Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Nebenwirkungen | Status | Traubensilberkerze im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Zubereitungen aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze
(Cimicifuga racemosa) werden traditionell zur Behandlung
klimakterischer Beschwerden eingesetzt.
Dazu gehören Hitzewallungen, starkes Schwitzen,
Schlafstörungen und nervöse Reizbarkeit.
Die Wirkung tritt nicht sofort ein; die Behandlungsdauer
soll mindestens sechs Wochen betragen. Seltene unerwünschte Wirkungen sind Magenbeschwerden,
Übelkeit und gelegentlich allergische Hautreaktionen.
Cimicifuga racemosa (Syn.: Actaea gyrostachya, Cimicifuga serpentaria, Macrotis octroides, Macrotis racemosa) – Traubensilberkerze (Syn.: Frauenwurzel, langtraubiges Christophskraut, nordamerikanische Schlangenwurzel, Wanzenkraut)
VORKOMMEN
Die Heimat der Traubensilberkerze liegt im Osten Nordamerikas (westlich bis Missouri und Arkansas). Sie wächst meist an beschatteten Standorten in Höhenlagen zwischen 0 und 1500 Metern. Die Traubensilberkerze ist zudem eine prächtige und dekorative Gartenpflanze.
MERKMALE
Die Traubensilberkerze ist eine ausdauernde Pflanze, die bis zu 2 m hoch wird. Sie besitzt einen dicht bewurzelten Wurzelstock. Die aufrechten Stängel tragen im oberen Teil grosse, dreifach gefiederte Laubblätter mit spitzen, tief gesägten Blättchen. Die zahlreichen kleinen, weisslichen Blüten sitzen in einem langen, schmalen Blütenstand, der aus mehreren traubigen Teilblütenständen zusammengesetzt ist. Die Früchte sind eiförmige Kapseln mit zahlreichen flachen Samen.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Cimicifugae racemosae rhizoma (Syn.: Radix Actaeae racemosae, Radix Cimicifugae, Rhizoma Cimicifugae)
Cimicifuga-Wurzelstock (Syn.: Frauenwurzel, nordamerikanische Schlangenwurzel, Traubensilberkerzen-Wurzelstock, Wanzenkrautwurzel)
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die wirksamen Bestandteile der Droge sind bis heute nicht eindeutig bekannt. Es wird vermutet, dass Triterpenglykoside vom Cycloartenoltyp (unter anderem Actein, 27-Deoxyactein und Cimicifugosid) für die Wirkung verantwortlich sind. Die Aglyka dieser Glykoside sind Acetylacteol und Cimigenol, Terpene mit einem Grundkörper vom Cycloartan-Typ. Die Harzfraktion enthält Cimicifugin. Ferner wurden Alkaloide, unter anderem Cytisin und Methylcytisin, nachgewiesen. Das Vorkommen des Flavonoids Formononetin ist umstritten. Weitere Inhaltsstoffe sind Isoferulasäure, Salicylsäure, Gerbstoffe, Harze, Fettsäuren, Stärke und Zucker.

PHARMAKOLOGIE
Die Traubensilberkerze wurde in den vergangenen Jahren intensiv untersucht. Die Droge besitzt östrogenähnliche Eigenschaften (SERM = selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren) und kann dadurch klimakterische Beschwerden bessern. Neuere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die Wirkung nicht primär über eine direkte Bindung an Östrogenrezeptoren erfolgt, sondern über zentralnervöse Mechanismen, insbesondere über serotonerge und dopaminerge Systeme im Hypothalamus.
Die Droge beeinflusst Funktionsstörungen der weiblichen Geschlechtsorgane, insbesondere bei dysmenorrhoischen Beschwerden (vor allem Regelschmerzen) sowie bei klimakterisch bedingten neurovegetativen Störungen wie Hitzewallungen, Schweissausbrüchen und Schlafstörungen. Als pharmakologisch aktive Komponente wird vermutlich der Gesamtextrakt angesehen.
Die Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2012 steht den bisherigen Erkenntnissen und der Wirksamkeit von Cimicifuga-Präparaten bei menopausalen Beschwerden eher zurückhaltend gegenüber.
In sehr seltenen Fällen wurde über mögliche Leberschädigungen im Zusammenhang mit Cimicifuga-Präparaten berichtet; ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch nicht eindeutig gesichert.
EVIDENZ
Die Wirksamkeit von Zubereitungen aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei klimakterischen Beschwerden wurde in zahlreichen klinischen Studien untersucht. Randomisierte, placebo-kontrollierte Studien berichten teilweise über eine Verbesserung von Hitzewallungen und anderen menopausalen Beschwerden, die Ergebnisse sind jedoch nicht in allen Untersuchungen einheitlich.
