Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Inhaltsstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Mönchspfeffer im Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Mönchspfefferfrüchte werden medizinisch vor allem bei leichten prämenstruellen Beschwerden verwendet. Im Vordergrund stehen standardisierte Fruchtextrakte; die beste Evidenz betrifft das prämenstruelle Syndrom, während die Datenlage für andere hormonbezogene Anwendungen deutlich schwächer ist. Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Mönchspfeffer nicht angewendet werden.
Vitex agnus-castus (syn. Agnus-castus vulgaris);
Mönchspfeffer (syn. Keuschbaum, Keuschlamm, Abrahamstrauch).
Weitere Bilder des Mönchspfeffers:
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VORKOMMEN
Der Mönchspfeffer ist im Mittelmeerraum, in Teilen Vorderasiens und bis in westasiatische Gebiete heimisch. Vitex agnus-castus wächst bevorzugt an sonnigen, warmen Standorten, oft in Flussnähe oder auf gut drainierten Böden. Als Zierstrauch wird die Art auch ausserhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets kultiviert.
MERKMALE
Der Mönchspfeffer ist ein sommergrüner, aromatisch duftender Strauch oder kleiner Baum, der mehrere Meter hoch werden kann. Die jungen Zweige sind meist vierkantig und graufilzig behaart. Die Blätter stehen gegenständig und sind handförmig in meist fünf bis sieben schmale Teilblättchen gegliedert. Die kleinen Blüten erscheinen in endständigen, oft auffälligen Rispen und können violett, blau, rosa oder weiss gefärbt sein. Die Früchte sind kleine, dunkle, pfefferartig wirkende Steinfrüchte mit würzigem Geruch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Agni casti fructus (syn. Baccae Agni casti); Mönchspfefferfrüchte, die reifen, getrockneten Früchte von Vitex agnus-castus.
Viticis folium; die getrockneten Blätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Agni casti fructus enthalten vor allem:
- Iridoidglykoside, insbesondere Agnusid und Aucubin
- Diterpene, unter anderem Rotundifuran, Vitexilacton und verwandte Verbindungen
- Flavonoide, darunter Casticin, Chrysosplenetin, Chrysosplenol D und weitere methoxylierte Flavonoide
- Ätherisches Öl mit unter anderem 1,8-Cineol, Limonen, α-Pinen und β-Pinen
- Fettes Öl mit verschiedenen Fettsäuren als Triglyceridbestandteilen
- Triterpene vom Oleanan- und Ursan-Typ
Als pharmakologisch besonders relevant gelten mehrere diterpenhaltige und flavonoidhaltige Fraktionen, die dopaminerge Effekte zeigen. Das Flavonoid Casticin und bestimmte Diterpene werden häufig als Leitstoffe diskutiert, auch wenn nicht ein einzelner Stoff die klinische Wirkung vollständig erklärt.

Viticis folium enthalten ebenfalls Iridoide, Flavonoide und ätherisches Öl. Medizinisch im Vordergrund stehen jedoch die Früchte, nicht die Blätter.

PHARMAKOLOGIE
Die Pharmakologie des Mönchspfeffers wird vor allem mit dopaminergen Effekten erklärt. Mehrere Inhaltsstoffe beziehungsweise Extraktfraktionen zeigen eine Affinität zu Dopamin-D2-Rezeptoren; dadurch kann die Prolaktinfreisetzung beeinflusst werden. Diese Wirkung gilt als wichtigster Ansatz zur Erklärung des Nutzens bei zyklusabhängigen Beschwerden.
Zusätzlich wurden in experimentellen Untersuchungen Bindungen an Opioidrezeptoren sowie weitere neuroendokrine Effekte beschrieben. Diese Befunde sind pharmakologisch interessant, erlauben aber für sich allein noch keine direkte Ableitung klinischer Wirksamkeit. Für AWL steht deshalb die prolaktinbezogene und dopaminerge Wirkungsachse im Vordergrund.
