Goldmelisse – Monarda didyma
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Goldmelisse ist keine medizinisch anerkannte Heilpflanze. In der Volksheilkunde wird sie selten als Aromaticum, Carminativum gegen Blähungen, bei fieberhaften Erkrankungen und zur Beruhigung verwendet. Die Wirksamkeit ist für diese Anwendungen nicht ausreichend belegt.
Monarda didyma L.;
Goldmelisse (syn. Monarde, Indianernessel, Pferdeminze, Oswego-Tee)
Wildform

VORKOMMEN
Die Goldmelisse ist im Osten Nordamerikas heimisch, insbesondere in feuchten Wäldern, Gebüschen und Auenbereichen Kanadas und der östlichen USA. In Europa wird Monarda didyma vor allem als Zier- und Gartenpflanze kultiviert.
In der Schweiz ist die Goldmelisse keine einheimische Wildpflanze, wird aber wegen ihrer auffälligen Blüten und ihres aromatischen Laubs gerne in Gärten gepflanzt. Sie bevorzugt humose, ausreichend feuchte und nährstoffreiche Standorte.
MERKMALE
Die Goldmelisse ist eine ausdauernde, Ausläufer bildende Staude aus der Familie der Lippenblütler. Sie wird etwa 50 bis 120 cm hoch. Der Stängel ist vierkantig, aufrecht, scharfkantig und gelegentlich rötlich überlaufen.
Die Blätter stehen gegenständig, sind aromatisch und auf beiden Seiten, besonders entlang der Nerven, fein behaart. Die auffälligen Blüten sitzen in endständigen Blütenständen mit roten Hochblättern. Die Pflanze duftet leicht zitronig bis würzig; der Geschmack ist aromatisch und schwach gewürzhaft.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Herba Monardae; Monardenkraut, Goldmelissenkraut oder Indianernesselkraut, das getrocknete Kraut. In der traditionellen Anwendung werden vor allem Blätter und blühende Sprossteile verwendet.
Für Monarda didyma besteht keine anerkannte Arzneidrogen-Monographie durch Kommission E, ESCOP oder HMPC.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Goldmelisse enthält ätherisches Öl, dessen Zusammensetzung je nach Herkunft, Sorte, Pflanzenteil und Kulturbedingungen schwanken kann. Beschrieben sind phenolische Monoterpene wie Thymol und Carvacrol sowie Cymen und weitere Terpenverbindungen.
Daneben kommen Gerbstoffe, Bitterstoffe und in den Blüten Anthocyane vor. In Blättern und Blüten wurden ausserdem Flavonoide in geringen Mengen beschrieben.
PHARMAKOLOGIE
Für Inhaltsstoffe des ätherischen Öls, insbesondere phenolische Monoterpene wie Thymol und Carvacrol, sind aus anderen Pflanzen und experimentellen Modellen antimikrobielle und antioxidative Eigenschaften bekannt. Solche Befunde erklären teilweise die traditionelle Verwendung aromatischer Lamiaceae-Arten.
Für Monarda didyma selbst liegen vor allem phytochemische und experimentelle Untersuchungen vor. Diese Daten sind interessant, belegen aber keine gesicherte klinische Wirksamkeit bei Blähungen, Fieber, Husten, Kopfschmerzen oder nervöser Unruhe.
EVIDENZ
Für die Goldmelisse besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. Die traditionelle Verwendung als aromatische Teepflanze, als Carminativum, bei Erkältungsbeschwerden oder zur Beruhigung ist historisch beschrieben, aber klinisch nicht ausreichend belegt.
Moderne Arbeiten beschäftigen sich vor allem mit der Zusammensetzung des ätherischen Öls, mit Inhaltsstoffprofilen und mit experimentellen antioxidativen, antimikrobiellen oder entzündungsmodulierenden Effekten. Diese Befunde sind nicht mit einem klinischen Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen.
Insgesamt ist die Goldmelisse vor allem als aromatische Garten-, Tee- und Zierpflanze einzuordnen. Eine therapeutische Anwendung lässt sich aus der derzeitigen Evidenz nicht ableiten.
- PubMed: Pharmacognostic Evaluation of Monarda didyma L. – Untersuchung zu Inhaltsstoffen und pharmakognostischen Merkmalen.
- PubMed: Analysis of flavonoids in the flowers and leaves of Monarda didyma – Arbeit zu Flavonoiden in Blättern und Blüten.
- PMC: Chemical composition, antioxidant and anti-inflammatory properties of Monarda didyma – experimentelle Arbeit zu ätherischem Öl und biologischen Eigenschaften.
- EMA / HMPC: European Union herbal monographs and list entries – Übersicht der europäischen pflanzlichen Monographien.
Zusammenfassend ist die Evidenz für eine medizinische Anwendung schwach. Die traditionelle Verwendung als aromatische Teepflanze ist plausibel, aber nicht durch belastbare klinische Studien abgesichert.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung:
Keine anerkannte medizinische Anwendung.
