Echter Gamander – Teucrium chamaedrys
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Der Echte Gamander (Teucrium chamaedrys) hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Von einer innerlichen Anwendung wird abgeraten. Die Pflanze beziehungsweise ihre Diterpene stehen im Zusammenhang mit Fällen toxischer Leberschädigungen.
Teucrium chamaedrys
(syn. Chamaedrys officinalis, Teucrium officinale);
Echter Gamander
(syn. Edelgamander, Gamanderlein, Gewöhnlicher Gamander).



VORKOMMEN
Der Echte Gamander ist im gesamten Mittelmeergebiet einschliesslich Nordwestafrika und im südlichen Mitteleuropa heimisch. Das Verbreitungsgebiet reicht ostwärts bis zum südlichen Ural und nach Vorderasien.
Die Pflanze wächst bevorzugt in lichten Trockenwäldern, an steinigen Hängen, in Trockenrasen und auf kalkreichen Böden. Sie ist eine kollin bis subalpin vorkommende Art und steigt teilweise bis auf etwa 1700 m Höhe.
MERKMALE
Der Echte Gamander ist eine 10–25 cm hohe, mehrjährige, unten verholzte Pflanze. Die Stängel sind aufsteigend, verzweigt und behaart. Die Blätter sind eiförmig, kurz gestielt, etwas derb und unregelmässig eingeschnitten gezähnt.
Die Blüten stehen zu 1–6 in den Achseln der oberen Blätter, die oft rotviolett überlaufen sind. Die Krone ist rosa bis purpurrosa, etwa 1–1,5 cm lang, oberlippenlos und besitzt eine deutlich ausgeprägte Unterlippe.
Die Teilfrüchte sind geadert und etwa 1–2,5 mm lang.
DROGEN
Teucrii chamaedryos herba (syn. Herba Chamaedrys, Mari veri herba); Edelgamanderkraut. Verwendet wurden die oberirdischen Pflanzenteile.
WIRKSTOFFE
Ätherisches Öl:
Die Droge enthält etwa 0,07 % ätherisches Öl mit den Hauptbestandteilen
β-Caryophyllen und Humulen.
Iridoide:
Nachgewiesen wurden unter anderem Acetylharpagid und Harpagid.
Diterpene:
Für den Echten Gamander charakteristisch sind verschiedene Furano-Neo-Clerodan-Diterpene,
darunter Dihydroteugin, Teucrin A, Teucrin B, Teucrin E, Teucrin F, Teucrin G,
Teugin, Teuflin und Teuflidin. Die qualitative Zusammensetzung kann variieren.
Phenylpropane:
Teucriosid wurde in der Droge in kleiner Konzentration beschrieben.
Flavonoide:
Nachgewiesen wurden unter anderem Cirsiliol, Cirsimaritin, Luteolin sowie
verschiedene Glykoside des Hypolaetins, Isoscutellareins und Luteolins.
PHARMAKOLOGIE
Die pharmakologische und toxikologische Bedeutung des Echten Gamanders wird heute vor allem durch seine hepatotoxischen Eigenschaften bestimmt.
Seit den 1980er-Jahren wurden insbesondere in Frankreich zahlreiche Fälle toxischer Hepatitiden und Leberzellnekrosen nach Einnahme von Teucrium chamaedrys beschrieben. Als wesentlich verantwortlich gelten bestimmte Furano-Neo-Clerodan-Diterpene, vor allem Teucrin A.
Die toxischen Metaboliten entstehen vermutlich durch Cytochrom-P450-vermittelte Bioaktivierung und können zu schweren Leberschädigungen führen.
EVIDENZ
Traditionell wurde Echter Gamander unter anderem als Bittermittel, Magenmittel oder Gichtmittel verwendet. Die pharmakologische Plausibilität einzelner traditioneller Anwendungen ist begrenzt nachvollziehbar, klinische Wirksamkeitsnachweise fehlen jedoch.
Die klinische Evidenz betrifft heute vor allem die dokumentierte Lebertoxizität der Pflanze. Für eine therapeutische Anwendung besteht keine ausreichende Nutzen-Risiko-Bewertung zugunsten der Anwendung.
