Dill - Anethum graveolens

Anethum graveolens (syn. Pastinaca graveolens, Angelica graveolens, Peucedanum graveolens, Anethum benevolens);
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Gemeiner Dill (syn. Gurkenkraut, Dill, Dillfenchel, Bergkümmel).

Dill

Dill - Anethum graveolens

Dill - Anethum graveolens

VORKOMMEN

Der Gemeine Dill scheint ursprünglichdie aus Vorderasien zu stammen. Manchmal kommt der Gemeine Dill verwildert als Ackerunkraut im Mittelmeergebiet vor. Bei uns wird er vor allem im Garten angebaut.

MERKMALE

Dill ist eine 50–120 cm hoche, kahle, bläulich bereifte und sehr aromatische Pflanze. Im Habitus ist Dill stark dem Fenchel ähnlich, bildet aber am Grunde nie eine Zwiebel. Die Blätter sind 2-3fach gefiedert und haben fadenförmige Zipfel. Die Blattscheiden sind 1-2 cm lang und oben geöhrt. Die bis zu 50 cm langen Dolden sind vielstrahlig und sind ohne Hüllen und Hüllchen. Die Blüten sind klein und gelb. Es bilden sich kleine ovale, abgeflachte Früchte mit ca. 0,5 mm breiten, flügelartigen Randrippen. Dill blüht in den Monaten Juli bis August.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

1. Anethi fructus - (syn. Fructus Anethi); Dillfrüchte, die getrockneten Früchte.
2. Anethi herba - (syn. Herba Anethi); Dillkraut.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Anethi fructus - ätherisches Öl (bis zu 4 %), mit D-Carvon als Hauptkomponente, Cumarine (z.B. Umbelliferon und Scopoletin), Furanocumarine (Bergapten) sowie Kaffeesäurederivate. Für Dillfrüchte wurden progesteronfördernde Wirkungen im Versuch nachgewiesen, was die bisweilen beschriebene Anwendung bei Zyklusstörungen und Infertilität zumindest plausibel macht, klinische Studien liegen nicht vor.
2. Anethi herba - Bis zu 2 % ätherisches Öl mit S-(+)-Carvon (grosse Schwankungen im Carvongehalt des Krautöls) Limonen, bedeutende Menge an α-Phellandren und Anethofuran). Im Weiteren sind Cumarine und Kaffesäurederivate enthalten. Ferner sind Flavonolglykoside mit Quercetin und Isorhamnetin als Aglyka nachgewiesen.

PHARMAKOLOGIE

Dill gehört zu den Gewürzdrogen die aromatische Bitterstoffe enthalten. Beispiele solcher Drogen sind Basilikum, Rosmarin, Thymian, Wermut, Kalmus, Kurkuma, Engelwurz, Liebstöckel und auch die Doldenblütler Anis, Kümmel, Fenchel und der Dill.

Im allgemeinen verursachen auch aromatische Bitterstoffe gastrointestinal erhöhte Durchblutung und Sekretsteigerung. Ebenso erhöhen sie den Appetit und fördern die Darmbewegung. Sie sollen zum Teil auch spasmolytisch, entzündungshemmend, antimykotisch und antibakteriell wirken.

ANWENDUNG

1. Anethi fructus - Dillfrüchte wirken spasmolytisch und bakteriostatisch. Anwendung erfolgt bei dyspeptischen Beschwerden (Völlegefühl und Appetitlosigkeit, Blähungen, Aufstossen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall).
In der Volksmedizin werden Dillfrüchte grundsätzlich ähnlich wie Kümmel angewendet, sie wirken aber schwächer.

2. Anethi herba - Dillkraut wird zur Vorbeugung und behandlung von Erkrankungen und Beschwerden im Bereich des Magendarm-Traktes, der Niere und ableitenden Harnwege, bei Schlafstörungen sowie bei Krämpfen angewendet. Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht belegt.
Dillkraut wird vor allem als Gewürzpflanze verwendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

1. Anethi fructus - Die mittlere Tagesdosis beträgt 3 g Droge, d.h. 3 x täglich 1 g Dillfrüchte als Teeaufguss.
2. Anethi herba - Da die Wirksamkeit von Dillkraut bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht belegt ist, kann eine therapeutische Anwendung der Droge nicht befürwortet werden (Kommission E).

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung für die Früchte, das Kraut wird negativ bewertet.
  • ESCOP: - keine Bearbeitung
  • HMPC: - keine Bearbeitung

HOMÖOPATHIE

Anethum graveolens HAB1, die ganze frische blühende Pflanze.
Anwendungsgebiete: Herz- und Kreislauferkrankungen.

DILL IM GARTEN

Dill gilt als heikel ("Dill macht was er will"), was ich nur bestätigen kann. Wer ihn direkt in das Gartenbeet auspflanzen will kann es versuchen. Dazu wird Dill zwischen April bis Ende Juli ausgesät. Gurken und Karotten als Nachbarn verträgt die einjährige Pflanze gut, schlecht vertägt sich der Dill mit Fenchel, Basilikum oder Gartenkresse.
Ich pflanze Dill nur im Topf in normaler Gartenerde. Er braucht viel Sonne und Wärme und sehr viel Wasser.

Gemeiner Dill

SONSTIGES

Der Dill ist eine sehr alte Arznei- und Küchenpflanze und wurde bereits im Alten Ägypten als Kulturpflanze angebaut. Nach Nordeuropa kam der Dill wahrscheinlich durch Mönche, die ihn in ihren Klostergärten anpflanzten. Das aus den Samen hergestellte Dillwasser wirkt verdauungsfördernd und die Früchte wurden gegen Mundgeruch gekaut.

Letzte Änderung: 23.09.2017 / © W. Arnold