Passionsblume - Passiflora incarnata

Passiflora incarnata (syn. Granadilla incarnata, Passiflora kerii);
Passionsblume (syn. Fleischfarbene Passionsblume)

Passionsblume - Passiflora incarnata

Passionsblume

Passiflora cerula - Passionsblume
Passiflora cerulea

VORKOMMEN

In Nordamerika gibt es zwei Passionsblumenarten, Passiflora incarnata ist eine davon. Die nördliche Verbreitungsgrenze bilden die südöstlichen Staaten der USA. Auch auf den Bermudas und den Antillen, in Mittelamerika sowie in Brasilien und Argentinien ist die schöne Kletterpflanze zu finden. Anbaugebiete der Passionsblume finden sich vor allem in Florida und Indien. Als sehr dekorative Kletterpflanzen sind Passionsblumen auch in den Gärten Europas weit verbreitet.

MERKMALE

Die Passionsblume ist eine immergrüne, ausdauernde Kletterstaude mit einer Höhe von bis zu 10 m. Der verholzende Stängel ist an jüngeren Teilen grün und im Querschnitt leicht eckig. Die netznervigen Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Sie sind tief dreiteilig gelappt und leicht gesägt. Die radiärsymmetrischen und fünfzähligen Blüten erreichen einen Durchmesser von 6 bis 10 Zentimetern. Die Blüten stehen einzeln an bis zu 10 Zentimeter langen Stielen und werden von drei zugespitzten Hochblättern umgeben. Die fünf Kelchblätter sind an der Aussenseite grünlich, innen weisslich und bis zu 3 Zentimeter lang. Die fünf Kronblätter sind etwas kürzer als die Kelchblätter. Normalerweise sind die Kronblätter blassrosa, doch kann die Farbe variabel sein. Für die Verankerung sind korkenzieherartig gewundene Sprossranken verantwortlich.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Passiflorae herba (syn. Herba Passiflorae); Passionsblumenkraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Alkaloide:
Das Vorkommen von Harmanalkaloiden ist umstritten. Möglicherweise toxische Harman-Alkaloide sind höchstens in sehr geringen Konzentrationen vorhanden. Nach der Kommission E darf der Gehalt an Harman-Alkaloiden 0.01 % nicht überschreiten. Nach einer neueren Untersuchung gilt derzeit als gesichert, dass Harmanalkaloide in Passiflora incarnata (Handelsdroge) praktisch nicht vorkommen.

Ätherisches Öl:
In einigen Monographien wird das ätherische Öl als Inhaltsstoff aufgeführt, ist aber unbedeutend (Gehalt kaum bekannt, sicher aber <0,1 %). Zu den Inhaltsstoffen sind keine Angaben zu finden.

Cumarine:
Cumarin-Derivate gelten als Inhaltsstoffe und sind in Spuren nachgewiesen.

Cyanogene Glykoside:
Das cyanogene Glykosid Gynocardin ist charakteristisch für Passiflora incarnata - es wurde bisher in keiner anderen Passionsblumenart gefunden. Der Gehalt ist aber sehr gering und unbedenklich. Theoretisch kann aus Gynocardin Blausäure freigesetzt werden, diese konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Flavonoide:
Wie in allen Passiflora-Arten dominieren die C-Glykoside von Apigenin und Luteolin. Neuere Untersuchungen ergaben, dass neben Isoorientin und Isovitexin Isoschaftosid, Lucenin-2, Schaftosid, Vicenin-2 sowie Isoorientin- und Isovitexin-2"-glucosid als wichtigste Verbindungen vorhanden sind. Die Angaben zum Gesamtgehalt an Flavonoiden schwanken beträchtlich (abhängig vom Analyseverfahren) und schwanken zwischen 0,5 % und 4 % in der getrockneten Droge.

Ähnliches gilt für Maltol, es ist nicht gesichert, ob Maltol in Passiflora incarnata regelmässig vorkommt (nach älteren Untersuchungen in kleinen Mengen vorhanden).

