Muskatellersalbei - Salvia sclarea
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Muskatellersalbei im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Muskatellersalbei ist vor allem als aromatische Pflanze und Lieferant eines ätherischen Öls bekannt. Medizinisch ist Salvia sclarea deutlich schwächer dokumentiert als Echter Salbei. Eine anerkannte medizinische Anwendung besteht nicht.
Salvia sclarea L.
(syn. Salvia bracteata, Sclarea vulgaris);
Muskatellersalbei
(syn. Muskateller-Salbei, Muskat-Salbei, Scharlei, Muskatellerkraut).
VORKOMMEN
Der Muskatellersalbei kommt ursprünglich in Süd-, Mittel- und Osteuropa sowie in Westasien vor. Er besiedelt sonnige, warme Standorte, Felshänge, trockene Wiesen, Wegränder und lichte Gebüsche. In Kultur ist er eine auffällige Zier- und Aromapflanze im Staudenbeet.
Die Blüten sind für Bienen und andere Insekten attraktiv. In Gärten wird die Pflanze vor allem wegen ihrer grossen Hochblätter, des aromatischen Duftes und der guten Wirkung in naturnahen Pflanzungen geschätzt.
MERKMALE
Der Muskatellersalbei ist eine zwei- bis mehrjährige, 40–100 cm hohe, aufrechte und meist deutlich behaarte Staude. Die Blätter sind breit-eiförmig, stumpf, runzelig, unregelmässig gezähnt und lang gestielt. Der Blattgrund ist oft mehr oder weniger herzförmig.
Die Blüten stehen in auffälligen, quirligen Teilblütenständen. Charakteristisch sind die grossen, breit-eiförmigen Hochblätter, die den Kelch deutlich überragen und häufig rosa, violett oder weinrot überlaufen sind. Die Krone ist etwa 2–3 cm lang; die Oberlippe ist meist lila bis rosa, die Unterlippe gelblich bis weisslich.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
1. Salviae sclareae herba: Muskatellerkraut, die zur Blütezeit geernteten oberirdischen Pflanzenteile.
2. Oleum Salviae sclareae: Muskatellersalbeiöl, das ätherische Öl aus blühenden Triebspitzen und Blütenständen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
1. Salviae sclareae herba: Das Kraut enthält ätherisches Öl, Hydroxyzimtsäuren, insbesondere Rosmarinsäure, Flavonoide, Gerbstoffe und weitere phenolische Verbindungen.
2. Oleum Salviae sclareae: Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind in der Regel Linalylacetat und Linalool. Daneben kommen unter anderem α-Terpineol, Geraniol, Nerol, Geranylacetat, Nerylacetat, β-Caryophyllen, Germacren D und Spuren weiterer Mono- und Sesquiterpene vor. Der diterpenoide Alkohol Sclareol ist ein charakteristischer, weniger flüchtiger Inhaltsstoff.
PHARMAKOLOGIE
Pharmakologisch stehen beim Muskatellersalbei das ätherische Öl und phenolische Inhaltsstoffe im Vordergrund. Für das ätherische Öl wurden experimentell antimikrobielle, antioxidative, entzündungsmodulierende und entspannende Effekte beschrieben. Diese Befunde erklären die traditionelle Verwendung teilweise, ersetzen aber keine klinische Wirksamkeitsbeurteilung.
Die Zusammensetzung unterscheidet sich deutlich vom ätherischen Öl des Echten Salbeis. Muskatellersalbeiöl enthält typischerweise viel Linalylacetat und Linalool und nur geringe Mengen problematischer Monoterpenketone. Es wird deshalb toxikologisch häufig günstiger eingeschätzt als Salbeiöl aus Salvia officinalis. Dennoch bleibt es ein konzentriertes ätherisches Öl und ist entsprechend vorsichtig anzuwenden.
EVIDENZ
Die Evidenz für Salvia sclarea ist begrenzt. Gut beschrieben sind die chemische Zusammensetzung des ätherischen Öls und mehrere experimentelle Wirkungen. Klinische Untersuchungen existieren nur in kleiner Zahl und erlauben keine robuste medizinische Indikation.
Für die traditionelle Anwendung bei Verdauungsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Schwächezuständen, Katarrh, Kopfschmerzen und äusserlichen entzündlichen Beschwerden fehlen ausreichende klinische Belege. Eine anerkannte medizinische Anwendung besteht nicht.
- PubMed: Salvia sclarea essential oil – chemical composition and biological activities – Untersuchung zur Zusammensetzung und zu biologischen Eigenschaften des ätherischen Öls.
- PubMed: Clary sage oil and blood pressure in female patients – kleine randomisierte Studie zur Inhalation von Muskatellersalbeiöl; klinisch nur eingeschränkt übertragbar.
- PubMed: Clary sage essential oil and human mood – Übersicht zu möglichen Effekten auf Stimmung und psychophysiologische Parameter.
- PubMed: Chemical composition, antioxidant and anti-inflammatory activity – experimentelle Daten zu antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften.
