Mäusedorn - Ruscus aculeatus

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Mäusedorn im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Mäusedorn (syn. Stechmyrte, Stechender Mäusedorn).

Mäusedornwurzelstock wird traditionell zur Linderung von Beschwerden und Schweregefühl der Beine bei leichten venösen Durchblutungsstörungen sowie bei Juckreiz und Brennen im Zusammenhang mit Hämorrhoiden verwendet.

Stechender Mäusedorn - Ruscus aculeatus

Ruscus aculeatus mit roten Beeren

Mäusedorn - Ruscus aculeatus

VORKOMMEN

Ruscus aculeatus ist im Mittelmeergebiet heimisch und kommt ausserdem in Teilen West- und Südeuropas, Nordafrikas und Vorderasiens vor. Die Pflanze wächst in Gebüschen, lichten Wäldern, an Waldrändern und auf trockenen, steinigen Abhängen.

Der Stechende Mäusedorn ist an warme, eher trockene Standorte angepasst. In Mitteleuropa ist er nur bedingt winterhart und wird vor allem als Zier- und Kübelpflanze kultiviert.

MERKMALE

Der Stechende Mäusedorn ist ein immergrüner, meist 30 bis 100 cm hoher Halbstrauch. Auffällig sind die blattartig verbreiterten Kurztriebe, die sogenannten Phyllokladien. Sie sind lederig, steif, breit-lanzettlich und enden in einer stechenden Spitze. Die eigentlichen Laubblätter sind klein, schuppenartig und fallen früh ab.

Die unscheinbaren grünlichweissen Blüten sitzen scheinbar auf der Unterseite oder in der Mitte der Phyllokladien. Aus ihnen entstehen leuchtend rote, kugelige Beeren. Diese Beeren sind dekorativ, aber nicht zum Verzehr geeignet.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Rusci rhizoma beziehungsweise Rusci aculeati rhizoma - Mäusedornwurzelstock, Stechmyrtenrhizom. Verwendet werden der getrocknete Wurzelstock und daraus hergestellte Zubereitungen von Ruscus aculeatus.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Die Droge enthält Steroidsaponine vom Spirostanol- und Furostanoltyp. Nach Hydrolyse entstehen die Aglyka Ruscogenin und Neoruscogenin, die zusammen oft als Ruscogenine bezeichnet werden. Zu den wichtigen Saponinen gehören Ruscosid und Deglucoruscosid.

Ruscogenin - Inhaltsstoff des Mäusedorns

Weitere Inhaltsstoffe sind Triterpene, geringe Mengen ätherisches Öl, Phytosterole wie Sitosterol, Stigmasterol und Campesterol sowie verschiedene Flavonoide, darunter Rutin, Vitexin, Isoquercitrin, Narcissin, Nicotiflorin, Orientinglucosid und Schaftosid.

PHARMAKOLOGIE

Für Mäusedornextrakte werden venentonisierende, antiexsudative und ödemhemmende Effekte beschrieben. Die Wirkung wird vor allem mit den Steroidsaponinen und den Ruscogeninen in Verbindung gebracht. Diskutiert werden eine Beeinflussung adrenerger Mechanismen an venösen Gefässen, eine Verminderung der Kapillarpermeabilität und entzündungsmodulierende Effekte.

Die pharmakologische Plausibilität passt zu den traditionellen Anwendungen bei Schweregefühl und Beschwerden der Beine im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen. Bei Hämorrhoidenbeschwerden steht die symptomatische Linderung von Juckreiz und Brennen im Vordergrund.

Ähnliche Anwendungsgebiete bei venösen Beschwerden haben unter anderem Extrakte aus Rosskastanie, Rotem Weinlaub, Buchweizen, Steinklee und Heidelbeere.

EVIDENZ

Die EMA/HMPC bewertet Mäusedornwurzelstock als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Die Anwendung umfasst die Linderung von Beschwerden und Schweregefühl der Beine bei leichten venösen Durchblutungsstörungen sowie Juckreiz und Brennen im Zusammenhang mit Hämorrhoiden, nachdem schwerwiegende Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.

Die klinische Evidenz ist für venöse Beschwerden besser als für viele rein traditionelle Teedrogen, bleibt aber begrenzt. Eine placebokontrollierte Studie bei chronisch venöser Insuffizienz zeigte günstige Effekte auf Bein- und Fussödeme; die HMPC-Einstufung bleibt dennoch traditionell, weil die Studienlage für eine starke klinische Wirksamkeitsbewertung nicht ausreicht. Für Hämorrhoidenbeschwerden beruht die Bewertung im Wesentlichen auf langjähriger Anwendung.

ANWENDUNG

Anerkannte traditionelle Anwendungen:

  • Linderung von Beschwerden und Schweregefühl der Beine im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen;
  • Linderung von Juckreiz und Brennen im Zusammenhang mit Hämorrhoiden, nachdem schwerwiegende Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.

