Gundermann, Gundelrebe - Glechoma hederacea
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die Gundelrebe hat keine anerkannte medizinische Anwendung. Gundelrebenkraut wird vor allem in der Volksheilkunde verwendet, unter anderem bei leichten Schleimhautreizungen, Husten, Verdauungsbeschwerden und als harntreibende Droge. Die klinische Wirksamkeit ist für diese Anwendungen nicht ausreichend belegt.
Glechoma hederacea
(syn. Calamintha hederacea,
Chamaeclema hederacea,
Nepeta glechoma,
Nepeta hederacea);
Gundermann (syn. Erdefeu, Gundelrebe).
VORKOMMEN
Die Gundelrebe wächst in Wiesen, an Hecken, Wegrändern, in lichten Wäldern und in Gärten, bevorzugt auf frischen bis feuchten, nährstoffreichen Böden. Die Art ist in grossen Teilen Europas verbreitet und kommt auch in der Schweiz häufig vor.
MERKMALE
Die Gundelrebe ist ein ausdauerndes, wintergrünes Kraut mit kriechendem Hauptspross. Dieser bildet in regelmässigen Abständen Seitensprosse und kann an den Knoten wurzeln. Die Behaarung der Pflanzenteile ist variabel. Der Stengel ist vierkantig, bis etwa 50 cm lang und häufig blauviolett überlaufen.
Die Laubblätter stehen kreuzgegenständig. Sie sind nierenförmig bis breit herzförmig, am Rand gekerbt und aromatisch riechend. Die zwei- bis fünfblütigen Blütenstände entspringen den Achseln der Laubblätter. Die blauvioletten bis violetten Lippenblüten erscheinen vor allem im Frühling.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Glechomae hederaceae herba (syn. Herba Glechomae, Herba Hederae terrestris); Gundelrebenkraut (syn. Gundermannkraut). Verwendet werden die während der Blüte gesammelten und getrockneten oberirdischen Pflanzenteile.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Das getrocknete Kraut enthält geringe Mengen ätherisches Öl. Als Bestandteile werden unter anderem Monoterpene und Monoterpen-Ketone beschrieben, darunter Pinocamphon, Menthon und Pulegon. Weitere Bestandteile sind α-Pinen, β-Pinen, Limonen, p-Cymen, Isomenthon, Linalool, Menthol und α-Terpineol.
Sesquiterpene: Glechomafuran, Glechomanolid.
Triterpencarbonsäuren: α- und β-Ursolsäure, Uvaol, 2-Hydroxyursolsäure und Oleanolsäure.
Phenolcarbonsäuren: Rosmarinsäure, Kaffeesäure und Ferulasäure.
Hydroxyfettsäuren: 9-Hydroxy-10-trans,12-cis-octadecadiensäure.
Flavonoide: Glykoside des Apigenins, Luteolins und Quercetins.
Gerbstoffe: Der Gerbstoffgehalt wird mit etwa 3 bis 7 Prozent angegeben.
Sonstige Bestandteile: β-Sitosterol, freie Aminosäuren und Lektine, die spezifisch N-Acetylgalactosamin binden können.
PHARMAKOLOGIE
Pharmakologische Untersuchungen zu Glechoma hederacea sind vorhanden, bleiben aber überwiegend experimentell. In Laboruntersuchungen wurden antioxidative, antimikrobielle, entzündungshemmende und zytotoxische Aktivitäten beschrieben. Diese Befunde stützen eine gewisse pharmakologische Plausibilität, ersetzen aber keine klinischen Wirksamkeitsnachweise.
Die Inhaltsstoffe Rosmarinsäure, Flavonoide, Gerbstoffe und Bestandteile des ätherischen Öls können zur adstringierenden, antioxidativen und reizlindernden Wirkung beitragen. Für die traditionelle Anwendung bei Husten, Schleimhautreizungen oder Verdauungsbeschwerden liegen jedoch keine ausreichend belastbaren klinischen Studien vor.
EVIDENZ
Die Evidenz zur Gundelrebe beruht vor allem auf traditioneller Anwendung, phytochemischen Daten und experimentellen pharmakologischen Untersuchungen. Für die in der Volksheilkunde genannten Anwendungen bei Husten, Verdauungsbeschwerden, Schleimhautreizungen oder als Diuretikum fehlen robuste klinische Studien. Die Wirksamkeit kann deshalb nicht als belegt gelten.
- PubMed: Phytochemical profile of hot water extract of Glechoma hederacea – experimentelle Untersuchung zu Inhaltsstoffen sowie antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften eines wässrigen Extrakts.
- PMC: Studying the Functional Potential of Ground Ivy – Untersuchung zu Polyphenolen, antioxidativer und antimikrobieller Aktivität von Glechoma hederacea; für klinische Anwendungen nicht beweisend.
- PMC: Wild-Grown and Cultivated Glechoma hederacea L. – Arbeit zur chemischen Zusammensetzung und biologischen Aktivität von wild wachsenden und kultivierten Pflanzen.
- HMPC – Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel; für Gundelrebenkraut ist keine spezifische HMPC-Monographie vorhanden.
- ESCOP – europäische Fachorganisation für Phytotherapie; keine etablierte ESCOP-Monographie zu Gundelrebenkraut.
