Sonnentau – Drosera rotundifolia
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Die anerkannte medizinische Anwendung von Sonnentaukraut ist die Therapie von Krampf- und Reizhusten. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind in der klassischen Monographielage keine bekannt. Die moderne klinische Evidenz ist jedoch begrenzt, sodass die heutige Bewertung vor allem auf traditioneller Anwendung und pharmakologischer Plausibilität beruht.
Drosera rotundifolia (syn. Drosera septentrionalis, Rorella rotundifolia, Rossolis septentrionalis); Rundblättriger Sonnentau (syn. Sonnentau, Himmelstau).
Weitere medizinisch oder botanisch relevante Sonnentau-Arten sind:
- Drosera intermedia – Mittlerer Sonnentau
- Drosera anglica (syn. Drosera longifolia) – Langblättriger Sonnentau
- Drosera binata – Australischer Sonnentau
- Drosera ramentacea (syn. Drosera madagascariensis) – Afrikanischer Sonnentau
Drosera rotundifolia – Rundblättriger Sonnentau
VORKOMMEN
Der Rundblättrige Sonnentau ist auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet und kommt in Europa, Asien und Nordamerika vor. Er wächst an vollsonnigen, nassen, nährstoffarmen und kalkfreien Standorten, vor allem in Hoch- und Übergangsmooren. Typisch sind Torfmoospolster, Moorschlenken und regelmässig freigelegte Torf- oder Tonböden.
Die Pflanze ist ein Spezialist extrem nährstoffarmer Lebensräume. Durch den Fang kleiner Insekten kann sie einen Teil ihres Stickstoffbedarfs decken und so auch unter moortypischen Bedingungen überleben.
Drosera intermedia – Mittlerer Sonnentau
MERKMALE
Der Rundblättrige Sonnentau ist eine kleine, insektenfressende, meist 5 bis 12 cm hohe Pflanze. Die Blätter sind grundständig in einer Rosette angeordnet und besitzen eine rundliche Spreite mit lang gestielten, klebrigen Drüsenhaaren. Diese Tentakel dienen dem Fang und der Verdauung kleiner Insekten.
Der Blütenstängel ist blattlos und steigt aus der Mitte der Rosette auf. Die Blüten sind klein, weiss und stehen in einem endständigen, meist wenigblütigen Blütenstand. Charakteristisch für die Gattung ist, dass die mit Sekrettröpfchen besetzten Blätter nicht nur Beute festhalten, sondern aktiv an der Verdauung beteiligt sind.
Drosera anglica – Langblättriger Sonnentau
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Droserae herba (syn. Herba Droserae, Herba Rorellae, Herba Roris solis); Sonnentaukraut (syn. Herrgottslöffel, Sonnenkraut), die getrocknete, während der Blütezeit gesammelte ganze Pflanze.
Da heimische Sonnentau-Arten in Europa geschützt sind und in empfindlichen Moorlebensräumen wachsen, besteht in der Natur praktisch ein Sammelverbot. Für Arzneizwecke wurden deshalb traditionell auch andere Arten beziehungsweise Importdrogen verwendet, etwa D. ramentacea, D. madagascariensis oder D. peltata.
Drosera binata – Australischer Sonnentau
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Sonnentau-Arten enthalten vor allem 1,4-Naphthochinonderivate, allerdings in je nach Art sehr unterschiedlicher Zusammensetzung und Menge. Zu den wichtigen Vertretern gehören 7-Methyljuglon, Plumbagin und verwandte Verbindungen.
Für Drosera rotundifolia werden vor allem Naphthochinonderivate, daneben Flavonoide, Schleimstoffe und proteolytische Enzyme beschrieben. In frischem Pflanzenmaterial kommen manche Naphthochinone in glycosidischer Form vor.
Verschiedene medizinisch verwendete Arten zeigen unterschiedliche Muster an Flavonoiden. Dazu gehören unter anderem Quercetin, Hyperosid, Isoquercitrin und Myricetin-Derivate. Diese Stoffgruppen werden als mitverantwortlich für die pharmakologischen Effekte angesehen.
PHARMAKOLOGIE
Für Sonnentaukraut wurden entzündungshemmende und spasmolytische Wirkungen beschrieben. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Extrakte antispasmolytisch auf die glatte Muskulatur der Atemwege wirken können. Dadurch lässt sich die traditionelle Anwendung bei Krampf- und Reizhusten pharmakologisch nachvollziehen.
Neuere Arbeiten deuten ausserdem darauf hin, dass bestimmte Flavonoide aus Drosera rotundifolia die Zilienschlagfrequenz in den Atemwegen erhöhen können. Dies könnte den Abtransport von Schleim unterstützen. Die Daten stammen jedoch überwiegend aus experimentellen Modellen und nicht aus grossen klinischen Studien.
EVIDENZ
Die medizinische Verwendung von Sonnentaukraut ist historisch gut belegt und durch die positive Monographie der Kommission E gestützt. Moderne klinische Studien am Menschen sind jedoch selten. Die heutige Bewertung stützt sich deshalb vor allem auf traditionelle Anwendung, pharmakognostische Daten und experimentelle Untersuchungen.
