Kornrade – Agrostemma githago
Vorkommen | Merkmale | Drogen | Wirkstoffe | Pharmakologie | Evidenz | Anwendung | Zubereitung | Status | Garten | Sonstiges | Ähnliche Heilpflanzen | FAQ
Giftpflanze! Die Kornrade ist keine anerkannte Heilpflanze. Besonders die Samen sind toxisch. Eine medizinische Anwendung in der heutigen Phytotherapie besteht nicht.
Agrostemma githago L. (syn. Githago segetum, Lychnis githago);
Kornrade (syn. Kornnelke, Rade).
VORKOMMEN
Die Kornrade war früher eine typische Begleitpflanze von Getreideäckern, Brachen und Ruderalstellen. Heute ist sie selten geworden. Sie bevorzugt sonnige, eher trockene und mässig nährstoffreiche Standorte. In der Schweiz gilt Agrostemma githago als seltene Ackerbegleitpflanze und ist regional stark zurückgegangen.
Als alte Kulturfolgerin wurde die Kornrade früher mit dem Getreide verschleppt. Heute begegnet man ihr gelegentlich wieder in Erhaltungsprojekten, in botanischen Sammlungen oder im naturnahen Garten, wo sie wegen ihrer auffälligen purpurroten Blüten geschätzt wird.
MERKMALE
Die Kornrade trägt rote bis purpurfarbene, seltener weisse Blüten mit fünf Kronblättern. Charakteristisch ist der lange, schmale Kelch, dessen Zipfel die Krone deutlich überragen. Der Stängel ist filzig behaart, die Blätter sind linealisch bis schmal lanzettlich und stehen gegenständig. Die Pflanze wird etwa 30 bis 100 cm hoch und blüht von Juni bis Juli.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Agrostemmae semen; Kornradesamen.
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Die Samen enthalten vor allem triterpene Saponine (u. a. Githagosid, Agrostemmasaponine), ferner das ribosomeninaktivierende Protein Agrostin sowie fettes Öl. Für die Toxizität der Kornrade werden vor allem die saponinreichen Samen und das Zusammenwirken dieser Inhaltsstoffe verantwortlich gemacht.
Historisch wurde besonders auf den hohen Gehalt toxischer Inhaltsstoffe in den Samen hingewiesen, weil verunreinigtes Getreide früher zu Vergiftungen beitragen konnte.

PHARMAKOLOGIE
Die Toxizität der Kornrade wird heute vor allem den Saponinen und dem ribosomeninaktivierenden Protein Agrostin zugeschrieben. Der genaue Mechanismus ist nicht in allen Einzelheiten geklärt, doch sprechen experimentelle Untersuchungen für eine verstärkte zellschädigende Wirkung beim Zusammenwirken dieser Stoffgruppen.
EVIDENZ
Für Agrostemma githago gibt es keine anerkannte moderne phytotherapeutische Anwendung. Historische volksmedizinische Angaben betreffen unter anderem Hautunreinheiten, Husten, Würmer oder Magenbeschwerden; eine klinisch belastbare Wirksamkeit ist dafür jedoch nicht belegt.
Die neuere Literatur behandelt die Kornrade primär unter phytochemischen und toxikologischen Aspekten. Im Vordergrund stehen die saponinreichen Samen und das ribosomeninaktivierende Protein Agrostin. Experimentelle Arbeiten zeigen zytotoxische Effekte, daraus lässt sich jedoch keine medizinische Anwendung ableiten.
Quellen: PubMed: Review zu Phytochemie und biologischen Aktivitäten, PMC: Volltext der Review, PubMed: Cytotoxic Activity of the Seeds from Agrostemma githago
ANWENDUNG
Die Kornrade wurde früher in der Volksheilkunde gelegentlich verwendet. Wegen der Toxizität und der fehlenden klinischen Evidenz hat sie heute keine Bedeutung in der rationalen Phytotherapie.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Eine Zubereitung zur medizinischen Selbstanwendung ist nicht angezeigt. Wegen der Giftigkeit, insbesondere der Samen, ist von jeder innerlichen Anwendung abzuraten.
STATUS
Giftpflanze!
- Kommission E: keine Bearbeitung ersichtlich
- ESCOP: keine Bearbeitung ersichtlich; allgemeine Referenz ESCOP
- HMPC: keine Bearbeitung ersichtlich; allgemeine Referenz HMPC / EMA
KORNRADE IM GARTEN
Die schöne Pflanze bevorzugt vollsonnige Standorte sowie gut entwässerte, sandige und eher magere Böden. Auf kalkhaltigem Boden und bei relativ trockener Witterung kann sich die Kornrade im Garten gut behaupten. Aus Samen ist sie leicht zu ziehen und eignet sich für Bauerngärten oder naturnahe Wildgärten, in denen sie sich oft selbst aussät.
Bei sehr trockener Witterung benötigt die Kornrade ausreichend Wasser. Bei mir im Garten wächst sie zwischen Schafgarbe, Taubnessel, Odermennig und Wiesenknopf.
SONSTIGES
Agrostemma githago hat in früheren Zeiten das Brotgetreide verunreinigt und dadurch zu Vergiftungen beigetragen. In historischen Berichten wird dabei auch auf andere toxische Ackerbegleiter wie Claviceps purpurea hingewiesen. Die Kornrade ist deshalb nicht nur botanisch, sondern auch kultur- und toxikologiegeschichtlich bemerkenswert.

Ähnliche Heilpflanzen
- Mutterkorn (Claviceps purpurea) – toxikologisch und kulturgeschichtlich bedeutsamer Getreidebegleiter mit historischer Relevanz für Vergiftungen.
- Kornblume (Centaurea cyanus) – klassische Ackerbegleitpflanze früherer Getreidefelder, heute vor allem als Zier- und Wildpflanze bekannt.
- Rizinus (Ricinus communis) – Giftpflanze mit stark toxischen Samen und grosser Bedeutung in der Pflanzentoxikologie.
FAQ
- Ist die Kornrade eine Heilpflanze?
Nein. Die Kornrade ist heute keine anerkannte Heilpflanze mehr. - Welcher Pflanzenteil ist besonders giftig?
Besonders die Samen gelten als toxisch. - Wurde die Kornrade früher medizinisch verwendet?
Ja, historisch in der Volksmedizin, aber ohne gesicherte klinische Evidenz. - Warum ist die Kornrade kulturhistorisch bekannt?
Weil ihre Samen früher Brotgetreide verunreinigen konnten und dadurch Vergiftungen mitverursachten.
Letzte Änderung: 30.03.2026 / © W. Arnold