ANWENDUNG
Die Gundelrebe wird heute vor allem in der Volksheilkunde verwendet. Traditionelle Anwendungsgebiete sind Reizungen und Entzündungen der Schleimhäute im Magen-Darm-Bereich, Beschwerden der oberen Atemwege, Husten sowie eine harntreibende Anwendung. In einzelnen volksmedizinischen Traditionen werden die Blätter auch äusserlich bei rheumatischen Beschwerden oder Gelenkproblemen verwendet.
Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist klinisch nicht ausreichend belegt. Eine Anwendung sollte deshalb zurückhaltend erfolgen und nicht als Ersatz für eine notwendige medizinische Abklärung dienen.
Eine volksheilkundliche Teemischung besteht aus Gundelrebe, Schafgarbe, Huflattich und Ehrenpreis. Diese Mischung ist traditionell als Brusttee bekannt; ein klinischer Wirksamkeitsnachweis ergibt sich daraus nicht.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Als traditionelle Einzeldosis der getrockneten Droge werden innerlich etwa 2 bis 4 g genannt. Die Droge kann als Aufguss zubereitet werden. Wegen der begrenzten Datenlage und des Gehalts an ätherischem Öl sollte die Anwendung nicht hoch dosiert und nicht über längere Zeit erfolgen.
Äusserlich wurden gerebelte oder frische Blätter traditionell auf betroffene Körperstellen aufgelegt, etwa bei rheumatischen Beschwerden oder Gelenkschmerzen. Auch hierfür fehlt ein gesicherter klinischer Nachweis.
SICHERHEIT
Die Gundelrebe gilt als schwach giftig. Verantwortlich für mögliche unerwünschte Wirkungen können unter anderem Bestandteile des ätherischen Öls sein, insbesondere Pulegon-haltige Fraktionen. Eine innerliche Anwendung sollte deshalb vorsichtig, niedrig dosiert und zeitlich begrenzt erfolgen.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern sollte auf eine innerliche Anwendung verzichtet werden. Bei Lebererkrankungen, chronischen Beschwerden, unklaren Symptomen, länger anhaltendem Husten, Fieber, Blut im Urin oder starken Magen-Darm-Beschwerden ist eine medizinische Abklärung erforderlich.
STATUS
- Kommission E: keine Monographie vorhanden
- ESCOP: keine Monographie vorhanden
- HMPC: keine Monographie vorhanden
GUNDELREBE IM GARTEN
Die Gundelrebe wächst fast in jedem Garten. Sie gedeiht auch in Wiesen, bevorzugt aber feucht-kühle Standorte an Hecken und bei Zäunen. Wie die Brennnessel und der Schwarze Holunder sucht sie häufig die Nähe des Menschen. Die Pflanze gilt als Stickstoffanzeiger.
Im Garten kann Gundermann als niedriger Bodendecker wirken, breitet sich aber an geeigneten Standorten rasch aus. Im Vordergrund von Traubensilberkerze oder Eisenhut gepflanzt, kommt die kleine, hübsche Pflanze gut zur Geltung.
SONSTIGES
Der heute übliche deutsche Trivialname Gundermann oder Gundelrebe leitet sich möglicherweise vom althochdeutschen "Gund" = Eiter oder Beule ab, was auf eine frühere Verwendung als Heilpflanze hinweisen könnte. Im Althochdeutschen wurden nahe am Boden wachsende Pflanzen aber auch als "gundareba" bezeichnet.
Die Gattungsbezeichnung Glechoma geht auf das griechische Wort glechon für Polei-Minze (Mentha pulegium) zurück und wurde von Linné auf den Gundermann übertragen.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Pfefferminze (Mentha x piperita) – aromatische Lippenblütlerin mit ätherischem Öl, vor allem bei Verdauungsbeschwerden verwendet.
- Thymian (Thymus vulgaris) – bewährte Arzneipflanze bei Husten und Katarrhen der Atemwege.
- Salbei (Salvia officinalis) – gerbstoff- und ätherischölreiche Pflanze bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
- Ehrenpreis (Veronica officinalis) – traditionell verwendete Pflanze bei Husten und Hautbeschwerden.
FAQ
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Hat Gundelrebe eine anerkannte medizinische Anwendung?
Nein. Für Gundelrebenkraut liegt keine anerkannte medizinische Anwendung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC vor. -
Wofür wird Gundelrebe traditionell verwendet?
Traditionell wird sie bei Schleimhautreizungen, Husten, leichten Verdauungsbeschwerden und als harntreibende Droge verwendet. -
Ist die Wirkung der Gundelrebe wissenschaftlich belegt?
Für die traditionellen Anwendungen fehlen robuste klinische Studien. Es gibt experimentelle Hinweise auf antioxidative, antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften. -
Welche Inhaltsstoffe sind wichtig?
Wichtig sind ätherisches Öl, Rosmarinsäure, Flavonoide, Gerbstoffe, Triterpencarbonsäuren und Sesquiterpene. -
Ist Gundelrebe sicher?
Die Pflanze gilt als schwach giftig. Eine innerliche Anwendung sollte zurückhaltend, nicht hoch dosiert und nicht über längere Zeit erfolgen.
Letzte Änderung: 03.05.2026 / © W. Arnold