Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)
Extrakte aus den Früchten des Mönchspfeffers (Vitex agnus-castus) werden medizinisch vor allem zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms (PMS) eingesetzt. Typische Beschwerden sind Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten (Mastodynie). Darüber hinaus wird Mönchspfeffer bei Menstruationsstörungen wie zu häufigen, zu seltenen oder ausbleibenden Regelblutungen angewendet. Unerwünschte Wirkungen treten nur selten auf.
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Status | Mönchspfeffer im Garten | Sonstiges | FAQ | Ähnliche Heilpflanzen
Vitex agnus-castus (syn. Agnus-castus vulgaris);
Mönchspfeffer (syn. Abrahamstrauch, Keuschbaum, Keuschlamm).
Weitere Bilder des Mönchspfeffers:
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VORKOMMEN
Der ursprüngliche Verbreitungsraum des Mönchspfeffers erstreckt sich vom Mittelmeerraum über Südwestasien bis zur Krim. Vitex agnus-castus gedeiht gut als dekorative Kübelpflanze. Da er erst im Herbst blüht, ist er ein idealer Lückenfüller für diese Jahreszeit.
MERKMALE
Der Mönchspfeffer ist ein bis zu 6 m hoher Strauch oder kleiner Baum mit vierkantigen, graufilzigen jungen Zweigen. Die Blätter stehen kreuzweise gegenständig und sind handförmig fünf- bis siebenzählig. Die Blüten sind eher klein und bilden dichte, endständige Blütenstände. Ihre Farbe kann violett, blau, rosa oder weiss sein. Auf den ersten Blick ist der Mönchspfeffer dem Hanf sehr ähnlich, weshalb es leicht zu Verwechslungen kommen kann. Die Frucht ist eine viersamige Scheinbeere. Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Die Blätter und vor allem die Früchte besitzen einen angenehmen aromatischen Geruch.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Agni casti fructus (syn. Baccae Agni casti); Mönchspfefferfrüchte (syn. Keuschlammfrüchte), die reifen, getrockneten Früchte des Mönchspfeffers.
Viticis folium; die getrockneten Blätter.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Agni casti fructus:
- Iridoidglykoside: Agnusid und Aucubin

- Diterpene: unter anderem Rotundifuran, Vitexilacton und Vitexlactam A.
- Triterpene: vom Oleanan- und Ursan-Typ.
- Flavonoide: besonders Casticin (bis zu 0,2 %), Chrysosplenetin, Chrysosplenol D, Cynarosid, Penduletin und weitere.
- Ätherisches Öl (bis zu 1,2 %) mit den Hauptkomponenten 1,8-Cineol, Limonen, α-Pinen und β-Pinen.
- Fettes Öl: Als Hauptkomponenten der Triglyceride wurden Caprinsäure, Palmitinsäure, Palmitoleinsäure und Stearinsäure angegeben.
Als pharmakologisch besonders relevante Inhaltsstoffe gelten das Flavonoid Casticin sowie mehrere Diterpene, darunter Rotundifuran. Diese Substanzen zeigen dopaminerge Wirkungen und können über eine Hemmung der Prolaktinfreisetzung aus der Hypophyse zur therapeutischen Wirkung von Vitex agnus-castus beim prämenstruellen Syndrom (PMS) beitragen.
Viticis folium:
Iridoide (Agnusid, Aucubin), Flavonoide, unter anderem Casticin, Homoorientin und Isovitexin. Ferner ätherisches Öl (bis zu 1 %) mit den Hauptkomponenten 1,8-Cineol, β-Caryophyllen, E-β-Farnesen, Limonen, α-Pinen und Sabinen.
In älterer Literatur wird auch das mögliche Vorhandensein der Ketosteroide Androstendion, 17-α-Hydroxyprogesteron und Progesteron beschrieben.

PHARMAKOLOGIE
Einige Inhaltsstoffe des Vitex agnus-castus können einen Einfluss auf die Hypophyse ausüben. Der Effekt auf den Hormonhaushalt wäre damit erklärbar.