Historisch wurde Mönchspfeffer auch als anaphrodisiakisch beschrieben. Solche Angaben sind kulturgeschichtlich interessant, haben jedoch für die heutige medizinische Bewertung nur untergeordnete Bedeutung.
EVIDENZ
Die klinisch beste Evidenz für Vitex agnus-castus betrifft leichte Beschwerden des prämenstruellen Syndroms. Systematische Reviews und Meta-Analysen randomisierter Studien deuten auf einen Nutzen standardisierter Mönchspfefferpräparate hin, doch sind Studienqualität, Präparate und Endpunkte nicht vollständig einheitlich. Insgesamt ist die Evidenz für PMS vorsichtig positiv, für andere Anwendungsgebiete jedoch deutlich schwächer und regulatorisch zurückhaltender zu bewerten.
- EMA/HMPC Assessment Report – ausführliche wissenschaftliche Bewertung der Früchte von Vitex agnus-castus mit Einordnung der präklinischen und klinischen Daten.
- EMA/HMPC: Agni casti fructus – Kurzfassung der HMPC-Schlussfolgerungen zur medizinischen Verwendung.
- PubMed: Meta-Analyse randomisierter Doppelblindstudien – Hinweis auf eine statistisch signifikante Besserung von PMS-Beschwerden, bei zugleich begrenzter Heterogenität der Daten.
- PubMed: Systematisches Review und Meta-Analyse – zusammenfassende Bewertung von Wirksamkeit, Verträglichkeit und Studienqualität bei PMS.
- PubMed: Systematisches Review zur zyklischen Mastalgie – Daten sprechen für möglichen Nutzen, bleiben aber im Vergleich zur PMS-Evidenz begrenzter.
ANWENDUNG
Anerkannte beziehungsweise regulatorisch abgestützte Anwendung
Kommission E bewertete Mönchspfefferfrüchte positiv bei Regeltempoanomalien, prämenstruellen Beschwerden und Mastodynie. Bei Brustschmerzen, Spannungsgefühl in den Brüsten oder Störungen der Regelblutung ist jedoch eine diagnostische Abklärung sinnvoll, insbesondere wenn Beschwerden neu auftreten, stark ausgeprägt sind oder anhalten.
ESCOP: positive Beurteilung bei prämenstruellem Syndrom sowie bei damit verbundenem Brustspannen und bestimmten Zyklusstörungen.
HMPC: Für Agni casti fructus besteht eine HMPC-Monographie. Die HMPC-Linie ist konservativ: anerkannt ist die traditionelle Anwendung zur Behandlung leichter prämenstrueller Beschwerden.
Für AWL ist deshalb eine zurückhaltende Formulierung sinnvoll: Am besten belegt und regulatorisch am ehesten abgestützt ist der Einsatz standardisierter Fruchtpräparate bei leichten prämenstruellen Beschwerden. Weitergehende Aussagen zu Fertilität, hormoneller Regulation oder anderen gynäkologischen Indikationen sollten deutlich vorsichtiger formuliert werden.
Vergleiche hierzu auch die Traubensilberkerze.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Verwendet werden vor allem industriell hergestellte, standardisierte Zubereitungen aus Agni casti fructus. Da sich mögliche Effekte nicht sofort zeigen, erfolgt die Einnahme in der Regel einmal täglich über mehrere Wochen bis Monate. Häufig wird eine Beurteilung des Nutzens erst nach etwa drei Menstruationszyklen empfohlen.
Für AWL ist wichtig: Aussagen zur Dosierung sollten sich auf standardisierte Fertigarzneimittel oder entsprechende Fachinformationen beziehen. Teeaufgüsse oder frei variierende Eigenzubereitungen spielen medizinisch eine deutlich geringere Rolle als definierte Extrakte.
