Brechwurzel - Carapichea ipecacuanha

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Die Brechwurzel enthält stark wirksame Isochinolin-Alkaloide, vor allem Emetin und Cephaelin. Historisch wurde sie als Expektorans und Brechmittel verwendet; aus heutiger toxikologischer und klinischer Sicht ist die Droge jedoch problematisch und für die routinemässige Anwendung weitgehend obsolet.

Carapichea ipecacuanha (syn. Cephaelis ipecacuanha, Psychotria ipecacuanha, Uragoga ipecacuanha);
Brechwurzel (syn. Ipecacwurzel, Ruhrwurzel, Speiwurzel).

Brechwurzel (Carapichea ipecacuanha)

VORKOMMEN

Die Brechwurzel ist in den feuchtwarmen Tropen Süd- und Mittelamerikas beheimatet. Als wichtigstes Herkunftsgebiet gilt vor allem Brasilien; weitere Vorkommen beziehungsweise Herkunftsregionen liegen in Kolumbien, Venezuela, Panama, Costa Rica und Nicaragua. Arzneilich verwendet wurden vor allem die getrockneten unterirdischen Pflanzenteile aus Kulturen oder Wildsammlung.

MERKMALE

Die Brechwurzel ist eine ausdauernde, immergrüne, krautige Pflanze aus der Familie der Rötegewächse. Sie bleibt relativ niedrig und bildet am Wurzelstock zahlreiche Speicherwurzeln mit charakteristisch geringelter Rinde. Die gegenständigen Laubblätter stehen vorwiegend im oberen Bereich des kurzen Sprosses. Die kleinen, weissen Blüten sitzen in endständigen Blütenständen. Die Früchte sind zunächst purpurrot und später blauschwarz.

DROGEN

Ipecacuanhae radix (syn. Radix Ipecacuanhae);
Brechwurzel, die getrockneten unterirdischen Pflanzenteile von Carapichea ipecacuanha. Traditionell wurden vor allem die Wurzeln und Wurzelstockanteile verwendet.

WIRKSTOFFE

Alkaloide:
Die Droge enthält etwa 1,8 bis 4,0 % Isochinolin-Alkaloide vom Emetin-Typ. Hauptalkaloide sind Emetin und Cephaelin; ihr Verhältnis kann je nach Herkunft und Material variieren. Daneben kommen Nebenalkaloide wie Psychotrin, O-Methylpsychotrin, Emetamin und Protoemetin vor.

Strukturformeln von Emetin und Cephaelin

Weitere Inhaltsstoffe:
Daneben enthält die Droge vor allem Stärke sowie geringe Mengen weiterer Begleitstoffe. Saponine sind nicht die charakteristischen Leitsubstanzen dieser Droge.

PHARMAKOLOGIE

Die pharmakologischen Wirkungen werden in erster Linie durch Emetin und Cephaelin vermittelt. In niedriger Dosierung kann die Reizung der Magenschleimhaut reflektorisch zu einer Steigerung der Bronchialsekretion führen, was den historischen Einsatz als Expektorans erklärt. In höherer Dosierung werden Übelkeit und Erbrechen ausgelöst.

Aus heutiger Sicht ist vor allem die geringe therapeutische Breite problematisch. Emetin besitzt eine relevante systemische Toxizität; beschrieben sind insbesondere unerwünschte Wirkungen auf Herz, Muskulatur und Gastrointestinaltrakt. Diese toxikologischen Eigenschaften begrenzen die medizinische Verwendbarkeit deutlich.

EVIDENZ

Die Evidenz beruht vor allem auf historischer Anwendung als Expektorans und Brechmittel sowie auf der bekannten Pharmakologie der Alkaloide Emetin und Cephaelin. Für eine moderne, breit akzeptierte phytotherapeutische Standardanwendung ist die klinische Evidenz jedoch schwach beziehungsweise veraltet, während die toxikologischen Risiken gut dokumentiert sind. In der modernen klinischen und toxikologischen Praxis wird Ipecac als Brechmittel nicht mehr routinemässig empfohlen.

