Guarana – Paullinia cupana

Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ

Guarana besitzt eine anerkannte traditionelle medizinische Anwendung. Die Samen von Paullinia cupana werden als coffeinhaltiges Anregungsmittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl verwendet. Die Wirkung beruht vor allem auf Coffein; entsprechend sind Dosierung, Gesamtcoffeinaufnahme und Sicherheitsaspekte besonders wichtig.

Paullinia cupana Kunth (syn. Paullinia sorbilis Mart.);
Guarana, Guarana-Strauch.

Guarana (Paullinia cupana) mit aufspringender Frucht und Samen

VORKOMMEN

Guarana ist im brasilianischen und venezolanischen Amazonasbecken heimisch. Eingeführt wurde die Pflanze auch in andere tropische Regionen, unter anderem nach Mittelamerika und Sri Lanka. Die Kletterpflanze gedeiht am besten im feuchten Unterholz tropischer Regenwälder, auf sauren, nicht verdichteten Böden.

Das Hauptanbaugebiet liegt heute in Brasilien, besonders in der Region um Maués und Manaus im Amazonasgebiet. Der Anbau erfolgt vor allem wegen der coffeinreichen Samen, die zu Pulver, Pasten oder Extrakten verarbeitet werden.

MERKMALE

Guarana ist eine verholzende, immergrüne, mehrjährige Kletterpflanze, die bis etwa 10 m lang werden kann. In Kultur wird sie häufig als ausladender, niedriger Busch gezogen. Die Pflanze besitzt grosse, fünfzählige, gefiederte, lederige und stark geaderte Blätter mit grob gekerbtem Rand.

Paullinia cupana ist einhäusig getrenntgeschlechtig. Die gelblichen bis weisslichen, duftenden Blüten stehen in bis zu etwa 30 cm langen Rispen. Die rotorangefarbenen, dreifächrigen Kapselfrüchte öffnen sich bei der Reife. Sichtbar wird dann meist ein purpurbrauner bis schwarzer Samen, der von einem weissen Arillus umgeben ist.

DROGEN (verwendete Pflanzenteile)

Paulliniae semen; Guaranasamen, die getrockneten, geschälten und gerösteten Samen von Paullinia cupana.

Guarana (syn. Massa Guaranae, Pasta Guarana, Pasta Seminum Paulliniae, Semen Guaranae); Guaranapaste, die aus den geschälten, getrockneten, gerösteten und gepulverten Samen durch Zusatz von Wasser bereitete Masse.

WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE

Purinalkaloide / Methylxanthine:
Guarana enthält vor allem Coffein, daneben kleinere Mengen Theobromin und Theophyllin. Guarana gilt als eine der coffeinreichsten pflanzlichen Drogen.

Gerbstoffe:
Die Samen enthalten grössere Mengen an Gerbstoffen, insbesondere Proanthocyanidine sowie Catechin und Epicatechin. Coffein liegt teilweise in Bindung an Gerbstoffe vor; die ältere Bezeichnung „Guaranin“ bezeichnet im Wesentlichen Coffein aus Guarana.

Weitere Inhaltsstoffe:
Beschrieben werden Stärke, Saponine, Mineralstoffe, wenig Samenfett sowie geringe Mengen ätherischer Ölbestandteile. Aufgrund von Cyanogenese im Samenmehl wurden auch cyanogene Verbindungen diskutiert.

PHARMAKOLOGIE

Die pharmakologische Wirkung von Guarana beruht vor allem auf Coffein. Coffein wirkt zentral stimulierend, indem es unter anderem Adenosinrezeptoren antagonisiert. Dadurch können Wachheit, Aufmerksamkeit und subjektive Leistungsbereitschaft zunehmen; Müdigkeit und Schwächegefühl können vorübergehend abnehmen.

Die Wirkung ist dosisabhängig und entspricht grundsätzlich der Wirkung anderer coffeinhaltiger Drogen und Lebensmittel. Hinweise zur Coffeinwirkung finden sich auch beim Kaffeestrauch (Coffea arabica).

EVIDENZ

Die Evidenz für Guarana ist differenziert zu beurteilen. Die traditionelle Anwendung bei Müdigkeit und Schwächegefühl ist durch die langjährige Verwendung und durch die bekannte pharmakologische Wirkung des Coffeins plausibel. Das HMPC der EMA stuft Paulliniae semen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl ein.

Dabei handelt es sich nicht um eine Einstufung als „well-established use“ mit umfassender klinischer Studienlage, sondern um eine traditionelle Anwendung. Klinische Studien zu Guarana untersuchten unter anderem Aufmerksamkeit, mentale Ermüdung und kognitive Leistung; die Ergebnisse sind insgesamt heterogen und oft durch Kombinationen mit anderen Wirkstoffen oder durch unterschiedliche Extrakte schwer vergleichbar.

Zusammenfassend ist Guarana als coffeinhaltiges traditionelles Anregungsmittel plausibel und regulatorisch abgestützt. Die therapeutische Breite ist jedoch eng: Nutzen und Risiken hängen wesentlich von der Coffeinmenge, der individuellen Empfindlichkeit und der gleichzeitigen Aufnahme anderer Coffeinquellen ab.

ANWENDUNG

Anerkannte medizinische Anwendung:

  • ESCOP: Anregungsmittel bei Müdigkeit, Erschöpfung oder während der Genesung.
  • Das HMPC stuft Paulliniae semen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl ein.

Volksmedizinische Anwendung:
Guarana kam erst vor etwa 200 Jahren nach Europa. Als coffeinreiche Droge wurde Guarana bei Ermüdungserscheinungen und als Stimulans verwendet. In den Herkunftsgebieten wurde die Pflanze traditionell als Anregungsmittel, bei Kopfschmerzen und vereinzelt bei Verdauungsbeschwerden, zur Entwässerung oder bei Fieber verwendet. Diese weiteren Anwendungen sind heute nicht ausreichend klinisch belegt.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Guarana ist als Pulver, Extrakt, Kapseln, Tabletten, Tinkturen sowie in coffeinhaltigen Getränken und Lebensmitteln erhältlich. Für Arzneimittel sind die Angaben der Fach- oder Packungsinformation massgeblich.

Entscheidend ist die gesamte Coffeinmenge aus allen Quellen, also auch aus Kaffee, Tee, Mate, Cola, Energy-Drinks oder anderen Stimulanzien. Die Dosierung sollte nicht allein nach der Menge Guarana, sondern nach dem tatsächlichen Coffeingehalt beurteilt werden.

SICHERHEIT

Guarana ist wegen seines Coffeingehalts nicht für alle Personen geeignet. Zu hohe Coffeinmengen können Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Blutdruckanstieg, Magenbeschwerden, Tremor und Kopfschmerzen auslösen. Besonders problematisch ist die Kombination mehrerer coffeinhaltiger Produkte.

Vorsicht ist angezeigt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Angst- und Panikstörungen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Erkrankungen sowie bei gleichzeitiger Einnahme stimulierender oder sympathomimetisch wirkender Arzneimittel.

In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Personen mit ausgeprägter Coffeinempfindlichkeit sollte Guarana nur nach fachlicher Abklärung oder gar nicht verwendet werden. Personen, die MAO-Hemmer, sedierende Arzneimittel oder andere zentral wirksame Medikamente einnehmen, sollten Guarana nur mit Vorsicht verwenden.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: positive Bewertung
  • HMPC: als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft ( Paulliniae semen )

SONSTIGES

1669 wurde Paullinia vom Missionar J. F. Bettendorf erstmals beschrieben. Die Pflanze wird bis heute besonders im Amazonasgebiet kultiviert. In der Kultur der Maués spielt Guarana eine besondere Rolle und wurde traditionell hoch geschätzt.

Auch Alexander von Humboldt erwähnte Guarana. Im 19. Jahrhundert wurde die Droge in Europa unter anderem in coffeinhaltigen Zubereitungen verwendet. Heute ist Guarana neben der traditionellen Arzneiverwendung vor allem als coffeinhaltiger Rohstoff in Getränken und Nahrungsergänzungen bekannt.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Kaffeestrauch (Coffea arabica) – coffeinhaltige Pflanze mit zentral stimulierender Wirkung.
  • Teestrauch (Camellia sinensis) – enthält Coffein und Polyphenole, traditionell als anregendes Getränk verwendet.
  • Ginseng (Panax ginseng) – Adaptogen mit Anwendung bei Schwäche- und Erschöpfungszuständen.

FAQ

  • Wofür wird Guarana medizinisch angewendet?
    Guaranasamen werden traditionell zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl angewendet.
  • Welcher Inhaltsstoff ist für die Wirkung besonders wichtig?
    Der wichtigste pharmakologisch relevante Inhaltsstoff ist Coffein. Daneben enthält Guarana Theobromin, Theophyllin und Gerbstoffe.
  • Ist Guarana stärker als Kaffee?
    Guarana kann einen hohen Coffeingehalt aufweisen. Die tatsächliche Wirkung hängt aber von Zubereitung, Extrakt, Dosis und Gesamtmenge an Coffein ab.
  • Welche Risiken hat Guarana?
    Zu hohe Coffeinmengen können Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Magenbeschwerden und Blutdruckanstieg verursachen.
  • Gibt es eine HMPC-Monographie zu Guarana?
    Ja. Das HMPC stuft Paulliniae semen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl ein.

Letzte Änderung: 07.05.2026 / © W. Arnold