SICHERHEIT
Mönchspfeffer gilt insgesamt als eher gut verträglich. Beschrieben wurden unter anderem Hautreaktionen, Juckreiz, urtikarielle Exantheme, gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindel.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Mönchspfeffer nicht angewendet werden. Vorsicht ist auch bei hormonabhängigen Erkrankungen angezeigt. Aufgrund der dopaminergen Wirkungsweise sind theoretische Wechselwirkungen mit Dopamin-Rezeptorantagonisten oder anderen dopaminerg wirksamen Arzneimitteln zu beachten.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC: Monographie vorhanden für Agni casti fructus; Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten prämenstruellen Beschwerden.
MÖNCHSPFEFFER IM GARTEN
Der Mönchspfeffer ist ein spätblühender, wärmeliebender Zierstrauch mit hoher gärtnerischer Attraktivität. Er bevorzugt einen sonnigen, geschützten Standort und durchlässigen Boden. In milden Lagen ist er winterhart; in raueren Regionen ist ein geschützter Standort oder eine Kübelkultur sinnvoll.
Ein Rückschnitt im Frühjahr fördert einen kompakten, kräftigen Austrieb. Als Kübelpflanze sollte der Mönchspfeffer frostfrei überwintert werden. Wegen seiner späten Blütezeit ist er im Garten besonders wertvoll, wenn im Spätsommer und Frühherbst sonst nur noch wenige Sträucher blühen.
SONSTIGES
Die Namen Mönchspfeffer, Keuschbaum und Keuschlamm spiegeln historische Vorstellungen wider, nach denen die pfefferartig schmeckenden Früchte die geschlechtliche Lust dämpfen sollten. Diese kulturgeschichtliche Überlieferung erklärt die Namensgebung, ist aber nicht mit einer modernen medizinischen Empfehlung gleichzusetzen.
Die Bezeichnung agnus wurde volksetymologisch mit dem lateinischen Wort für Lamm verbunden; wahrscheinlicher ist jedoch ein Bezug auf ältere griechische Namensformen. Der Zusatz castus bedeutet keusch und prägte die traditionelle Symbolik der Pflanze.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) – phytotherapeutisch vor allem bei klimakterischen Beschwerden bekannt.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – traditionell bei Menstruationskrämpfen und Verdauungsbeschwerden verwendet.
- Engelwurz (Angelica archangelica) – Bitter- und Aromadroge mit traditioneller Anwendung im Verdauungsbereich.
- Johanniskraut (Hypericum perforatum) – pflanzliches Arzneimittel bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden.
FAQ
- Wofür wird Mönchspfeffer eingesetzt?
Standardisierte Zubereitungen aus den Früchten des Mönchspfeffers werden vor allem bei leichten prämenstruellen Beschwerden eingesetzt. Dazu gehören je nach Präparat und klinischer Situation insbesondere Brustspannen, Reizbarkeit oder zyklusabhängige Beschwerden. - Wie wirkt Mönchspfeffer?
Mehrere Inhaltsstoffe zeigen dopaminerge Eigenschaften. Als wichtigster pharmakologischer Mechanismus gilt eine Beeinflussung der Prolaktinfreisetzung über Dopamin-D2-Rezeptoren. - Wie lange sollte Mönchspfeffer eingenommen werden?
Mönchspfeffer wird üblicherweise einmal täglich eingenommen. Da die Wirkung meist nicht sofort einsetzt, wird eine regelmässige Anwendung über mehrere Wochen, oft über mindestens drei Monate, empfohlen. - Welche Nebenwirkungen kann Mönchspfeffer haben?
Mönchspfeffer gilt insgesamt als eher gut verträglich. Gelegentlich werden Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindel beschrieben. - Darf Mönchspfeffer in der Schwangerschaft angewendet werden?
Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung im Allgemeinen nicht empfohlen. Bei hormonabhängigen Erkrankungen oder gleichzeitiger Einnahme dopaminerger beziehungsweise antidopaminerger Arzneimittel ist besondere Vorsicht sinnvoll.
Letzte Änderung: 14.04.2026 / © W. Arnold








