Goldlack - Erysimum cheiri

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Goldlack ist eine historische Heil- und Zierpflanze, besitzt aber heute keine anerkannte medizinische Anwendung. Die Pflanze enthält herzwirksame Cardenolidglykoside; besonders die Samen gelten als toxisch. Eine Selbstanwendung ist nicht zu empfehlen.

Erysimum cheiri (syn. Cheiranthus corinthius, C. luteus, C. senoneri, Cheiri vulgare, Erysimum murale);
Goldlack (syn. Gelbe Violen, Gelbveiglein, Lackviolen).

Goldlack (Erysimum cheiri) mit gelben Blüten

Blühender Goldlack (Erysimum cheiri) mit gelben Blütentrauben

Goldlackpflanze (Erysimum cheiri) im Garten

VORKOMMEN

Der Goldlack stammt ursprünglich aus Südosteuropa und dem Mittelmeergebiet. In Mitteleuropa kommt er vor allem als Kulturpflanze und gelegentlich als Gartenflüchtling in warmen Lagen vor. Er wächst bevorzugt an sonnigen, geschützten Standorten, häufig an Mauern, Felsen, Böschungen und in Gärten.

MERKMALE

Goldlack ist eine ausdauernde, im unteren Bereich oft verholzende Pflanze und erreicht Wuchshöhen bis etwa 60 cm. Die Sprossachsen sind aufrecht bis aufsteigend. Die unteren Blätter stehen rosettig und können bis etwa 10 cm lang werden.

Der Blütenstand ist eine Traube mit zahlreichen stark duftenden Blüten. Die Blüten sind meist goldgelb bis orangegelb und besitzen vier Kronblätter. Die Frucht ist eine behaarte, schmale Schote, die aufrecht absteht und zahlreiche Samen enthält.

DROGEN

1. Cheiranthi cheiri flos (syn. Cheiri arabici flos, Cheiri flos, Flores Cheiri, Flores Cheiri arabici, Flores Leucoji, Flores Leucoji lutei et vulgaris); Goldlackblüten, die getrockneten Blüten.

2. Cheiranthi cheiri semen (syn. Semen Cheiranthi, Semen Cheiri); Goldlacksamen, die getrockneten reifen Samen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Cheiranthi cheiri flos: ätherisches Öl mit unter anderem Linalool, Geraniol, Nerol, Benzylalkohol und Anthranilsäuremethylester; Flavonoide wie Isorhamnetin, Quercetin und deren Glykoside; ausserdem Cheiranthin, ein herzwirksames Cardenolidglykosid, sowie Myrosinase.

2. Cheiranthi cheiri semen: Cardenolidglykoside, darunter Cheirotoxin, Erysimosid, Erysinotoxin, Allisid und Cheirosid A; ausserdem Cheirolin, Glucosinolate wie Glucocheirolin sowie fettes Öl mit Linolsäure, Erucasäure, Ölsäure, Linolensäure, Palmitinsäure und Lignocerinsäure.

Strukturformel von Cheirotoxin aus Goldlack

PHARMAKOLOGIE

Die pharmakologische Bedeutung des Goldlacks beruht vor allem auf den enthaltenen Cardenolidglykosiden. Diese Stoffgruppe kann die Natrium-Kalium-ATPase hemmen und dadurch herzwirksame, aber auch toxische Effekte auslösen. Die therapeutische Breite solcher Verbindungen ist eng.

Frühere Anwendungen bei Herzbeschwerden oder Obstipation sind pharmakologisch zwar teilweise erklärbar, aber nicht ausreichend klinisch belegt und wegen der Giftigkeit nicht mehr vertretbar. Die Samen sind besonders kritisch zu beurteilen, da sie relevante Mengen herzwirksamer Glykoside enthalten können.

EVIDENZ

Für Goldlack besteht keine tragfähige moderne klinische Evidenz für eine sichere medizinische Anwendung. Die historische Verwendung lässt sich durch Cardenolidglykoside und weitere Inhaltsstoffe erklären, wird aber durch das toxikologische Risiko deutlich begrenzt. Aktuelle Arbeiten betreffen vor allem Phytochemie, traditionelle Verwendung und experimentelle pharmakologische Untersuchungen.

