Wiesenchampignon – Agaricus campestris

Volksname: Feldegerling, Feldchampignon, Wiesenchampignon

Als es noch Brachfelder gab, wuchsen dort fast immer Egerlinge oder Champignons. Heute sind es vor allem Viehweiden und Pferdekoppeln, die mitunter wahre Massenernten liefern – allerdings nur, wenn es zuvor lange genug trocken und warm war.

Oft genügt eine einzige feuchte Herbstnebelnacht, um Tausende von Fruchtkörpern hervorzubringen. Die typischen Hexenringe, in denen sie erscheinen, sind am nächsten Morgen dicht mit Champignons besetzt.

Junge Exemplare sind noch geschlossen; im Schnitt erkennt man jedoch bereits die charakteristischen rosafarbenen Lamellen. Mit zunehmendem Alter dunkeln diese nach, werden schokoladen- bis schwarzbraun und geben schliesslich schwarzviolette Sporen ab.

Hexenringe entstehen durch ein zentrifugales Wachstum des Myzels vom Zentrum nach aussen; die Fruchtkörper werden jeweils an der aktiven Peripherie gebildet.

Wiesenchampignon (Agaricus campestris) auf Wiese, junge Fruchtkörper

Feldegerling (Agaricus campestris), Ansicht von Hut und Stiel

Lamellen des Wiesenchampignons: jung rosa, später schokoladenbraun

Beschreibung des Pilzes

Hut

5–10 cm, weiss, bisweilen bräunlich, seidig glatt oder in der Mitte etwas schuppig, jung kugelig, später gewölbt bis flach ausgebreitet. Der Hutrand reicht über die Lamellen hinaus.

Lamellen

Jung rosa (nie weiss), dann rotbräunlich, zuletzt schokoladenbraun bis fast schwarz, dichtstehend, frei.

Stiel

Weiss, seidig glatt, kurz und stämmig, mit zerrissenem, leicht abfallendem Ring. Basis stumpf zugespitzt, oft gilbend.

Fleisch

Weisslich, schwach rötend, Sporenstaub schwarzbraun.

Geruch / Geschmack

Geruch angenehm, aber schwach; Geschmack unspezifisch.

Sporen

Elliptisch, 7–8 × 4–5 µm.

Verwechslung

Der schwach giftige Karbol-Champignon (Agaricus xanthodermus) ist durch seinen unangenehmen, phenolartigen (karbolartigen) Geruch sowie durch eine meist deutliche Gelbfärbung an der Stielbasis gut kenntlich.

Besonders gefährlich ist eine Verwechslung mit tödlich giftigen Knollenblätterpilzen (Amanita-Arten) , die im Jugendstadium ebenfalls weisshütig erscheinen können, jedoch stets weisse Lamellen und eine deutlich ausgeprägte Knolle besitzen.

Ebenfalls giftig und potenziell gefährlich sind der Ziegelrote Risspilz (Inocybe erubescens) sowie der Riesenrötling (Entoloma sinuatum) .

Auch der rosablättrige Egerlingsschirmling (Leucoagaricus leucothites) kann bei flüchtiger Betrachtung ähnlich wirken. Seine Lamellen sind zunächst weisslich und färben sich später rosa, dunkeln jedoch niemals schokoladen- bis schwarzbraun nach; der Sporenabwurf bleibt weiss.

➜ Siehe auch: Wiesenchampignon – Verwechslungen im Vergleich

Vorkommen

In der Schweiz ist der Wiesenchampignon weit verbreitet und kommt vor allem im Schweizer Mittelland, im Jura sowie in tieferen und mittleren Lagen der Alpen vor. Typische Standorte sind nährstoffreiche Wiesen, Viehweiden, Alpweiden, Pferdekoppeln, Parks und Gärten.

In den Alpen steigt die Art je nach Region und Exposition bis etwa 1'800 m ü. M. auf, vereinzelt auch höher. Sie meidet geschlossene Wälder und bevorzugt kurzrasige, offene Grasflächen.

Die Fruchtkörper erscheinen meist gesellig, in Reihen oder in ausgeprägten Hexenringen. Nach längeren Trockenperioden können bei feucht-warmem Wetter, insbesondere nach Tau oder Nebel, teils massenhafte Fruchtungen auftreten.

Die Hauptsaison reicht in der Schweiz in der Regel von Juni bis Oktober, in höheren Lagen oft etwas später. Das Auftreten ist stark witterungsabhängig.

Speisewert

Der Wiesenchampignon gilt als guter und geschätzter Speisepilz. Besonders junge, feste Exemplare mit noch rosafarbenen Lamellen sind von bester Qualität. Ältere Fruchtkörper mit stark nachgedunkelten Lamellen werden rasch weich und sind geschmacklich weniger ansprechend.

Wie alle Champignons sollte der Wiesenchampignon nicht roh verzehrt werden, sondern stets gut durchgegart. Empfindliche Personen können nach dem Genuss grösserer Mengen Magen-Darm-Beschwerden entwickeln.

Zu beachten ist, dass Wiesenchampignons Schwermetalle, insbesondere Cadmium, anreichern können. Deshalb sollten sie nicht an stark gedüngten Flächen, Strassenrändern oder in der Nähe industrieller Belastungsquellen gesammelt werden.

Für den regelmässigen Verzehr sind daher Zuchtchampignons aus kontrollierter Produktion (z. B. aus dem Handel) die sicherere Wahl. Wild gesammelte Wiesenchampignons eignen sich vor allem für erfahrene Sammler und sollten nur in massvollen Mengen verzehrt werden.

FAQ – Häufige Fragen zum Wiesenchampignon

Ist der Wiesenchampignon essbar?

Ja. Der Wiesenchampignon (Agaricus campestris) gilt als guter Speisepilz. Empfehlenswert sind junge, feste Exemplare mit noch rosafarbenen Lamellen. Wie alle Champignons sollte er nicht roh verzehrt, sondern gut durchgegart werden.

Woran erkennt man ihn im Vergleich zu gefährlichen Doppelgängern?

Champignons haben niemals dauerhaft weisse Lamellen: Sie sind jung rosa und werden später schokoladen- bis schwarzbraun. Pilze mit weissen Lamellen (insbesondere Knollenblätterpilze) sind potenziell lebensgefährlich. Im Zweifel: nicht sammeln und eine Pilzkontrollstelle nutzen.

Warum wird vom regelmässigen Verzehr grosser Mengen abgeraten?

Wiesenchampignons können Schwermetalle, insbesondere Cadmium, anreichern. Deshalb nicht an stark gedüngten Flächen, Strassenrändern oder in der Nähe möglicher Belastungsquellen sammeln und insgesamt massvoll verzehren.

Sind Zuchtchampignons aus dem Supermarkt die bessere Wahl?

Für den regelmässigen Verzehr sind Zuchtchampignons aus kontrollierter Produktion meist die sicherere Wahl (geringere Belastung, keine Verwechslungsgefahr). Wild gesammelte Wiesenchampignons eignen sich vor allem für erfahrene Sammler und nur bei sicherer Bestimmung.

Letzte Änderung: 02.02.2026 / © W. Arnold