Schwarztee, Grüntee, Teestrauch - Camellia sinensis
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Camellia sinensis (syn. Thea sinensis); Teepflanze, Echter Tee, Teestrauch.
Tee aus Camellia sinensis ist vor allem als Lebensmittel und Genussmittel bedeutsam. Pharmakologisch relevant sind vor allem Coffein, Catechine, Theaflavine und Gerbstoffe. Für Grünteeblätter besteht eine HMPC-Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl; für Schwarztee besteht keine entsprechende HMPC-Monographie.

VORKOMMEN
Das Verbreitungsgebiet der Camellia sinensis-Varietäten reicht vom südlichen Japan und Korea über die Südhälfte Chinas bis ins nordöstliche Indien. Besonders wichtig ist Camellia sinensis var. assamica für viele kräftige Teesorten. Nach Süden reichen natürliche und kulturbedingte Vorkommen bis nach Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam.
Die Art wächst ursprünglich im Bereich feucht-warmer bis subtropischer Klimazonen. Wegen des jahrhundertelangen Anbaus ist das ursprüngliche natürliche Areal nur noch eingeschränkt abgrenzbar.
MERKMALE
Die Teepflanze ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum. In Kultur wird sie meist deutlich niedriger gehalten als im natürlichen Wuchs. Die jungen Zweige sind zunächst fein behaart, später verkahlen sie. Die Blätter sind wechselständig, ledrig und gesägt. Die weissen Blüten erscheinen einzeln oder in kleinen Gruppen in den Blattachseln.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Theae folium – verwendet werden die Blätter des Teestrauches, die je nach Verarbeitung unterschiedliche Teearten ergeben.
- Schwarztee: Die geernteten Blätter werden gewelkt, gerollt und anschliessend enzymatisch oxidiert. Dabei entstehen unter anderem Theaflavine und Thearubigine, welche Farbe und Geschmack prägen.
- Grüntee: Die frischen Blätter werden nach der Ernte rasch erhitzt, wodurch die Oxidation weitgehend unterbunden wird. Dadurch bleiben Catechine in höherem Ausmass erhalten.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Wichtige Inhaltsstoffe von Tee aus Camellia sinensis sind Methylxanthine, vor allem Coffein, ausserdem geringe Mengen Theobromin und Theophyllin. Hinzu kommen Polyphenole wie Catechine, Flavonole und Proanthocyanidine sowie die Aminosäure Theanin. Bei Schwarztee entstehen durch Oxidation charakteristische Theaflavine und Thearubigine.
Daneben enthält Tee zahlreiche flüchtige Aromastoffe sowie Mineralstoffe. Die genaue Zusammensetzung hängt von Sorte, Anbaugebiet, Erntezeitpunkt und Verarbeitung ab.
PHARMAKOLOGIE
Pharmakologisch steht beim Tee vor allem das Coffein im Vordergrund. Es wirkt zentral stimulierend, steigert die Aufmerksamkeit und kann Müdigkeit vorübergehend vermindern. Zusätzlich sind leichte Wirkungen auf Kreislauf, Bronchien und Diurese beschrieben.
Grüntee enthält höhere Mengen an Catechinen, darunter Epigallocatechingallat (EGCG). Diese Substanzen zeigen in experimentellen Modellen antioxidative und weitere biologische Effekte. Aus solchen Daten allein lassen sich jedoch keine gesicherten klinischen Wirkungen für den Menschen ableiten.
Schwarztee enthält infolge der Verarbeitung mehr Oxidationsprodukte der Catechine. Auch diese Stoffe tragen zu sensorischen Eigenschaften und vermutlich zu einzelnen biologischen Effekten bei, die klinische Relevanz ist jedoch je nach Fragestellung unterschiedlich gut belegt.
EVIDENZ
Die klinische Evidenz zu Tee ist insgesamt heterogen. Für Schwarztee steht der Charakter als Genussmittel im Vordergrund; für Grüntee gibt es eine HMPC-Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl. Weitergehende Aussagen zu Krebsprävention, Herz-Kreislauf-Schutz oder anderen Langzeiteffekten bleiben in Humanstudien uneinheitlich.
Pharmakologische Plausibilität besteht vor allem für stimulierende Effekte durch Coffein sowie für antioxidative Laborbefunde bei Polyphenolen. Für konzentrierte Grüntee-Extrakte ist die Sicherheitslage ungünstiger zu beurteilen als für üblich aufgebrühten Tee.
- EMA/HMPC: Camelliae sinensis non fermentatum folium – HMPC-Monographie für Grünteeblätter; traditionelle Anwendung zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl.
- Filippini et al. (2020) – systematische Übersichtsarbeit zu Grüntee und Krebsprävention; ein vorbeugender Effekt ist nicht gesichert.
- Khan & Mukhtar (2013) – Übersichtsarbeit zu Teekonsum beim Menschen; diskutiert mögliche gesundheitliche Effekte, weist aber auf Grenzen der klinischen Evidenz hin.
- Gardner et al. (2007) – Review zu Schwarztee und Gesundheit; Nutzen und Risiken werden insgesamt vorsichtig und differenziert bewertet.
- Oketch-Rabah et al. (2020) – systematische Aufarbeitung zur Sicherheit von Grüntee-Extrakten; hohe Dosen und konzentrierte Extrakte sind lebertoxikologisch relevanter als gewöhnlicher Tee.
ANWENDUNG
Schwarztee wird in erster Linie als Getränk und Genussmittel verwendet. Seine anregende Wirkung beruht vor allem auf dem Coffeingehalt. In der Volksheilkunde wird starker schwarzer Tee auch bei leichtem unspezifischem Durchfall oder Magenverstimmung verwendet, was sich plausibel mit Gerbstoffen erklären lässt.
Grüntee wird ebenfalls überwiegend als Getränk konsumiert. Regulatorisch relevant ist vor allem die HMPC-Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl. Aussagen zu Krebsprophylaxe, Gewichtsreduktion oder umfassendem Herzschutz sollten zurückhaltend formuliert werden, da die Humanstudien dafür kein einheitliches Bild ergeben.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Tee wird als Aufguss zubereitet. Für kräftige Schwarztees wird meist kochendes Wasser verwendet. Grüntees werden oft mit niedrigerer Wassertemperatur aufgegossen, um Geschmack und Inhaltsstoffe besser zu erhalten.
Für die traditionelle HMPC-Anwendung von Grünteeblättern nennt die Monographie für Erwachsene 1,8 bis 2,2 g Droge auf 100 bis 150 ml kochendes Wasser als Aufguss, 3- bis 5-mal täglich. Wenn Beschwerden länger als eine Woche anhalten, sollte fachlich abgeklärt werden.
SICHERHEIT
Teegetränke sind bei üblichem Konsum im Allgemeinen gut verträglich. Unerwünschte Wirkungen ergeben sich vor allem aus dem Coffein: Nervosität, Schlafstörungen, Herzklopfen oder gastrointestinale Beschwerden sind bei empfindlichen Personen oder hohen Mengen möglich.
Für die HMPC-Monographie zu Grünteeblättern gelten unter anderem Magen- und Zwölffingerdarmulzera, Hypertonie, Arrhythmien und Hyperthyreose als Gegenanzeigen. Vor dem Schlafengehen wird die Anwendung nicht empfohlen. Während Schwangerschaft und Stillzeit wird mangels ausreichender Daten Zurückhaltung empfohlen.
Von gewöhnlich aufgebrühtem Tee zu unterscheiden sind hochkonzentrierte Grüntee-Extrakte. Für solche Produkte sind seltene lebertoxische Reaktionen beschrieben worden.
STATUS
Schwarztee und Grüntee sind primär Lebensmittel beziehungsweise Genussmittel. Für Grünteeblätter besteht zusätzlich eine HMPC-Monographie für eine traditionelle Anwendung; für Schwarztee liegt keine entsprechende HMPC-Monographie vor.
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: ESCOP – keine Monographie vorhanden
- HMPC: für Schwarztee keine Monographie vorhanden; für Camelliae sinensis non fermentatum folium (Grünteeblätter) liegt eine traditionelle Monographie vor.
SONSTIGES
Nach Europa kam der Tee Anfang des 17. Jahrhunderts. 1610 brachte die Niederländische Ostindien-Kompanie erstmals eine grössere Ladung Tee in die Niederlande. Später gewann der Teehandel für England grosse wirtschaftliche Bedeutung. Über Russland verbreitete sich zugleich der Transport von Tee auf dem Landweg, wobei Karawanentee als besonders hochwertig galt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Kaffee (Coffea arabica) – ebenfalls coffeinhaltiges Genussmittel mit zentral stimulierender Wirkung.
- Guarana (Paullinia cupana) – coffeinreiche Droge, vor allem wegen stimulierender Effekte bekannt.
FAQ
- Ist Schwarztee ein Arzneimittel?
Schwarztee wird überwiegend als Lebensmittel und Genussmittel verwendet. Eine breite arzneiliche Monographie besteht dafür nicht. - Wofür ist Grüntee traditionell anerkannt?
HMPC-seitig zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl. - Ist Grüntee zur Krebsprävention gesichert wirksam?
Nein. Die klinische Evidenz ist dafür bislang uneinheitlich und nicht ausreichend gesichert. - Kann Tee Nebenwirkungen verursachen?
Ja. Vor allem Coffein kann Nervosität, Schlafstörungen, Herzklopfen oder Magenbeschwerden auslösen. - Sind Grüntee-Extrakte dasselbe wie eine Tasse Tee?
Nein. Konzentrierte Extrakte sind deutlich anders zu beurteilen als normal aufgebrühter Tee und können in seltenen Fällen die Leber belasten.
Letzte Änderung: 20.04.2026 / © W. Arnold