  • PubMed – historische Arbeit zu Cheirotoxin und weiteren Inhaltsstoffen aus Goldlacksamen.
  • PubMed – Studie zu traditioneller Verwendung, Qualitätskontrolle und entzündungshemmenden Untersuchungen von Erysimum cheiri.
  • PMC – frei zugängliche Volltextfassung zur Untersuchung von Erysimum cheiri-Extrakten und Qualitätsparametern.
  • PubMed – Review zu Cardenoliden als toxischen pflanzlichen Sekundärstoffen und deren biologischer Bedeutung.

ANWENDUNG

1. Cheiranthi cheiri flos: Goldlackblüten wurden früher bei Krämpfen, Obstipation, Leber- und Herzleiden, zur sogenannten Blutreinigung, zur Förderung der Menstruation, bei nervöser Spannung und bei verminderter Harnausscheidung verwendet. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungen ist nicht belegt.

2. Cheiranthi cheiri semen: Die Samen wurden früher ähnlich wie die Blüten bei Verstopfung, zur Beschleunigung der Menstruation und bei Herzinsuffizienz verwendet. Wegen der herzwirksamen Glykoside und der Toxizität sind solche Anwendungen heute obsolet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Eine Zubereitung von Goldlackblüten oder Goldlacksamen als Tee, Pulver, Dekokt oder Tinktur ist nicht zu empfehlen. Historische Dosierungsangaben sind wegen der Giftigkeit, des schwankenden Wirkstoffgehalts und fehlender moderner Sicherheitsdaten nicht als Grundlage für eine Selbstanwendung geeignet.

SICHERHEIT

Goldlack ist als Giftpflanze einzustufen. Besonders die Samen gelten wegen ihres Gehalts an herzwirksamen Cardenolidglykosiden als stark toxisch. Mögliche Vergiftungszeichen betreffen unter anderem Magen-Darm-Trakt, Herzrhythmus, Kreislauf und Nervensystem.

Nicht anwenden bei Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie bei Einnahme von Herzglykosiden, Antiarrhythmika, Diuretika oder anderen Herz-Kreislauf-Arzneimitteln. Bei Verdacht auf Vergiftung ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.

STATUS

Giftpflanze.

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden.
  • HMPC: keine Monographie vorhanden.

GOLDLACK IM GARTEN

Erysimum cheiri bevorzugt einen vollsonnigen, warmen und möglichst windgeschützten Standort. Geeignet ist eine durchlässige, eher kalkhaltige, nahrhafte und sandige Gartenerde. Goldlack kann als Jungpflanze im frostfreien Herbst gepflanzt werden.

Die Pflanze ist nur bedingt winterhart und sollte in kalten Lagen geschützt werden. Mehrjährige Pflanzen können nach der Blüte zurückgeschnitten werden. Im Garten lässt sich Goldlack gut mit Baldrian, Mariendistel, Kümmel oder Lavendel kombinieren.

Goldlack (Erysimum cheiri) mit gelben Blüten im Garten

SONSTIGES

Der Goldlack macht seinem Namen durch seine intensiv gelben bis goldgelben Blüten alle Ehre. Die Pflanze wurde bereits im Altertum kultiviert und historisch als Heilpflanze beschrieben. In der Blumensprache steht Goldlack für Sehnsucht.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) – giftige Herzglykosid-Pflanze mit enger therapeutischer Breite.
  • Wolliger Fingerhut (Digitalis lanata) – wichtige historische Quelle herzwirksamer Glykoside.
  • Maiglöckchen (Convallaria majalis) – stark giftige Pflanze mit herzwirksamen Glykosiden.
  • Adonisröschen (Adonis vernalis) – historische Herzpflanze mit Cardenoliden und relevanter Giftigkeit.

FAQ

  • Ist Goldlack giftig?
    Ja. Goldlack enthält herzwirksame Cardenolidglykoside. Besonders die Samen gelten als stark toxisch.
  • Hat Goldlack eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Nein. Eine anerkannte moderne medizinische Anwendung besteht nicht. Frühere Anwendungen sind wegen fehlender Evidenz und Giftigkeit obsolet.
  • Welche Inhaltsstoffe sind besonders wichtig?
    Wichtig sind Cardenolidglykoside wie Cheirotoxin, Erysimosid und verwandte Herzglykoside sowie Glucosinolate.
  • Darf Goldlack als Hausmittel verwendet werden?
    Nein. Wegen der potenziellen Herz- und Kreislaufwirkungen ist eine Selbstanwendung nicht zu empfehlen.

Letzte Änderung: 28.04.2026 / © W. Arnold