- HMPC – keine Monographie zu Salvia sclarea vorhanden.
ANWENDUNG
1. Salviae sclareae herba: Traditionell wurde Muskatellerkraut innerlich bei verschiedenartigen Verdauungsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, allgemeinen Schwächezuständen, Katarrh, Kopfschmerzen, Krämpfen und Nierenbeschwerden verwendet. Äusserlich wurde es bei entzündlichen Wunden und als Mundspülung gebraucht. Die Wirksamkeit dieser Anwendungen ist klinisch nicht ausreichend belegt.
2. Oleum Salviae sclareae: Das ätherische Öl wird vor allem in Parfümerie, Kosmetik und Aromaprodukten verwendet. Aus medizinischer Sicht ist eine innere Anwendung des ätherischen Öls ohne fachliche Begleitung nicht zu empfehlen.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Historisch wurde ein Dekokt aus Muskatellerkraut für Mundspülungen und äusserliche Anwendungen beschrieben. Solche Zubereitungen sind heute als traditionelle Anwendungen zu verstehen und nicht als gesicherte Therapie.
Für eine Teezubereitung wurden traditionell mehrere Esslöffel Muskatellerkraut mit Wasser aufgekocht und nach dem Abkühlen abfiltriert. Eine allgemein anerkannte Dosierung existiert nicht.
Ätherisches Muskatellersalbeiöl darf nicht unverdünnt auf Haut oder Schleimhäute aufgetragen werden. Für innere Anwendungen fehlen belastbare Dosierungsgrundlagen.
SICHERHEIT
Muskatellersalbeiöl gilt aufgrund seiner Zusammensetzung im Vergleich zu Salbeiöl aus Salvia officinalis als weniger problematisch. Trotzdem kann es Hautreizungen, Schleimhautreizungen oder allergische Reaktionen auslösen. Vor grossflächiger Anwendung ist eine Verdünnung erforderlich.
In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kleinkindern, bei Epilepsie sowie bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Lippenblütlern oder ätherischen Ölen sollte Muskatellersalbeiöl nicht ohne fachliche Beratung verwendet werden. Bei anhaltenden, zunehmenden oder unklaren Beschwerden ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
STATUS
- Kommission E: keine Bearbeitung
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
MUSKATELLERSALBEI IM GARTEN
Der Muskatellersalbei bevorzugt sonnige, warme und windgeschützte Standorte. Magere, lockere, gut durchlässige und eher kalkhaltige Böden sind ideal. Staunässe verträgt die Pflanze schlecht.
Im Kübel kann Muskatellersalbei auf einer sonnigen Terrasse gehalten werden, wenn das Gefäss ausreichend gross ist und überschüssiges Wasser gut ablaufen kann. Als zweijährige oder kurzlebige ausdauernde Pflanze ist Muskatellersalbei in geeigneten Lagen winterhart. Die Vermehrung erfolgt vor allem durch Samen.
Geeignete Begleiter sind Lavendel, Königskerzen, Steinklee und Nachtkerzen.
SONSTIGES
Der Gattungsname Salvia leitet sich vom lateinischen salvare ab. Die deutsche Bezeichnung Salbei ist letztlich ein Lehnwort des lateinischen salvia. Salbeiarten spielten bereits in der antiken Pflanzenheilkunde eine wichtige Rolle.
Muskatellersalbei wurde früher zum Aromatisieren von Wein verwendet. Das muskatartige Aroma erklärt die deutsche Bezeichnung Muskateller-Salbei. Blätter und Blüten können in kleinen Mengen als aromatische Küchenpflanze verwendet werden.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Echter Salbei (Salvia officinalis) – besser dokumentierte Salbeiart mit HMPC-Monographie.
- Lavendel (Lavandula angustifolia) – aromatische Lippenblütler-Pflanze mit ätherischem Öl.
- Rosmarin (Salvia rosmarinus) – aromatische Heil- und Gewürzpflanze mit ätherischem Öl.
- Melisse (Melissa officinalis) – Lippenblütler mit traditioneller Anwendung bei nervöser Unruhe und Verdauungsbeschwerden.
FAQ
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Hat Muskatellersalbei eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Salvia sclarea besteht keine anerkannte medizinische Anwendung. -
Welche Inhaltsstoffe sind typisch?
Typisch sind ätherisches Öl mit Linalylacetat und Linalool sowie Sclareol und phenolische Verbindungen. -
Wofür wurde Muskatellersalbei traditionell verwendet?
Traditionell bei Verdauungsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden und äusserlich bei entzündlichen Beschwerden. -
Ist Muskatellersalbeiöl weniger toxisch als Salbeiöl?
Es gilt aufgrund der Zusammensetzung als weniger problematisch, soll aber dennoch vorsichtig und verdünnt angewendet werden. -
Darf Muskatellersalbeiöl innerlich angewendet werden?
Eine innere Anwendung ätherischer Öle sollte nicht ohne fachliche Beratung erfolgen.
Letzte Änderung: 11.05.2026 / © W. Arnold