Meerrettich - Armoracia rusticana

Armoracia rusticana (syn. Armoracia sativa, Cardamine armoracia, Cochlearia armoracia, Cochlearia rusticana, Cochlearia sisymbrioides, Nasturtium armoracia, Roripa armoracia, Roripa rusticana);
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Meerrettich (syn. Kren).

Meerrettich

Meerrettich - Armoracia rusticana

VORKOMMEN

Meerrettich war schon in der Antike bekannt. Dies wird beispielsweise durch ein pompejisches Wandgemälde belegt. Cato befasste sich in seinen Abhandlungen zum Ackerbau ausführlich mit dieser Pflanze. Ursprünglich stammt der Meerrettich aus Ost- und Südeuropa. Von dort wurde Meerrettich durch die slawischen Völker nach Mitteleuropa gebracht und verbreitet. Heute kommt er in Mitteleuropa verwildert vor. In Ostrussland und der Ukraine gibt es ihn noch in der Wildform. In Deutschland soll der Meerrettich erst seit dem Mittelalter angebaut worden sein. Der Meerrettich soll zunächst als Heilpflanze und dann erst als Gewürz eingesetzt worden sein. Die Bezeichnung „Steirischer Kren“ geniesst seit 2009 den Schutz der EU und ist eine geschützte geographische Angabe.

MERKMALE

Der Meerrettich wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 120 (selten bis 200) Zentimeter. Diese winterharte Pflanze hält Temperaturen bis −50 °C aus. Als Überdauerungsorgan wird eine senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel gebildet, die eine Länge von 30 bis 40 Zentimeter und einen Durchmesser von 4 bis 6 Zentimeter erreicht.
Im Frühjahr beginnen sich die Blütenstände zu bilden, und die Blütenzeit reicht von Mitte Mai bis Juli. Die runden Blütenstandschäfte erreichen Wuchshöhen von bis zu 1,20 Meter. Der traubige Blütenstand besitzt Durchmesser von bis zu 40 Zentimeter. Es sind keine Hochblätter vorhanden. Die Blüten duften stark.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Armoraciae radix (syn. Armoraciae radix recens, Radix Armoraciae recens); Meerrettichwurzel (syn. Krenwurzel, Pfefferwurzel), die frische oder getrockne Wurzel.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Meerrettich enthält unter anderem folgende Inhaltsstoffe: Vitamin C, Vitamine B1, B2 und B6, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor sowie die Senfölglykoside Sinigrin und Gluconasturtiin, Allicin, Flavone, ätherische Öle, aus denen sich Senföle bilden, die unter anderem antibiotisch wirken.

Inhaltsstoffe des Meerrettich

Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze beträgt 177,9 mg/100 g Frischgewicht. Der hauptsächlich als Geschmacks- und Geruchsträger verantwortliche und zu Tränen reizende Stoff ist Allyl- oder Butylsenföl. Sie sind bis zu einem Gehalt von 0,05 % in der frischen Wurzel enthalten. Ausserdem konnten die Senföle Methyl-, Ethyl-, Isopropyl-, 4-Pentenyl-, 2-Phenylethylisothiocyanat sowie Ethylthiocyanat festgestellt werden. Beim Zerstören der Zellen wirkt das Enzym Myrosinase auf das Glycosid Sinigrin, eine Vorstufe zu Senföl, ein und lässt Senföl entstehen. Weitere Inhaltsstoffe sind Asparagin, Glutamin, Arginin, organisch fixierter Schwefel sowie das Enzym Peroxidase (Meerrettich-Peroxidase (englisch horseradish peroxidase), abgekürzt HRP).

PHARMAKOLOGIE

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle im Meerrettich. Das ätherische Öl enthält Allylsenföl (ca. 90 %) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis wirkt der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid. Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel zeigt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich aufweist.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):

  • Wirkungen: Antimikrobiell; hyperämisierend.
  • Anwendungsgebiete:
    Bei Einnahme: Katarrhe der Luftwege; unterstützende Therapie bei Infekten der ableitenden Harnwege.
    Äussere Anwendung: Katarrhe der Luftwege; hyperämisierende Behandlung bei leichten Muskelschmerzen.
  • Gegenanzeigen:
    Bei Einnahme: Magen- und Darmulcera; Nephritiden. Keine Anwendung bei Kindern unter 4 Jahren.
  • Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Prophylaxe von Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Als Erkältungsmittel wird der Meerrettich oft verwendet, meist in Kombination mit z.B. Anis, Meisterwurz, Kalmus, Fenchel, Efeu, Isländisch Moos, Bibernelle, Spitzwegerich, Schlüsselblume und Süssholz.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Vor allem als Meerrettich-Saft oder -Elixir, besonders bei Erkältungskrankheiten.

Mittlere Tagesdosis 20 g frische Wurzel, Zubereitungen entsprechend.

Äussere Anwendung: Zubereitungen mit maximal 2% Senfölen.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung
  • ESCOP: - positive Bewertung
  • HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
  • Klinische Studien: positiv

HOMÖOPATHIE

Armoracia-Meerrettich HAB34; der frische Wurzelstock.
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Anwendungsgebiet: Augenentzündungen, Entzündungen der oberen Luftwege sowie Oberbauchkoliken.

MEERRETTICH IM GARTEN

Meerrettich liebt tiefgründige Böden, und einen sonnigen Standort. In tiefgründigen und humosen Böden bildet der Meerrettich besonders schöne und geschmacksintensive Stangen.

Der Anbau von Meerrettich muss mit Hilfe der Wurzeln begonnen werden: ein Wurzelstück (=Fechser) wird entweder vom bestehenden Meerrettich verwendet, oder aber im Fachhandel erworben. Dieser Fechser wird schräg in den Boden gesteckt. Das obere Ende soll etwa 5 cm unter der Erde sein. Zu beachten ist, dass jedes noch so kleine Wurzelstück austreibt. Dicke Stangen bildet Meerrettich nur in feuchter Erde. Den Meerrettich bei Trockenheit also ein bis zwei Mal in der Woche durchdringend giessen. Eine Kompostgabe vor dem Austrieb im Frühjahr genügt für die Nährstoffversorgung. Beste Erntezeit beim Meerrettich ist von September bis April. Geeignete Begleiter im Beet sind Petersilie, Fenchel und Dill.

Beachten sie, dass auf einem Beet, auf dem ein Meerrettich Anbau stattgefunden hat, erst nach vier Jahren wieder Meerrettich angebaut werden sollte.

SONSTIGES

Man sagt dem Meerrettich als Amulett heilende Kräfte nach – Kinder trugen früher auf dem Land öfter eine Halskette, die aus geschnittenen aufgefädelten Scheiben einer Meerrettichwurzel hergestellt war. Legt man eine Scheibe rohen Meerrettich in den Geldbeutel, soll dieser niemals leer werden.

Letzte Änderung: 15.12.2017 / © W. Arnold