Wolliger Fingerhut - Digitalis lanata

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Digitalis lanata (u. a. syn. Digitalis epiglottidea, Digitalis eriostachya, Digitalis orientalis, Digitalis nova); Wolliger Fingerhut.

Die Blätter des Wolligen Fingerhutes und die daraus isolierten Cardenolide sind stark wirksame Arzneistoffe und dürfen phytotherapeutisch nicht verwendet werden. Die Cardenolide (hier besonders Digoxin) werden aus der Pflanze gewonnen bzw. aus ihr abgeleitet und in standardisierten Arzneimitteln bei bestimmten Herzkrankheiten eingesetzt. Der Wollige Fingerhut ist eine Giftpflanze – es dürfen keine Tees oder andere Zubereitungen aus der Pflanze hergestellt werden.

Wolliger Fingerhut

Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut

Digitalis lanata - Wolliger Fingerhut

Wolliger Fingerhut (Digitalis lanata)

VORKOMMEN

Der Wollige Fingerhut stammt aus Südosteuropa bis in den nordwestlichen Teil der Türkei. Er wird als Zierpflanze und als Arzneirohstoff kultiviert und kann gelegentlich aus Gärten verwildern. In Teilen Mitteleuropas und Nordamerikas ist die Art lokal eingebürgert.

Ich halte 3 weitere Digitalis-Arten als Zierpflanzen im Garten: Digitalis purpurea (Roter Fingerhut), Digitalis lutea (Gelber Fingerhut) und Digitalis grandiflora (Grossblütiger Fingerhut).

MERKMALE

Der Wollige Fingerhut ist eine zweijährige bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 90 cm erreicht. Die länglich-lanzettlichen Blätter sitzen an oft leicht purpurfarben überhauchten Stängeln. Der Blütenstand ist dicht besetzt mit kleinen, weisslichen bis cremegelben Blüten mit brauner Zeichnung. Charakteristisch sind die wollig behaarten Tragblätter des Blütenstandes, auf die sich der deutsche Name bezieht.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Digitalis lanatae folium (syn. Folia Digitalis lanatae); getrocknete Laubblätter von Digitalis lanata.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Cardenolidglykoside mit bis zu etwa 1,5 % Gesamtgehalt, darunter zahlreiche Vertreter, insbesondere Lanatosid A, B und C sowie Digoxin bzw. dessen Vorstufen.

Die herzwirksamen Glykoside leiten sich vor allem von den Geninen Digitoxigenin, Gitoxigenin, Digoxigenin, Diginatigenin und Gitaloxigenin ab.

Struktur von Digoxin und Lanatosid A

PHARMAKOLOGIE

Digitalisglykoside bewirken am Herzen eine Steigerung der Kontraktionskraft (positiv inotrop), eine Verringerung der Schlagfrequenz (negativ chronotrop), eine Verlangsamung der Erregungsleitung (negativ dromotrop) und eine Begünstigung der Erregungsbildung (positiv bathmotrop). Dadurch können definierte Wirkstoffe aus dieser Stoffgruppe bei bestimmten Formen der Herzinsuffizienz und bei tachykarden supraventrikulären Rhythmusstörungen medizinisch eingesetzt werden.

Wegen der sehr geringen therapeutischen Breite sind Digitalisglykoside jedoch potenziell gefährlich. Überdosierungen oder Interaktionen können zu Übelkeit, Sehstörungen und vor allem zu teils schweren Herzrhythmusstörungen führen.

EVIDENZ

Für den Wolligen Fingerhut besteht keine phytotherapeutische Anwendung der Droge im heutigen Sinn. Medizinisch relevant sind isolierte, exakt dosierte Reinstoffe wie Digoxin. Die Pflanze selbst ist wegen ihrer Toxizität und der schlecht steuerbaren Wirkstoffgehalte nicht für die Selbstmedikation geeignet.

Die heutige Bedeutung von Digitalis lanata liegt vor allem in ihrer pharmazeutischen Bedeutung als Ausgangspflanze für herzwirksame Glykoside. Klinisch eingesetzt werden definierte Arzneistoffe, nicht Tees oder traditionelle Zubereitungen aus der Pflanze.

ANWENDUNG

Die Droge selbst wird heute nicht phytotherapeutisch verwendet. Gründe dafür sind die starke Wirkung, die enge therapeutische Breite sowie die schlechte Steuerbarkeit der Wirkstoffgehalte in pflanzlichen Zubereitungen.

Digitalis lanata wird jedoch als Arzneirohstoff zur Gewinnung herzwirksamer Cardenolide kultiviert. Aus den Blättern wurden bzw. werden definierte Wirkstoffe wie Digoxin oder Lanatoside isoliert, die in exakt dosierter Form medizinisch verwendet werden.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Eine Zubereitung der Pflanze zur Selbstmedikation ist nicht zulässig. Tees, Tinkturen oder andere eigene Zubereitungen dürfen wegen der Giftigkeit nicht hergestellt werden.

Medizinisch verwendet werden ausschliesslich standardisierte, ärztlich dosierte Fertigarzneimittel mit definierten herzwirksamen Glykosiden.

STATUS

Giftpflanze!

Blätter von Digitalis lanata und daraus gewonnene Cardenolide sind stark wirksam. Eine phytotherapeutische Anwendung der Pflanze selbst ist nicht angezeigt.

  • Kommission E: keine Monographie zur phytotherapeutischen Anwendung der Droge
  • ESCOP: keine Monographie zur phytotherapeutischen Anwendung der Droge
  • HMPC: keine HMPC-Monographie zur Selbstmedikation der Droge

WOLLIGER FINGERHUT IM GARTEN

Der Wollige Fingerhut ist trotz seiner Giftigkeit eine dekorative Gartenpflanze. Er bevorzugt lockere, normale Gartenerde, sonnige Standorte und eher trockene Böden. Die Art sät sich oft selbst aus und ist insgesamt pflegeleicht. Wegen der Giftigkeit ist im Hausgarten dennoch Vorsicht geboten.

Wolliger Fingerhut

SONSTIGES

Der Wollige Fingerhut ist pharmazeutisch von grosser Bedeutung, weil aus ihm wichtige herzwirksame Glykoside gewonnen wurden. Als Giftpflanze ist er jedoch für die Selbstmedikation ungeeignet.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

FAQ ZUM WOLLIGEN FINGERHUT

  • Ist der Wollige Fingerhut eine Heilpflanze?
    Nein, nicht im Sinn der Selbstmedikation. Die Pflanze ist hochgiftig. Medizinisch verwendet werden nur exakt dosierte Reinstoffe wie Digoxin.
  • Welche Bedeutung hat Digitalis lanata heute?
    Die Art ist pharmazeutisch bedeutsam als Quelle bzw. historische Ausgangspflanze herzwirksamer Glykoside. Verwendet werden standardisierte Arzneistoffe, nicht die Pflanze selbst.
  • Darf man Tee aus Wolligem Fingerhut herstellen?
    Nein. Wegen der Giftigkeit und der sehr geringen therapeutischen Breite sind Tees, Tinkturen oder andere Zubereitungen gefährlich und unzulässig.
  • Zu welcher Familie gehört der Wollige Fingerhut?
    Nach heutiger botanischer Einordnung gehört Digitalis lanata zur Familie der Plantaginaceae.

Letzte Änderung: 28.03.2026 / © W. Arnold