Insgesamt ist die pharmakologische Plausibilität für den Einsatz bei Krampf- und Reizhusten gut, die klinische Evidenz bleibt aber begrenzt. Sonnentau ist damit eher eine traditionell anerkannte als eine modern stark klinisch abgesicherte Heilpflanze.
- Kommission E: positive Monographie zu Droserae herba; Grundlage der anerkannten traditionellen Anwendung bei Krampf- und Reizhusten.
- ESCOP: Monographie vorhanden; Sonnentau wird in der europäischen Phytotherapie seit Langem berücksichtigt.
- HMPC: keine EU-Monographie zu Droserae herba vorhanden.
- PubMed: Drosera rotundifolia und Atemwegspharmakologie – experimentelle Hinweise auf spasmolytische und sekretbezogene Effekte.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):
- Bestandteile des Arzneimittels: Sonnentaukraut, bestehend aus den getrockneten oberirdischen und unterirdischen Teilen von Drosera rotundifolia, Drosera ramentacea, Drosera longifolia und Drosera intermedia sowie deren Zubereitungen in wirksamer Dosierung.
- Wirkungen: bronchospasmolytisch, antitussiv.
- Anwendungsgebiete: bei Krampf- und Reizhusten.
- Art der Anwendung: flüssige und feste Darreichungsformen zur inneren Anwendung.
- Gegenanzeigen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen: keine bekannt.
- Dosierung: mittlere Tagesdosis 3 g Droge.
Die pharmakologischen Eigenschaften lassen eine Anwendung auch bei Übergangsformen zwischen trockenem Reizhusten und produktivem Husten plausibel erscheinen.
Anwendung in der Volksmedizin:
Sonnentau wurde traditionell vor allem gegen Reizhusten verwendet.
Daneben finden sich ältere volksmedizinische Angaben etwa als Mittel zur Herzstärkung oder bei äusserlicher Anwendung,
doch stehen diese Anwendungen heute nicht im Vordergrund.
In Hustenmitteln wird Sonnentau traditionell häufig mit anderen schleimlösenden oder reizlindernden Heilpflanzen kombiniert, etwa mit Süssholz, Spitzwegerich, Efeu, Eukalyptus, Thymian, Anis, Fenchel, Andorn und Schlüsselblume.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Teeaufguss: Etwa 1 g fein geschnittenes Sonnentaukraut wird mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach etwa 10 Minuten abgeseiht. Traditionell 3 bis 4-mal täglich eine Tasse trinken.
STATUS
SONNENTAU IM GARTEN
Alle bei uns vorkommenden Sonnentau-Arten stehen unter Schutz und dürfen nicht aus der Natur entnommen oder ausgegraben werden. Heimische Arten gehören in empfindliche Moorlebensräume und nicht in den Garten.
Für botanisch Interessierte sind im Fachhandel kultivierte fleischfressende Pflanzen erhältlich. Diese Kulturpflanzen sind klar von der unzulässigen Entnahme aus natürlichen Beständen zu unterscheiden. Für AWL.ch steht hier vor allem der Schutz der Moorstandorte und ihrer spezialisierten Flora im Vordergrund.
SONSTIGES
Charles Darwin beobachtete den Rundblättrigen Sonnentau im 19. Jahrhundert intensiv und trug mit seinen Untersuchungen wesentlich dazu bei, die Karnivorie von Pflanzen wissenschaftlich zu etablieren.
Der Rundblättrige Sonnentau wurde zur Blume des Jahres 1992 gewählt. Als typische Moorpflanze ist er zugleich ein Symbol für bedrohte Feuchtgebiets-Lebensräume. Entwässerung und Torfabbau haben vielerorts zu starken Rückgängen geführt.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Thymian (Thymus vulgaris) – klassische Heilpflanze bei Husten mit sekretolytischer und krampflösender Wirkung.
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – traditionell bei Reizhusten und Schleimhautreizungen.
- Eibisch (Althaea officinalis) – schleimstoffreiche Droge bei trockenem Reizhusten.
- Schlüsselblume (Primula veris) – auswurffördernde Heilpflanze bei verschleimtem Husten.
- Süssholz (Glycyrrhiza glabra) – reizlindernd und häufig Bestandteil von Hustenmischungen.
FAQ
- Wofür wird Sonnentau medizinisch verwendet?
Sonnentaukraut wird traditionell bei Krampf- und Reizhusten verwendet. Die positive Kommission-E-Bewertung bezieht sich auf diese Anwendung. - Welche Inhaltsstoffe sind im Sonnentau wichtig?
Wichtig sind vor allem Naphthochinonderivate wie 7-Methyljuglon und Plumbagin, daneben Flavonoide, Schleimstoffe und proteolytische Enzyme. - Wie wird Sonnentau dosiert?
Als Tee werden etwa 1 g Sonnentaukraut mit 150 ml siedendem Wasser übergossen. Nach etwa 10 Minuten wird abgeseiht; traditionell werden 3 bis 4 Tassen täglich getrunken. - Gibt es bekannte Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen?
In der traditionellen Monographielage sind keine bekannt. Die moderne klinische Datenlage ist jedoch begrenzt. - Darf man Sonnentau in der Natur sammeln?
Nein. Heimische Sonnentau-Arten stehen unter Schutz und dürfen nicht aus der Natur entnommen werden.
Letzte Änderung: 13.04.2026 / © W. Arnold