ANWENDUNG

Historisch wurde die Brechwurzel in niedriger Dosierung als Expektorans bei produktivem Husten und Bronchialkatarrhen eingesetzt. In höherer Dosierung wurde sie als Brechmittel verwendet. Diese Anwendungen sind heute pharmakologisch nachvollziehbar, aber wegen der geringen therapeutischen Breite und der ungünstigen Nutzen-Risiko-Bewertung nicht mehr als zeitgemässe Standardanwendungen anzusehen.

Die frühere Verwendung bei Vergiftungen gilt heute als veraltet. Moderne toxikologische Empfehlungen raten von einer routinemässigen Anwendung als Emetikum ab.

ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG

Wegen der starken Wirksamkeit und der toxikologischen Risiken ist die Brechwurzel für die Selbstmedikation nicht geeignet. Eine einfache Verwendung als Teedroge ist aufgrund der erforderlichen exakten Dosierung nicht sachgerecht. Historische Dosierungsangaben sind aus heutiger Sicht kein geeigneter Massstab für eine sichere Anwendung.

SICHERHEIT

Die Droge enthält mit Emetin und Cephaelin stark wirksame Alkaloide. Unerwünschte Wirkungen umfassen Übelkeit, Erbrechen, Schleimhautreizung und bei höherer oder wiederholter Exposition auch systemische toxische Effekte. Besonders relevant sind Berichte über Kardiotoxizität und Muskelschädigung durch Emetin.

Für Kinder, Schwangere, Stillende sowie Personen mit Herzkrankheiten oder neuromuskulären Erkrankungen ist die Droge besonders problematisch. Aufgrund des ungünstigen Sicherheitsprofils ist eine heutige phytotherapeutische Anwendung nur sehr eingeschränkt beziehungsweise nicht mehr vertretbar.

STATUS

  • Kommission E: keine Monographie vorhanden
  • ESCOP: keine Monographie vorhanden
  • HMPC: keine Monographie vorhanden

GARTEN

Die Brechwurzel ist eine tropische Waldpflanze und besitzt für mitteleuropäische Gärten kaum praktische Bedeutung. Für eine Kultur wären dauerhaft warme, luftfeuchte und schattig-halbschattige Bedingungen erforderlich. Im üblichen Hausgarten ist die Art deshalb in der Regel nicht sinnvoll zu kultivieren.

SONSTIGES

Die Brechwurzel wurde in Europa seit dem 17. Jahrhundert bekannt und lange Zeit vor allem bei Ruhr, Husten und später auch als Brechmittel verwendet. Der Name Ipecacuanha stammt aus einer indigenen südamerikanischen Sprachtradition. Historisch war die Droge bedeutsam, therapeutisch ist sie heute jedoch weitgehend von besser steuerbaren und sichereren Verfahren verdrängt worden.

ÄHNLICHE HEILPFLANZEN

  • Thymian (Thymus vulgaris) – traditionell und regulatorisch besser abgestützte Arzneipflanze bei Husten und Bronchialbeschwerden.
  • Efeu (Hedera helix) – pflanzliches Expektorans mit modernerer therapeutischer Bedeutung bei produktivem Husten.
  • Eukalyptus (Eucalyptus globulus) – ätherisch-ölhaltige Arzneipflanze mit traditioneller Anwendung bei Atemwegsbeschwerden.

FAQ

  • Hat die Brechwurzel heute eine anerkannte medizinische Anwendung?
    Eine moderne breit anerkannte Standardanwendung besteht nicht.
  • Welche Hauptwirkstoffe enthält die Brechwurzel?
    Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Emetin und Cephaelin.
  • Warum ist die Brechwurzel problematisch?
    Wegen der stark wirksamen Alkaloide und der geringen therapeutischen Breite kann es zu erheblichen unerwünschten Wirkungen kommen.
  • Ist die Brechwurzel als Teedroge geeignet?
    Nein. Für die Selbstmedikation ist sie nicht geeignet.

Letzte Änderung: 21.04.2026 / © W. Arnold