Weitere traditionelle Anwendungen:
Volksmedizinisch wurde Mäusedorn auch als harn- und schweisstreibendes Mittel verwendet. Diese Anwendungen sind klinisch nicht ausreichend belegt und stehen heute nicht im Vordergrund.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Medizinisch werden vor allem definierte Zubereitungen aus dem Mäusedornwurzelstock verwendet, insbesondere Trockenextrakte und andere standardisierte Darreichungsformen zum Einnehmen. Eine Anwendung als einfacher Kräutertee steht nicht im Vordergrund.

Die Dosierung richtet sich nach der jeweiligen Zubereitung und der Packungsbeilage. Nach HMPC sollen Mäusedornpräparate nur bei Erwachsenen verwendet werden. Wenn Beschwerden länger als 2 Wochen anhalten oder sich während der Anwendung verschlechtern, ist ärztliche Abklärung erforderlich.

SICHERHEIT

Mäusedornpräparate sollen nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Mäusedorn oder entsprechenden Zubereitungen. Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen wird nicht empfohlen.

Bei plötzlich auftretender, einseitiger Beinschwellung, starken Schmerzen, Hautverfärbungen, Wärmegefühl, Atemnot oder Brustschmerzen ist sofort ärztliche Abklärung erforderlich, da ernsthafte Gefässerkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Bei Blutungen aus dem Enddarm oder anhaltenden Hämorrhoidenbeschwerden ist ebenfalls eine medizinische Abklärung notwendig.

Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Eine Anwendung sollte in diesen Situationen nur nach fachlicher Rücksprache erfolgen. Die roten Beeren des Mäusedorns sind nicht zur Einnahme bestimmt und gelten als schwach giftig.

STATUS

  • Kommission E: positive Bewertung zur unterstützenden Therapie von Beschwerden bei chronisch venöser Insuffizienz und Hämorrhoidenbeschwerden.
  • ESCOP: positive Bewertung für Beschwerden bei chronisch venöser Insuffizienz und Hämorrhoidenbeschwerden.
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft für Rusci rhizoma.

MÄUSEDORN IM GARTEN

Ruscus aculeatus stammt aus dem Mittelmeerraum und ist in Mitteleuropa nur bedingt winterhart. Mit geeignetem Standort und Winterschutz kann die Pflanze im Freien kultiviert werden; sicherer ist häufig die Kultur als Kübelpflanze.

Der Mäusedorn bevorzugt einen geschützten, hellen bis halbschattigen Standort. Der Boden sollte durchlässig und mässig feucht sein; Staunässe ist zu vermeiden. Im Freiland sollte die Pflanze vor starkem Frost durch Laub, Reisig oder Tannenzweige geschützt werden. Als Kübelpflanze überwintert Mäusedorn am besten kühl, hell und frostfrei.

Stechender Mäusedorn im Garten

SONSTIGES

Der deutsche Name Mäusedorn wird mit der früheren Verwendung der steifen, dornigen Zweige in Verbindung gebracht. Sie wurden genutzt, um Vorräte vor Mäusen zu schützen oder Arbeitsflächen zu reinigen. Der englische Name Butcher's Broom weist ebenfalls auf eine historische Verwendung der Zweige hin.

Die Vernichtung mediterraner Wälder und die Sammlung für den Pharmamarkt haben den Lebensraum wild wachsender Bestände regional belastet. Für medizinische Zwecke sollten kontrollierte und nachhaltige Quellen bevorzugt werden.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) - Extrakte aus den Samen werden bei Beschwerden der chronisch venösen Insuffizienz verwendet.
  • Weinrebe (Vitis vinifera) - rotes Weinlaub wird traditionell bei schweren Beinen und venösen Beschwerden eingesetzt.
  • Steinklee (Melilotus officinalis) - traditionelle Anwendung bei venösen und lymphatischen Beschwerden.
  • Buchweizen (Fagopyrum esculentum) - enthält Rutin und wird mit Gefässschutz und venösen Beschwerden in Verbindung gebracht.
  • Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) - anthocyanreiche Frucht mit Bezug zu Gefäss- und Schleimhautthemen.

FAQ

  • Wofür wird Mäusedorn verwendet?
    Mäusedornwurzelstock wird traditionell bei Beschwerden und Schweregefühl der Beine im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen sowie bei Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoiden verwendet.
  • Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
    Wichtig sind Steroidsaponine, insbesondere Ruscogenin und Neoruscogenin sowie deren Glykoside.
  • Hilft Mäusedorn bei chronisch venöser Insuffizienz?
    Für venöse Beschwerden gibt es pharmakologische Plausibilität und klinische Hinweise. Die HMPC-Einstufung bleibt jedoch traditionell und nicht als stark belegte klinische Wirksamkeit zu verstehen.
  • Kann Mäusedorn bei Hämorrhoiden angewendet werden?
    Traditionell wird Mäusedorn zur Linderung von Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoiden verwendet. Blutungen, starke Schmerzen oder anhaltende Beschwerden müssen ärztlich abgeklärt werden.
  • Sind die roten Beeren essbar?
    Nein. Die roten Beeren sind nicht zur Einnahme bestimmt und gelten als schwach giftig.

Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold