Quitte - Cydonia oblonga

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Eine anerkannte medizinische Anwendung mit starker klinischer Evidenz besteht für die Quitte nicht. Traditionell werden vor allem Quittensamen als Schleimstoffdroge verwendet; sie sollen unzerkleinert angesetzt werden, da die Samen cyanogene Glykoside enthalten.

Cydonia oblonga (syn. Cydonia communis, C. cydonis, C. lusitanica, C. maliformis, C. sumboshia, C. vulgaris, Pyrus cydonia, Sorbus cydonia);
Quitte (syn. Quittenbaum).

Quitte (Cydonia oblonga) mit gelber Frucht am Zweig

Blüte der Quitte (Cydonia oblonga) mit hellen Kronblättern

VORKOMMEN

Die ursprüngliche Heimat der Quitte liegt wahrscheinlich im südlichen Kaukasusraum. In Regionen Armeniens und Irans kommt die Quitte auch wild vor. Heute werden Sorten der Quitte vor allem in Asien und Europa angebaut. Als wärmeliebende Pflanze gedeiht sie besonders gut in geschützten Lagen und Weinbaugebieten. Ihre Ausbreitung nördlich der Alpen wurde durch die Römer gefördert.

MERKMALE

Die Quitte ist ein sommergrüner Strauch oder kleiner Baum, der meist Wuchshöhen von 4 bis 6 m erreicht. Junge Zweige sind violett und behaart, später bräunlich-violett und glatter. Die Knospen werden nur von wenigen Schuppen geschützt. Die beim Austrieb behaarte Blattspreite ist etwa 5 bis 10 cm lang und 3 bis 5 cm breit. Der Blattrand ist ganzrandig. Die Blüten stehen einzeln und entwickeln sich zu den aromatischen, gelben Quittenfrüchten.

DROGEN

1. Cydoniae fructus - Quittenfrüchte, die frische oder in Scheiben geschnittene getrocknete Frucht.

2. Cydoniae semen - Quittenkerne, Quittensamen, Schleimkörner; die reifen getrockneten Samen.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

1. Cydoniae fructus:

Kohlenhydrate: Zucker unterschiedlicher Zusammensetzung, Pektine, Protopektin und Sorbit.

Organische Säuren: vor allem Äpfelsäure und Weinsäure.

Vitamine: kleinere Mengen an B-Vitaminen und Vitamin C.

Phenolische Verbindungen: Gerbstoffe, Leukoanthocyanidine und Proanthocyanidine.

Aromastoffe: unter anderem Ester gesättigter und ungesättigter Fettsäuren, Terpenlactone, C13-Norisoprenoide sowie trans-alpha-Farnesen, ein für apfelähnliche Früchte charakteristischer Aromabestandteil.

Strukturformel von Marmelolacton aus der Quitte

2. Cydoniae semen: Schleimstoffe, insbesondere Polysaccharide wie Glucuronoxylane, ausserdem Amygdalin, Gerbstoffe, Proteine, fettes Öl und cyanogene Glykoside.

PHARMAKOLOGIE

Die pharmakologische Bedeutung der Quittensamen beruht vor allem auf den Schleimstoffen. Diese quellen in Wasser und bilden einen viskosen Schleim, der reizlindernd auf Schleimhäute wirken kann und äusserlich als schützender Film auf gereizter Haut eingesetzt wird.

Die Quittenfrucht enthält Pektine, organische Säuren, Polyphenole und aromatische Verbindungen. Daraus lassen sich antioxidative, adstringierende und ernährungsphysiologische Eigenschaften ableiten. Eine gesicherte therapeutische Wirksamkeit bei konkreten Erkrankungen ist daraus jedoch nicht automatisch abzuleiten.

EVIDENZ

Die Evidenz zur Quitte ist insgesamt begrenzt. Für Quittensamen ist die traditionelle Anwendung als Schleimstoffdroge pharmakologisch plausibel, klinisch aber nur schwach belegt. Für die Quittenfrucht liegen phytochemische und präklinische Daten vor; hochwertige klinische Studien zu klar definierten medizinischen Indikationen fehlen weitgehend.

  • PubMed – Review zu Cydonia oblonga mit Angaben zu Inhaltsstoffen, traditioneller Verwendung und präklinischen pharmakologischen Daten.
  • PMC – frei zugängliche Volltextfassung des Reviews zu Cydonia oblonga.
  • PubMed – Review zur ernährungsphysiologischen Zusammensetzung und zu möglichen biologischen Eigenschaften der Quittenfrucht.
  • PubMed – systematische Übersicht zu kardiovaskulären Effekten von Quittenzubereitungen; die Übertragbarkeit auf traditionelle Anwendungen ist begrenzt.

ANWENDUNG

1. Cydoniae fructus: Die Quittenfrucht wird in der Volksheilkunde bei Hals-, Magen- und Lungenbeschwerden sowie bei Durchfall verwendet. Diese Anwendungen sind traditionell bekannt, aber nicht ausreichend klinisch belegt.

Aus Quitten werden Marmelade, Kompott, Mus, Saft, Gelee, Sirup und weitere Lebensmittel hergestellt. Die in Mitteleuropa angebauten Quittensorten sind wegen Härte und Gerbstoffgehalt meist nicht für den Rohverzehr geeignet.

2. Cydoniae semen: Quittensamen werden traditionell unzerkleinert zur Bereitung eines Schleims verwendet. Dieser gilt als reizlindernd bei Hustenreiz und Schleimhautreizungen. Äusserlich wird Quittenschleim bei trockener, rissiger oder gereizter Haut verwendet.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Quittensamen werden nicht zerkleinert, sondern mit Wasser angesetzt, damit die Schleimstoffe ausquellen können. Der entstandene Schleim kann traditionell innerlich bei Reizungen im Mund- und Rachenraum oder äusserlich auf gereizter Haut verwendet werden.

Wegen der enthaltenen cyanogenen Glykoside sollen Quittensamen nicht zerstossen, gemahlen oder gekaut werden. Für therapeutische Anwendungen sind standardisierte Fertigarzneimittel oder fachliche Beratung einer unsicheren Selbstmedikation vorzuziehen.

SICHERHEIT

Quittensamen enthalten Amygdalin und weitere cyanogene Glykoside. Beim Zerkleinern der Samen kann Blausäure freigesetzt werden. Deshalb sollen Quittensamen nur unzerkleinert verwendet und nach dem Quellen entfernt werden.

Bei Kindern, Schwangeren, Stillenden sowie bei chronischen Atemwegsbeschwerden, länger anhaltendem Husten, Fieber oder unklaren Hautveränderungen ist eine medizinische Abklärung angezeigt. Die Quittenfrucht als Lebensmittel ist von arzneilichen Anwendungen konzentrierter oder speziell zubereiteter Pflanzenteile zu unterscheiden.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden.
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden.
  • HMPC: keine Monographie vorhanden.

QUITTE IM GARTEN

Quittenbäume bevorzugen warme und geschützte Standorte. Eine Lage in voller Sonne oder im hellen Halbschatten ist empfehlenswert. Der Boden sollte tiefgründig, nährstoffreich und gut durchlässig sein. Stauende Nässe wird schlecht vertragen, vorübergehende Trockenheit dagegen meist besser.

Quitten sind wärmeliebend und frostempfindlicher als Äpfel und Birnen. In kühlen Lagen ist ein geschützter Standort besonders wichtig.

Quittenfrüchte und Blätter am Quittenbaum

SONSTIGES

Seit jeher gelten Quitten als Symbol für Liebe, Glück, Fruchtbarkeit, Klugheit, Schönheit, Beständigkeit und Unvergänglichkeit. Der Name der Quitte wird mit Kydonia, dem heutigen Chania auf Kreta, in Verbindung gebracht.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Eibisch (Althaea officinalis) – Schleimstoffdroge bei Reizhusten und Schleimhautreizungen.
  • Malve (Malva sylvestris) – enthält Schleimstoffe und wird traditionell bei Reizungen im Mund- und Rachenraum verwendet.
  • https://www.awl.ch/heilpflanzen/malva_sylvestris/malve.htm
  • Lein (Linum usitatissimum) – Samen mit Schleimstoffen, traditionell innerlich und äusserlich verwendet.
  • Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – traditionell bei Reizhusten und entzündeten Schleimhäuten eingesetzt.

FAQ

  • Hat die Quitte eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Eine moderne, gut belegte medizinische Indikation besteht nicht. Die Anwendung von Quittensamen als Schleimstoffdroge ist vor allem traditionell begründet.
  • Wofür werden Quittensamen verwendet?
    Traditionell werden sie unzerkleinert zur Gewinnung eines Schleims verwendet, der reizlindernd auf Schleimhäute und gereizte Haut wirken soll.
  • Warum dürfen Quittensamen nicht zerkleinert werden?
    Die Samen enthalten cyanogene Glykoside wie Amygdalin. Beim Zerkleinern kann Blausäure freigesetzt werden.
  • Ist die Quittenfrucht als Heilmittel gut belegt?
    Die Quittenfrucht enthält interessante Inhaltsstoffe wie Pektine und Polyphenole. Für konkrete therapeutische Anwendungen fehlen jedoch robuste klinische Belege.

Letzte Änderung: 28.04.2026 / © W. Arnold