Kava-Kava – Piper methysticum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Kava-Kava wurde traditionell und klinisch vor allem bei Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen eingesetzt. Wegen möglicher schwerer Leberschäden wurden Kava-Arzneimittel in mehreren Ländern regulatorisch eingeschränkt oder vom Markt genommen.
Piper methysticum
Rauschpfeffer (syn. Kava, Kava-Kava, Kawapfeffer).
VORKOMMEN
Die ursprüngliche Herkunft von Piper methysticum ist nicht eindeutig bekannt. Vermutet werden Regionen Melanesiens oder Neuguineas. Die Pflanze wird seit Jahrhunderten im pazifischen Raum kultiviert, unter anderem in Polynesien, Vanuatu, Fiji und Hawaii.
Wildformen sind praktisch unbekannt; die Pflanze wird überwiegend vegetativ vermehrt.
MERKMALE
Kava-Kava ist ein 2–3 m hoher, mehrjähriger Strauch aus der Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae). Die grossen herzförmigen Blätter besitzen auffällige Blattnerven.
Verwendet wird vor allem der kräftige Wurzelstock mit den Wurzeln.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Piperis methystici rhizoma – Kavawurzelstock (Kava-Kava-Rhizom).
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Kavalactone (Kavapyrone).
Zu den bedeutendsten Vertretern gehören:
- Kavain
- Methysticin
- Yangonin
- Dihydrokavain
- Dihydromethysticin
- Desmethoxyyangonin
Daneben kommen Flavokavine, Stärke, Proteine und weitere Begleitstoffe vor.
PHARMAKOLOGIE
Die anxiolytische und sedierende Wirkung wird vor allem den Kavalactonen zugeschrieben. Die Wirkmechanismen sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden Interaktionen mit GABAergen, dopaminergen und spannungsabhängigen Ionenkanal-Systemen.
Kava-Extrakte wirken:
- angstlösend
- beruhigend
- muskelrelaxierend
- leicht hypnotisch
- krampflösend
Das pharmakologische Profil unterscheidet sich teilweise von klassischen Benzodiazepinen.
EVIDENZ
Für standardisierte Kava-Extrakte existieren mehrere randomisierte, placebokontrollierte Studien bei nichtpsychotischen Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen.
Insbesondere acetronische Spezialextrakte wie WS 1490 zeigten in mehreren klinischen Studien signifikante anxiolytische Effekte gegenüber Placebo.
Die klinische Evidenz für eine anxiolytische Wirkung gilt insgesamt als moderat. Gleichzeitig besteht jedoch eine langjährige Kontroverse über mögliche schwere Leberschäden unter Kava-Präparaten.
- Gastpar et al. 2003 – randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie zu WS 1490 bei Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen.
- Volz & Kieser 1997 – placebokontrollierte Studie zu Kava-Extrakt WS 1490 bei Angststörungen.
- Pittler & Ernst 2003 – Cochrane-Review zur Wirksamkeit von Kava-Extrakten bei Angstzuständen.
- Witte et al. 2005 – Metaanalyse zur Wirksamkeit des Kava-Spezialextraktes WS 1490.
- Teschke et al. 2003 – Übersichtsarbeit zu Sicherheit und möglicher Hepatotoxizität von Kava-Extrakten.
- EMA/HMPC: Piperis methystici rhizoma
ANWENDUNG
Traditionell und klinisch wurden standardisierte Kava-Extrakte vor allem bei:
- Angstzuständen
- Spannungszuständen
- innerer Unruhe
- Schlafstörungen im Zusammenhang mit Angst
eingesetzt.
Kava besitzt zusätzlich im pazifischen Raum eine bedeutende kulturelle und zeremonielle Rolle.
SICHERHEIT
Kava-Präparate stehen seit Jahren wegen möglicher schwerer Leberschäden in der Diskussion.
Die Ursachen der berichteten Hepatotoxizität sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden:
- ungeeignete Pflanzenteile
- mangelhafte Extraktqualität
- Überdosierung
- lange Einnahmedauer
- Begleitmedikation
- synthetische Kavain-Enantiomere
In der Schweiz sind Kava-/Kavain-haltige Arzneimittel seit 2003 nicht mehr zugelassen. Auch in mehreren europäischen Ländern wurden Zulassungen widerrufen oder stark eingeschränkt. Die regulatorische Bewertung unterscheidet sich international: In den USA und in Teilen des pazifischen Raumes sind Kava-Produkte weiterhin erhältlich.
Kava darf nicht kombiniert werden mit:
- Alkohol
- Benzodiazepinen
- zentral dämpfenden Arzneimitteln
- anderen potenziell hepatotoxischen Substanzen
Kontraindikationen:
- Lebererkrankungen
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- schwere Depressionen
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung bei nervösen Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen.
- ESCOP : positive Monographie für Angstgefühle, Anspannung und Unruhezustände nichtpsychotischer Ursache.
- HMPC : Assessment/Public Statement zu Piperis methystici rhizoma ; keine positive EU-Herbal-Monographie wegen Sicherheitsbedenken.
- Schweiz: Zulassung Kava-/Kavain-haltiger Arzneimittel 2003 aufgehoben.
- Deutschland: erneuter Widerruf der Zulassungen Kava-/Kavain-haltiger Arzneimittel durch das BfArM am 23.12.2019.
SONSTIGES
Kava besitzt im pazifischen Raum eine lange ethnopharmakologische Tradition. Das Getränk aus dem Wurzelstock wird seit Jahrhunderten in religiösen, gesellschaftlichen und zeremoniellen Zusammenhängen verwendet.
Der lateinische Name methysticum leitet sich vom griechischen „methyskomai“ („sich berauschen“) ab.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Passionsblume (Passiflora incarnata) – traditionell beruhigend bei Unruhe und Spannungszuständen.
- Baldrian (Valeriana officinalis) – mild sedierend bei nervöser Unruhe und Einschlafstörungen.
- Hopfen (Humulus lupulus) – traditionell beruhigend und schlaffördernd.
- Lavendel (Lavandula angustifolia) – anxiolytische und beruhigende Eigenschaften.
FAQ
-
Wofür wurde Kava-Kava verwendet?
Vor allem bei Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen. -
Wie wirken Kavalactone?
Sie wirken anxiolytisch, beruhigend und muskelrelaxierend. -
Warum ist Kava umstritten?
Wegen möglicher schwerer Leberschäden unter bestimmten Präparaten. -
Sind Kava-Arzneimittel in der Schweiz zugelassen?
Nein. Die Zulassungen wurden 2003 aufgehoben. -
Gibt es klinische Studien?
Ja. Für standardisierte Spezialextrakte existieren mehrere kontrollierte Studien und Metaanalysen.
Letzte Änderung: 09.05.2026 / © W. Arnold