Katzengamander – Teucrium marum
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Katzengamander (Teucrium marum) ist eine aromatische, mediterrane Pflanze aus der Familie der Lippenblütler. Eine anerkannte medizinische Anwendung ist nicht belegt. Die vorhandene Literatur betrifft vor allem Inhaltsstoffe und traditionelle Anwendungen; klinische Evidenz für therapeutische Indikationen fehlt.



VORKOMMEN
Der Katzengamander ist im westlichen Mittelmeerraum bis in den Balkanraum heimisch. Er kommt vor allem auf trockenen, felsigen Abhängen und in sonnigen, mageren Lagen vor. In einzelnen Regionen wird die Pflanze kultiviert.
MERKMALE
Der Katzengamander ist ein 20 bis 50 cm hoher, immergrüner, grauweisser Halbstrauch mit starkem, durchdringendem Geruch. Der Geruch der Pflanze zieht viele Katzen an. Der Stengel ist undeutlich vierkantig und stark verästelt. Die Blätter sind sehr klein, länglich-lanzettförmig, ganzrandig bis selten schwach gezähnt. Die Blattunterseite ist grau behaart.
Die Pflanze bildet hell- bis purpurrote Blüten, ähnlich wie beim Echten Gamander (Teucrium chamaedrys). Die Blütezeit erstreckt sich von April bis August. Die Samen sind verkehrt-eiförmig bis rundlich und mit kurzen Borsten besetzt.
DROGEN
Verwendet wurden die zur Blütezeit gesammelten und getrockneten oberirdischen Teile. Als Drogennamen sind Teucrii herba, Herba Mari veri, Herba Teucrii, Herba Teucrii mari und Teucrium-marum-Kraut beschrieben. Weitere Namen sind Amberkraut, Gamanderkraut, Katzenkraut und Mastichkraut.
WIRKSTOFFE
Ätherisches Öl:
Das ätherische Öl enthält je nach Herkunft und Pflanzenteil unterschiedliche Mono- und Sesquiterpene.
Als charakteristischer Bestandteil wird Dolichodial beschrieben. Das Iridolactol Teucrein kann bei
Wasserdampfdestillation verändert beziehungsweise zersetzt werden.
Diterpene:
Für Katzengamander wurden Clerodan-Diterpene beschrieben, darunter Teumarin beziehungsweise verwandte
Teumarin-Verbindungen. Die Zusammensetzung kann je nach Herkunft und Material deutlich variieren.
Flavonoide und weitere Inhaltsstoffe:
Nachgewiesen wurden unter anderem Flavonoidaglyka wie Cirsilineol, Cirsiliol, Cirsimaritin und Luteolin
sowie Apigenin-Glykoside. Daneben werden Triterpensäuren und Teucriumlactone genannt.

PHARMAKOLOGIE
Für Katzengamander liegen vor allem phytochemische Untersuchungen vor. Pharmakologische Aussagen bleiben deshalb zurückhaltend zu bewerten. Das ätherische Öl und die beschriebenen Terpenverbindungen erklären den intensiven Geruch und die traditionelle Verwendung als aromatische Droge, erlauben aber keine gesicherte therapeutische Wirksamkeitsaussage.
Einzelne Inhaltsstoffgruppen aus der Gattung Teucrium, insbesondere bestimmte Neo-Clerodan-Diterpene, sind toxikologisch relevant. Diese Beobachtung betrifft vor allem andere Teucrium-Arten wie Teucrium chamaedrys; sie rechtfertigt jedoch bei innerlicher Anwendung von Katzengamander eine vorsichtige Sicherheitsbewertung.
EVIDENZ
Die traditionelle Anwendung von Katzengamander ist historisch beschrieben, insbesondere bei Verdauungs-, Gallen-, Atemwegs- und krampfartigen Beschwerden. Die pharmakologische Plausibilität ist aufgrund der aromatischen Inhaltsstoffe und der beschriebenen Terpenfraktionen begrenzt nachvollziehbar. Klinische Evidenz für Wirksamkeit und Sicherheit bei den genannten Anwendungen fehlt.
Insgesamt ist die Evidenz für eine medizinische Anwendung von Katzengamander schwach. Die vorhandenen Daten stützen vor allem botanisch-phytochemische Angaben, nicht aber eine gesicherte therapeutische Anwendung am Menschen.
- PubMed: Phytochemical characters of Teucrium marum from Sardinia. Phytochemische Untersuchung mit Beschreibung iridoider und diterpenoider Inhaltsstoffe.
- ScienceDirect: Volatile components variation in Teucrium marum. Analyse der ätherischen Ölfraktion und ihrer variablen Zusammensetzung.
- PubMed: Hepatotoxicity of germander (Teucrium chamaedrys) and teucrin A. Toxikologische Arbeit zu einer verwandten Teucrium-Art; relevant für die vorsichtige Sicherheitsbewertung der Gattung.
