Römische Kamille - Chamaemelum nobile
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung und Dosierung | Sicherheit | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Römische Kamillenblüten sind als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen und Flatulenz eingeordnet. Die Pflanze ist insgesamt weniger gut untersucht als die Echte Kamille. Äusserlich werden Blütenzubereitungen traditionell auch bei leichten Entzündungen im Mundbereich und bei kleineren Hautbeschwerden verwendet.
Chamaemelum nobile (syn. Matricaria nobilis, Ormenis nobilis);
Römische Kamille (syn. Römische Hundskamille, Edel-Kamille, Gartenkamille).


VORKOMMEN
Die Römische Kamille ist in Süd- und Westeuropa sowie in Nordafrika beheimatet. Sie wächst auf eher trockenen, durchlässigen Standorten und wird seit langem kultiviert. Der kommerzielle Anbau erfolgt in Europa, Nordamerika und weiteren Regionen mit geeignetem Klima.
MERKMALE
Chamaemelum nobile ist eine ausdauernde, niederliegende bis aufsteigende, aromatisch riechende Pflanze, die meist 20 bis 50 cm hoch wird. Der Stängel ist rundlich und trägt doppelt bis dreifach gefiederte Blätter. Die Blütenköpfchen stehen einzeln an langen Stielen. Der Blütenboden ist gewölbt und im Unterschied zur Echten Kamille nicht hohl. Um die gelben Röhrenblüten stehen weisse Zungenblüten.
DROGEN
1. Chamomillae romanae flos – Römische Kamillenblüten
2. Chamomillae romanae aetheroleum – Römisches Kamillenöl
WIRKSTOFFE
Ätherisches Öl:
Die Blüten enthalten bis zu etwa 2,4 % ätherisches Öl. Typisch sind vor allem Ester der Angelica- und Tiglinsäure mit aliphatischen Alkoholen. Dazu kommen unter anderem Monoterpene und Sesquiterpene wie α-Pinen, β-Pinen, Farnesen, Bisabolen und geringe Mengen Chamazulen.
Sesquiterpenlactone:
In den Blüten wurden Germacranolid-Typen wie Nobilin, 3-Epinobilin, 1,10-Epoxynobilin und 3-Dehydronobilin beschrieben.
Polyphenole:
Enthalten sind Flavonoide wie Apigenin-7-glucosid, Luteolin-7-glucosid und weitere phenolische Verbindungen.
Sonstige Verbindungen:
Weiter wurden Polyine, Triterpene und Steroide beschrieben.

PHARMAKOLOGIE
Die Römische Kamille ist pharmakologisch weniger gut untersucht als die Echte Kamille. Für ätherisches Öl, Flavonoide und Sesquiterpenlactone wurden experimentell spasmolytische, entzündungsmodulierende und antimikrobielle Effekte beschrieben. Diese Daten stützen die traditionelle Verwendung bei leichten dyspeptischen und krampfartigen Beschwerden, reichen aber nicht für eine Einstufung als well-established use aus.
EVIDENZ
Die Evidenz stützt sich vor allem auf langjährige traditionelle Anwendung, pharmakologische Plausibilität und die regulatorische Bewertung durch HMPC und ESCOP. Für leichte dyspeptische Beschwerden sowie begleitende Blähungen und Flatulenz ist die traditionelle Anwendung nachvollziehbar. Klinische Daten sind jedoch begrenzt, weshalb die Römische Kamille insgesamt zurückhaltender eingeordnet wird als die Echte Kamille.
- EMA / HMPC: Chamomillae romanae flos – Übersicht zur EU-Monographie und zum HMPC-Status.
- EMA / HMPC: Assessment Report – wissenschaftliche Grundlage der traditionellen Einstufung.
- ESCOP: Chamomillae romanae flos – Monographie mit therapeutischen Angaben zu milden dyspeptischen Beschwerden sowie leichten Entzündungen von Mundschleimhaut und Haut.
- Sándor et al. – experimentelle Untersuchung zu Wirkungen auf glatte Muskulatur.
ANWENDUNG
Traditionell verwendet werden Zubereitungen aus Römischen Kamillenblüten innerlich bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, insbesondere wenn diese mit Blähungen, Flatulenz oder leichter dyspeptischer Symptomatik verbunden sind. Äusserlich werden Aufgüsse und andere geeignete Zubereitungen bei leichten Entzündungen im Mundbereich sowie bei kleineren Hautbeschwerden angewendet.
Historisch und volksmedizinisch wurden die Blüten in Westeuropa ähnlich wie die Echte Kamille verwendet, unter anderem auch bei Menstruationsbeschwerden, Nervosität und allgemeiner Schwäche. Diese weitergehenden Anwendungen sind jedoch klinisch nicht ausreichend abgesichert.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Für einen Tee werden etwa 2 g fein geschnittene Römische Kamillenblüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen gelassen und anschliessend abgeseiht. Üblich ist 3-mal täglich 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten. Für äusserliche Anwendungen werden entsprechende Aufgüsse frisch zubereitet verwendet.
SICHERHEIT
Römische Kamille sollte bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Korbblütler nicht angewendet werden. Wegen dokumentierter allergischer Reaktionen und möglicher Kreuzsensibilisierungen ist entsprechende Vorsicht angezeigt. Die Sensibilisierungspotenz gilt als relevant, wenn auch klinisch selten.
Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. In Ermangelung ausreichender Daten wird eine Anwendung in diesen Situationen nicht empfohlen. Klinisch relevante Wechselwirkungen sind nicht gesichert belegt, grundsätzlich ist bei gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneimittel dennoch Vorsicht sinnvoll.
STATUS
- Kommission E: negative Bewertung
- ESCOP: positive Monographie vorhanden
- HMPC: EU-Monographie vorhanden, traditionelles pflanzliches Arzneimittel – Chamomillae romanae flos
GARTEN
Chamaemelum nobile bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit gut durchlässigem, eher sandigem und magerem Boden. Staunässe wird schlecht vertragen. Die Pflanze ist mehrjährig, niedrig wachsend und eignet sich auch als Duft- oder Beeteinfassung. Bei Bedarf kann sie leicht zurückgeschnitten werden.
SONSTIGES
Chamaemelum nobile ist seit langem als Arznei- und Gewürzpflanze bekannt. Die Bezeichnung nobile weist auf die frühere Auffassung hin, dass diese Kamille als besonders edel oder hochwertig galt. Neben der Arzneipflanzennutzung wird das ätherische Öl auch als Duft- und Aromastoff verwendet.
ÄHNLICHE HEILPFLANZEN
- Echte Kamille (Matricaria recutita) – die bekanntere Kamillenart mit breiterer Evidenz und stärkerer regulatorischer Absicherung.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – ebenfalls traditionell bei leichten dyspeptischen Beschwerden und krampfartigen Verdauungsproblemen verwendet.
- Pfefferminze (Mentha x piperita) – klassische Arzneipflanze bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden und Blähungen.
FAQ
- Wofür wird Römische Kamille verwendet?
Traditionell bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen und Flatulenz sowie äusserlich bei leichten Entzündungen im Mundbereich und bei kleineren Hautbeschwerden. - Ist die Evidenz so gut wie bei der Echten Kamille?
Nein. Die Römische Kamille ist insgesamt weniger gut untersucht als die Echte Kamille. - Worauf muss bei der Anwendung geachtet werden?
Bei bekannter Allergie gegen Korbblütler sollte sie nicht verwendet werden. Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen ausreichende Daten. - Wie wird ein Tee aus Römischer Kamille zubereitet?
Etwa 2 g Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Letzte Änderung: 21.04.2026 / © W. Arnold