Passionsblume: Inhaltsstoffe - Flavonoide

PHARMAKOLOGIE

Passionsblume gegen Angststörungen:
In einer Studie (Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe) an 10 Patienten mit generalisierten Angststörungen wurde ein Passionsblumenpräparat (400 mg Trockenextrakt) mit verschiedenen Benzodiazepinen verglichen. Als Referenz bezüglich psychischer Angststörungen und Muskelrelaxation dienten 10 mg Diazepam. Die Wirkung auf die somatischen Erscheinungen der Angststörungen wurde mit jener von 2,5 mg Lorazepam verglichen und als Vergleich für die sedierende bzw. hypnotische Wirkung dienten 4 mg Flunitrazepam. Die Bewertung der einzelnen Parameter erfolgte nach einer Punkte-Skala basierend auf der „Hamilton anxiety rating“-Skala. Aus den Einzeldaten wurde der „anxiolytische Index“ (= Punkte anxiolytische Wirkung + Punkte für die Wirkung auf die somatischen Begleiterscheinungen / Punkte Muskelrelaxation + Punkte sedativ-hypnotische Wirkung) berechnet. Für das Passionsblumenextrakt wurde neben einer nur geringen sedierenden Wirkkomponente eine gute anxiolytische Wirkung, sowohl auf die psychischen als auch, etwas geringer, auf die somatischen Erscheinungen, festgestellt. Eine muskelrelaxierende Wirkung fehlte. Dadurch war der anxiolytische Index des Passionsblumenextrakts allen getesteten Psychopharmaka überlegen.

Weitere kontrollierte Doppelblindstudien (Hager) mit 162 (Vergleich mit Mexazolan) und 36 (Vergleich mit Oxazepam) Patienten kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

Neuste Studien:
Zeitschrift für Phytotherapie 2014; 35(05): 215-218
Wirkmechanismus der Passionsblume aufgeklärt

ANWENDUNG

Die Kommission E nennt als Anwendungsgebiet "Nervöse Unruhezustände". Die ESCOP erweitert das Anwendungsgebiet um "Angespanntheit und Erregbarkeit mit Einschlafstörungen". Das Passionsblumenkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
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Die medizinische Verwendung von Passiflora incarnata, insbesondere bei leichten Symptomen nervöser Unruhezustände, als Einschlafhilfe oder auch als angst- und krampflösendes Mittel ist belegt.
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Verwendet wird das Passionsblumenkraut oder ethanolische bzw. methanolische Extrakte.
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In nicht rezeptpflichtigen pharmazeutischen Präparaten aus der Gruppe der Schlaf- und Beruhigungsmittel ist die Passionsblume häufig zu finden, meist in Kombination mit anderen Pflanzen, insbesondere Baldrian, Weissdorn, Hopfenzapfen oder Melissenblättern.
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Ein Präparat das ausschliesslich Passiflora incarnata enthält (alkoholischer Trockenextrakt) ist "Valverde Beruhigung, Filmtabletten".
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Auf vielen Verpackungen ist die "Blaue Passionsblume" abgebildet, Passionsblumenkraut muss aber immer von Passiflora incarnata stammen.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Tagesdosis Passionsblumenkraut: 4 bis 8 g Droge (4x 2 g als Teeaufguss).
Heute wird Passiflora incarnata fast nur noch als standardisierter Fertigextrakt in Dragees verwendet.

STATUS

HOMÖOPATHIE

Passiflora incarnata HAB 1; Passionsblume, die frischen, oberirdischen Pflanzenteile. Anwendungsgebiet: Erkrankungen des Zentralnervensystems, Schlafstörungen, Unruhezustände, Krampfleiden.
In Neurexan (homöopathische Tabletten, homöopathische Tropfen) ist die Passionsblume neben Hafer, Kaffee und weiteren Stoffen enthalten.

PASSIONSBLUME IM GARTEN

Die Passionsblume bevorzugt einen sonnigen Standort, hier blüht sie besonders schön bis in den Herbst hinein. Die fleischfarbene und die blaue Passionsblume können sowohl als Kübelpflanze, wie auch als Gartenpflanze gehalten werden. Als Kübelpflanze ist die Passionsblume nicht winterhart, im Freiland muss sie mit einer dicken Mulchschicht aus trockenem Laub geschützt werden.

Die Passionsblume hat keine besonderen Ansprüche an den Boden, der bevorzugte Bodentyp ist neutral, humos und gut wasserdurchlässig. Besonders als Kübelpflanze braucht sie ab und zu etwas flüssigen Volldünger. Die Pflanze benötigt eine Rankhilfe zum klettern.

Während der ganzen Sommersaison muss man darauf achten, dass die Kletterpflanzen mit genügend Wasser versorgt sind. Die Passionsblume liebt viel Sonne und Wärme, braucht aber auch enorm viel Wasser. Wer die Pflanze vermehren möchte, sollte dies mit Stecklingen tun.

Passionsblume

SONSTIGES

Die Gattungsbezeichnung Passiflora (von lat. passio = Leiden, flos = Blume) verweist auf die Passion Christi und erklärt sich aus den in frühen Beschreibungen religiös gedeuteten Merkmalen der Pflanzengattung, besonders ihrer Blüte. So wurde die Nebenkrone als Dornenkrone interpretiert, die fünf Staubblätter als Wundmale, die drei Narben als Kreuznägel und die Sprossranken als Geisseln.

Letzte Änderung: 05.01.2017 / © W. Arnold