Griechischer Bergtee - Sideritis
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Sideritiskraut, bekannt als Griechischer Bergtee, ist vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Sideritis herba bei erkältungsbedingtem Husten und bei leichten gastrointestinalen Beschwerden eingesetzt werden.
In der Gattung Sideritis sind zahlreiche Gliedkraut-Arten zusammengefasst. Als Griechischer Bergtee werden vor allem blühende Kräuter aus südosteuropäischen Bergregionen gehandelt. Häufig handelt es sich um Balkan-Gliedkraut (Sideritis scardica) oder Syrisches Gliedkraut (Sideritis syriaca).
Medizinisch relevant sind nach HMPC insbesondere Sideritis scardica, Sideritis clandestina, Sideritis raeseri und Sideritis syriaca.

Griechischer Bergtee, Sideritis-Art, Wikipedia

Sideritis scardica, eine wichtige Art des Griechischen Bergtees; Wikipedia
VORKOMMEN
Sideritis-Arten wachsen vor allem in den Bergzonen Griechenlands, der südlichen Balkanhalbinsel, Kleinasiens und des östlichen Mittelmeerraums. Viele Arten sind an trockene, steinige, sonnige und nährstoffarme Standorte angepasst.
Sideritis scardica kommt vor allem in Nordgriechenland und angrenzenden Balkanregionen vor. Sie wächst häufig oberhalb der Baumgrenze, etwa zwischen 1300 und 2200 m Höhe, und verträgt auch Frost und Schnee.
MERKMALE
Sideritis-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder Halbsträucher. Viele besitzen lineal-lanzettliche, graugrün behaarte Blätter. Die Behaarung schützt vor Verdunstung und intensiver Sonneneinstrahlung.
Die lippenförmigen Blüten stehen in Scheinquirlen. Sie besitzen einen fünfzähnigen Kelch, oft mit einer dornigen Granne, und eine deutlich zweilippige Krone. Alle Gliedkräuter riechen aromatisch; das ätherische Öl befindet sich in Drüsenschuppen auf der Blattoberfläche.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Sideritis herba; Sideritiskraut, Griechischer Bergtee, Griechisches Eisenkraut. Verwendet werden die getrockneten, blühenden Stängel mit den anhaftenden Blättern.
Das Kraut hat einen würzigen, aromatischen Geruch. Handelsdrogen stammen vor allem aus dem südlichen Balkan und aus kultivierten Beständen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Sideritiskraut enthält geringe Mengen ätherisches Öl mit mono- und sesquiterpenoiden Bestandteilen. Daneben wurden Flavonoide, Phenylethanoide, Phenolsäuren, Diterpene, Triterpene und weitere Polyphenole beschrieben.
Zu den pharmakologisch interessanten Stoffgruppen gehören besonders Flavonoide und Phenylethanoid-Glykoside. Die Zusammensetzung kann je nach Art, Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitung deutlich variieren.
PHARMAKOLOGIE
Die traditionelle Anwendung bei Husten und leichten Magen-Darm-Beschwerden ist pharmakologisch plausibel. Schleimhautberuhigende, antioxidative, entzündungsmodulierende, antimikrobielle und spasmolytische Effekte wurden experimentell beschrieben.
Für Sideritis scardica liegen zudem präklinische Untersuchungen zu neuroprotektiven, kognitionsbezogenen und monoaminergen Effekten vor. Diese Daten sind wissenschaftlich interessant, rechtfertigen aber keine medizinische Aussage zur Behandlung oder Vorbeugung von Alzheimer, Depression oder ADHS.
Einzelne Humanstudien untersuchten akute und längerfristige Effekte von Sideritis scardica-Extrakten auf Kognition, Stimmung und zerebrale Durchblutung. Die klinische Datenlage ist dafür jedoch noch klein und nicht ausreichend für eine gesicherte Indikation.
EVIDENZ
Die stärkste regulatorische Grundlage ist die HMPC-Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Die Anwendung bei erkältungsbedingtem Husten und leichten gastrointestinalen Beschwerden beruht auf langjähriger Anwendung, nicht auf einer gut gesicherten klinischen Wirksamkeit.
Für neurodegenerative Erkrankungen, Stimmung, Depression oder ADHS existieren experimentelle und einzelne kleine klinische Untersuchungen. Diese Ergebnisse sind nicht ausreichend, um eine medizinische Anwendung in diesen Bereichen zu empfehlen.
- EMA – Sideritis herba – offizielle HMPC-Seite zu Sideritiskraut mit traditioneller Anwendung bei Husten und leichten gastrointestinalen Beschwerden.
- PubMed: Acute and chronic cognitive effects of Sideritis scardica – kleine Humanstudie zu Kognition, Stimmung und zerebraler Durchblutung.
