Petersilie - Petroselinum crispum

Petroselinum crispum (syn. Apium hortense, A. petroselinum, A. romanum, A. vulgare, Carum petroselinum, C. vulgare, Helosciadium oppositofolium, Ligusticum levisticum, Petroselinum hortense, P. macedonicum, P. petroselinum, P. romanum, P. sativum, P. vulgare, Selinum petroselinum, Wydleria portoricensis);
Petersilie (syn. Bittersilche, Gartenpetersilie, Peterchen, Peterling, Petersilling).

Petersilie

Petroselinum crispum - Petersilie

VORKOMMEN

Die Petersilie ist eine Kulturpflanze, die Heimat der unbekannten Stammsippe wird im östlichen Mittelmeergebiet bis Westasien vermutet. In Mitteleuropa baut man sie in Gärten an; sehr selten verwildert sie. Sie bevorzugt frische und nährstoffreiche Lehmböden.

MERKMALE

Die Petersilie ist ein zweijähriger Hemikryptophyt (Erneuerungsknospen liegen unmittelbar an der Erdoberfläche). Die Pflanze besitzt eine mehr oder weniger rübenförmige Wurzel. Aus dieser entspringen meist mehrere kahle Stängel, die aufrecht, stielrund bis leicht gerillt, sowie häufig röhrig sind. Die Blätter sind dunkelgrün. Die untersten sind doppelt bis dreifach gefiedert. Die Zipfel sind im Umriss keilig bis breit eiförmig, fiederschnittig oder gelappt. Die Früchte sind 2,5 bis drei Millimeter hoch und 1,5 bis zwei Millimeter breit. Ihre Form ist breit eiförmig.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Petroselini radix (syn. Radix Petroselini); Petersilienwurzel (syn. Wurzelpetersilie), die getrockneten unterirdischen Teile.
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Petroselini herba (syn. Folia Petroselini, Herba Petroselini); Petersilienkraut, die frischen oder getrockneten oberirdischen Teile.
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Petroselini fructus (syn. Fructus Petroselini, Semen Petroselini); Petersilienfrüchte (syn. Peterleinsamen, Petersiliensamen), die meist in ihre Teilfrüchte zerfallenen, trockenen, reifen Spaltfrüchte.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Blätter und Wurzeln besitzen die gleichen Inhaltsstoffe: Die Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind Myristicin, Limonen und 1,3,8-p-Menthatrien. In kleineren Mengen kommen auch weitere Mono- und Sesquiterpene vor. Petersilie enthält mit ca. 160 Milligramm auf 100 Gramm vergleichsweise (z. B. Zitrusfrüchte) viel Vitamin C.

Bei den Früchten herrschen entweder Myristicin mit 60 bis 80 % vor oder – bei der glatten Petersilie – Apiol. Es gibt auch eine chemische Rasse mit Tetramethoxyallylbenzol als Hauptbestandteil des ätherischen Öls.

Inhaltsstoffe der Petersilie

Neben dem ätherischen Öl beinhaltet die Petersilie in sehr kleinen Mengen Polyine sowie in der Wurzel die Furanocumarine Bergapten und Isoimperatorin.

PHARMAKOLOGIE

Das ätherische Öl der Petersilienfrüchte und das darin enthaltene Phenylpropanderivat Petersilien-Apiol rufen in hoher Dosierung vaskuläre Kongestionen hervor und bewirken eine gesteigerte Kontraktilität der glatten Muskulatur der Blase, des Darms und besonders des Uterus. Petersilienfrüchte und Petersilienöl werden daher häufig zu abortiven Zwecken verwendet.
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Die Nierenepithelien werden nach Einnahme von Zubereitungen aus Petersilienfrüchten gereizt oder beschädigt; daneben werden Herzarrhythmien beschrieben.
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Grössere Dosen Petersillen-Apiol können zu Leberverfettung, Abmagerung, ausgedehnten Schleimhautblutungen und hämorrhagisch-entzündlichen Infiltrationen im Magen-Darm-Trakt, Hämolyse, Methämoglobinurie und Anurie führen.
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Das im ätherischen Öl enthaltene Myristicin wird im Tierversuch an Mäuseleber-DNA gebunden.
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Hepatokanzerogene Effekte wurden weder bei Myristicin noch bei Petersilien-Apiol beobachtet. Das toxikologische Risiko wässriger Extrakte aus Petersilienfrüchten ist auf Grund des geringen Gehaltes an ätherischem Öl geringer.

ANWENDUNG

Angaben der Kommission E:

Petroselini radix und Petroselini herba:

  • Anwendungsgebiete: Zur Durchspülung bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Durchspülungstherapie zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengriess.
  • Gegenanzeigen: Schwangerschaft; entzündliche Nierenerkrankungen. Hinweis: Keine Durchspülungstherapie bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit.
  • Nebenwirkungen: In seltenen Fällen sind allergische Haut- oder Schleimhautreaktionen möglich. Insbesondere bei hellhäutigen Personen sind fototoxische Reaktionen möglich.
  • Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt
  • Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Tagesdosis: 6 g Droge; Zubereitungen entsprechend.
  • Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen mit vergleichbar geringem Gehalt an ätherischem Öl zum Einnehmen.
    Hinweis: Auf Grund der Toxizität sollte isoliertes ätherisches Öl nicht verwendet werden.
    Durchspülungstherapie: Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.

Petroselini fructus:

  • Anwendungsgebiete: Petersilienfrüchte werden bei Erkrankungen und Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes sowie der Niere und ableitenden Harnwege sowie zur Förderung der Verdauung angewendet. Die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten ist nicht ausreichend belegt.
  • Beurteilung: Da die Wirksamkeit von Petersilienfrüchten und ihrer Zubereitungen nicht belegt ist, kann die therapeutische Anwendung angesichts der Risiken nicht vertreten werden.

STATUS

  • Kommission E: - positive Bewertung für Wurzel und Kraut; negative Beurteilung für die Früchte.
  • ESCOP: - keine Beurteilung
  • HMPC: - keine Beurteilung

HOMÖOPATHIE

Petroselinum crispum - Petersilie, die frische ganze Pflanze.

Anwendungsgebiete: Erkrankungen der Niere und der ableitenden Harnwege, Harnwegsentzündungen, Reizblase.

PETERSILIE IM GARTEN

Dieser zweijährige Doldenblütler ist nicht unbedingt ein Sonnenanbeter. Die Petersilie bevorzugt zwar einen hellen Standort im Garten, mag aber nicht Sonne satt. Ein Plätzchen im Halbschatten ist ideal, auch im Topf auf der Fensterbank. Wohl fühlt sich Petersil in einem feuchten und tiefgründigen Boden, der zudem humusreich ist. Vermeiden sie unbedingt Staunässe.
Zudem sollte Petersilie nicht neben Möhren, Fenchel oder Dill (Doldenblütler) gesetzt werden.

SONSTIGES

Die Petersilie wurde im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen, jedoch nicht deutlich vom Sellerie unterschieden. Sie wird in der Odyssee als Schmuck der Insel der Nymphe Kalypso angesehen. Kränze aus Petersilie wurden den Siegern der Isthmischen und Nemëischen Spiele übergeben. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich auf einem Schriftstück in mykenisch-griechischer Linearschrift B als se-ri-no, in der Antike wurde noch das petro- für "Stein" vorangestellt.
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Die Petersilie war namengebend für die in den Samen von Doldenblütlern vorkommende Fettsäure "Petroselinsäure", ein Isomer der Ölsäure.

Letzte Änderung: 17.12.2017 / © W. Arnold