Gewöhnliche Haselwurz - Asarum europaeum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Gewöhnliche Haselwurz hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Aufgrund ihrer giftigen Eigenschaften ist eine Selbstmedikation nicht angezeigt.
Asarum europaeum (syn. Asarum officinale);
Europäische bzw. Gewöhnliche Haselwurz (syn. Brechwurz, Haselwurz, Hasenöhrlein, Schwarzwurz).
VORKOMMEN
Die Gewöhnliche Haselwurz ist heimisch im nördlichen Südeuropa sowie im zentralen und östlichen Mitteleuropa bis nach Sibirien. Sie wächst vor allem in schattigen Laubwäldern und Gebüschen auf humosen, eher feuchten und meist kalkhaltigen Böden. Typisch ist ihr Vorkommen unter Haselsträuchern und in anderen gehölzreichen Waldgesellschaften.
MERKMALE
Die Haselwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von nur 5 bis 10 Zentimetern. Die oberirdischen Pflanzenteile sind zottig behaart. Die ganze Pflanze riecht intensiv, das Rhizom pfefferartig. Die Sprossachse ist kriechend und trägt zwei bis drei bräunlich-grüne Niederblätter. Die zwei immergrünen, lang gestielten Laubblätter sind rundlich bis nierenförmig oder herzförmig und oberseits glänzend, während die Unterseite behaart ist. Die Blüten stehen einzeln unmittelbar in Bodennähe und sind krugförmig, braunrot mit drei Zipfeln. Die Blütenhülle besteht aus drei verwachsenen, braunpurpurnen Perigonblättern.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Asari rhizoma (syn. Radix Asari, Radix Nardi rusticae, Rhizoma Asari); Haselwurzwurzel bzw. Haselwurzwurzelstock, der getrocknete Wurzelstock mit den Wurzeln.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Droge enthält ätherisches Öl (je nach Herkunft etwa 0,7 bis 4,1 %) mit unterschiedlicher Zusammensetzung in Abhängigkeit von Chemotyp und Herkunft. Als Hauptkomponenten werden trans-Isoasaron (α-Asaron), trans-Isomethyleugenol oder trans-Isoelemicin beschrieben. Daneben kommen weitere Mono- und Sesquiterpenderivate, Flavonoide sowie Phenolcarbonsäureverbindungen vor.

PHARMAKOLOGIE
Historisch wurde der Haselwurz unter anderem als Expektorans, Reizmittel und Brechmittel beschrieben. Die berichteten Wirkungen werden vor allem mit Bestandteilen des ätherischen Öls in Verbindung gebracht. Aus heutiger Sicht stehen jedoch die toxikologischen Risiken im Vordergrund. Eine klinisch gesicherte, heute relevante phytotherapeutische Anwendung ist nicht etabliert.
EVIDENZ
Für Asarum europaeum besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. Monographien von Kommission E, ESCOP oder HMPC liegen nicht vor. Die historische Verwendung als Brechmittel oder Expektorans ist heute obsolet.
Die neuere wissenschaftliche Einordnung stützt sich vor allem auf phytochemische und toxikologische Daten. Im Vordergrund stehen die Bestandteile des ätherischen Öls, insbesondere Asaron-Derivate. Aufgrund der toxikologischen Risiken und der fehlenden klinischen Absicherung wird die Pflanze heute nicht therapeutisch verwendet.
- Gracza L.: Über die Wirkstoffe von Asarum europaeum; Planta Med 1983; 48: 153-157.
- PubMed: Asarum europaeum
- PubMed: Asarone toxicity
ANWENDUNG
Die Haselwurz wurde früher volkstümlich in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet, unter anderem als Brechmittel und in einzelnen Zubereitungen bei Atemwegsbeschwerden. Diese Anwendungen sind heute obsolet. Aufgrund der Toxizität und des fehlenden anerkannten Nutzens wird die Pflanze in der modernen Phytotherapie nicht verwendet.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eine Zubereitung zur medizinischen Selbstanwendung ist nicht angezeigt. Arzneimittel mit Haselwurz sind in der Schweiz nach heutigem Stand ohne praktische Bedeutung.
STATUS
Giftpflanze!
HASELWURZ IM GARTEN
Der Haselwurz gedeiht in normalem Gartenboden, der humusreich, mässig nährstoffreich, eher feucht und am besten kalkhaltig ist. Staunässe sollte vermieden werden. Asarum europaeum liebt den Schatten, besonders unter Laubbäumen wie dem Hasel. Jungpflanzen können in passenden Staudengärtnereien bezogen und in Abständen von etwa 20 Zentimetern gesetzt werden. Ältere Pflanzen lassen sich durch Teilung des Rhizoms vermehren. Die Art wächst langsam, ist winterhart, mehrjährig und insgesamt pflegeleicht.
Wie auch andere Vertreter der Aristolochiaceae ist die Gewöhnliche Haselwurz giftig. Bei mir im Garten wächst sie unter einem Haselstrauch neben Seidelbast, Pestwurz, Aronstab und Bärlauch.
Verwandt mit der Gewöhnlichen Haselwurz ist die Osterluzei, ebenfalls ein Vertreter der Aristolochiaceae.
SONSTIGES
Der Name Asarum ist vom griechischen asaron abgeleitet und bedeutet bei Dioskurides Ekel oder Unbehagen, womit die brechreizfördernden Eigenschaften der Pflanze angedeutet werden. Die deutsche Bezeichnung Haselwurz weist auf das häufige gemeinsame Vorkommen mit der Hasel hin.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Aristolochia clematitis – nah verwandte, ebenfalls giftige Art aus derselben Pflanzenfamilie.
- Arum maculatum – ebenfalls giftige Waldpflanze schattiger Standorte.
- Daphne mezereum – ebenfalls giftige heimische Art mit Bedeutung als Zier- und Waldpflanze.
FAQ
- Ist die Gewöhnliche Haselwurz giftig?
Ja. Asarum europaeum gilt als Giftpflanze und ist für die Selbstmedikation ungeeignet. - Hat die Haselwurz heute eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Eine anerkannte medizinische Anwendung besteht nicht. - Welche Droge wurde früher verwendet?
Verwendet wurde vor allem das Rhizom mit den Wurzeln, traditionell als Asari rhizoma bezeichnet. - Kann man die Haselwurz im Garten kultivieren?
Ja, an schattigen Standorten mit humosem, eher feuchtem und kalkhaltigem Boden. Wegen der Giftigkeit ist Vorsicht nötig.
Letzte Änderung: 02.04.2026 / © W. Arnold