- PMC: Sideritis-Extrakte in Alzheimer-Mausmodellen – präklinische Untersuchung; nicht direkt auf eine klinische Anwendung beim Menschen übertragbar.
- PubMed: Triple monoamine reuptake inhibition by Sideritis scardica extracts – experimentelle Untersuchung zu monoaminergen Effekten.
- PMC: Acute and subchronic toxicity of Sideritis scardica – präklinische Sicherheitsdaten zu einem Extrakt.
ANWENDUNG
Anerkannte traditionelle Anwendung: Das HMPC hat Sideritiskraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Sideritis herba zur Linderung von Husten im Rahmen einer Erkältung und bei leichten gastrointestinalen Beschwerden verwendet werden.
In der Volksmedizin des Balkans wird Griechischer Bergtee darüber hinaus als aromatisches Alltagsgetränk, Tonikum und wärmender Tee bei Erkältungsbeschwerden verwendet. Diese Anwendungen sind traditionell, aber nicht für alle genannten Effekte klinisch abgesichert.
Aussagen zu Alzheimer, Depression, ADHS oder anderen neurologischen Erkrankungen bleiben experimentell beziehungsweise vorläufig. Eine Selbstbehandlung solcher Erkrankungen mit Sideritis ist nicht zu empfehlen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Griechischer Bergtee schmeckt würzig, leicht zitronig und herb. Das Aroma erinnert etwas an Salbei, ist aber meist milder.
Für eine Teezubereitung werden etwa 1–2 g fein geschnittenes Sideritiskraut mit heissem Wasser übergossen und nach etwa 5–10 Minuten abfiltriert. Traditionell werden auch ganze blühende Stängel verwendet. Der Tee kann nach Geschmack mit etwas Honig oder Zitronensaft ergänzt werden.
Bei erkältungsbedingtem Husten sollte eine Anwendung ohne fachliche Abklärung nicht länger als eine Woche erfolgen, wenn keine Besserung eintritt. Bei leichten gastrointestinalen Beschwerden sollte die Anwendung zeitlich begrenzt bleiben.
SICHERHEIT
Sideritiskraut gilt bei traditioneller Teeanwendung im Allgemeinen als gut verträglich. Gelegentlich sind Magen-Darm-Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen möglich, insbesondere bei empfindlichen Personen.
Bei Atemnot, hohem Fieber, eitrigem Auswurf, länger anhaltendem Husten oder starken Magen-Darm-Beschwerden ist eine medizinische Abklärung erforderlich. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte die Anwendung vorsichtig und nur nach fachlicher Einschätzung erfolgen.
STATUS
- Kommission E: keine Bearbeitung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: EU-Herbal-Monographie vorhanden, traditional use (Sideritis herba)
SONSTIGES
Sideritis-Arten wurden seit dem Altertum therapeutisch und kulturell genutzt. Der Name „Griechisches Eisenkraut“ wird häufig mit der antiken Verwendung bei Verletzungen durch eiserne Waffen in Verbindung gebracht.
Einige wildwachsende Sideritis-Arten stehen regional unter Sammeldruck. Für den Handel sind kultivierte Ware, nachhaltige Ernte und der Schutz natürlicher Bestände wichtig.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Salbei (Salvia officinalis) – aromatische Lippenblütler-Pflanze bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und Verdauungsbeschwerden.
- Thymian (Thymus vulgaris) – besser belegte Heilpflanze bei erkältungsbedingtem Husten.
- Melisse (Melissa officinalis) – aromatische Lippenblütler-Pflanze bei leichten nervösen und gastrointestinalen Beschwerden.
- Teestrauch (Camellia sinensis) – traditionelle Teepflanze mit Polyphenolen und anregender Wirkung.
FAQ
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Wofür wird Griechischer Bergtee traditionell angewendet?
Bei erkältungsbedingtem Husten und bei leichten gastrointestinalen Beschwerden. -
Welche Arten werden medizinisch berücksichtigt?
Unter anderem Sideritis scardica, Sideritis clandestina, Sideritis raeseri und Sideritis syriaca. -
Ist Griechischer Bergtee gegen Alzheimer belegt?
Nein. Es gibt interessante präklinische Daten, aber keine gesicherte klinische Anwendung gegen Alzheimer. -
Welche Inhaltsstoffe sind typisch?
Ätherisches Öl, Flavonoide, Phenylethanoide, Phenolsäuren, Diterpene und Triterpene. -
Ist Griechischer Bergtee gut verträglich?
Als Tee gilt er meist als gut verträglich; bei anhaltenden Beschwerden oder schweren Symptomen ist medizinische Abklärung nötig.
Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold