt wurden, daraus jedoch keine belastbaren Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit abgeleitet werden konnten. (HMPC Assessment Report)
Eine Cochrane-Übersicht zur Behandlung der chronisch venösen Insuffizienz erwähnt Melilotus officinalis lediglich in einer kleinen Vergleichsstudie; daraus lassen sich keine belastbaren Aussagen zur Wirksamkeit ableiten. ( PubMed: Cochrane Review 2023)
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- ESCOP, Kommission E: innerlich bei Beschwerden der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtlichen Wadenkrämpfen, Juckreiz und Schwellungen.
- Die Kommission E nennt zusätzlich: unterstützend bei Thrombophlebitis, postthrombotischem Syndrom, Hämorrhoiden und Lymphstau sowie äusserlich bei Prellungen, Verstauchungen und oberflächlichen Blutergüssen.
- EMA/HMPC Monographie: Meliloti herba – Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel.
Den verschiedenen Drogenzubereitungen wird eine Wirkung bei Beschwerden der chronisch venösen Insuffizienz (z. B. Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe und Schwellungen) zugeschrieben. Klinische Studien zur Wirksamkeit von Steinklee bei diesen Indikationen sind nur begrenzt verfügbar.
In der Volksmedizin wird die Droge unter anderem bei Krampfadern und Hämorrhoiden sowie bei Husten, Magenbeschwerden und Leberleiden verwendet.
Äusserlich wird Steinkleekraut bei Geschwüren, rheumatischen Gelenkschwellungen, Hämatomen sowie gelegentlich bei Kopf- und Ohrenschmerzen angewendet.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Mittlere Tagesdosis: Droge oder entsprechende Menge einer Zubereitung
zum Einnehmen entsprechend 3 bis 30 mg Cumarin.
Zur parenteralen Anwendung entsprechend 1,0–7,5 mg Cumarin.
Die wirksame Dosierung von Melilotus-Zubereitungen in fixen
Kombinationen zur äusseren Anwendung muss präparatespezifisch
belegt werden.
Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge zur Bereitung von Aufgüssen sowie
andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen.
Flüssige Darreichungsformen zur parenteralen Anwendung. Salben,
Linimente, Kataplasmen und Kräuterkissen zur äusseren Anwendung sowie
Salben und Zäpfchen zur rektalen Anwendung.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Meliloti herba)
FAQ ZU STEINKLEE
Wofür wird Steinklee verwendet?
Steinklee (Melilotus officinalis) wird traditionell bei Beschwerden der chronisch venösen Insuffizienz eingesetzt. Dazu gehören Schweregefühl in den Beinen, Schmerzen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen. Auch bei Hämorrhoiden und Lymphstau wird Steinkleekraut unterstützend verwendet.
Welche Wirkstoffe enthält Steinklee?
Die Droge enthält vor allem Cumarin beziehungsweise Cumarin-Vorstufen wie Melilotosid. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide (z. B. Kämpferol und Quercetin), Triterpensaponine und Phenolcarbonsäuren.
Ist Steinklee wissenschaftlich untersucht?
Die pharmakologischen Wirkungen von Steinklee auf Mikrozirkulation und Ödemresorption sind experimentell gut untersucht. Klinische Studien zur Wirksamkeit bei chronischer venöser Insuffizienz sind jedoch begrenzt. Die europäische Arzneimittelbehörde (HMPC) stuft Steinkleekraut daher als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.
Wie wird Steinklee angewendet?
Steinkleekraut wird innerlich als Tee oder in anderen galenischen Zubereitungen eingenommen. Äusserlich wird es in Form von Salben, Umschlägen oder Kräuterkissen angewendet, etwa bei Hämatomen, Verstauchungen oder entzündlichen Schwellungen.
Ist Steinklee giftig?
Steinklee enthält Cumarin. In üblichen therapeutischen Dosierungen gilt die Droge als sicher. Sehr hohe Mengen können jedoch zu Nebenwirkungen führen. Arzneiliche Präparate sollten daher nur in den empfohlenen Dosierungen angewendet werden.
STEINKLEE IM GARTEN
Der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis), auch Honigklee genannt, ist eine ein- bis zweijährige krautige Pflanze. Er bevorzugt steinige, basen- und kalkreiche, auch leicht salzhaltige Böden. Auf Schuttplätzen, entlang von Wegen, in Steinbrüchen und an Ufern ist die Pflanze häufig anzutreffen – entsprechend können auch die Standorte im Garten gewählt werden.
Die filigranen Blüten werden von Bienen sehr gerne besucht. Sowohl der Gelbe Steinklee als auch der Weisse Steinklee sind ausgezeichnete Bienenpflanzen und passen gut in einen Naturgarten.
Steinklee ist zudem eine dekorative Gartenpflanze. In meinem Garten gedeiht er sehr gut in Nachbarschaft von Fenchel, Herzgespann, Alant, Eibisch und Echinacea.
SONSTIGES
Die Pflanze wurde bereits von Theophrast und den Hippokratikern erwähnt und beschrieben.
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Letzte Änderung: 12.03.2026 / © W. Arnold