Eine neuere Studie hat gezeigt, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Mönchspfeffers an Opiatrezeptoren binden können. Auch wenn der Wirkungsmechanismus noch nicht vollständig verstanden ist, könnte dies eine Erklärung dafür sein, dass Mönchspfeffer Beschwerden des prämenstruellen Syndroms lindert.
Mehrere Inhaltsstoffe zeigen dopaminerge Eigenschaften und wirken vermutlich als Agonisten an Dopamin-D2-Rezeptoren der Hypophyse. Dadurch wird die Freisetzung von Prolaktin gehemmt. Die wirksamen Substanzen sind vermutlich Diterpene mit Dopamin-analoger Wirkung.
Eine Senkung des Prolaktinspiegels beeinflusst den FSH-Spiegel (Follikelstimulierendes Hormon) sowie den Östrogenspiegel im weiblichen Körper.
Mit der Wirkung auf den Prolaktinspiegel lässt sich auch eine Senkung des Testosteronspiegels bei Männern erklären, die sich auf Libido und Spermienproduktion auswirken kann. Dieser Wirkungsweg erklärt die seit der Antike berichtete Wirkung als Anaphrodisiakum.
EVIDENZ / STUDIENLAGE
Für Vitex agnus-castus besteht die beste klinische Evidenz bei Beschwerden des prämenstruellen Syndroms (PMS). Systematische Reviews und Meta-Analysen randomisierter Doppelblindstudien deuten darauf hin, dass Extrakte aus den Früchten des Mönchspfeffers bei einem Teil der Patientinnen PMS-Beschwerden lindern können. Die Qualität der Studien ist jedoch uneinheitlich, sodass die Evidenz insgesamt als begrenzt bis mässig einzustufen ist.
- EMA/HMPC: Agni casti fructus – wissenschaftliche Bewertung
- EMA/HMPC Assessment Report zu Vitex agnus-castus
- PubMed: Meta-analysis of double-blind randomised controlled trials (2019)
- PubMed: Systematic review and meta-analysis (2017)
- NCCIH: Chasteberry – Nutzen und Sicherheit
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung
Kommission E:
- Anwendungsgebiete: Regeltempoanomalien (unregelmässige Menstruation), prämenstruelle Beschwerden, Mastodynie (schmerzende Brüste). Hinweis: Bei Spannungs- und Schwellungsgefühl in den Brüsten sowie bei Störungen der Regelblutung sollte zur diagnostischen Abklärung zunächst ein Arzt aufgesucht werden.
- Verwendung bei Schwangerschaft und Laktation: Keine Anwendung in der Schwangerschaft. Tierexperimentell wurde eine Beeinträchtigung der Stilleistung beobachtet.
- Medikamentöse und sonstige Wechselwirkungen: Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Tierexperimentell gibt es Hinweise auf eine dopaminerge Wirkung der Droge; somit könnte eine wechselseitige Wirkungsabschwächung bei Gabe von Dopamin-Rezeptorantagonisten auftreten.
- Nebenwirkungen: Gelegentliches Auftreten von juckenden, urtikariellen Exanthemen.
- Gegenanzeigen: Keine bekannt.
ESCOP: Positive Beurteilung des Mönchspfeffers bei prämenstruellem Syndrom, inklusive Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten. Im Weiteren bei Menstruationsstörungen (zu häufige, zu wenige oder fehlende Regelblutung).
HMPC (EMA): Mönchspfefferfrüchte wurden für das nachfolgende Anwendungsgebiet als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Aufgrund langjähriger Erfahrung können Mönchspfefferfrüchte zur Behandlung leichter prämenstrueller Beschwerden eingesetzt werden.
Vergleiche hierzu auch die Traubensilberkerze.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eingesetzt werden industriell hergestellte und standardisierte Extrakte aus den Früchten des Mönchspfeffers (Vitex agnus-castus). Die Arzneimittel werden einmal täglich verabreicht und sollen regelmässig während mindestens drei Monaten eingenommen werden.
