Hafer - Avena sativa

Avena sativa (syn. Avena cinerea, A. dispermis, A. flava, A. orientalis);
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Hafer (syn. Biwen, Gemeiner Hafer, Habern, Rispenhafer, Saathafer).

Hafer

Avena sativa - Hafer

VORKOMMEN

Die heute in Europa kultivierten Hafersorten stammen wahrscheinlich von der Wildart Avena fatua (Flughafer) ab. In den altertümlichen Getreidefunden taucht Hafer nie in Reinform, sondern immer als Beimengung auf. So ist anzunehmen, dass Hafer zunächst als Beigras auf Gersten- und Weizenfeldern wuchs. Er wird daher zu den sekundären Kulturpflanzen gezählt. Hafer bevorzugt ein gemässigtes Klima mit hohen Niederschlägen. Sein Anbau findet in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in den Küstenregionen statt. Seine Ansprüche an den Boden sind gering. Hafer wird als Sommergetreide angebaut und im Frühjahr ausgesät. Die Ernte findet ab Mitte August statt.
Man findet den Hafer verwildert auf Ruderalflächen und an Schuttplätzen, Weg- und Strassenrändern von der Ebene bis in Gebirgslagen, vornehmlich im Mittelmeergebiet und im Mittleren Osten.

MERKMALE

Der Hafer wird 60–150 cm hoch. Die Blätter sind 5–12 mm breit. Der Blütenstand ist eine lockere Rispe. Die Ährchen sind meist über 2 cm lang, 2blütig und nach dem Blühen hängend. Die beiden ungefähr gleich grossen Hüllspelzen schliessen die Blüten vollständig ein. Die Deckspelzen sind kahl, nicht gekielt, an der Spitze mit 2 häutigen, bis 2 mm langen Zähnen. Die Spelzen umgeben das eigentliche Korn.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Avenae fructus - Haferfrüchte, die reifen, getrockneten von Deck- und Vorspelzen umgebenen Früchte.

Avenae herba (syn. Herba Avenae, Herba Avenae sativae); Haferkraut (syn. Saathaferkraut), die grünen, kurz vor der Vollblüte geernteten, schnell getrockneten oberirdischen Teile.

Avenae stramentum (syn. Stramentum Avenae); Haferstroh, die getrockneten, gedroschenen Laubblätter und Stengel von Avenae sativa.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Kohlenhydrate, u.a. β-Glucane, Kestose und Neokestose, Steroidsaponine wie Avenacoside A und B, Flavonglykoside und Mineralstoffe, vor allem etwa 2 % Kieselsäure. Vorhanden sind auch Avenanthramide (wirksame Polyphenole).

PHARMAKOLOGIE

Für die in Hafer enthaltenen Avenathramide konnten im Versuch reizmildernde, entzündungshemmende und juckreizstillende Effekte beschrieben werden.

ANWENDUNG

Haferfrüchte und Haferkraut werden von der Kommission E negativ beurteilt, da ein Nachweis der Wirkung bei den beanspruchten Anwendungsgebieten fehlt. Haferstroh wurde hingegen positiv beurteilt.

Angaben der Kommission E (Haferstroh):

  • Anwendungsgebiete: Äussere Anwendung: Entzündliche und seborrhoische Hauterkrankungen, speziell mit Juckreiz.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge, Abkochungen aus zerkleinerter Droge und andere galenische Zubereitungen als Badezusatz.
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: 100 g Droge für ein Vollbad; Zubereitungen entsprechend.
  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.

Haferkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (innerlich zur Linderung leichter Stresssymptome und auch als Schlafhilfe).

Volkstümliche Anwendungsgebiete:
Haferstroh wird äusserlich bei Grind, Hautflechten, Frostbeulen, Augenleiden, Unterleibsschwäche der Frauen, Blasenleiden, gichtischen Leiden und rheumatischen Leiden sowie Stoffwechselerkrankungen verwendet.
Haferstroh-Fussbäder werden bei chronisch kalten und/oder stark übermüdeten Füssen angewendet.
Die Wirksamkeit bei den genannten Anwendungen ist nicht belegt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Teebereitung: Etwa 3 g fein geschnittenes Haferkraut wird mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen. Nach dem Erkalten abseihen.

3 g fein geschnittenes Haferkraut wird mit 150 mL kochendem Wasser übergossen. Nach dem Erkalten abseihen.

Vollbad: siehe Anwendung

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung (Haferstroh)
  • ESCOP: - keine Bearbeitung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.

HOMÖOPATHIE

Avena sativa HAB1; frische, zur Blütezeit geerntete oberirdische Teile.
Anwendungsgebiete: bei Erschöpfungszuständen und Schlaflosigkeit.

Hafer wird in homöopathischen Arzneispezialitäten wie z.B. Calmedoron® Tropfen (bei Einschlafstörungen und Nervosität) kombiniert mit z.B. Baldrian, Passionsblume, Hopfen und Kaffee.

SONSTIGES

Ernährungsphysiologisch ist Hafer die hochwertigste Getreideart, die in Mitteleuropa angebaut wird. Die Haferkörner werden lediglich entspelzt, d. h. die äussere für den Menschen unverdauliche Hülle wird entfernt. Der übrigbleibende sogenannte Haferkern wird jedoch nicht geschält, d. h. die äusseren Randschichten, Frucht- und Samenschale, sowie der Keimling bleiben erhalten. Hierbei handelt es sich dann um Vollkornprodukte.

Letzte Änderung: 19.06.2017 / © W. Arnold