- Randomisierte Doppelblindstudie zu Cimicifuga racemosa bei klimakterischen Beschwerden
- Dose-dependent effects of Cimicifuga racemosa extract (Ze 450) in menopausal symptoms
- Randomized trial of black cohosh for the treatment of hot flashes
- Cochrane Review: Black cohosh (Cimicifuga racemosa) for menopausal symptoms
Systematische Übersichtsarbeiten kommen insgesamt zu dem Ergebnis, dass die Studienlage heterogen ist und die Evidenz zur Wirksamkeit bei menopausalen Beschwerden als begrenzt bewertet wird.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendungen:
- Nach der Kommission E: prämenstruelle und dysmenorrhoische sowie klimakterisch bedingte neurovegetative Beschwerden.
- Die ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) nennt folgende Anwendungen: klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, starkes Schwitzen, Schlafstörungen und nervöse Reizbarkeit.
- Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) hat die innerliche Anwendung der Droge zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und übermässigem Schwitzen als „medizinisch allgemein anerkannt“ akzeptiert.
Siehe und vergleiche hierzu Mönchspfeffer.
Volkstümliche Anwendungen:
Bei Tinnitus und rheumatischen Erkrankungen, die mit zyklothymen Depressionen vergesellschaftet sind. Die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten ist nicht belegt.
NEBENWIRKUNGEN
In sehr seltenen Fällen können Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
Auch allergische Hautreaktionen, Spannungsgefühle in den Brüsten
und menstruationsähnliche Blutungen wurden beschrieben.
Kontrovers wird diskutiert, ob ein Zusammenhang zwischen der Einnahme
von Cimicifuga-Präparaten und dem sehr seltenen Auftreten von
Leberschädigungen besteht. In Einzelfällen wurden Hepatitis und andere
Leberschäden beschrieben; ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch
nicht eindeutig gesichert.
Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind derzeit nicht bekannt.
Die Anwendung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (Cimicifugae rhizoma)
TRAUBENSILBERKERZE IM GARTEN
Die Traubensilberkerze ist eine prächtige Heilpflanze und mit ihrer
eindrucksvollen Blüte in jedem Garten ein Blickfang. Sie mag es gerne
halbschattig auf einem nährstoffreichen bis sumpfigen Boden; sie ist eine
der wenigen Pflanzen, die sogar Staunässe toleriert.
Traubensilberkerzen sind als Jungpflanzen in jeder guten
Kräutergärtnerei erhältlich. Am besten pflanzt man sie zwischen
niedrigen Polsterstauden, die den Boden bedecken. Dafür eignen
sich z. B. Gundermann
und das Immergrün.
Ältere Pflanzen können im Herbst im Wurzelbereich geteilt und neu
verpflanzt werden. Die winterharte Heilpflanze braucht gelegentlich
etwas Dünger oder Kompost.
Die Traubensilberkerze verträgt keine Trockenheit, ansonsten ist sie eine unempfindliche und robuste Heilpflanze. Berichte über Krankheiten und Schädlinge sind kaum bekannt. Unter den Heilpflanzen gehört sie zu den besonders dekorativen Arten und wird bei entsprechender Pflege über viele Jahre erfreuen.
SONSTIGES
Die Traubensilberkerze wurde bereits von nordamerikanischen Ureinwohnern medizinisch verwendet. Sie setzten Zubereitungen aus dem Wurzelstock unter anderem bei Frauenleiden, Schlangenbissen und rheumatischen Beschwerden ein.
Im 19. Jahrhundert wurde die Pflanze auch in der nordamerikanischen Medizin häufig verwendet und war zeitweise Bestandteil der United States Pharmacopeia.
FAQ
- Wofür wird Traubensilberkerze angewendet?
Zubereitungen aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) werden vor allem zur Behandlung klimakterischer Beschwerden eingesetzt. Dazu gehören Hitzewallungen, starkes Schwitzen, Schlafstörungen und nervöse Reizbarkeit. - Welche Pflanzenteile werden medizinisch verwendet?
Arzneilich genutzt wird der getrocknete Wurzelstock (Cimicifugae racemosae rhizoma) der Traubensilberkerze. - Wie wirkt die Traubensilberkerze?
Die genauen Wirkmechanismen sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken Inhaltsstoffe der Pflanze über zentralnervöse Mechanismen sowie über Einflüsse auf serotonerge und dopaminerge Systeme. - Gibt es Nebenwirkungen?
Nebenwirkungen sind selten. Gelegentlich können Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Hautreaktionen auftreten. Sehr selten wurden mögliche Leberschädigungen beschrieben; ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch nicht eindeutig gesichert. - Wie lange sollte Traubensilberkerze eingenommen werden?
Die Wirkung tritt nicht sofort ein. Die Behandlungsdauer sollte in der Regel mindestens mehrere Wochen betragen. Bei länger anhaltenden Beschwerden oder unklaren Symptomen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Ähnliche Heilpflanzen
- Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) – bei prämenstruellen Beschwerden und Zyklusstörungen.
- Salbei (Salvia officinalis) – traditionell gegen übermässiges Schwitzen, auch in den Wechseljahren.
- Johanniskraut (Hypericum perforatum) – bei nervöser Unruhe und gedrückter Stimmung.
- Engelwurz (Angelica archangelica) – traditionell bei nervöser Erschöpfung und Verdauungsbeschwerden.
Letzte Änderung: 14.03.2026 / © W. Arnold