Insgesamt ist die Evidenzlage für medizinische Anwendungen schwach, während die Hinweise auf hepatotoxische Risiken gut dokumentiert sind.
- PubMed: Hepatotoxicity of germander (Teucrium chamaedrys). Grundlegende Arbeit zu hepatotoxischen Wirkungen und Teucrin A.
- PubMed: Acute hepatitis induced by germander. Beschreibung klinischer Hepatitisfälle nach Anwendung von Gamanderpräparaten.
- PubMed: Herbal hepatotoxicity. Übersichtsarbeit zur hepatotoxischen Wirkung verschiedener Heilpflanzen.
- PMC: Hepatotoxicity of Teucrium chamaedrys decoction. Experimentelle Untersuchung zur Lebertoxizität.
- EMA: European Union herbal monographs and list entries. Für Teucrium chamaedrys besteht keine HMPC-Monographie.
ANWENDUNG
Anwendungen mit Echtem Gamander gelten heute als obsolet.
Wegen des bekannten Risikos hepatotoxischer Reaktionen wird von einer innerlichen Anwendung abgeraten.
Historische volksmedizinische Anwendungen besitzen keine ausreichende klinische Evidenz und rechtfertigen angesichts des Risikoprofils keine therapeutische Nutzung.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Von einer innerlichen Anwendung wird abgeraten.
Aufgrund des Risikos toxischer Leberschädigungen bestehen keine modernen evidenzbasierten Dosierungsempfehlungen.
SICHERHEIT
Der Echte Gamander steht im Zusammenhang mit Fällen toxischer Hepatitis, Leberzellnekrosen und arzneimittelähnlicher Leberschäden.
Besonders riskant sind länger dauernde Anwendungen, hoch dosierte Präparate sowie Kombinationen mit anderen lebertoxischen Stoffen.
Personen mit Lebererkrankungen, erhöhten Leberwerten oder gleichzeitiger Einnahme hepatotoxischer Arzneimittel sollten keinen Echtem Gamander anwenden.
Während Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern ist die Anwendung kontraindiziert.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Der Echte Gamander bevorzugt trockene, kalkhaltige und steinige Böden an sonnigen Standorten. Die Pflanze eignet sich gut für Steingärten, Kräuterbeete und Trockenmauern.
Nach dem Anwachsen benötigt die Pflanze wenig Pflege und verträgt Trockenheit gut. Gedüngt und gewässert werden muss nur wenig.
Gut zum Echten Gamander passen andere trockenheitsliebende Pflanzen wie Thymian, Diptam, Salbei und Rosmarin.
SONSTIGES
Der Gattungsname Teucrium ist vom griechischen teukrion abgeleitet. Der Name wird mit dem trojanischen König Teukros in Verbindung gebracht.
Der Artname chamaedrys stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäss „bodennahes Eichengewächs“, was sich auf die kleinen, eichenähnlichen Blätter bezieht.
Der Echte Gamander wurde früher gelegentlich auch in Bittermitteln und Schlankheitspräparaten verwendet. Aufgrund der beschriebenen Leberschäden verschwanden entsprechende Präparate weitgehend vom Markt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Katzengamander (Teucrium marum) – aromatische mediterrane Gamander-Art.
- Salbei (Salvia officinalis) – mediterrane Lippenblütlerpflanze mit anerkannter Anwendung.
- Thymian (Thymus vulgaris) – aromatische Arznei- und Gewürzpflanze.
- Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – mediterrane Heil- und Gewürzpflanze.
- Diptam (Dictamnus albus) – trockenheitsliebende Staude kalkreicher Standorte.
FAQ
-
Hat Echter Gamander eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für den Echten Gamander besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. -
Warum wird von der Anwendung abgeraten?
Für Teucrium chamaedrys wurden Fälle toxischer Leberschäden beschrieben. -
Welche Inhaltsstoffe gelten als problematisch?
Besonders relevant sind bestimmte Furano-Neo-Clerodan-Diterpene wie Teucrin A. -
Kann Echter Gamander als Gartenpflanze verwendet werden?
Ja. Die Pflanze eignet sich gut für sonnige, trockene und kalkreiche Standorte.
Letzte Änderung: 13.05.2026 / © W. Arnold