Die Einnahme erfolgt üblicherweise kontinuierlich während des gesamten Menstruationszyklus.
STATUS
- Kommission E: positive Bewertung
- ESCOP: positive Bewertung
- HMPC (EMA): als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft
FAQ ZU MÖNCHSPFEFFER
Wofür wird Mönchspfeffer eingesetzt?
Extrakte aus den Früchten des Mönchspfeffers (Vitex agnus-castus) werden vor allem bei Beschwerden des prämenstruellen Syndroms (PMS), bei Mastodynie (schmerzenden Brüsten) und bei Menstruationsstörungen eingesetzt.
Wie wirkt Mönchspfeffer?
Mehrere Inhaltsstoffe des Mönchspfeffers besitzen dopaminerge Eigenschaften und beeinflussen die Freisetzung des Hormons Prolaktin in der Hypophyse. Die prolaktinsenkende Wirkung gilt als der wichtigste pharmakologische Wirkmechanismus der Pflanze.
Wie lange sollte Mönchspfeffer eingenommen werden?
Mönchspfefferpräparate werden üblicherweise einmal täglich eingenommen. Eine Wirkung zeigt sich meist erst nach mehreren Wochen, weshalb eine Einnahme über mindestens drei Monate empfohlen wird.
Welche Nebenwirkungen kann Mönchspfeffer haben?
Nebenwirkungen sind selten. Gelegentlich können Hautreaktionen wie juckende oder urtikarielle Exantheme auftreten.
Darf Mönchspfeffer in der Schwangerschaft angewendet werden?
Während der Schwangerschaft sollte Mönchspfeffer nicht angewendet werden. Auch während der Stillzeit wird die Einnahme in der Regel nicht empfohlen.
MÖNCHSPFEFFER IM GARTEN
Der Keuschbaum ist ein spätblühender Strauch mit prächtigen blauen Blüten. Oft blüht er erst im September. In unseren Breitengraden ist der Strauch winterhart, vorausgesetzt, er bekommt einen vollsonnigen, warmen Standort mit durchlässigem Boden. Der Mönchspfeffer sollte im Frühjahr vor dem Neuaustrieb kräftig zurückgeschnitten werden, damit er sich kräftig und buschig entwickelt. Er kann auch als dekorative Kübelpflanze gehalten werden, muss dann aber zur Überwinterung in einen frostfreien Raum untergestellt werden. Als Gartenpflanze ist der Mönchspfeffer dankbar, wenn man ihm ab und zu etwas Kompost in den Boden einarbeitet. Als Kübelpflanze sollte er etwa alle zwei Wochen mit flüssigem Volldünger versorgt werden. Vitex agnus-castus ist eine robuste Pflanze, mit der man im Grunde nie Ärger hat. Bei mir im Garten wächst der Strauch unter einem Ginkgobaum und neben der Zaubernuss (Hamamelis).
SONSTIGES
Mönche und Nonnen assen früher gerne die Früchte des Mönchspfeffers (auch Keuschlamm), in der Annahme, dass diese die Lust mindere. So steht es zumindest in alten Quellen.
Die Bezeichnung agnus stammt vom griechischen Wort agnos (keusch, rein). Der lateinische Name castus (keusch) weist ebenfalls auf diese Vorstellung hin. Der Mönchspfeffer galt daher lange als Sinnbild der Keuschheit.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
Weitere Heilpflanzen mit Einfluss auf den Hormonhaushalt oder mit Anwendung bei Frauenbeschwerden:
- Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) – eingesetzt bei klimakterischen Beschwerden.
- Engelwurz (Angelica archangelica) – traditionell bei Menstruationsbeschwerden und Verdauungsproblemen.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – Heilpflanze bei Menstruationskrämpfen und Verdauungsbeschwerden.
- Johanniskraut (Hypericum perforatum) – pflanzliches Arzneimittel bei leichten bis mittelschweren Depressionen.
Letzte Änderung: 14.03.2026 / © W. Arnold