- PMC: Hepatotoxicity of Teucrium chamaedrys decoction. Arbeit zur Lebertoxizität von Echtem Gamander; nicht direkt auf Katzengamander übertragbar, aber als Sicherheitskontext wichtig.
- EMA: European Union herbal monographs and list entries. Übersicht der HMPC-Monographien; für Katzengamander ist keine EU-Herbal-Monographie ersichtlich.
ANWENDUNG
Volkstümlich wurde Katzengamander bei Gallenerkrankungen, Bronchialbeschwerden sowie bei krampfartigen Magen-, Nieren-, Blasen- und Gallenbeschwerden verwendet. Diese Anwendungen sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und sollten nicht als gesicherte Indikationen verstanden werden.
Eine anerkannte Anwendung als Arzneidroge besteht nicht. Bei bestehenden Lebererkrankungen, unklaren Bauchbeschwerden, Gallenwegserkrankungen, Atemwegsbeschwerden oder länger anhaltenden Symptomen ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Historisch wird für eine Teezubereitung eine Menge von etwa 1,5 g Droge pro Tasse genannt. Aufgrund fehlender klinischer Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten kann daraus keine Empfehlung für eine regelmässige innerliche Anwendung abgeleitet werden.
Für standardisierte, evidenzbasierte Dosierungen von Katzengamander liegen keine ausreichend gesicherten Daten vor.
SICHERHEIT
Die Sicherheitslage zu Katzengamander ist unzureichend dokumentiert. Für andere Arten der Gattung Teucrium, besonders Teucrium chamaedrys, sind hepatotoxische Reaktionen beschrieben. Katzengamander sollte deshalb innerlich nicht über längere Zeit und nicht bei bestehenden oder früheren Lebererkrankungen angewendet werden.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern ist von einer Anwendung abzuraten, da belastbare Sicherheitsdaten fehlen. Bei gleichzeitiger Einnahme leberbelastender Arzneimittel oder bei unklaren Beschwerden ist besondere Vorsicht angezeigt.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GARTEN
Katzengamander ist eine geeignete Steingartenpflanze und bevorzugt einen sonnigen Standort in sandigem, durchlässigem und lockerem Boden. Staunässe sollte vermieden werden. Die Pflanze bildet Samen und kann sich selbst aussäen, wird aber in der Regel nicht lästig.
Katzengamander ist winterhart, wenn er nicht zu spät und nicht zu stark zurückgeschnitten wird. Er passt gut zu anderen mediterranen Kräutern wie Salbei, Thymian, Rosmarin und Lavendel.
SONSTIGES
Der sichere Nachweis des Katzengamanders in alten Schriften ist schwierig, da historische Pflanzennamen nicht immer eindeutig einer heutigen botanischen Art zugeordnet werden können.
Der Gattungsname Teucrium ist vom griechischen teukrion abgeleitet. Nach der Sage soll der Name mit dem trojanischen König Teukros in Verbindung stehen.
Der starke Geruch des Katzengamanders kann Katzen deutlich anziehen. Auch Tiere, die auf Katzenminze kaum reagieren, können auf Katzengamander empfindlich ansprechen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Echter Gamander (Teucrium chamaedrys) – verwandte Gamander-Art mit wichtiger toxikologischer Bedeutung.
- Katzenminze (Nepeta cataria) – aromatische Lippenblütlerpflanze, die ebenfalls auf Katzen anziehend wirken kann.
- Salbei (Salvia officinalis) – mediterrane Arznei- und Gewürzpflanze mit ätherischem Öl.
- Thymian (Thymus vulgaris) – Lippenblütler mit anerkannter traditioneller Anwendung bei Erkältungsbeschwerden.
- Lavendel (Lavandula angustifolia) – mediterrane Aromapflanze mit ätherischem Öl.
FAQ
-
Hat Katzengamander eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Katzengamander ist keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC belegt. -
Wofür wurde Katzengamander traditionell verwendet?
Traditionell wurde er unter anderem bei Verdauungs-, Gallen-, Atemwegs- und krampfartigen Beschwerden verwendet. Diese Anwendungen sind klinisch nicht ausreichend belegt. -
Welche Inhaltsstoffe sind beschrieben?
Beschrieben sind Bestandteile des ätherischen Öls, darunter Dolichodial, ausserdem Diterpene, Flavonoide, Triterpensäuren und Teucriumlactone. -
Ist Katzengamander sicher?
Die Sicherheitslage ist unzureichend dokumentiert. Wegen toxikologischer Befunde bei verwandten Teucrium-Arten ist bei innerlicher Anwendung Vorsicht angebracht.
Letzte Änderung: 13.05.2026 / © W. Arnold