Volkstümliche Anwendung:
In Nordamerika wurde die Goldmelisse traditionell zur Bereitung von Oswego-Tee verwendet. In Europa wird sie selten als Aromaticum, Carminativum bei Blähungen, bei fieberhaften Erkrankungen und zur Beruhigung verwendet. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungen ist nicht ausreichend belegt.
Früher wurde die Pflanze gelegentlich als Chininersatz erwähnt. Diese historische Verwendung besitzt keine moderne therapeutische Grundlage. Die Blätter und Blüten können ausserdem als aromatische Küchen- und Teepflanze genutzt werden.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Traditionell werden getrocknete Blätter oder Blüten als Tee zubereitet. Etwa 2 Teelöffel getrocknetes Kraut oder Blüten werden mit 250 mL kochendem Wasser übergossen und nach etwa 10 Minuten filtriert.
Für eine medizinische Dosierung besteht keine anerkannte Grundlage. Angaben zur Teezubereitung sind deshalb als traditionelle Küchen- und Erfahrungsanwendung zu verstehen, nicht als gesicherte therapeutische Dosierung.
SICHERHEIT
Für Goldmelisse liegen nur begrenzte moderne Sicherheitsdaten vor. Als aromatische Teepflanze wird sie in üblichen Mengen meist als gut verträglich angesehen; konzentrierte Zubereitungen und ätherisches Öl sollten jedoch nicht unkritisch verwendet werden.
Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern, bekannten Allergien gegen Lippenblütler oder empfindlicher Magenschleimhaut ist Zurückhaltung sinnvoll. Ätherische Öle dürfen nicht unverdünnt innerlich angewendet werden.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GOLDMELISSE IM GARTEN
Die Goldmelisse wächst am besten an einem sonnigen bis halbschattigen Standort. Sie bevorzugt humose, tiefgründige Böden mit guter Wasser- und Nährstoffversorgung. Bei Trockenheit leidet die Pflanze rasch; gleichmässige Bodenfeuchte fördert Wuchs und Blüte.
Die Indianernessel wird durch Ausläufer oder Teilung vermehrt. In der Praxis sind frisch gezogene Jungpflanzen aus der Gärtnerei oft am einfachsten. Um die Vitalität zu erhalten, kann eine Teilung oder ein Umsetzen alle zwei bis drei Jahre sinnvoll sein. Die Goldmelisse ist winterhart und als Staude langlebig.
Im Garten passt sie gut zu anderen auffälligen Stauden und Wildpflanzen wie Goldrute, Steinklee, Borretsch und Gelbem Enzian.
SONSTIGES
Die aus Nordamerika stammende Goldmelisse wurde vermutlich durch europäische Seefahrer nach Europa gebracht. Der botanische Gattungsname Monarda erinnert an den spanischen Arzt und Botaniker Nicolás Monardes, der im 16. Jahrhundert über Pflanzen aus der Neuen Welt schrieb.
Die roten Blütenzungen können als dekorativer Zusatz für Salate, Desserts und Teemischungen verwendet werden. Wegen ihres Aromas ist die Goldmelisse zugleich eine Zier-, Duft- und Teepflanze.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Melisse (Melissa officinalis) – aromatische Lamiaceae-Art mit traditioneller Anwendung bei nervöser Unruhe und Verdauungsbeschwerden.
- Pfefferminze (Mentha × piperita) – anerkannte Arzneipflanze bei Verdauungsbeschwerden; Pfefferminzöl ist klinisch besser untersucht.
- Thymian (Thymus vulgaris) – thymolhaltige Arzneipflanze mit anerkannter Anwendung bei Erkältungshusten.
- Dost (Origanum vulgare) – aromatische Lippenblütler-Art mit ätherischem Öl und traditioneller Verwendung.
FAQ
- Hat die Goldmelisse eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für die Goldmelisse besteht keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC. - Wofür wird Goldmelisse traditionell verwendet?
Traditionell wird sie als aromatische Teepflanze, bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Erkältungsbeschwerden und zur Beruhigung verwendet. - Welche Inhaltsstoffe sind besonders wichtig?
Wichtig sind ätherisches Öl mit Thymol, Carvacrol und weiteren Terpenverbindungen, dazu Gerbstoffe, Bitterstoffe, Anthocyane und geringe Mengen Flavonoide. - Ist Goldmelissentee medizinisch belegt?
Nein. Goldmelissentee ist traditionell als Oswego-Tee bekannt, für medizinische Anwendungen fehlen jedoch belastbare klinische Studien. - Ist Goldmelisse eine gute Gartenpflanze?
Ja. Sie ist eine auffällige, insektenfreundliche Staude für sonnige bis halbschattige, humose und ausreichend feuchte Standorte.
Letzte Änderung: 05.05.2026 / © W. Arnold





